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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-10-02 · 40 (2.10.1908) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
40 (2.10.1908)
Date
1908-10-02
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 40 Dr. Llocb's MocöenscbrM. Seite 701 Das Hahnopfer am Poradend de« Nrrsiihnungstagrs. Von Rabbiner Dr. Armin Abrles. (Schluß.) In noch erhöhtem Maß gilt das gesagte von dem Opfer des Versöhnungstages. Es ist merkwürdig, daß die Textkritiker gerade hier nicht sehen wollen. Schon eine oberflächliche Betrachtung von III. B. M. Kap. XVI zeigt, daß die dortselbst beschriebenen kultischen Handlungen mit dem Versöhnungstag in einem nur sehr losen Zusammenhänge stehen. V. 1—28 und 29—32 sind zwei, bloß äußerlich verknüpfte, selbständige Stücke. Stellung und Wortlaut des ersteren legen die Vermutung nahe, daß die darin geschilderten Vorgänge sich nicht auf den Versöhnungstag, sondern eine Art Sühngottesdienst beziehen, welcher die kultuelle Reinigung der durch das Vergehen der beiden Aronssöhne verunreinigten Kultstätte bezweckte und laut V. 32—34 bei dem jeweiligen Eintritt eines Wechsels im hohepriesterlichen Amt wiederholt worden ist. War der Gedanke eines solchen Gottesdienstes erst praktisch einmal durchgeführt, so lag es nicht ferne, ihn in den verwandten Rituskreis des Versöhnungstages einzubeziehen, ohne daß er auch in diesem Kreis über seine ursprüngliche Bedeutung hinausgegangen war. Die Opferfeier des Versöhnungstages mit dem dazu gehörenden kultischen Apparate war immer nur als Sühnmittel für die Gesamtheit des Volkes und sein Verhältnis zu Gott und dem Heiligtum gedacht, die Versöhnung des einzelnen Israeliten war davon unberührt geblieben. Nirgendwo in der Schrift wird dem Individuum die Darbringung eines Opfers am Versöhnungstag vorgeschrieben, vielmehr treten in V. 29—32, der entscheidenden Stelle, „Ruhehalten und sich kasteien" als charakteristische Merkmale der individuellen Versöhnung hervor, wobei zu bemerken ist, daß auch diese stets nur als bloße Anregungsmittel zu gellen haben, den sittlichen Prozeß der Buße und Besserung herbeizuführen 2«). Dem Versöhnungstag und seiner zeremoniellen Beobachtung an und für sich wurde zu keiner Zeit sühnende Kraft beigelegt 21). Solcherart stellt sich der Versöhnuugstag als eine besonders feierliche Gelegenheit dar, das Bewußtsein der Schuldhaftigkeit und dadurch zugleich das Bedürfnis nach Sühne in dem Herzen des Israeliten zu erwecken, durch deren alljährige Wiederkehr diesem aber auch zugleich gezeigt werden soll, zu welcher Innigkeit der Mensch in seinem Verhältnis zu Gott gelangen kann. — Ansonsten scheint der Versöhnungstag keineswegs so schrecklich gewesen zu sein, wie vielfach geglaubt wird. Aus III M. Kap. XXV 9 ist zu entnehmen, daß die Festlichkeiten des Jobel am Versöhnungstage abgehalten wurden und vielleicht ist damit in Verbindung zu bringen, was in babli Taanith 21 von den heiteren aber harmlosen Lustigkeiten an diesem selben Tag berichtet wird. Es kann darin ein neuer Beweis für den Heroismus der jüdischen Ethik erblickt werden, die an der Feier des Versöhnungstages uns lehrt, wie man fasten, sich kasteien und doch zugleich wahrhafte Freude empfinden kann. — Und nun Ia8t not loust das Hahnopfer am Rüsttage des Versöhnungstages. Der Brauch, am Tage vor Jom-Kippur so) Deshalb wurde das 58. Kapitel Jesaia, worin der Prophet leine Stimme gegen das werkheilige Fasten erhebt, von der Synagoge als Haftorahabschnitt für den Versöhnungstag bestimmt. Vgl. auch Philippsohn. 1. c. 21) Wünsche 1. c. '41 behauptet das Gegenteil und beruft sich auf „das Werk" Hilchoth Teschubah. Offenbar soll damit Maimonides gemeint sein. Doch hat Wünsche die betreffende Stelle mißverstanden, denn gerade sie kann als schlagender Beweis für die angeführte Ansicht gelten. Die Stelle lautet: a'av^> nnaa Q'niaa.n ai' 7>v läayn zu deutsch: Das Wesen des Versöhnungstages verlangt die Rene und Umkehr. Maimonides protestiert hier gegen die in babl. Joma 85 d geäußerte aber bald wieder zurückgezogene Ansicht Jehuda Hanassis, wonach der Versöhnungstag als solcher ohne vorhergegangene Reue und Buße sühnende und versöhnende Wirkung habe. Vgl. Kesef Mischne z. St. für jedes Mitglied der Familie unter Beobachtung des bekannten Ritus einen Hayn oder Henne zu schlachten, ist nicht, wie Wünsche'-) annimmt, schon im Sefer Mmhagim zu finden, sondern viel älteren Datums. Allerdings im Literaturkreis des Talmud und Midrasch ist keine Spur davon vorhanden. Auch die Stelle im Jeruschalmi, Schekalim, Kap. V Halacha 4, von manchen damit in Verbindung gebrachter) hat mit dem genannten Brauch nichts zu schaffen. Es geht aus ihr nur so viel hervor, daß in den Tagen zwischen dem Neujahrs- und Versöhuungsfeste viel Geflügel geschlachtet und an arme Leute verteilt wurde, wofür aber auch anderweitige Zeugnisse vorliegen. Babl. Chulin 95 d, Babl. Kethuboth 67 b, Sifre zu IV M. Kap. VI 21. — Die verschämten Armen, namentlich die aus Gelehrtenkreisen halten die Wohltätigkeit ihrer Glaubensbrüder während des ganzen Jahres nicht in Anspruch genommen, ihr Stolz hielt sie davon zurück. Hingegen betrachteten die Bessersituierten es als ihre Pflicht^) in den zehn Bußetagen die Armen mit Fleisch, wegen der leichteren Verdaulichkeit mit Geflügelfleisch zu versehen, damit diese sich für den bevorstehenden Versöhnungstag kräftigen und dies umsomehr, da nach talmudischer Auffassung kräftiges Essen am Vortage des Versöhnungstages dem Gebot des Fastens am Jom-Kippur in religiöser Hinsicht gleichgestellt erscheint.'») Das Schlachten des Hahnes zu rituellem Zweck ist, soweit ich sehe, zum ersten Mal von Hai Gaon folgendermaßen bezeugte«) Der Brauch, am Vortag des Neujahrsfestes Lammsköpfe zu essen und am Rüsttage des Jom-Kippurim für jedes Mitglied der Familie je einen Hahn zu schlachten, beruht auf Aberglauben. nana1? sin vw. Zu dem Ausdruck sr-ana * *sn in Babli Sabbat 81 b, bemerkt Raschi; Ich habe gesunden in den a^isan nnwn: man nimmt aus Palmenzweigen geflochtene Gärtnertöpfchen, füllt sie mit Dünger, streut zwei ooer drei Wochen vor Rosch-Haschonoh Samenkörner von Hülsenfrüchten darein, welche dis zum Neujahrsfest zur Reise gelangen. Am Vorabend des Rosch-Haschonoh wird das mit Hülsenfrüchten gefüllte Töpfchen von jedem Familienmitglied siebenmal um das Haupt geschwungen und dabei die Worte gesprochen: Dies ist meine Auswechslung, dies ist mein Austausch.^) Nachmanides meint, der Brauch des Hahnschlachtens am Vorabend des Jom-Kippur sei abzustellen, da er heidnisch sei. v-nösn "am aaa-28) Sein Schüler Salomo b. Adereth, neben Maimonides'^) die größte rabbinische Autorität des Mittelalters, bemerkt:^») Die in unserer Stadt (Barcelona) allgemein verbreitete Sitte des Hahnschlachtens am Vorabend des Jom-Kippur halte ich für ebenso nichtig und heidnisch •nasn ’anna tj» -nunw wie die andere, für einen neugeborenen Knaben einen Hahn zu schlachten und dessen Kopf samt den Federn an der Eingangstür des Hauses aufzuhängen. Obschon die Hebung dieses Gebrauches mir von namhaften deutschen Rabbinern bestätigt wird, habe ich nicht 1. c. S. 44. 23) So von Salomon Schuck im ,2D"n n-.nv Wien 1894. S. 36. Auch die dortselbst ausgesprochene Vermutung betreffs -asr ans -:2 ma^an "trn entbehrt jeglicher Grundlage. Das ans na bedeutet nicht „Denunzianten", sondern ist, was Schuck übersehen hat. aus V. 8 desselben Psalmes herübergenommen, um das -pvn ’attr, worunter sonst über- oder unterirdische Mächte verstanden werden könnten, sinngemäß zu erklären. *9 Vgl. Jerusch. Schekalim Kap. V. Hal. 4., besonders die Lesart v. Eliah Wilna: pa smn stattpa snw. a3) Vgl. babli Berachoth 8b Tur Or. CH. Paragr. 604. Maimon. Hilch. Nedarim Absch. 3. Im Sohar zu III M. Kap. XVI 29 wird dies aus dem in der Mehrzahl gebrauchten aaTiitra: abgeleitet. Das Esten am 9. Tuchri sei ein nap für die Seele, das Fasten am 10. ein solcher für den Körper. 2«) Vgl. die von den Mekizeh-Nirdomim herausgegebenen naivri a-aisan, Lik. 1864. 27) Das vnaa nt fehlt hier in der Formel. Vgl. auch Ascher b. Jechiel zum Traktat n'niaan m\ 28) Vgl. Tur, Orach Chajim, Paragr. 605. 29) Maimonides selbst scheint die Kopparah nicht zu kkmitn, 8") Vgl. Nr. 395 seiner Response«.

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