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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-10-09 · 41 (9.10.1908) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
41 (9.10.1908)
Date
1908-10-09
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 41 Dr. Llocb's Mocbenscbrtn. Seite 717 Deutsche uud arabische Juden in Kairo. Einem aus der jüngsten Zeit stammenden Berichte aus Kairo entnehmen wir die folgenden Stellen, betreffend das Leben der Juden in der genannten egyptischen Stadt. Bekanntlich machen sich in Egypten sehr oft große, trockene Sturmwinde unangenehm fühlbar, die von den hohen Bergen herwehen, die das Land Egpten von der großen Wüste Sahara scheiden. Diese Sturmwinde tragen förmliche Staubsäulen, vom dünnen, brennenden Wüstensand gebildet, durch das ganze Land. Dieser Wüstensand ist für das menschliche Auge außerordentlich schädlich. Die Augen werden blutunterlaufen, die Sehkraft wird erheblich geschwächt und viele Menschen, die aus diese Weise an den Augen erkranken, verlieren gar oft ihr Augenlicht. Eine vollständige Heilung dieser Krankheit hat sich bisher außerordentlich schwer gezeigt. Der Neuangekommene, der zum erstenmale das arabische jüdische Viertel „Charti el Jehudi" aufsucht, steht ein schreckliches Bild vor sich: junge Menschen im Alter zwischen 15 und 25 Jahren werden an der Hand durch die Straßen geführt, weil fie stockblind find. Fast 10 Perzent der jungen Leute in diesem Viertel find halb oder ganz erblindet und fast 40 Perzent der gesamten Bevölkerung dieser Stadt leidet zeitlebens an einem Augenübel. Besonders stark ist die Augenkrankheit unter den Frauen verbreitet. Die Blindheit ist hier etwas so Gewöhnliches, daß man zahlreichen Blinden begegnet, die ganz allein, ohne Führer durch die Straßen gehen oder die größten Geschäfte abwickeln, Geld in Empfang nehmen und auszahlen, ohne fich jemals in der Rechnung zu irren. Die sandigen Wüstenwinde find jedoch nicht die einzige Ursache der starken Verbreitung der Augenkrankheit unter den arabischen Juden. Viel trägt hiezu auch ihre Lebensweise bei. Die arabischen Juden von Kairo leben zumeist in engen schmutzigen Wohnungen, führen ein dürftiges Leben wie die egyptischen.Araber überhaupt. Es ist klar, daß diese Lebensweise geeignet "ist,^dw ’ epidemisch aüftretende Augenkrankheit nur noch mehr zu werbreiten. Die deutschen Juden, die in Kairo wohnen, bemühen sich, soweit es bei den obwaltenden Umständen möglich ist, ein „europäisches" Leben zu führen. Sie find im Allgemeinen viel reiner als ihre arabischen Stammesgenoffen und legen bei Auswahl der Nahrungsmittel, der Einrichtung ihrer Wohnungen rc. großes Gewicht auf die Anforderungen der Hygiene und leiden daher im Allgemeinen weniger an Augenkrankheiten wie die arabischen Juden. Auch der Aussatz, eine von den „zehn Plagen", kommt hier heute genau so oft vor, wie zu Pharao's Zeiten. In den Monaten Juli und August, wenn der Nil anschwillt, zeigen fich an den Körpern der Bewohner von Kairo eine Menge kleiner wundartiger Pusteln. Besonders stark find die Neuangekommenen dieser Krankheit ausgesetzt. Zu diesen egyptischen Plagen hat fich in diesem Jahre auch eine große, wirtschaftliche Krise gesellt, von welcher hauptsächlich die jüdischen Arbeiter betroffen wurden. Nahezu die Hälfte der jüdischen Arbeiter war fast während des ganzen Jahres beschäftigungslos. Selbst intelligente Arbeiter, die aus Deutschland oder England nach Egypten gekommen waren, die Landessprache beherrschen und in normalen Zeiten täglich 10 bis 12 Francs verdient haben, waren in diesem Jahre ohne Arbeit. Der größte Teil der jüdischen Arbeiter ist in Zigarren- und Zigarettenfabriken beschäftigt. So lange es irgendwie möglich war, haben diese jüdischen Arbeiter der Konkurrenz der Araber, welche die Löhne stark herabdrückten, standgehalten. Schließlich konnten fie mit den Arabern nicht mehr konkurrieren und mußten die Arbeit verlassen. Ein Teil verließ Eygpten überhaupt und die Uebrigen, die seit längerer Zeit in Egypten sehen, warten hier bessere Zeiten ab. Ein jüdischer Meister Destports. Eine Gruppe australischer Fußballspieler befindet fich gegenwärtig in London, um daselbst einige Matchs auszutragen. Der Führer der australischen Gruppen ist unser Glaubensgenosse Albert Rosenfeld, einer der populärsten Fußballspieler Australiens, deffen hervorragende Leistungen auf dem Gebiete dieses Sportzweiges in der dortigen Preffe wiederholt besprochen wurden. Vor seiner Abreise nach England haben mehrere australische Sportklubs Herrn Rosen selb eine Adresse überreicht, die nahezu 1000 Unterschriften trägt. Ein berühmter jüdischer Archäolog. Im Aufträge der königlich englischen geographischen Gesellschaft bereist gegenwärtig Profeffor Dr. M. A. Stein das bisher unerforschte Gebiet von Zentralafien, um daselbst archäologische und geographische Studien zu machen. Sein neuester Bericht wurde erst vorige Woche in der Londoner „Times" veröffentlicht. Dr. M. A. Stein wurde im Jahre 1862 in Budapest geboren und hat trotz seiner verhältnismäßigen Jugend bereits eine bedeutende wiffenschaftliche Karriere hinter fich. Im Jahre 1888 wurde er zum Registrator der Punjal-Univerfität in Lahore ernannt. Ein Jahr später ward er der Chef der orientalischen Fakultät an derselben Hochschule. Bald darauf wurde er zum Leiter der Madrasah in Calcutta berufen, welche Stellung der Gelehrte bis zum Jahre 1901 inne hatte. Prof. Dr. Stein hat besonders als Archäologe einen guten Namen. Besonders wertvoll find die Ergebniffe seiner Forschungen in Chinefisch-Turkestan. Ein berühmter jüdischer Schwimmer. Vor einigen Tagen unternahm der berühmteste Schwimmer Englands, Mr. Jabez W o l f f e, die Durchschwimmung des Aermelkanals. Obgleich er ungefähr dreiviertel Meilen vor der französischen Küste die Tour ausgeben mußte, so hat Mr. Wolffe doch den höchste» Rekord in den letzten Jahren erreicht. Herr Jabez Wolffe ist der Sohn des gewesenen Präsidenten der Glasgower jüdischen Gemeinde, Herrn Simon Wolffe. Auch ein anderer englischer Jude hat sich durch feine Meisterschaft im Schwimmen einen großen Namen gemacht. Es ist dies, wie „Daily Telegraph" erzählt, Professor Marquis Bibbero, der auch heute noh), trotz seiner achtzig Jahre, sich an Schwimmtouren beteiligt. _ Der erste Choleraforscher ein russischer Jude. Im „Rjetsch" erzählt Fürst Dolgorukow die interessante Geschichte, wie er mit dem jüdischen Gelehrten Chawkin, der als erster an der wissenschaftlichen Bekämpfung der Choleraepidemie mit Erfolg gearbeitet hat, zum ersten Male in Paris zusammentraf. „Im Jahre 1890," erzählte Fürst Dolgorukow, „hat mich Pasteur in seinem Pariser Institut mit dem — wie sich Pasteur selbst ausdrückte — ausgezeichneten jungen Forscher Chawkin bekanntgemacht. Er führte mich in ein Laboratorium, in welchem ein noch ganz junger Mensch gerade mit Cholerabazillen „arbeitete". Es entspann sich zwischen mir und dem jungen jüdischen Landsmann bald ein lebhaftes Gespräch. Ich frug ihn, ob er die Absicht habe, nach Rußland zurückzukehren, worauf er mir antwortete, daß er eine kurze Zeit an der Odeffaer Universität gearbeitet und ursprünglich daran dachte,, nach einer wissenschaftlichen Uebungsreise im Auslande sich zuhause ständig niederzulassen. Da ihm aber als Juden in Rußland die akademische Laufbahn verschlossen und es ihm daher unmöglich sei, sich der wissenschaftlichen Forschung zu widmen, ist er nun gezwungen, Rußland den Rücken zu kehren. Bald darauf ging Chawkin nach Indien, um dort Forschungen über den Choleraerreger anzustellen und seine Theorie dort auf ihre Verläßlichkeit zu erproben. Die

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