Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1908)
- Issue
- 41 (9.10.1908)
- Date
- 1908-10-09
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Sette 718 Dr. Blocks MocvenscbrtN- Rr 41 Resultate dieser Forschungsreise haben Chawkin weltberühmt gemacht, und die englische Regierung hat ihm außer vielen moralischen Auszeichnungen auch große Summen zur Verfügung gestellt, um feiltm erfolgreich begonnenen Kampf gegen die Epidemie in Indien fortführen zu können." „Ist es denn drei Jahre nach Proklamierung der Gewissensfreiheit," ruft Fürst Dolgorukow aus, „noch möglich, daß so etwas Vorkommen kann!" Rußland, das so arm an wissenschaftlichen Größen ist, hätte jetzt auf Chawkin, als seinen Gelehrten, stolz sein können und überdies hätte man in Rußland viel mehr von Choleragefahr gewußt, als das leider heute der Fall ist. Wer weiß, ob, wenn Chawkin dem Petersburger Institut für experimentale Medizin nähergestanden wäre, nicht Petersburg von einer so großen Choleraepidemie verschont geblieben wäre. Zum Kapitel: „Austritt aus dem Judentum". Herr Lehrer L. R i e s e n f e l d hat in Ihrer gesch. Nummer vom 11. September d. I. einen Artikel veröffentlicht, in welchem er sagt: „Der Austritt aus dem Judentum kostet also heute vielen Juden gar kein Opfer, ist für dieselben tatsächlich eine reine Formsache." Der Herr Einsender glaubt, daß populäre Redner, die interessant vortragen, durch die Bekanntmachung mit der jüdischen Geschichte, Kultur und Literatur den Verrat verhüten würden. Ich glaube, der Herr Einsender irrt sich. Die meisten Personen, welche aus dem Judentum austreten, tun dies heutzutage deshalb, weil sie infolge ihrer Religion oder infolge ihres jüdisch klingenden Namens soziale Schwierigkeiten haben, ihr bürgerliches Fortkommen zu finden. Es ist eine zweifellose Wahrheit, was Profeffor Masaryk in einer seiner Parlamentsreden richtig angedeutet hat, daß man im Antisemitismus eine willkommene Hilfskraft für alle Reaktion erkannt hat und eine Ablenkung für die Leidenschaften der Völker und Massen. Deßwegen werden diese Instinkte der Abneigung gegen uns genährt und stets wirksam erhalten. Es ist eine bekannte Tatsache, daß man in gewissen Handwerken fast gar keine Juden findet. Man findet selten einen Schmied, einen Maurer, Taglöhner usw., der ein Jude ist, und wenn man nach den Ursachen dieser Erscheinung fragt, so hört man nicht allein in antisemitischen Kreisen, daß der Jude diese Beschäftigung nicht ergreifen will, weil er von Natur aus zum Handeln geboren ist und nicht zur manuellen Arbeit. Dies ist eben nicht richtig. Ein Mensch mit dem Namen Löwy, Pereles, Kohn oder Pinkeles kann nicht Schmied, Maurer oder Taglöhner sein, weil er vom frühen Morgen bis zum späten Abend derart dem Spotte seiner Mitarbeiter ausgesetzt wäre, daß ihm das' Leben verbittert würde. Ich wage die Behauptung, daß in Oesterreich der Antisemitismus nicht so groß ist, als die Antipathie gegen jüdische Namen, und darum werden unsere Statthaltereien nfit einigen hundert Ansuchen um Namensänderung alljährlich überflutet. Wenn es nun tatsächlich der Regierung darum zu tun wäre, den Antisemitismus zu unterdrücken, dann würde sie Erleichterungen gewähren und die Ansuchen um Namensänderungen bewilligen; allein es ist eine bekannte Tatsache, daß im Gegensätze zu Ungarn die Erlangung von Namensänderungen in Oesterreich mit den größten Schwierigkeiten verbunden ist. Man setzt diesen Ansuchen den größten Widerstand entgegen und will also, daß der Jude schon durch seinen Namen den Antisemitismus erhält. Es wäre Sache unserer jüdischen Reichsratsabgeordneten, unserer Vereinigungen und anderer maßgebender Körperschaften, im Parlamente und bei anderen Gelegenheiten in die derzeit bestehenden Verhältniffe hineinzuleuchten und dahin zu wirken, daß die Regierung von ihrem starren Widerstand gegen die Bewilligung von Namensänderungen abläßt und zum mindesten die Konzesfion macht, daß eine gewisse Zahl von Ansuchen um Namensänderungen alljährlich bewilligt wird. Selbst wenn nach und nach alle jüdisch klingenden Namen verschwinden würden, könnte dem Staate ein Nachteil hieraus nicht entstehen, im Gegenteil eine enorme Anzahl von Personen würde dem Handwerke und dem Arbeiterstande zugeführt werden; es würde auch der Antisemitismus vermindert werden, und vielen Personen, die aus Jahrhunderte alten jüdischen Familien stammen, würde es erspart werden, zürn Chriftentume überzutreten, dem sie ja schließlich doch nicht aus religiösem, sondern aus pekuniärem Interesse sich anschließen. Um aber einer Anzahl von Juden die Mittel und Wege für geschäftliche Transaktionen zu erleichtern, dazu ist sicherlich die ehrwürdige, bald 2000 Jahre alte christliche Religion nicht da und sollte nicht zu diesem Zwecke mißbraucht werden. L. K. Korrespondenzen. Aus der öffentlichen Plenarsitzung des Kultusvorstandes vom 6 Oktober 1SV8 unter dem Borsitze des Herrn Präsidenten Dr. Alfred Giern. Beginn 6 Uhr abends. Im Einlaufe befiWen sich: Erlaß des k. k. Vermaltungs-Gerichtshl^es vom 25. Mai 1908, Z. 4213, mit welchem die von einigen Kultuswählern in Angelegenheit der erfolgten Wahlen in den Kultusvorstand im Jahre 1906 erhobene Beschwerde wegen mangelnder Legitimation der Parteien, bezw. mangels eines tauglichen Substrates ohne weiteres Verfahren a limine zurückgewiesen wird. Entscheidung des k. k. Verwaltungsgerichtshofes vom 21. April 1908, mit welcher dieBeschwerde des israelitischen Bethausvereines „Marpe Lanefesch" in Angelegenheit der statutarischen Festlegung von Bestimmungen über das Ausmaß der seitens der Kultusgemeinde Privatbethäusern zu gewährenden Subventionen, wegep mangelnder Legitimation des ein schreitenden Vereines ohne weiteres Verfahren zurückgewiesen wird. ." Erlaß des k. k. Ministeriums für Kultus und Unterricht vom 24. Juli 1908, Z. 5293, mit welchem in einer Kultussteuer-Angelegenheit ausgesprochen wird, daß ungeachtet des im Laufe des Jahres erfolgten Austrittes eines Kontribuenten aus der israelitischen Religionsgesellschaft die Verpflichtung desselben zur Entrichtung der ganzjährigen Kultussteuer für das betreffende Jahr zu Recht besteht. Erlaß des k. k. Finanzministeriums vom 28. Juni 1908, Z. 20236, mit welchem ausgesprochen wird, daß den gerichtlichen Eingaben der Kultusgemeinde in Kultussteuersachen die Gebührenfreiheit nach T. P. 75, lit. b G.-Ges., zukommt. Mitteilung des Magistrates, betreffend den abweislichen Bescheid über das Ansuchen einiger Wähler bezüglich des Aufliegens der Wählerliste in mehreren Bezirken während der Reklamationsfrist. Dankschreiben des Präsidenten Dr. Alfred Stern für die Glückwünsche des Kultusvorstandes anläßlich seines 77. Geburtstages. Zuschrift des Magistrates vom 29. September 1908 mit der Mitteilung, daß die Beschwerde des Dr. Egon Zweig gegen den abweislichen Bescheid des Präsidiums in Angelegenheit des Ansuchens um Ausfolgung einer Liste der definitiven Kultusbeamten oder um Gestattung der Einsichtnahme in dieselbe als gesetzlich unbegründet abgewiesen wurde. Dankschreiben des innerösterreichischen Distriktskomitees für Ueberlaffung des Stadttempels anläßlich der Trauergedenkfeier für weiland Dr. Herzl. Mitteilung der n.-ö. Landesheil- und Pflegeanstalt, daß die Abhaltung eines Gottesdienstes am „Steinhof" ebenso wie am Neujahrs- und Versöhnungsfestes auch am Vorabend des Versöhnungstages gestattet wird. Dankschreiben des Herrn Dr. Leopold Libitzky für die Gratulationdes Vorstandes anläßlich seines 80. Geburtstages.