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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-10-16 · 42 (16.10.1908) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
42 (16.10.1908)
Date
1908-10-16
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 42 Dr. Llocb's Mocbenscbrikk. 737 die Anstalten des „Hilfsvereines der deutschen Juden" noch diejenigen der „Allianz" und des Zionismus zu entgehen vermochten. Dabei möchte es aber doch angemessen und vorteilhaft sein, mit dem neu gegründeten Verein „Zari Gilead" für ein gemeinsames Wirken auf dem Gebiete der Krankenpflege in Fühlung zu treten, nachdem dieser Verein den früher in Diensten des „Lemaan Zion" gestandenen allgemein bekannten, beliebten und berühmten Arzt Dr. Fridman für seine Bestrebungen gewonnen und neben der Apotheke des „Lemaan Zion" unter dem Namen „Libanon" bereits eine Zentralapotheke mit zwei Filialen eröffnet hat, wo die Kranken durch den genannten Arzt täglich zwei Mal unentgeltliche Behandlung finden, für arme Familien auch eine Hebamme ohne Bezahlung zu bekommen ist und auch die Medikamente für die Armen unter günstigeren Bedingungen abgegeben werden, als dies in der Apotheke des „Lemaan Zion" der Fall ist. Der erwähnte Verein trägt sich zudem mit der lobenswerten Absicht, auf eigenem Grund und Boden ein Sanatorium für Wöchnerinnen und Rekonvaleszente zu errichten. Wenn nun aber auch das erstehende Diakonissenheim aus den angegebenen Gründen am ratsamsten und vorteilhaftesten seine Selbständigkeit zu wahren haben wird, so gibt sich der Unterzeichnete nichtsdestoweniger auch an dieser Stelle der angenehmen Hoffnung hin, daß die in früheren Artikeln in der „Oesterr. Wochenschrift" schon erwähnten, neuerdings wieder aufgenommenen Beziehungen mit dem hochverdienten und geschätzten Vorsitzenden der „Deutschen Konferenz-Gemeinschaft der Alliance Jsraelite Universelle", Herrn Geh. Kommerzienrat Goldberger in Berlin, den erwünschten Erfolg haben werden, daß von seiten des Zentralbureaus in Paris oder des deutschen Bureaus in Berlin und eventuell auch in Wien seine und seiner Verwandten im Interesse und zur Förderung des allgemeinen Wohles und des hygienischen, sozialen und ökonomischen Fortschrittes aufgewendeten opferbereiten Bemühungen für dauernde Stationierung und Unterhaltung einer Anzahl von Privat-Krankenpflegeschwestern in Jerusalem derart Anerkennung und Zustimmung finden werden, daß ihnen für den höchst notwendigen und segenstiftenden Zweck aus Vereinsmitteln eine jährliche Subvention gewährt wird. Für Erwerbung eines günstig gelegenen Bauplatzes oder Ueberlassung eines für den ins Auge gefaßten Zweck geeigneten Hauses hat der Unterzeichnete in Anbetracht seiner der Gesamtbevölkerung von Jerusalem zugedachten und zugute kommenden philanthropischen Bestrebungen schon vor einiger Zeit an den ehrwürdigen griechischen Patriarchen Damianos und deffen Synode eine Eingabe gerichtet, auf welche er eine wohlwollende und zusagende Antwort erwartet. Neben den jüdischen würden es besonders auch die griechischen Bewohner und Aerzte von Jerusalem freudigst begrüßen, wenn in Krankheitsfällen eine Zahl von ausgebildeten Pflegeschwestern disponibel wäre, von denen man an den Krankenbetten keine religiöse Propaganda und Proselytenmacherei zu fürchten hätte, wie solche seitens der katholischen Barmherzigen Schwestern und der protestantischen konfessionellen Diakonissen nicht selten und mit Vorliebe getrieben wird, da sie eigentlich einen Teil ihres Arbeitsprogrammes und ihrer Dienstinstruktion ausmacht. Darum haben auch der Vorschlag und die Absicht, in Jerusalem die Verbesserung der allgemeinen Krankenpflege vom rein humanen und philanthropischen Gesichts- und Beweggründe aus in die Hand zu nehmen, besonders von seiten der griechischen Aerzte und des griechischen Publikums freudige und zustimmende Anerkennung gefunden, weil neben den Juden auch die Griechen am meisten von der so vielseitig gearteten und versuchten katholischen und protestantischen religiösen Propaganda zu leiden haben. So schreibt z. B. der gelehrte, deutsch-wissenschaftlich gebildete und literarisch mannigfach tätige Direktor der griechischtheologischen Schule in Jerusalem, Herr Archimandrit Chrysostomus Papadopoulos, in der griechischen Jerusalemer Monatsschrift „Nea Sion" über das beabsichtigte Diakonissenheim u. a. folgendes: „Dieses Vorhaben, welchem beinahe alle Jerusalemer Aerzte ihre Zustimmung und Empfehlung erteilt haben und Welches, wie es scheint, auch in Deutschland und sonst bereits. Anklang gefunden hat, verfolgt neben dem allgemeinen wichtigen philanthropischen Zweck auch die gute und lobenswerte Absicht, daß das humane Werk der Krankenpflege ohne Proselytismus ausgeübt werden soll. Denn trauriger Weise suchen ja die Propagandisten gerade unter dem Deckmantel der Nächsten- und Menschenliebe und der hingebenden teilnehmenden Pflege der Kranken für ihre Doktrinen Proselyten zu werben und waren wir gegenüber solch rücksichtslosem, unverschämten und zudringlichen Treiben erst kürzlich genötigt, in Bethlehem eine Apotheke und eine ärztliche Station zu errichten." Nach diesen Worten des dem Unterzeichneten näher bekannten und befreundeten Herrn Direktors, der hier und auswärts unter seinen Landsleuten und den Kennern der neueren griechischen Literatur wohlverdientes Ansehen genießt und erst vor kurzem auch zum Mitgliede der Synode erwählt worden ist, darf der Unterzeichnete wohl schließen und erwarten, daß der Herr Direktor und seine gefinnungsverwandten Kollegen ihren ganzen Einfluß in die Wagschale legen werden, um seiner noch unbeschiedenen Eingabe an den Patriarchen und die Synode wegen kostenloser oder mäßig berechneter Ueberlaffung eines Bauplatzes auf den ausgedehnten Ländereien des griechischen Klosters im Schlosse der Synode zu einer günstigen Entscheidung zu verhelfen und dem wohltätigen Unternehmen auch in den Kreisen der griechischen Bevölkerung dauernde Sympathien zu erwecken. Das letztere darf aber der Unterzeichnete jetzt wohl in besonderem Maße von seinen jüdischen Leserinnen und Lesern und der jüdischen Allgemeinheit erwarten, welchen sein Name und seine Gesinnung seit Jahren bekannt ist, und hofft er darum, daß seine und seiner Verwandten Bemühungen und Hingabe für die Gründung eines allgemeinen Diakoniffenheimes in Jerusalem, deffen Segnungen in erster Linie der zahlreichen ärmeren jüdischen Bevölkerung zugute kommen würden und für welche auch besser gestellte Familien höchst erkenntlich und dankbar wären, allenthalben in jüdischen Kreisen in der Gestalt von größeren oder kleineren Stiftungen und regelmäßigen Beiträgen freudigen Anklang, wohlwollende Sympathie und hilfsbereüe Teilnahme finden werden und bittet er diesfalls sich gefälligst und gütigst mit ihm in persönliche Verbindung setzen zu wollen. Phil. Kieferndorf, Prediger und Dozent in Jerus alem (für Diakonissenheim „Jeschuat Zion" in Jerusalem, Adresse). N. S. Nach Wunsch wird über erhaltene Beiträge auch öffentlich quittiert wie die verehrte Redaktion sich wohl auch bereit finden wird, Gaben für den in Rede stehenden guten und wohltätigen Zweck entgegenzunehmen und zu übermitteln. D. O. Der Weg ins Freie. (Roman von Arthur Schnitzler. — H. Fischer, Verlag, Berlin 1908). ^M Ueber Menschenschicksale hinweg führt ein Weg ins Freie. Wer ihn gehen will, muß jenen sicheren Tritt haben, der Gefühle nicht schont, als ob sie Gänseblümchen wären, und sie achtlos auf seinem Wege zertritt, der geistig seine Elbogeu zu gebrauchen versteht, der „sich durchringen" und zu jenem inneren Gleichgewicht kommen kann, das ihn von allen Empfindungen befreit, die seine Fahrt zum Ziele hemmen. Georg Freiherr von Wergenthin geht diesen Weg. Das ist ein junger Mann, ganz erfüllt von einer subtilen Begabung und jener feinfühligen egoistischen Grausamkeit des Künstlers, für den Ereignisse nur dann existieren, wenn sie ihm Produktives bringen, und der die Frauen nur insolange liebt, als sie feine Schaffenskraft beeinflussen und seine Stim- ^mungen erregen helfen. Er ist Musiker und die Frauen find Mhm nicht mehr und nicht weniger, als die große Partitur Meines Lebens» und werden es nur solange sein, als ihre Me- Wodien seine feingestimmte Seele berauschen. Aber im Grunde äliebt er in jeder Frau das Weib, das Weib als Begriff, als Genuß und ihre Individualität stört ihn zu Zeiten.

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