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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-10-02 · 40 (2.10.1908) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
40 (2.10.1908)
Date
1908-10-02
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Slr. 40 Dr. Llocb s TOocbenscbrttt. Sette 609 und Rundreise nicht nur das unerwartete Glück, daß ihm nirgends die Stelle gezeigt wurde, wo der Zimmermann das Loch gemacht, sondern er hatte auch zudem das große Vergnügen, sich über die Einfältigkeit, Gutmütigkeit, Unterwürfigkeit und das mehr als komische, hirnverbrannte und charakterlose Benehmen der Jerusalemer Juden ihm gegenüber gehörig lustig zu machen. Sowohl der Oberrabbiner Iallant und seine Umgebung, als auch die Vorsteher und Leiter der verschiedenen jüdischen Institute und Schnorranstalten wußten sich bei dem plötzlichen Erscheinen des deutschen Postinspektors gar nicht zu erklären, was ihnen denn eigentlich die hohe, bisher in den jüdischen Jerusalemer Geschichts- und Kehilla-Annalen unverzeichnet gebliebene Ehre eines solch außergewöhnlichen Besuches verschafft hatte, zumal fich auch Herr Rotte in richtiger Erfassung und Ausnützung der Situation über die eigentliche Veranlassung und den Zweck seines Besuches behutsam und gründlich ausschwieg. Die natürliche Folge davon war, daß die Juden über die ihnen von Seiten eines in Jerusalem so hochgestellten und angesehenen „Deitsch" erwiesene hohe Ehre eines spontanen Besuches wie aus den Wolken gefallen waren und vor dem hohen Gaste in Bücklingen. Kratzfüßen, Schweifwedeln und allerlei sonstigen Untertänigkeits- und Ehrfurchtsbezeugungen beinahe erstürben. Ja die schlauen, mit einem unvergleichlichen Spür- und Scharfsinn ausgestatteten Schnorrer entdeckten bei dem Erscheinen des in dem Gefühl seiner Erhabenheit und Ueberlegenheit doch so herablassenden, leutseligen und charmanten „Bruder Deitsch" sogar eine seltene, höchst günstige und vortreffliche Gelegenheit nach dem Paulinischen Ausspruch: „Denen, die Gott lieben, müssen alle Dinge zum Besten dienen", aus dem Besuch des deutschen Postinspektors gehörig Kapital zu schlagen und für ihre Privat-Ichnorrbanken Reklame und glanzende Geschäfte zu machen. Die Vorsteher der jüdischen Privat-Schnorranstalten beeilten fich nämlich allemhalben, dem hohen Besucher, der gar nicht wußte, wie ihm geschah, als er fich mit einem Male aus einem einfachen preußischen Postmeister in einen angesehenen Hebraisten, Talmudisten, Pädagogen und Doktor verwandelt sah, also an diesem Tage, wie weiland Lord Byron, nur zu erwachen brauchte, um sich berühmt zu finden, ihre Besuchsbücher vorzulegen, in welche der hohe Gast dann seinen Namen mit dem Besuchsdatum eintrug und in begeisterten, lobenden, rühmenden und preisenden Worten die hohen Leistungen und Verdienste der betreffenden Anstalt hervorhob und dieselbe dem gütigen Wohlwollen und der reichlichen Unterstützung der jüdischen Allgemeinheit empfahl. Die jüdische Oeffentlichkeit mag aber aus diesen Vorgängen zugleich lernen, was man überhaupt im allgemeinen über das Entstehen und den Wert der auf jedem Jerusalemer Schnorrbrief prangenden glänzenden Belobungs-, Anerkennungs¬ und Empfehlungsschreiben zu halten und zu urteilen hat! Bei der Schilderung der Folgen des früher in der „Oest. Wochenschrift" erschienenen, gegen die deutsche Post in Jerusalem gerichteten Artikels sei aber zum Schluffe auch noch auf eins nachdrücklichst hingewiesen. Dem Liebeswerben des deutschen Postinspektors in Jerusalem um die Klientschaft der Juden, bevor der beleidigten jüdischen Allgemeinheit die notwendige Satisfaktion gegeben war, wäre von vornherein der Riegel vorgeschoben und der Paß abgeschnitten gewesen, wenn wir hier eine rückzratige» selbstbewußte und unabhängige jüdische Preffe besäßen, welche ohne Feigheit und ohne Rücksicht auf persönlichen Vorteil und materielle Interessen es wagen würde, die Dinge beim rechten Namen zu nennen, ohne beim Anblick der Pickelhaube des deutschen Konsuls und der hohen Schildkappe des russischen das Gleichgewicht zu verlieren und in Ohnmacht zu fallen. Es wäre daher auch aus diesem Anlässe höchst wünschenswert, daß das zionistische Aktionskomitee den so wie so schon lange gefaßten Plan der Gründung einer gediegenen, unabhängigen, wissenschaftlich-populär gehaltenen, palästinensischen Zeitschrift ernstlich näher treten und ihn zu glücklicher, freudig begrüßter Ausführung bringen möchte, was fich jetzt bei der gewährten Preß- und Zensurfreiheit in der Türkei gegen früher noch um vieles leichter ermöglichen ließe. Der Jerusalemer Beobachter. Kitdhauer Mar Klein als Jude. Ueber den jüngst verstorbenen Bildhauer Professor Max Klein finden wir in einem ungarischen Blatte einige Aufzeichnungen, die den Verstorbenen als Juden charakterisieren. Max Klein wird heute als der bedeutendste ungarische Bildhauer gefeiert, obgleich seinerzeit die Budapester Kunstgesellschaft, die für das Urteil in Kunstsachen in Ungarn richtunggebend war, die Fähigkeiten Kleins nicht anerkennen wollte. Sicher ist eines, daß das Genie Kleins sich nicht hätte so leicht entwickeln können, wenn der „Israelitische Handwerker- und landwirtschaftliche Verein" in Budapest sich seiner nicht rechtzeitig — im Jahre 1864 — tatkräftig angenommen hätte. Dieser Verein hat den jungen, 17jährigen Künstler in Schutz genommen und es ist zweifellos, daß, wenn die Vorsehung dem gegen Mißgunst und Vorurteil verzweifelt Kämpfenden nicht den jüdischen Verein als rettenden Engel gesendet hätte, er an dem Urteilsspruche des Sekretärs der „Ungarischen Knnstgesellschaft", daß „Max Klein bar jeden Talentssei, zugrunde gegangen wäre. Er hat in dieser Richtung das Schicksal seines berühmten Landsmannes Munkacsy geteilt, von dem die Wiener Kunstakademie gleichfalls behauptete, daß er kein Talent zur Malerei habe, weshalb sie auch seine Aufnahme in die Akademie verweigerte. Max Klein hat seinen Vater ftühzeitig verloren. Sein Onkel gab ihn zu einem Kaufmanns in Kaschau in die Lehre. Dieser sandte jedoch den Jungen mit dem Bemerken zurück, daß er ihn für zu dumm halte, als daß jemals irgend was Vernünftiges aus ihm werden könnte. Diese schonungslose Meinungsäußerung hatte sowohl den Jungen als auch dessen Mutter außerordentlich gekränkt. Die Verwandten Kleins dachten nun, daß seine Neigung zum Zeichnen und Schnitzen am besten bei einem Zuckerbäcker angebracht wäre, wo er sich durch Entwerfen verschiedener Formen nützlich machen könnte. Abrr auch hier konnte er sich nur wenige Monate halten. Man gab ihn hierauf nach Miskolcz zu einen Uhrmacher, wo er fich auch nicht recht wohl fühlte und seine ganze freie Zeit dazu verwendete, auf die Uhrendeckel verschiedene Verzierungen zu zeichnen. Fünf Jahre und drei Monatelang blieb er als Lehrling bei diesem Uhrmacher. Intimen Freunden gegenüber pflegte der Künstler wiederholt zu stählen, welch unangenehme Erinnerungen an diese Lehrlingszeit in ihm leben. Einige Kunden des Uhrmachers, denen die große Geschicklichkeit des Lehrjungen im Zeichnen und Schnitzen auffiel, munterten diesen auf, seine freie Zeit mit seiner Lieblingsbeschäftigung auszufMen. Klein hatte schon lange die Ambition, in die ungarische Hauptstadt Pest zu kommen. Im Jänner des Jahres 1864 machte fich der damals 17jährige Klein in dünnem Sommeranzuge zu Fuß auf den Weg von Miskolcz nach Pest. Er nahm nicht den kürzeren Weg, sondern machte einen gewaltigen Umweg über Kaschau und Unghvar. Zunächst nahm er von seiner in Kaschau lebenden Mutter Abschied und dann wanderte er nach Unghvar, um fich den Segen der daselbst lebenden Großmutter, die damals im hundertsten Lebensjahr gestanden hatte, zu erbitten, ehe er sich auf den Weg in die große, weite Welt, auf die Künstlerlaufbahn begab. Drei Monate lang dauert die Fußwanderung. bis der Jüngling mit den größten Hoffnungen in der Brust in Pest ankommt, um dort von den damals „maßgebenden" Kunstkreisen, wie eingangs dieser Lebeusschilderung schon erwähnt, schwarz auf weiß das niederschmetternde Urteil zu vernehmen, daß er nicht das geringste Talent zum Künstler besitze. In diesem kritischen Moment nimmt fich der jüdische Handwerker- und Landwirtschaftliche Verein des fast verzweifelnden jungen Menschen an. Der Verein gab ihn zu einem Bildhauer namens Szandhaz, mit dem ein regelrechter Vertrag geschloffen wurde, zur weiteren Ausbildung. Szandhaz war wohl kein großer Künstler, aber Klein war glücklich, Gelegenheit gefunden zu haben, sich mit den Elementen der Zeichen- und Bildhauerkunst vertraut machen zu können. Der strebsame Klein wuchs bald über seinen Budapester Meister hinaus. Nach einer Lehrzeit von wenigen Jahren zog es ihn nach Italien, um die Kunst Michelangelos studieren zu können. Auch die erste Reise nach Italien machte er xsr xeäss. Von Italien kam er nach Deutschland, wo er in den ersten Jahren mit großen Widerwärtigkeiten zu kämpfen hatte. Es ging ihm in Berlin so schlecht, daß er fich genötigt sah, wieder in seine Heimat zurückzukehren, um dort Hilfe für sein weiteres Fortkommen zu suchen. Und wieder war es der „Israelitische Handwerkerverein", der dem vom Schicksale so hart mitgenommenen Künstler unter die Arme griff und ihm die Rückreise nach Berlin ermöglichte, ihn zum Ausharren ermunternd. Max Klein kehrte hochbeglückt nach Berlin zurück, wo er noch einige Jahre, von allen verkannt, gegen Mißgunst und Vorurteil kämpfend, verlebte, bis er endlich im Jahre 1878 im Alter von 31 Jahren sein Werk „Tödliche Umarmung" vollendet hatte, das einen germanischen Sklaven im Kampfe mit einem Löwen darstellt. Mit diesem seinen Werke wurde sein Narne mit einem Male weltberühmt. Die Berliner bewunderten das Kunstwerk und die Pariser Kritik feierte den Künstler. Von diesem Zeitpunkte angefangen hatte die Not Kleins ein Ende, nur die Gleichgültigkeit seiner ungarischen Landsleute tat ihm mitunter weh. Es schmerzte ihn, daß in seinem Vaterlande kein einziges Werk sein Können und Wollen verkündet, ausgenommen eine Brunnenstatue, vie im Hofe der Pester vaterländischen Sparkaffe steht. Und dennoch hatte Klein noch vor acht Jahren, im Auslande bereits anerkannt uni» berühmt, den Versuch gemacht, sich wieder „zuhause" in Ungarn für immer niederzulassen. Er hatte mehrere seiner besten Werke in der Künstlerhalle ausgestellt, aber die >! h l j< i!?!• V ü

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