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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-10-16 · 42 (16.10.1908) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
42 (16.10.1908)
Date
1908-10-16
Page
– (sequence 7)
Language
German
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vir 42 DL. Bloches Wochenschrtfl. Seite 739 „in contumacium“ exkommuniziert und im Jahre 1645 fand die Verbrennung des blutjungen Gabriel de Grenada statt. Auch in den folgenden Jahren haben noch Autodafes in Mexiko stattgefunden, und zwar wurüen im Jahre 1647 71 Personen, zumeist sogenannte Judaisierende, verbrannt und am 13. März 1647 48 Personen, unter ihnen auch Anna Tuarez, dem Flammentode überantwortet. Auch aus dem Jahre 1649 liegen Daten von Verbrennungen von Judenchristen vor, aber auch darüber, daß einige von den Angeklagten begnadigt und in die Kirche wieder ausgenommen wurden. 1659 starben Diego Diaz und Francisco Botella als treue Juden den Märtyrertod. Alles in allem wurden in Amerika insgesamt 129 Autodafes veranstaltet. Haben Sie schon einmal Gelegenheit gehabt, den Antiquarien- und Kuriositätenladen des Mr. Blake in Mexiko aufzusucheu? Er befindet sich an der Endstation der Straßenbahn am Anfänge der Gante-Straße in dem ehemaligen Franziskanerkloster. Hier frug ich bei der „Frutery", einer Art Hausbesorgerin, nach dem „Americano". Der „Weise von Mexiko" saß in seinem Laden hinter einem Berg von Büchern. Ein junger Mensch mit lachenden Augen stand auf einer Leiter und sortierte die wertvollen Bücher. Der Alte hieß mich willkommen und führte mich in einen anstoßenden, größeren, ebenfalls mit alten Büchern und Manuskripten angefüllten Raum. Als ich mit lebhaftem Interesse um mich blickte, lenkte der Alte meine Aufmerksamkeit auf eine Sammlung von Origiualmannskripten über die Verhandlungen der Inquisition in dieser Stadt. Es gibt deren 32 mit je 300 Seiten. Die Handschrift ist sehr schön und sauber gehalten, da sie jedoch in einem Idiom verfaßt ist, das vor ungefähr drei Jahrhunderten gesprochen wurde, so konnte ich nur mit Mühe einige Worte entziffern. Die Materie hatte mich jedoch so sehr angeregt, daß ich mich entschloß, mich in das Studium des Vorgefundenen Materials zu vertiefen. In Spanien erhob die Inquisition im Jahre 1841, wahrscheinlich mehr als eine Politische denn als kirchliche Institution, ihr grausiges Haupt. In unsere Gestade hat das Schicksal die verfluchte Institution im 16. Jahrhundert gebracht. Am 2. November 1571 zog — so erzählten die Geschichtsschreiber — eine seltsame Prozession durch die Straßen Mexckos. Wortlos folgte eine unübersehbare Menschenmenge. Vielleicht hatte sie eine Vorahnung von dem bevorstehenden Unglück, dem sie hilflos gegenüberstand. Auf einem Hauptplatze der Stadt machte die Prozession halt und das Haupt der Prozession vkrlas einen Erlaß, in welchem alle Bewohner aufgefordert werden, am kommenden Sonntag in der Kathedrale zur Anhörung der Predigt und Ablegung des Glaubenseidens zu erscheinen. Der Tag kam; der Geschichtsschreiber vergaß zu erwähnen, ob die Erde erzitterte oder nicht, aber.wir müssen annehmen, daß die Natur durch irgend ein Phänomen ihrer Mißbilligung Ausdruck gegeben. Das Volk strömte dem Gotteshause zu. Es zitterte nicht mehr davor, hineinzugehen, sondern hatte Angst, fernzubleiben. Es erblickte die Inquisitoren auf einer erhöhten abgesonderten Plattform in einer Amtskleidung sitzend, die wahrscheinlich Recht und Gesetz symbolisieren sollte. Endlich wurde das Edikt verlesen. Es enthielt einen Eid, mit Heretikern nichts gemein haben zu wollen. Am Schluffe mußte jeder der Anwesenden laut ausrufen: „8i, Io, juro!“ „Jawohl, ich beschwöre es!" Am 4. November 1571 wurde das „ehrwürdige" Tribunal der Inquisition mit vielem Pomp in dem Hause etabliert, welches sie auch während der langen Periode ihrer traurigen Existenz in unserer Stadt ununterbrochen innehatte. Das Gebäude steht schräg gegenüber der Plaza della Corregldora. Es ist heute schwer, das Gebäude in seiner ursprünglichen Verfassung zu beschreiben, da es inzwischen vielen Aenderungen unterworfen wurde. In seinem heutigen Zustande weist das Gebäude nichts merkwürdiges auf. Es trägt die Inschrift: „Eseuela Nacional de Medicina“. Aus dem finsteren Gebäude mit seinen schreckenerregenden Folterkammern ist im Laufe der Zeiten eine medizinische Hochschule geworden!. Gut erhalten ist noch der einstige Verhandlungssaal der Inquisition. Man sieht noch die Stelle, wo der heilige Gerichtshof saß und sein stets vorgefaßtes Urteil fällte. Glücklich war derjenige, der „bloß" zur Konfiskation seiner Güter und zu lebenslänglichem Kerker verurteilt wurde. Tenor Obregon erzählt eine Geschichte, die ihm von Don Manuel Tell, der bei der Aufhebung des Tribunals zugegen war, mitgeteilt 'wurde. Als die Zelle geöffnet und ihre Geheimnisse ans Tageslicht gebracht wurden, da entdeckte man einen Mann, der dreißig Jahre lang Gefangener des Kerkers war. Sein Körper, der inzwischen zum Skelett geworden, war mit eisernen Hacken an Händen und Füßen au einen Pfahl geschmiedet. Aber wozu diese grausigen Erinnerungen heraufbeschwören?! Am Morgen des 10. Juni 1820 sah die Bevölkerung, als sie zur Messe ging, ein Korps Soldaten die historische Plaza della Constitution durchschreiten. An der Ecke der Perpetua nahmen die Soldaten Aufstellung. Nun wurde das Edikt von der Auflösung der Inquisition verlesen und dann auf den Toren des Tribunals affichiert. Hierauf befahl Kapitän Pedro Llop einem Manne an der Türe zu klopfen. Als dies dreimal geschehen, ohne daß die Pforten des Tribunals geöffnet worden wären, wurden die Tore gesprengt. Die Inquisitoren rannten verzweifelt fluchend umher, als sie sahen, daß ihr Widerstand zwecklos sei. Von Zelle zu Zelle führte nun der Kapitän seine Leute und sprengte die Kerkertüren. Die unglücklichen Gefangenen er-- schracken, sie glaubten, man hole sie zum „letzten Gang". Sie trauten ihren Ohren nicht, als sie die Meldung vernahmen: „Der König, Gott erhalte ihn, hat die Verfassung vom Jahre 1812 (welche von der Inquisition ausgehoben wmde) von neuem bestätigt. Die verfluchte Inquisition ist aufgehoben und ihr seid frei!" Die Straße, auf welche die Gefängniszellen blickten, erhielt den Namen „Perpetua", weil das Zellen für lebenslängliche ununterbrochene Kerkerstrafen waren. Das Recht hat auch hier, wie überall, den Sieg davongetragen. Das Gebäude, in welchem einst im Namen des Rechtes und der Religion gemordet wurde, dient heute als Schule für das Studium der Medizin, in welcher 500 Jünger des Hippokrates ihrem menschenfreundlichen Studium nachgehen. Korrespondenzen. Sarajevo. Anläßlich der Angliederung Bosniens und der Herzegowina an die Monarchie und der Ausdehnung der kaiserlichen Souveränität auf diese Länder haben sowohl am Tage der Proklamation, am Mittwoch den 7. d. M., als auch am Samstag den 10. eine Reihe von Festlichkeiten und Dankgottesdienste hier stattgefunden. Die Feier bei der österr.-ung. israelitischen Kultusgemeinde. Am Proklamationstage selbst hielt um 2 Uhr nachmittags der Vorstand der hiesigen österr.-ungar. israelitischen Kultusgemeinde eine Festsitzung ab, bei welcher der Präsident der Gemeinde Herr Advokat Dr. R o t h k o p f die Festrede hielt, welche mit einem „Hoch" auf Seine Majestät dem Kaiser schloß. Sodann wurde nachstehendes Huldigungstelegramm an Seine Majestät nach Budapest abgesendet: „Der versammelte Vorstand und das Rabbinat der österr.-ungar. israelitischen Kultusgemeinde erlaubt sich Euer Majestät den untertänigsten Dank anläßlich der Angliederung Bosniens und Herzegowinas unter Allerhöchst deren glorreichem Szepter auszusprechen und versichert bei diesem herz-

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