Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1908)
- Issue
- 43 (23.10.1908)
- Date
- 1908-10-23
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Sette 766 Dr. Hoch's WochrnschM. Sir. 43 zuerkannt wurden. Aber wenn man der einen Gottheit Verehrung zuwendete, so unterließ man es nicht, auch die übrigen Gottheiten zu verehren, weil, so wähnte man, auch sie mächtig sind und weil alle zusammen erst die Allmacht, die Allwissenheit und die Größe repräsentieren. Daher kam es, daß das semitische Heidentum einen jeden Kultus bei einem jeden Volke respektierte. Durch diesen semitischen Polytheismus leuchtet aber der ursprüngliche Monotheismus mit heller Deutlichkeit durch. Ein semitischer Fürst oder König erhält im alten Orient, nach seiner eigenen Ueberzeugung und nach der allgemeinen Meinung, seine Herrschaft nicht allein von seinem Volks- und Stammesgotte, sondern auch von den übrigen Göttern, weil erst alle zusammen dieses zu tun imstande sind, was einem allein trotz seiner großen Macht unmöglich ist, wenn die anderen es verwehren sollten. So will Asur-ris isi (1150 v. Ch.), ein Herrscher Assyriens, seine Herrschaft von Aru, Bel und Ea erhalten haben. Auf seiner Inschrift heißt es: „Asur-ris isi, Statthalter Bels, Hohepriester Arus, dessen Bel, Aru und Ea die großen Götter begehrten und dessen Herrschaft sie zur Lenkung Assyriens verkündeten/ (Asur-ris i8i 83, akni Bilu saügu asm* sa Anu Bilu u Ja illi rabuti zu biil su ki ib sa ha su ma ana sutisur Assur bilat su) (Keil. Bibl. S. 13.) Tiglat-Pileser I. (1100 v. Ch.) schreibt auf der Prisma-Inschrift: „Asur der große Herr, Bel der König aller Anuki, Sin der Weise, Samas, welcher richtet Himmel und Erde, Raman der Held, welcher überflutet die Gebiete der Feinde, Länderund Häuser, Adar der Tapfere, Jstar die Höhere unter den Göttern, die Herrin des Kampfes, welche die Schlachten ordnet. Ihr großen Götter, welche Himmel und Erde lenket, deren Sturm Wucht und Vernichtung ist, welche groß machten die Herrschaft Tiglat-Pilesers." (Ilaai rabuti muut-tab-bi lu-ut sami iristi sa tibusu un tukumtu u saasmn musarbun saru ut Tukul-ti apal-sar-ra) (das. S. 15.) Und Asurbanipal (668—626 v. Ch.) schreibt auf seiner Inschrift: „Seit Asur, Sin, Samas, Baman, Bel Nebo Istar von Niniveh, die Königin von Kidmuri, Istar von Arbela. NJN-JB, Nergal und Nusku mich in Güte hiugesetzt auf den Thron des Vaters." (Ul-tu Asur Sin Samas Bammau, Bil Nabu Istar sa Nina sarat Kidmuri Istar sa Arba-ilu NJN-JB Nirgal Nusku ta-bis u-si si bu-in-ni ina Kussi abi) (das. II. Band, S. 157). Daher sind dem Herrscher eines Volkes oder mehrerer Völker die Völker, die seinem Szepter nicht unterworfen sind, nicht fremd, weil sein Gott oder seine Götter diesen ebenfalls nicht feindlich gegenüberstehen. Denn wie alle Götter einem Kreise angehöreu, so stehen auch die Menschen zu einander in einem verwandtschaftlichen Verhältnis, welches nur bei eiutretender mutwilliger Feindseligkeit aufhört. Dieses Verhältnis wird auch auf Angehörige anderer Stämme und Völkerschaften ausgedehnt. Wenn Stammesangehörige oder Fremde, einzeln oder auch in Gruppen, in einem fremden Gebiete zeitweilig Aufenthalt nehmen wollen, so wird ihnen solches, wenn die öffentliche Wohlfahrt darunter keinen Schaden erfährt, bereitwillig gewährt. Aus diesem Verhältnis heraus sind auch die Berichte der Bibel erklärlich, wonach Abraham Gastfreundschaft in Egypten sucht und sie auch erhält, daß er und Lot mit großen Heerden und ansehnlichen Mannschaften in einem fremden Lande nomadisieren können, daß er bei den Chetitern sogar ein Erbbegräbnis erwirbt, daß Isaak im Gebiete der Philistäer ein großes Anwesen begründet und auch Agrikultur betreibt, daß Jakob, obwohl seine Frauen Aramäerinnen waren und seine Kinder im Auslande geboren wurden, sich dauernd in Kanaan niederläßt. (Genesis 12, 10. 13, 1. 23, 1—20. 39, 1.) Waren aber solche Vorstellungen in den heidnisch-semitischen Kreisen vorherrschend, um wie vielmehr war dieses in den semitischmonotheistischen Schichten der Fall. Man glaube nicht, daß die Nachkommen Abrahams die einzige semitische Gruppe waren, in welcher die ursprüngliche semitische Religionsvorstellung, der Monotheismus, eine Stätte gefunden hat. Es gab außer den Abrahamiden und Israeliten in alter Zeit noch andere Schichten, in welchen die Anbetung eines einzigen Gottes prävalierend war. In der Bibel selbst werden mehrere monotheistische Kreise erwähnt. Malki Zedek, König von Salem, war ein Eingottverehrer. Er war ein Priester desselben und segnete Abraham „im Namen dieses höchsten Gottes, der Himmel und Erde begründet hat". pKi v'vv rup pHp bab ans« -p-ö (das. 14, 18, 19.) Bileam, ein Seher in Aram, war ein Verehrer des einen Gottes. Er wurde der Erscheinung und Rede desselben sogar gewürdigt. nin' 'Nv ninv NVU jttsw (Numeri 24, 4.) Hiob, ein Mann im Lande Azin Edom, „war fromm, rechtschllffen und gottesfürchtig" (Hiob 1—1), in seinen Reden und in denen seiner Freunde kommt die monotheistische Religionsanschauung zum reinsten Ausdrucke. (Fortsetzung folgt.) Korrespondenzen. Die neuesten Beschützer der Religion des galizischen Judentums in Wien. Der sehr heiklen Frage der kleinen Minjamin, die sich zu einer Spezialität seines* gewissen Teiles der Wiener Judenschaft herausgebildet haben und kaum ihresgleichen in einer anderen Gemeinde der Welt finden, haben sich Elemente bemächtigt, die, wie es den Anschein hat, durch unterirdische Drähte mit den antisemitischen Parteimännern verbunden sind und es als lohnend ansehen, den Landtagskandidaten der antisemitischen Partei Borspanndienste zu leisten, unter dem Vorwände einer Opposition gegen den Vorstand der israelitischen-Kultusgemeinde jüdische Wähler den antisemitischen Kandidaten zuzuführen. Manche Vorgänge, die sich zum Teil öffentlich, zum Teil auch geheim abspielen, müssen darum in Helle Beleuchtung gerückt werden. Die Angelegenheit des Brigittenauer Bethausvereines „Linath Hazadek", eines Konkurrenzunternehmens zu den Vereinen „Schomre Hadath" und „Bne Berith", welchem infolge der Gutachten der Bezirkskommiffion und des Tempelvereines für den 20. Bezirk die Genehmigung des Vorstandes nicht erteilt wurde, hatte man hiefür als wirksames Agitationsmittel erkannt. Das Betlokal wurde polizeilich gesperrt und die Protektoren dieses „orthodoxen" Bethausunternehmens haben „am heiligsten Festtage", am Roschhaschono, einen Wagen bestiegen und sind nicht etwa zum Präsidenten der Äultusgemeinde oder zum ersten Sekretär gefahren, um die polizeiliche Maßregel rückgängig zu machen; sie fuhren vielmehr zum antisemitischen Bezirksvorsteher, welcher jetzt gerade Kandidat der antisemitischen Partei für den Landtag ist, um ihm Gelegenheit zu bieten, diese Schichte naiver jüdischer Wähler sich zum Danke zu verpflichten. In der Tat hat man bei diesem sogenannten „orthodoxen" Gottesdienste dem antisemitischen Kandidaten den Dank in Form eines feierlichen „Mi s ch e b e r a ch" ausgesprochen. Für diese betrübende Tatsache sind aber die gehetzten armen Juden dieses Bethausvereines nicht verantwortlich zu machen. Wenigstens nicht allein! Diese können die Tragweite der Geschehnisse kaum ermessen. Verantwortlich sind die Elemente, welche die Leitung der Hetze übernommen und die wohl w i s s e n, w o h i n ihr W e g führt. Welchen Eindruck muß es auf religiöse Juden, die dabei geistig und sozial leider auf einem sehr tiefen Niveau sich befinden, machen, wenn sie sehen, daß ihre Führer einem notorischen Judenfeind iw Bethause vor der offenen Bundes-