Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-10-02 · 40 (2.10.1908) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
40 (2.10.1908)
Date
1908-10-02
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3020846-3021764-3021805--17707-3042596
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Veite 706 sr. Llocb's Mocdenscvrrrr. Nr. 40 der wahrheitsliebende, unerschrockene Mann zu ihren hartnäckigsten, rührigsten Bekampfern. In Schriften, Broschüren, Zeitungsartikeln rückte er dieser Volksseuche zu Leibe. In erster Linie sind hier seine statistischen Broschüren zu nennen, in denen er die Legende von der jüdischen Mafseneinwanderung zerstörte und deren Beweiskraft eine gegnerische Autorität, der bekannte Nationalökonom und Freund Stöckers, Prof. Adolf Wagner, freimütig anerkannte. Auch gegen die verleumderischen Behauptungen über das Verhalten der Juden in den Befreiungskriegen, gegen den Ritualmordschwindel und gegen andere Ausstreuungen des Judenhaffes richtete sich Neumanns publizistische Tätigkeit. Ei« jüdischer Rektor-Kandidat. Die liberalen Profefforen der Odeffaer Univerfität nominierten als Kandidaten für die Rektorstelle auf die Dauer des kommenden Schuljahres den jüdischen Professor Dr. Stern. Der genannte Professor mußte jedoch die Kandidatur ablehnen, weil eine Gruppe von Verbändlern ihm auf offener Straße mit dem Tode drohte, falls er auf der Kandidatur bestehe, und die reaktionäre Zeitung „Ruffkaja Rjetsch" einen Hetzartikel veröffentlichte, in welchem das „russische Volk" aufgefordert wird, nicht zuzulaffen, daß „Fremde" die Universität beherrschen. Ehrung des gewesene« Dumadeputierten Katzenelsou. Der Deputierte der ersten Duma Katzenelson hat seine Strafe wegen Unterfertigung des Wiborger Aufrufes im Bobruisker Gefängnis abgebüßt. Vor einigen Tagen nun verließ Herr Katzenelson den Kerker, aus welchem Anlaffe ihm von Seite der jüdischen und liberalen christlichen Bevölkerung eine Ehrenadreffe überreicht wurde. Der serbische König in der Belgrader Synagoge. Aus Belgrad wird uns berichtet: Dieser Tage fand hier die Einweihung der neuerbauten prachtvollen Synagoge der sephardischen Gemeinde statt. Zur Gnweihungsfeier waren der König von Serbien, das gesammte Ministerium, Vertreter aller Belgrader Behörden und andere Persönlichkeiten der Belgrader Gesellschaft erschienen. Auf dem Platze vor der Synagoge konzertierte die serbische Hofkapelle. Der König wurde durch Oberrabbiner Dr. Alkalay in einer Rede begrüßt, die auf den König einen äußerst günstigen Eindruck machte. König Peter besichtigte die Synagoge und gab seiner Freude über die fortschreitende Entwicklung der Belgrader Kultusgemeinde Ausdruck. Marokkanische Flüchtlinge in Algier. Noch immer befinden sich marokkanische Juden auf ihrer Flucht vor den Aufrührern. Sie irren umher, ohne Ruhe und Rast zu finden. So beschreibt ein Korrespondent des „Jewish Chronicle" aus Bona (Algier) den Besuch einer Schar Flüchtlinge: Vorige Woche besuchten mich mehrere marokkanische Juden. Sie befanden sich in einem schrecklichen Zustande. Einer von ihnen war ein Greis mit wallendem, weißen Bart, der eher einem wandelnden Geiste, als einem lebenden menschlichen Wesen ähnlich sah. Auch seine Begleiter befänden sich in keinem besseren Zustande. Es war einer unter ihnen, der in den schrecklichen Tagen feine beiden Augen verloren hatte und nun blind in der Welt umherirrt. Die ganze Gruppe stammt aus Casablanca, woselbst der nunmehr Erblindete ehedem Lastträger war. Als dieser eines Tages seiuen Geschäften nachging, wurde er von einer Bande Aufständischer gefangen und mißhandelt. Da er große Körperkraft besitzt, gelang es ihm, einmal sich zu befreien. Er wurde jedoch wieder eingefangen und zur Strafe für seiuen Fluchtversuch seines Augenlichtes beraubt. Er fiel in Ohnmacht. Da sie ihn nun tot glaubten, schleppten sie seinen Körper bis an die algerische Grenze. Hier erbarmten sich seiner ftanzösische Soldaten, die ihm halfen, die nächste Stadt zu erreichen. So kam er nach Flemeen, woselbst er mit Unterstützung der dortigen jüdischen Gemeinde auf einem Schiffe nach Algier gebracht wurde. Hier traf er mit anderen marokkanischen Flüchtlingen zusammen, deren Schicksal nicht viel besser war, als dasjenige des Blinden. Vorige Woche — so schließt der Berichterstatter seinen Bericht — betrat ich den Dampfer „City of Cambridge", der in seinem Kurse von Marokko nach Egypten hier anlegte. Ein Grauen erfaßte mich, als ich auf dem Verdeck ungefähr dreißig marokkanische Flüchtlinge — Männer, Frauen und Kinder — mit dem Hunger im Gesicht, zusammengekauert sah. Sie waren auf dem Wege nach Egypten, nachdem sie in ihrem Geburtslande ihrer Habe beraubt wurden und nur nach vielen Widerwärtigkeiten ihr nacktes Leben zu reiten imstande waren. Moskau den Juden verboten. Eine neue schändliche Verfügung gegen die Juden in Rußland! In Moskau erschien dieser Tage eine offizielle Kundmachung, in welcher den Juden, die in Moskau kein Wohnrecht haben, jedweder Aufenthalt in der „heiligen Stadt" strengstens verboten wurde. Das Verbot geht so weit, daß den erwähnten Juden nicht einmal gestattet ist, falls sie Moskau per Eisenbahn passieren, in der Bahnstation auch nur für einen Moment auszusteigen. Durch die Gaffen Moskaus zu fahren, selbst ohne anzuhalten, ist diesen Juden auch strengstens verboten. Die Uebertreter dieses Verbotes werden nicht mit Geldstrafe, sondern mit strenger Gefängnisstrafe belegt. Der Strafe verfallen nicht nur diejenigen, die selbst das „Verbrechen" begangen, sondern auch diejenigen, die Helferdienste hiezu leisten. Das russische Blatt „Sowrememwje Slow" („Zeitgenössische Stimme") knüpft an diesen neuen Ukas die folgenden treffenden Bemerkungen: „In welcher Lage werden sich nun jene Menschen befinden, die gezwungen sind, durch Moskau zu fahren, nachdem es für Juden noch kerne speziellen Eisenbahnen gibt, die ihren Weg mit Umgehung Moskaus nehmen? Um Moskau vollständig von jüdischen Durchreisenden zu bewahren, wird dann nichts anderes übrig bleiben, als einen neuen Befehl zu erlassen, daß Juden nicht jene Eisenbahnlinien benützen, deren Endziel Moskau ist, denn sonst werden die Streitfälle kein Ende nehmen. Wenn ein Jude gezwungen sein wird, in Moskau umzusteigen und einige Stunden auf den nächsten Zug zu warten, oder von einem Bahnhofe zum anderen zu fahren, wird er sich schon des Verbrechens schuldig gemacht haben, wofür er eine Gefängnisstrafe abzubüßen hat. Und in welche Lage kommt da ein Mann, dem ein durchreisender Jude einen Besuch abstattet? Bis jetzt wurden die Moskauer nur dafür verantwortlich gemacht, wenn sie den Fremden nicht rechtzeitig anmeldeten, jetzt aber wird man jeden fragen müssen, ob er das Recht hat, durch Moskau zu fahren, weil sonst der Besuchte selbst auch der Strafe verfällt. Und was wird dabei herauskommen? schließt das Blatt seine Betrachtung. Es werden neue schreckliche polizeiliche Schwindeleien verübt werden, zu deren Aufdeckung ein neuer Senator Garin notwendig sein wird. Bisher hat man nächtliche Razzien nach Juden veranstaltet, die in Moskau kein Wohnrecht haben, jetzt wird eine Jagd nach jüdischen Durchreisenden bei Tage beginnen. Und an Jägern wird es in den jetzigen Zeiten keinen Mangel haben. Für die Juden wird eine neue Ausgabe entstehen und den Jägern wird sich eine neue Einnahmsquelle erschließen; das wird das wahre Ergebnis der Verordnung sein. Die neue Verfügung schafft für Millionen Juden ein neues Gesetz. Nach Petersburg darf ein Jude kommen, ohne dort Wohnrecht zu besitzen, er muß nur binnen 24 Stunden die Stadt verlassen, für Moskau hingegen wurde ein eigenes Gesetz geschaffen. Wie leicht doch in dieser konstitutionellen Zeit Gesetze gemacht werden! Die türkische Verfassung und der Zionismus. Von Wilna wird „Unser Leben" berichtet: Die Wilnaer Zionisten haben an das Zentralkomitee die Forderung gerichtet, ohne Rücksicht auf den im nächsten Jahre stattfindenden ordentlichen Kongreß, so rasch als möglich einen außerordentlichen Kongreß einzuberufen, um über die neue Lage in der Türkei und ihre Konsequenzen für den Zionismus zu beraten. Auf dem außerordentlichen Kongresse soll die Taktik beschlossen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.