Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-10-02 · 40 (2.10.1908) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
40 (2.10.1908)
Date
1908-10-02
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3020846-3021764-3021805--17706-3042595
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

Nr. 40 Sr. »Locv s Mscvenscvrirr. Sette 705 ersten Wahlkörper stattgefunden. In Uebereinstimmung mit der von der Wählerversammlung am 5. September 1908 aufgestellten Bewerberliste sind gewählt worden: In den Kultusgemeindevorstand die Herren Julius Dub, Privatier; Ludwig Edelstein, Kaufmann; Otto Fantl, Kaufmann; Dr. Wilhelm Fleischer, Advokat; Josef Gottlieb, Kaufmann; Josef Lazansky, Privatier; Siegmund Meller, Kaufmann; Dr. Emil Peres, Advokat; Josef Pollak 3611., Privatier; Dr. Wilhelm Schnürmacher, Advokat; Ludwig Schulhof, Kaufmann; Dr. Alfred Soudek, Advokat; Alois Soudek, Kaufmann; Ernst Soyka, Fabrikant. Als Ersatzmänner des Kultusvorstandes find gewählt worden die Herren Gustav Breslauer, Kaufmann; Karl Deutsch, Kaufmann; Wilhelm Fleischner, Kaufmann; D. Jerusalem, Kaufmann; Karl Kraus, Kaufmann; Heinrich Stern, Kaufmann. In den verstärkten Kultusvorstand wurden berufen die Herren: Wilhelm Beck, Privatier; Emanuel Deutsch, Kaufmann; Benedikt Fischer, Kaufmann; Alfred Hartstein, Kaufmann; Ernst Löwy, Fabrikant; Alfred Rabl, Kaufmann; Otto Reichmann, Kaufmann; Dr. Siegfried Schulhof. Advokat; Emanuel Spitz, Kaufmann; Ferdinand Strenitz, Kaufmann; Rudolf Teltscher, Fabrikant; Moritz Tausfig, Kaufmann; Paul Weiseles, Kaufmann, alle in Reichenberg und Herr Gustav Winternitz, Fabrikant in Grottau. Zu Revisoren wurden gewählt die Herren: Josef Freyberg, Kaufmann, und Ludwig Schorr, Buchhalter; zu Mitgliedern der Umlagenkommisfion die Herren Wilhelm Fischl. Ignaz Hersch, Ludwig Kraus und Leopold Sternschuß, zu Ersatzmännern der Umlagenkommisfion die Herren Samuel Kraus und Emil Meller. Bei der am 22. September 1908 stattgefundenen Konstituierung des Kultusgemeindevorstandes find gewählt worden: zum Vorsteher der Kultusgemeinde: Herr Dr. Wilhelm Schnürmacher, zum Stellvertreter desselben Herr Dr. Emil Peres, als Kassier Herr Ludwig Edelstein, als Rechnungsführer Herr Alois Soudek und als Tempelvorsteher Herr Josef Lazansky. Ableben eines jüdischen Freiheitsheldem Vorige Woche starb in Arad, Ungarn, im Alter von 74 Jahren der einstige „Honved" Hermann Flesch, der sich im ungarischen Freiheitskampfe mehrmals durch Mut und Tapferkeit ausgezeichnet hatte. Ganz besonders hatte er sich in dem im Jahre 1848 zu Arad stattgehabten Straßenkampfe hervorgetan. Der Retter und Befreier Arads war damals der Held Alexander Asztalos, von dem man nichts wußte, wo er hingekommen sei. Zufolge der unermüdlichen Tätigkeit des Flesch gründete sich in Arad eine Gesellschaft zum Andenken an den Befreier der Stadt und nach jahrelangen Forschungen, welche Flesch betrieb, gelang es ihm, die Gebeine des Asztalos, ferner ein Mitglied seiner Familie in Hamburg auszuforschen. Die Stadt Arad beschloß, ihrem patriotischen Mitbürger ein Denkmal zu setzen und nach ihm eine Straße zu benennen. Berlin. Am 21. September fand unter Vorsitz des Herrn James Simon eine Sitzung des geschäftsführenden Ausschusses des Hilfsvereines der Deutschen Juden statt. Es wurde u. a. über das Projekt beraten, einen Zusammenschluß der großen jüdischen Vereinigungen für bestimmte Fälle zu organisieren. Der Hilfsverein der Deutschen Juden, der bereits anläßlich der ersten Kischinewer Pogrome eine solche Gesamtorganisation in Vorschlag gebracht hatte und der nach den Pogromen im Jahre 1905 die Anregung zu dem Zusammenwirken der großen Organisationen gegeben hatte, wodurch alsdann auch eine schnelle und rationelle Hilfeleistung ermöglicht wurde, hat seine volle Sympathie für die Idee ausgesprochen, in geeigneten Fällen das Hilfswerk durch Kooperation der berufenen jüdischen Bereinigungen zu zentralisieren, und er hat sich prinzipiell bereit erklärt, einer praktischen, zweckentsprechenden Gesamtorganisation betzutreten. Wie diese Gesamtorganisation herzustellen und wer ihr angehören soll, darüber werden weitere Verhandlungen geführt werden, vor allem auch in Rücksicht auf die Bestrebungen des Komitees, das unter Vorsitz des Herrn Justizrates Horwitz, Berlin, dem gleichen Ziel zustrebt. Es wurde alsdann in der Sitzung eine Reche von Bewilligungen vorgenommen, u. a. für Erziehungsanstalten und Schulen im Orient und für Institute in Deutschland, die sich im Dienste des Hilfswerks für die osteuropäischen, vor allem die russischen Juden betätigen. Bei dem Umschwung der Verhältnisse in der Türkei ist die Vermehrung und Verbesserung der Bildungsgelegenheiten daselbst von besonderer Bedeutung. Es wurden dementsprechend Mittel zur Entsendung deutscher Lehrkräfte für Schulen in Konstantinopel bewilligt, deren Reorganisation und Ausbau der Hilfsverein übernommen hat. Geeignete Persönlichkeiten find bereits gewonnen und sie treten zum Oktober ihre Stellungen daselbst an. Auch nach Bulgarien find zwei neue deutsche Lehrer an Stelle abgehender entsandt. Zur Begründung eines Kindergartens — dieser für den Orient so eminent wichtigen und segensreichen Institution — in Saloniki wird der Hilfsverein seine Unterstützung durch Bewilligung der erforderlichen Mittel dokumentieren. Ferner wurde die Begründung einer Wanderbibliothek in Aussicht genommen, die insbesondere einer Reihe kleinerer Ortschaften in Palästina zugute kommen soll. Herr James Simon machte eine besondere Zuwendung in der Höhe von 3000 Mark zur Herausgabe und Verbreitung von Schriften für die Jugend im Orient — Schriften unterhalten- "den und belehrenden Inhaltes, Lieder rc. Literatur für die jüdischen Kinder im Orient, die nach der Entwicklung der dortigen Verhältnisse in der Hauptsache hebräisch geschrieben sein müßte, fehlt noch fast völlig, respektive es ist noch nicht an eine passende Zusammenstellung für den gedachten Zweck gegangen worden. Der Segen, der durch geeignete Lektüre für Phantasie, Gemütsleben und die Weltkenntnis der Jugend in ihrem empfänglichsten, bildungsfähigsten Alter gestiftet werden kann, ist nicht hoch genug zu veranschlagen. Die versammelten Mitglieder des geschäftsführenden Ausschusses gaben zu der schönen Anregung des Herrn James Simon und seiner hochherzigen Zuwendung ihren lebhaften Beifall kund. Für den Israelitischen Unterstützungsverein für Obdachlose in Hamburg, der die osteuropäischen Durchwanderer beherbergt und der ein neues Heim für sein ebenso notwendiges wie segensreiches Werk errichten muß, wurde eine Beisteuer gewährt. Auch der Hilfsverein für kranke russische Israeliten an der Ostgrenze, in Königsberg i. Pr., an den gleichfalls hohe Anforderungen gestellt werden, erhielt einen Zuschuß. Berlin. Sanitätsrat Dr. S. Neumann, der lange Jahre der Senior der Berliner Stadtverordnetenversammlung war und ihr 46 Jahre, von 1859 -1905, als Mitglied angehörte, ist im Alter von 89 Jahren gestorben. Die Stadt Berlin hat in ihm einen ihrer besten Bürger verloren. Das Statistische Amt der Stadt Berlin ist eine Schöpfung Neumanns. Das ganze moderne Volkszählungswesen ist auf seinen Ideen aufgebaut. Auch auf dem Gebiet der Hygiene und' der sozialen Medizin hat er bahnbrechend gewirkt, und seiner Initiative verdankt die Stadt Berlin zahlreiche der öffentlichen Gesundheitspflege dienende Einrichtungen. Das Geleitwort, welches Neumann seiner im Jahre 1847 veröffentlichten kritischen Schrift „Die öffentliche Gesundheitspflege und das Eigentum" mit auf den Weg in die Oeffentlichkeit gegeben, ist für die geistige und moralische Struktur des Verfaffers kennzeichnend. Das Motto lautet: „Hai ju8iitia, vivat nrandas!“ — „Gerechtigkeit walte, es lebe die Welt!" Gleich seinem großen Freunde Virchow nahm Neumann den lebhaftesten Anteil an allen humanen Bestrebungen. Hervorragend find besonders seine Verdienste als Anwalt seiner Glaubensgenossen. In fast allen jüdischen Organisationen, insbesondere in der „Alliance Jsraelite" hat er eine führende Rolle gespielt. Seit dem Beginn der antisemüischen Bewegung gehörte

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.