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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-10-23 · 43 (23.10.1908) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
43 (23.10.1908)
Date
1908-10-23
Page
– (sequence 6)
Language
German
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i Seite 754 Dr. Llocb's MocdenscbrLN. Nr 43 dringen in die Seele jeder einzelnen Persönlichkeit den Schriftsteller geradezu zwingt, vollkommen gerecht zu bleiben. In „Israel" ist der Konflikt, den ich vorführe, ein schrecklicher, und unauslöschlicher Haß, sowie unzerstörbare Vorurteile treiben ihn bis zum Morde. Es ist möglich, daß die Heftigkeit dieses erbarmungslosen Zweikampfes bei dem Einen und dem Anderen den Zorn heraufbeschwört, aber ich möchte sehen, welche Partei sich meines Stückes als Waffe bedienen könnte. Die Tragödie, welche das Ensemble der Mme. Nßjane dem Publikum vorführen wird, und zwar in glanzvoller Ausstattung, ist von Anfang bis zu Ende aufs peinlichste unparteiisch, ohne daß ich zu diesem Zwecke eine andere Anstrengung gemacht hätte, als die, das Stuck zu schreiben. Zur Frage der Uurchtheit des Samaritauische« Josuaduchrs. Ueber die in der wissenschaftlichen Welt so viel Aufsehen erregende und jetzt so viel erörterte Frage nach der Echtheit oder Uuechtheit des vom Oberrabbiner Dr. Gaster - in London „entdeckten" und in der „Zeitschrift der deutschen Morgenländischen Gesellschaft" veröffentlichten Samaritanischen hebräischen Josuabuches erschien auch in Nr. 23 der „Deutschen Kirche im Orient, evangelisches Gemeindeblatt der deutschen Orientkonferenz" ein Artikel aus der Feder des deutsch-protestantischen Pastors Kahle in Kairo, welcher die allgemeine Oeffentlichkeit besonders mit seinem Schlußteile interessieren muß und als eine wichtige und ausschlaggebende Ergänzung zu der von Dr. A. S. Jahuda in Berlin unternommenen Bestreitung der Echtheit der Gasterschen „Entdeckung" anzusehen ist, welche in Nr. 35 der „Welt" im Auszug veröffentlicht wurde. Nachdem Pastor Kahle, welcher demnächst Kairo verlassen wird, um sich an der Universität Halle a. d. S. für orientalische Sprachen und Literatur zu habilitieren, im Eingang und in der allgemeinen Ausführung seines Artikels das samaritauische Schrifttum im allgemeinen hat Revue passieren lassen und namentlich die Bedeutung ins Licht gesetzt, welche der Gasterscheü „Entdeckung" für die Bibel- und Altertumsforschung zukäme, wenn ste sich als wirklich echt erweisen ließe, schließt er seine Ausführungen mit den Worten: „Bevor aber diese Veröffentlichung erschien (nämlich der Text der samaritanischen Handschrift in der deutsch-morgeuländischen Zeitschrift), hatte Gaster dafür gesorgt, daß alle größeren deutschen und englischen Zeitungen über diese Entdeckung ihre' Leser genügend orientieren konnten. Als ich im Juli mich einige Tage lang im Nablus aufhielt, wurde mir eine Nummer der „Times" gezeigt, in der Gaster ausführlich über die Bedeutung seiner Entdeckung spricht. Ich sprach gleich bei der nächsten Gelegenheit mit dem Hohepriester der Samaritaner und stellte nun fest, daß Gaster doch nicht mit genügender Vorsicht zu Werke gegangen war. Der Hohepriester erklärte mir, daß er das Buch an Gaster gar nicht als alt verkauft habe. Gaster schreibe jetzt immer, er wolle eine altere Handschrift des Buches haben, die könne es doch gar nicht geben. Denn er selber habe dieses Buch unter Benützung des arabischen Buches Josua der Samaritaner, des Buches Josua in dem Alten Testament und einig en anderen Büchern zusammen gestellt (!). Als ich darauf nach Jerusalem kam, berichtete mir Herr D. Jellin, daß er dieses Buch Josua schon vor Jahren selber in Jerusalem gedruckt habe, er habe damals auch schon.nachgewiesen, daß das Buch gar nicht alt sei. So ist Gaster also auch nicht einmal der Entdecker des Buches gewesen. Das hebräische Buch Josua der Samaritaner ist damit wohl abgetan. Ob es jemals ein solches gegeben hat, ist ja schwer zu sagen. Aber das ist sicher, daß die heutigen Samaritaner von einem solchen keine Spur mehr haben. Den Samaritanern wirdman ja in diesem Fall kaum einen Vorwurf machen können. Ihnen hat es sicher ganz fern gelegen, Herrn Gaster zu betrügen. Aber Gaster hätte doch wohl die Vorsicht anwenden sollen, daß er sich zuerst nach. der Originalhandschrift des Buches umsah, ehe er ein Buch, dessen Alter er auf über 2000 Jahre schätzte, nach drei Handschriften veröffentlichte, deren ältest e in dem Jahre 1905 geschrieben war. (!) Diese vorstehenden Worte des Herrn Pastor Kahle kann der Unterzeichnete und Schreiber dieser Zeilen als voll und ganz der Wahrheit entsprechend bestätigen und wurden ihm dieselben, soweit sie sich auf das Verhältnis des Herrn Gaster zu den Samaritanern und den mit ihnen abgeschlossenen Handschriften-Verkauf beziehen, bei einer kürzlich stattgehabten eigenen Unterredung mit den Samaritanern fast wörtlich wiederholt. Dieser Tage hatte er nämlich Gelegenheit, sich hier in Jerusalem mit dem Sohne des samaritanischen Hohepriesters und einigen änderen Mitgliedern der samaritanischen Gemeinde, welche von Nablus nach Jerusalem gekommen waren und ihm von einem früheren Besuche in Samaria schon persönlich bekannt waren, einige Zeit zu unterhalten, wobei natürlich die Gastersche Entdeckung des samaritanischen hebräischen Josuabuches und dessen Echtheit der Hauptgegenstand des Gespräches bildeten. Wie Herr Pastor Kahle, so verwahrten sich die Samaritaner auch dem Unterzeichneten gegenüber auf das , bestimmteste und entschiedenste, daß man . sie des Betruges und der Hintergehung des Herrn Gaster bezichtige. Sie betonten wiederholt, daß sie Herrn Gaster nur die erworbenen arabischen Handschriften als alt bezeichnet und verkauft haben, was aber bei den hebräischen in keiner Weise der Fall war. Wenn darum Herr Gaster in bezug auf die hebräischen Manuskripte' nicht so lauter douu üä68 gewesen wäre und der Vorsicht halber Erkundigungen über ihr Alter und ihre Entstehung eingezogen hätte, so würde er der Wahrheit gemäß darauf hingewiesen worden sein, daß die Tinte noch kaum trocken war, als er die Manuskripte in Empfang nahm und daß er darum ihr Alter um 1997 Jahre später anzusetzen hatte, als er es in den Blättern und in der „Zeitschrift der Deutsch-Morgenländischen Gesellschaft" getan hat. Mit dieser authentischen Erklärung und dem rückhaltlosen offenen Selbstbekenntnis der Samaritaner, die sich bei dem ganzen Handel und dem großen Aufzug der schwer geharnischten europäischen Gelehrsamkeit natürlich und berechtigter Weise im Gefühle ihrer literarischen, archivalischen und kalligraphischen Geschicklichkeit im stillen doch recht vergnügt in die Fäuste lachen, darf man in der Tat, wie Pastor Kahle in dem oben zitierten Artikel sich ausdrückt, das hebräische Buch Josua der Samaritaner für'„abgetan" halten. Es bedarf also jetzt nicht mehr tagelanger peinlicher Durchforschung der verschiedensten Archive, mühsamer Entzifferung von Bündeln arabischer und hebräischer Manuskripte, minutiöser linguistischer und historischer Vergleichungen und Untersuchungen, um aller Welt es darzutun und klipp und klar zu beweisen, daß sich Herr Gaster in Palästina am Ebat und Garizim einen recht großen samaritanischen Bären hat anbinden lassen, den er dann in London und Berlin in verschiedenen bedeutenden Redaktionsstuben mit Glück an den Mann bringen konnte, weil besonders in der „sauren Gurkenzeit" und in den „Hundstagen" den Herren Redakteuren „Bären" und „Enten" willkommen sind, um in Ermanglung der gewöhnlichen Provisionszufuhr ihren Lesern eine spezielle abwechslungsreiche und pikante literarische und journalistische Speise vorsetzen zu können. Ernsthaften Forschern, Gelehrten und Publizisten von dem Schlage des Herrn Dr. L. A. Jahuda, der so viel Mühe und Geschicklichkeit aufgewendet, um den ganz, jungen und auch von ihm noch als zu alt taxierten samaritanischen „Bären" des Herrn Dr. Gaster tot zu schlagen und aus der Welt zu schaffen, kann man daher jetzt Glück wünschen, daß sie ihren Eifer, ihren Scharfsinn und ihre Gelehrsamkeit würdigeren, ernsteren *und lohnenderen Gegenständen zuwenden können. Immerhin haben aber die samaritanischen literarischen Schlaumeier, Sprach- .und Federkünstler mit ihren nicht

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