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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-10-23 · 43 (23.10.1908) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
43 (23.10.1908)
Date
1908-10-23
Page
– (sequence 7)
Language
German
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SU. 43 m* Mwcv s MLyevLKscvrrtr« Seite 755 weniger gewitzigten orientalischen Brüdern, den Türken, die berechtigte Freude und Genugtuung, im Jahre des Heils 1908 den superklugen europäischen Gelehrten und den uneigennützig geschäftigen europäischen Diplomaten ein Schnippchen geschlagen und einen Denkzettel gegeben zu haben, welche sie nicht so leicht vergessen werden und wovon die Nachwelt poch lange reden wird. Phil. Kieferndorf, Jerusalem. Der alte Orient uni» die Anfänge des Metten jüdische« Staate». Von Dr. S. Gelbhaus, Gemeinde-Rabbiner. Die Errichtung des zweites jüdischen Staatswesens ist eine der rätselhaftesten Erscheinungen der Weltgeschichte. In dem Chaos der damaligen Zeit sind die bewegenden Ursachen seiner Entstehung nur mühsam wahrzunehmen, Karg und dürftig fließen die biblischen Quellen, beinahe völlig versiegt ist die mündliche Ueberlieferung und fast aussichtslos ist der Ausblick auf außerjüdische Berichte. Nur einige Tatsachen, deren Motive nicht angegeben werden, werden mitgeteilt, nur wenige Personen, welche in jener Zeit in Betracht kommen, werden genannt. Aber wie ein Meteor am Himmel der Zeitgeschichte erstrahlt ein Name weithin, erleuchtet und erhellt eine kurze Weile den Horizont. Plötzlich aber erblaßt sein Schimmer, verdunkeln sich seine Konturen und er versinkt spurlos in Nacht und Graus. Diese leuchtende Erscheinung hieß: S e r u b ab e l S o h n Scheatiels. Prophetenmund und Prophetenwort rühmen, preisen, verherrlichen ihn und bezeichnen, ihn als diejenige Persönlichkeit, welche im Mittelpunkte der damaligen Ereignisse steht. „An jenem Tage, spricht der Herr der Heerschaaren, nehme ich Dich Serubabel Sohn Schealtiels meinen Diener, spricht Gott, und mache Dich gleich einem Siegelring, denn dich habe ich auserwählt, spricht der Herr der Heerschaaren." dm ■'“Dy banba» p basm -jripK muaat n qks sinn dtq (Chagai 2, 23.) .msaar *n d*» -mna “p '2 omna “pna^ 'n Serubabel ist es, der die erste Einwanderung der exilierten Judäer nach Palästina leitete, der den Auftrag erhält, den Tempel in Jerusalem wieder aufzubauen, der das erste weltliche, fürstliche Oberhaupt des neuen Staatswesens wird. „Diese sind die Kinder des Landes, welche aus der Gefangenschaft, in die sie Nebukadnezar, König von Babel, geführt hat, hinaufgegangen nach Jerusalem und Jehuda, ein jeder in seine Stadt zurückgekehrt sind mit Serubabel '»am dp M2 *i»Kn heißt es in Esra 2 1—2. Nehemias 7. 7. „Die Hände Serubabels gründeten dieses Haus und seine Hände werden es vollenden." n3PL2n tti nm n-an HD1» Saarn ruft der Prophet Secharia. (C. 5. 9.) „Sprich nun zu Serubabel Sohn Schealtiels dem Fürsten Jehudas." mvr nna StrnSnV j2 baa-ir Sk w -10« lautet der göttliche Ruf an Chagai. (C. 2, 2.) Denn der Welteroberer Kyros, König von Persien, hat den Entschluß gefaßt, den exilierten Judäern die Erlaubnis zu erteilen, den Tempel in Jerusalem aufzubauen, in ihr Heimatsland zurückzukehren. (II. Chronik 36, 22. Esra 1, 1—5—7), ein eigenes Staatswesen wieder zu errichten. Dieses Ereignis kann in der altorientalischen, sozialen, politischen und religiösen Weltanschauung einigermaßen seine Erklärung finden. Wenn von dem alten Orient die Rede ist, so ist darunter die ganze Ausdehnung Vorderasiens zu verstehen, der ungeheuere Länderkomplex, der sich von Arabien bis Armenien erstreckt. Diese Ländermassen waren seit uralten Zeiten durchwegs von eiugewanderten semitischen Stämmen und Völkern bewohnt.*) Die Abstammung der Ureinwohner des vorderen Orients ist unbekannt. Die Sumerier, welche in dem Gebiete des Zweistromeslandes ansässig waren, waren mutmaßlich tartarischen Ursprunges. Ueber die Ehati, die ehemaligen Bewohner Syriens, ist jede Vermutung ausgeschlossen, da bis jetzt die wenigen, gefundenen Inschriften nicht entziffert werden konnten. Aus der arabischen Halbinsel beginnt in vordenklicher Zeit eine Völkerwanderung, die vom Süden nach dem Norden und dem Nordosten geht. Aus den Steppen und Einöden dieses Gebietes brechen die Stämme auf, um sich in die fruchtbaren Gegenden zu ergießen. Mit urwüchsiger, ungeschwächter Kraft der Nomaden brechen sie in das Ellturland ein, die Urbewohner bewältigend und niederwerfend und überall neue Staatswesen gründend. Das Abfluten der überschüssigen arabischen Bevölkerung vollzieht sich während der Dauer von mehreren Jahrhunderten. Die nachrückenden Stämme stoßen auf die ihnen vorangegangenen und drängen dieselben, weiter zu ziehen und neue Distrikte zu erobern. Alle diese Völkerschaften haben eine Sprache, die sich nur dialektisch differenziert, haben gemeinsame Sitten, gemeinsame religiöse Vorstellungen, gemeinsame politische Anschauungen. Die Sprache ist die semitische, die uns in der Bibel als hebräische, in den Keilinschriften als babylonischassyrische, in der syrischen Literatur als aramäische und in den Mualakat und anderen Gedichten als arabische entgegentritt. (Vergl. Eb. Schwader „Keilinschriften und das alte Testament", neu bearbeitet von Zimmern und Winkler**) S. 11.) Ein leiser Nachklang der semitischen Völkerwanderung, die sich vom Süden bis zum Norden erstreckt und in Babylon Halt machte, findet sich in dem Berichte des 1. Buches Mosis K. 11, 1. „Das ganze Land hatte eine Sprache und eine Ausdrucksweise und es geschah, als sie vorwärts zogen, da fanden sie ein Tal im Lande Schinear, und sie ließen sich da nieder." NLD'I D-,pa DPD32 \ti D'NNN D-12N1 rinn na» pan Sa vri .nn 12EH p«2 nppa Auch das Auseinandergehen der semitischen Stämme und die Differenzierung in viele Dialekte ist in dem Berichte vom Turmbau zu Babel angedeutet, wo es heißt: „daß der Eine nicht die Sprache des Anderen verstehen konnte, und daß von hier sie Gott über das ganze Land zerstreute." .pnn Sa 23 Sp h oaran düdi »mn na» v-n lpa®1» *6 -nvn (Das. V. 8, 9.) Die gemeinsamen religiösen Vorstellungen waren in der arabischen Urheimat durchaus monotheistische, wiewohl sie sich hinsichtlich der Auffassung bei den verschiedenen Horden mannigfach gestaltet haben mögen. Bei den fortgeschrittenen mögen sie streng geistige, bei den minderentwickelteu konkrete gewesen sein. Ein Gott war es, der ursprünglich in den arabischen Steppen verehrt wurde. Unbekannt ist es, wie dieser Gott genannt wurde. Höchstwahrscheinlich ist es, daß er gar keinen Namen hatte. So wird noch in der hellenistischen Zeit auf Altären in Palmyra ein Gott ohne Namen verehrt: „Der dessen Namen gepriesen sei in Ewigkeit, der Gnädige und Barmherzige". Die Eigenschaften der Allmacht, der Allwissenheit, der Größe, der Herrlichkeit und alle anderen göttlichen Attribute wurden nur diesem Einen zugeschrieben. Bei manchen semitischen Schichten und Völkergruppen haben sich die ursprünglichen Religionsvorstellungen treu und rein erhalten. Bei manchen teilte sich die Eine Gottheit in mehrere Gottheiten, indem einer jeden derselben einzelne Eigenschaften beigelegt wurden, welche ursprünglich zusammen der Einen *) Die ältesten bekannten Inschriften sind die Jnchrift von Vudi illu, König von Assyrien, um 1350 und die Steinplatteninschrift Ramman-nirarts I. um 1325. (Keilschriftliche Bibliothek, Band I., S. 3 und 6.) **) Winkler weist noch auf andere Unterabteilungen der semitischen Ursprache hin. (das>

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