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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-10-02 · 40 (2.10.1908) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
40 (2.10.1908)
Date
1908-10-02
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 708 Dr. Mcntz's WochrnschrM Sir. 40 Austritte aas dem Judentum. Vom 20. bis 26. September 1908. Freisinger Gertrud, geb. Breslauer, Privatbeamtensgattin, geb. 29. Oktober 1878, Lipine (Ober-Schlesien), XII., Schönbrunnerstrasse 140. Freisinger Leo, Privatbeamter, geh. £9. November 1877, Pilsen, XII., Schönbrunnerstrasse 140. Griinwald Viktor, Verkäufer, geb. 14. April 1874, Wien, III., Kolonitzgasse 6. Jaffe Leo, Privat, geb. 18. März 1855, Posen (Preussen), I., Biberstrasse 10. Kapper Ilse, Komptoiristin, geb. 7. August 1883, Wien, XVII., Braungasse 14. Krenberger Stefanie, Hilfsarbeiterin, geb. 26. Juli 1887, Wien, X., Orellertgasse 7. Kronfeld Robert, Dr., geb. 10. Jänner 1874, Wien, I., Bognergasse 7. Lemberger Frieda, geb. 7. Juli 1880, Wien, VIII., Piaristengasse 1. Strakosch Egon, geb. 2. Mai 1877, Prag, HI, Münzgasse 8. Strasser Karl, Lederfabrikant, geb. 4. März 1877, Wien, XIV., Diefenbachgasse 33. Schwarz Ludwig, abs. Jurist, geb. 3. April 1883, Wien, II., „Hotel Continental.“ Weiser Margarete, Private, geb. 5. August 1882, Wien, I., Kohlmessergasse 6. Weiss Sigmund, Schriftsetzer, geb. 30. August 1884, Wien, III., Haidingergasse 24. Jubiläum des Oberkantors Max Goldstern, Szombathely (Steinamanger). Oberkantor Max Goldstern, in der Kantorwelt besser bekannt, und berühmt unter dem Warnen Male Goldstern, feiert rm Verlaufe des nächsten Monats das 25jährige Jubiläum seiner Wirksamkeit in der Szombathelyer isr. Kultusgemernde und gibt sich allenthalben eine begeisterte Bewegung kund, um dasselbe würdig den Verdiensten des in allen Schichten der Stadtbevölkerung der größten Hochachtung und Beliebtheit sich erfreuenden Oberkantors zu begehen, indem der Vorstand und die einzelnen Mitglieder der Gemeinde mit Vergnügen die Gelegenheit ergreifen wollen, einem Manne gegenüber, der ein Vierteljahrhundert lang in ihrem Dienste steht und semen Platz noch immer glänzend ausfüllt, ihrem Dank und ihrer Anerkennung in einer nicht nur den Jubilar, sondern die Gesammtgemeinde ehrenden Weise entsprechenden Ausdruck zu verleihen. Wir halten es für überflüssig, über den Wert Goldsteins als tüchtigen Sänger, namentlich als Kompositeur von Synagogengesängen, die überaus beliebt, gesucht und von den hervorragendsten Kantoren des In- und Auslandes, ja auch jenseits des Ozeans in den größten Tempeln eingeführt und von gediegenen Fachautoritäten in den betreffenden Zeitschriften einer strengen, aber trotzdem höchst schmeichelhaften Kritik nach ihrem künstlerischen Gehalte gewürdigt wurden, an dieser Stelle viel Worte zu verlieren. Aus der großen Zahl dieser genialen Schöpfungen heben wir hervor: Eine Sammlung von verschiedenen Gesängen unter dem Titel: „Neginoth Jisrael", Naarizoch drei Trauungsgesänge, Unesane Tokef, eine Texthymne, (Psalm 21) komponiert und gewidmet zum 70. Geburtstage Sr. Majestät, die von geradezu epochaler Wirkung ist. Eine Anzahl von begeisterten Anerkennungs- und gleichzeitig Bestellschreiben aus allen Gegenden der Windrose, Berlin, London, Manchester, Chicago, Rew-Aork 2c. 2c. sind wohl der glänzendste Beweis des großen Verfalls, dessen sich diese, — nach dem Urteile der Besteller — „herrlichen, erhebenden, auf die Zuhörer über-, wältigend wirkenden" Gesänge erfreuen. Wie der Lebenslauf aller Männer, die auf verschiedenen Gebieten, sei es der Kunst oder Wissenschaft, Tüchtiges angestrebt und erstrebt, die schwer gerungen und mühsam gekämpft, um das sich vorgesteckte Ziel zu erreichen, bieten auch der Werdegang, die „Lehruud Wanderjahre" Male Goldsteius eine Fülle höchst interessanter Momente, und bedauern wir aufrichtig, diese aus Mangel an Raum, den die sehr geehrte Redaktion zn diesem Zwecke uns zur Verfügung stellen kann, nicht registrieren zu können. Rur so viel sei erwähnt, daß der Weg von Jassy, dem Geburtsorte Goldsteins, bis nach Szombathely durchaus kein mit Rosen bestreuter war. Gar manche Leidensstationen waren auf demselben, aber auch solche voller Ehren, Anerkennung und Auszeichnung für den „Wunderknaben", an den sich der Mut und die Schaffensfreudigkeit des seine hohe Aufgabe nie aus den Augen verlierenden Kunstjüngers aufrichtete, so daß der genial veranlagte junge Mann alle seinem ernsten Streben sich entgegenstellendcn Hindernisse besiegte, um am Ziele seiner Wanderung sich die Herzen einer großen, hervorragenden Gemeinde zu erobern und aber auch zu erhalten. Darum bildet auch das Jubiläum Oberkantor Goldsterns ein wahrhaft fteudiges Gemeindeereignts. Dr. Herma«« Fischer in de« Adelsstand erhoben. Aus Czernowitz wird berichtet: Dem Gründer des Jubiläumskinderspitales, Herrn Großgrundbesitzer Dr. Hermann Fischer, wurde eine Allerhöchste Auszeichnung zuteil, welche eine imposante Würdigung der philanthropischen Tat dieses Mannes bedeutet. Wie nunmehr feststeht, hat der Kaiser den Herrn Dr. Hermann Fischer in den Adelsstand erhoben, wobei dem Ausgezeichneten die Wahl des Adelsprädikats anheimgestellt wird. Oderfurt. Die Mädchensektion des hiesigen. Tempelvereines spendete für den Oderfurter Tempel ein Pedal- Orgel-Harmonium, ein wahres Meisterstück vaterländischer Industrie, welches am Roschhaschono-Feste zum erstenmale in Verwendung genommen wurde und allgemeinen Beifall fand. Es trug mit zur Verherrlichung des Gottesdienstes bei, bei welchem Herr Kantor Jlmer in dem seelenvollen Vortrage der jüdischen Gesänge werktätig durch den zum erstenmal von Herrn Ing. Baß mit Elan geleiteten gemischten Chor unterstützt wurde. (Herr Ing. Baß ist uns schon von früheren' Zeiten her als musikalisches Talent bekannt, als er zusammen mit seinem Vater, Herrn k. k. Kommerzialrat Baß, die artistische Leitung der „jüdischen Toynbee-Halle in Wien XIV" innehatte. A. d. R.) Feuilleton. Girre Rabbrnerw<chl. Ein Kulturbild der Gegenwart von Dr. Armin Schnitzer, Oberrabbiner in Komarom. VIII. Kapitel. Seemann war abgereist. Ein — zwei Tage noch war er der Gegenstand des Gespräches für und wider — mehr wider als für, denn er hatte es nicht verstanden, das „Volk" für sich zu begeistern und die Intelligenten — nun, diese gingen ihren Geschäften nach, kümmerten sich nicht viel um die ganze Rabbinerfrage, und so entschwand die Gestalt Seemanns von der Bildsläche, umsomehr, als die Umrisse einer anderen Gestalt am Horizont der Gemeinde in P. sich zeigten. Für nächsten Sabbat war nämlich Elias Jakob K 0 h n, Rabbiner in B., zur Abhaltung einer Probepredigt berufen. B. ist eine orthodoxe Gemeinde und es war fast unbegreiflich, daß Kohn auf den Rabbinerposten in einer Status quo» Gemeinde reflektierte. Zum Verständnis des Gesagten für die nicht ungarischen Leser muß ich folgendes hinzufügen. Im Jahre 1868 hatte Baron Josef Eötvös, der damalige Kultusminister Ungarns, der schon im Jahre 1840 mit seiner glänzenden Feder für die volle Gleichberechtigung der Juden eingetreten war, einen jüdischen Kongreß einberufen, der die Konstituierung der jüdischen Gemeinden auj Grundlage vollkommenster Autonomie zum Ziele hatte. Der Kongreß wurde von allen Gemeinden beschickt, aber bald traten die schärfsten Gegensätze zwischen den Fortschrittlichen und den Konservativen hervor. Die Fortschrittlichen aber waren in der Majorität und nützten dieselbe auch aus. Sie faßten Beschlüsse, welche den heftigsten Widerspruch der Konservativen hervorriefen. In den Statuten wurde das Ansehen des Rabbiners herabgedrückt, er wurde zum einfachen Gemeindebeamten graduiert, was die Opposition, die zum größeren Teil aus Rabbinern der alten, hochkonservativen Richtung bestand, zum äußersten Widerstand reizte, und als ihr Antrag, es möge in die Statuten als bindendes Gesetz ausgenommen werden, daß die religiösen Institutionen der Gemeinde auf Grundlage des „Schulchan- Aruch" geleitet und erhalten werden müssen, von der Majorität zurückgewiesen wurde, da ward das Maß voll und die Partei verließ korporativ den Kongreß. Die Majorität aber kümmerte sich um diesen Exodus nicht, setzte ihre Beratungen fort und faßte Beschlüsse, die der Kultusminister dem Könige zur Sanktion unterbreitete, die sie auch erhielten. Da begann die Agitation gegen dieselben. Die Konservativen gründeten einen Verein unter dem Namen: „Schomre h a d a s z“ (Glaubenswächter), der an das Abgeordnetenhaus die Petition richtete, daß die Kongreßbeschlüsse, die ihrem reli-

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