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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-10-02 · 40 (2.10.1908) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
40 (2.10.1908)
Date
1908-10-02
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Kette 698 Dr. Llocv's Mocdenscbrm. Nr 40 Wahl zngelaffen wurde«, es hätte das wirklich genügenden Grund gegeben, um den Protest wirksam zu machen. Das war ein Zwang für die Kuttnsgemeinde, nach dem klaren Wortlaut des Gesetzes vorzugeheu, um dem drohenden Proteste der Oppositionellen vorzubeugen. Daraus und aus der Geschichte der bisherigen Wahlen und Proteste geht deutlich hervor, daß das oppositionelle Wahlkomitee eine kühne Verdrehung der Tatsachen vornimmt, indem es die Kuttnsgemeinde einer Tat beschuldigt, zu welcher -L'se von den Oppositionellen gezwungen wurde. Die Oppositionellen machen so gerne die Behörden zu Schiedsrichtern in jüdischen Angelegenheiten. Sie haben auf diese Art von der Kultusgemeinde gewaltsam erreicht, daß das Statut entgegen der bisherigen Gepflogenheit im vollen Wortlaut angewendet werden mußte, und es ist ein mehr als starkes Stück, über eine Tatsache zu schimpfen, die man selbst und gewaltsam herbeiführte. Ueberdies hat man nicht bloß durch wiederholte öffentliche Ankündigung, sondern auch durch ein besonderes Zirkular jeden einzelnen säumigen Steuerzahler auf die Bestimmung des Statutes aufmerksam gemacht; rechtzeitig erinnert und gemahnt, durch Einzahlung des Steuerrückstandes das Wahlrecht sich zu sichern. Als Gradmesser für Urteilsreife und ethische Einsicht der dermaligen „Führer" unserer Opposition darf wohl deren au den W i e n e r Magistrat gerichtetes Ansinnen gelten, den Kultusvorstand zu beauftragen, alle Steuerrückstände schon des laufenden Jahres mit Hilfe der Exekution einzutreiben. Sonst pflegt es nie Aufgabe der Opposition zu sein, den Antreiber des Steuerexekutors abzugebeu. Selbstverständlich finden die Oppositionellen bei ihrem Vorgehen die Bundesgeuossenschaft des „Deutschen Volksblattes", das mit Vergnügen dabeisteht, wenn im Judentum gestritten wird. Das christlich soziale Parteiorgan druckt den oppositionellen Wahlaufruf vollständig ab, mit besonderem Behagen die Beschimpfungen der Kultusgemeinde und ihrer im Amte ergrauten Vorsteher und knüpft an das Ganze mit gewohnter Wahrheitsliebe die Folgerung, daß die Juden den Wahlrechtsraub, den sie fälschlich den Christlich-Sozialen zuschreiben, in ihrem eigenen Hause verüben und daher durchaus kein Recht haben, der Luegerpartei irgend welche Vorwürfe zu machen. So helfen die Oppositionellen den Kampf gegen den Antisemitismus lähmen, indem sie den von ihnen selber verursachten Maßnahmen zu Agitationszwecken einen falschen Namen geben und die Schuld an einem von ihnen so genannten „Verbrechen" Leuten in die Schuhe schieben, die bis jetzt darauf gehalten haben, daß das „Deutsche Volksblatt" sie nicht unterstützt, sondern angreift. Wenn das oppositionelle Wahlkomitee derartige Mittel und Argumente anwendet, dann schaut es sehr übel aus um die „gerechte" Sache und man bekommt eine eigentümliche Meinung von Leuten, welche den jüdischen Name» verunglimpfen, unseren erbittertsten Feinden Helfersdienste leisten und mit Gewalt einen jüdischen „Wahlrechtsraub" konstruieren, wo nichts vorliegt, als gesetzliche Anwendung des geltenden Statutes, dessen Verletzung eine Annullierung der Wahlen herbeiführen dürfte. Ton und Stil des mehrfach erwähnten, vom „Deutschen Volksblatt" eines wörtlichen Abdruckes gewürdigten Zirkulars des oppositionellen Wahlkomitees sind aber wohl geeignet, auch den schlichten Wähler darüber aufzuklären, was aus unserer altehrwürdigen Gemeinde mit ihrer ruhmreichen Tradition wohl werden möchte unter der Verwaltung von Leuten, welche Mittel und Methoden des Wahlkampfes den Wiener Christlich-Sozialen entlehnen, chre Schlagworte kopieren, unseren besten Männern das Wirken im jüdischen Gemeindeleben durch ungerechte und geflissentliche Verunglimpfungen verleiden und verekeln. Wem die Ehre des jüdischen Namens noch etwas gilt, der muß sich bemühen, solche Elemente von der jüdischen Kultusverwaltuug möglichst fernzuhalten. B. Das Ket»eswert»en des deutsche« postinspektors «m die Inden in Jerusalem. Die Leser erinnern sich ohne Zweifel eines vor mehreren Wochen in der „Oesterreich. Wochenschrift" erschienenen Artikels, in welchem wegen eines am Schalter und in den Diensträumen sich breitmachenden Antisemitismus gegen das Personal auf der deutschen Post in Jerusalem energischer Protest erhoben worden war. Der betreffende Artikel hat namentlich in Jerusalem, allgemeines Aufsehen erregt, ja, die Ausführungen der „Oesterreich. Wochenschrift" sollen sogar in der „Warte des Tempels", dem in Stuttgart erscheinenden Organ der deutschpalästinensischen Tempelgemeinde, vollständig abgedruckt worden sein. Die „Oesterreich. Wochenschrift" mit dem betreffenden Artikel wurde auch nebst einer speziellen schriftlichen Eingabe an das Reichspostamt in Berlin gesendet, damit auf der deutschen Post in Jerusalem sofort die nötige Säuberung und Reformierung vorgenommen werde. Bis jetzt ist aber nichts Derartiges geschehen. Der frühere, für die gesetzwidrigen und gegen alle gute Sitte verstoßenden Vorgänge auf der deutschen Post in Jerusalem verantwortliche Postinspektor Völker, ein Schwiegersohn des hiesigen deutschen Arztes Dr. Einsler, ist zwar seither versetzt worden, aber ^>ie beiden, besonders belasteten Unterbeamten Müller und Bäuerle befinden sich noch immer aus ihren Posten. Den unliebsamen Ereignissen und unerhörten Vorgängen gegenüber sucht man in Berlin offenbar die Vogel-Strauß- Politik zu befolgen und die ganze Angelegenheit durch Verschweigen und Vertuschen aus der Welt zu schaffen. Die über den rohen Antisemitismus des Bäuerle, speziell gegen die deutsche Post aufgebrachte, jüdische Oeffe.ntlichkeit sucht man jetzt nur durch eine den Juden gegenüber erzeugte ausgesuchte Höflichkeit und ein fortgesetztes, angelegentliches Liebeswerben zu beruhigen und auf günstige Weise wieder umzustimmen. Die in dieser Hinsicht von dem an die Stelle des abgegangenen Völker eingerückten Postinspektor Rotte aufgewendeten Bemühungen, welcher in den letzten Wochen bei dem Oberrabbiner Sallant und in mehreren jüdischen Anstalten von Jerusalem persönliche Besuche gemacht, gaben an manchen Orten nicht lediglich Verlassung zu manchen unfreiwilligen komischen Szenen, sondern hatten auch in der einen und anderen Hinsicht einen gewissen Erfolg, da man vielerorts von dem in der „Oesterreich. Wochenschrift" gerügten Vorgängen auf der deutschen Post noch nichts wußte und Herr Rotte wohlweislich und in schlauer Berechnung sich über die eigentliche Veranlassung seines Besuches gründlich ausschwieg. Nachdem der frühere Artikel gegen die deutsche Post in der „Oesterreich. Wochenschrift" erschienen war, bemühte sich der den Lesern wohlbekannte Herr Phil. Kieferndorf, sowohl bei dem „liberalen" Redakteur der „Hasch kafa", Herrn Ben Jehuda, als auch bei dem „orthodoxen" Herausgeber des „Habezeleth", Herrn Frumkin, damit der Artikel der „Oesterreichischen Wochenschrift" in diesen beiden hebräischen Jerusalemer Blättern Aufnahme und Verbreitung fände, zu dem Zwecke, die deutsche Post wegen der skandalösen Beleidigungen von jüdischer Seite in Boykott zu erklären. Aber alles Liebesbemühen blieb vergebens. Aus einer dem Jerusalemer Juden besonders im Blute wohnenden, ganz gewaltigen Ehrfurcht. Hochachtung und Scheu vor dem säbelrasselnden und bramarbasierenden „Deitsch", kroch der kleine, hagere, liberale Ben Jehuda und der bausbäckige, wohlgenährte orthodoxe Frumkin, die sich sonst hassen und meiden wie das Wasser und das Feuer, aus Furcht vor dem deutschen Konsul, der selbst zu fürchten Grund hat, in ein und dasselbe Mausloch, wo fie jetzt noch zitternd brüderlich nebeneinander fitzen. In Folge der Weigerung der beiden jüdischen Jerusalemer Zeitungsverschleißer, den früher in der „Oesterreich. Wochenschrift" gegen die deutsche Post erschienenen Artikel abzudrucken und weiterzuverbreiten, blieben also die Anklagen gegen die deutsche Post mancherorts noch unbekannt, da die „Oesterreich. Wochenschrift" wie alle ausländischen, jüdischen Blätter nur in wenig Exemplaren hier gelesen wird und hatte daher der deutsche Postinspektor Rotte auf seiner Jerusalemer jüdischen Besuchstour

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