Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1908)
- Issue
- 39 (25.9.1908)
- Date
- 1908-09-25
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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6etU 690 Dr. Llocb's Mocdensebritt. Kr. 39 Kroatifch-Kreuz. Am 16. d. M. hat Se. Exzellenz Baron Rauch, Banns zu Kroatien, Slavonien und Dalmatien, unsere Stadt mit seinem Besuche beehrt und in der Residenz unseres hiesigen Bischofs Drohobeczky Quartier genommen. Dort hat Se.. Exzellenz alle Deputationen empfangen, darunter auch unseren Herrn Rabbiner Dr. Engel und die Deputation unserer Gemeinde. Zu der Tafel, die der Bischof Sr. Exzellenz zu Ehren gegeben hat, waren unser Rabbiner und der Vorsteher geladen. Bei der Tafel haben Se. Exzellenz und der Bischof unsere« Herrn Rabbiner mit Ansprachen ausgezeichnet; unser Herr Rabbiner hat eine geistreiche Rede gehalten. Von 2 Uhr bis 8 Uhr abends hat sich dort unser Herr Rabbiner gut unterhalten. Die Liebenswürdigkeit des Banns wie die Seiner Emineuz des Bischofs ist unbeschreiblich. Przibram, 17. September. Heute haben wir eine unserer besten Frauen, Frau Rosa Porges, geb. Bondy, Gattin des Herrn Adolf Porges, die im jugendlichen Alter von 42 Jahren verschied, zu Grabe getragen. Die edle Verstorbene, die vor einigen Jahren von Dobrisch hieher übersiedelte, hatte sich durch einen besonders eindringlichen Verstand, einen lauteren Charakter und durch wahre Herzensgüte ausgezeichnet. Darum erfreute sich Frau Porges in den weitesten Kreisen der Bevölkerung der größten Hochachtung und der wärmsten Sympathien, was auch beim heutigen Leichenbegängnis deutlich zutage trat. Hinter dem Sarge schritten nebst den nächsten Angehörigen, denen sich auch Herr Rabbiner Dr. Link aus Pilsen — ein langjähriger Freund des Hauses — anschloß, Abordnungen sämtlicher Vereine und eine schier endlose Menschenmenge. Herr Rabbiner Dr. Kohu widmete der Verstorbenen einen ehrenden Nachruf. Das Jubiläum Hamburgers. Heuer sind es fünfundzwanzig Jahre, seitdem H. Hamburger, der i berühmte Physiolog, der Schüler Donders, zum Doktor der Chemie promoviert wurde. Aus diesem Anlässe haben sich unter Führung von Ernst Cohen in Utrecht die Verehrer Hamburgers zu einem mit dem Porträt Hamburgergeschmückten Festbande der „Biochemischen Zeitschrift" zusammengetan, den Cohe« mit einer gediegenen Biographie des an der Universität Groningen an seinem von der holländischen Regierung überaus munifizent ausgestatteten Jnstttut wirkenden Meisters und mit der Aufzahlung seiner bisherigen 140 Arbeiten eingeleitet hat. Mitarbeiter am Festbande sind Gelehrte ersten Ranges aus den meisten Kulturstaaten, wie Pekelharing, Brodig, Jacques Löb, Arrhenius, Samojlow, Hekma, Van 't Hoff, Leduc, Robertson, Polimanti, Richet, Sabbatini usw. Oesterreich ist durch R. O. Herzog (Karlsruhe) vertreten. Frankfurt a. M. Dr. phil. Adolf Brüll, Herausgeber der „Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judentum für Gebildete aller Konfessionen", ist nach langem Leiden verschieden. Er war ein Sohn Rabbiners Nehemias Brüll, der 1870 als Nachfolger Abraham Geigers nach hier berufen wurde und 3891 hier starb. Bis vor einigen Jahren war der Verstorbene als Oberlehrer am hiesigen Philantropin tätig. Bad Reichenhall. (Berichtigung.) In unserer vorwöchentlichen Korrespondenz, in welcher wir über die Hochzeit im Hause Iork-Stein er berichteten, wurde der Name des Bräutigams mit Mürzkab angegeben, während sein richtiger Name Dr. Alexander Muszkat ist. Ein jüdischer Soldat als Lebensretter. Anläßlich des großen Brandes, der vor kurzem in den Werkstätten der Moskau-Brester-Eisenbahn gewütet hat, hat ein jüdischer Soldat aus dem Kolomensker Regiment mit Hintansetzung seines eigenen Lebens mehrere Personen aus den Flammen gerettet. Bei dieser heldenmütigen Rettungsaktion erhielt der jüdische Soldat mehrere schwere Kopfwunden durch einen niederstürzeuden Balken. Der Regimentskommandant belobte den jüdischen Soldaten vor dem ganzen Regimente und schlag ihn für eine kaiserliche Auszeichnung vor. Ob dieser jüdische Soldat trotz seines Heldenmutes und mit samt seinem wertvollen Orden nicht nach Schluß seines Militärdienstes aus seiner Geburtsstadt „mangels eines nachweisbaren Wohnrechtes" wird verjagt werden, kann bei den russischen Verhältnissen nicht als sicher angenommen werden. Cm Grabdenkmal für Antokolskij. Aus Petersburg wird uns geschrieben: Die Nachricht, daß auf dem Petersburger jüdischen Friedhofe schon in nächster Zeit ein Grabmal für den verstorbenen Bildhauer Antokolskij zur Aufstellung gelangen soll, entspricht nicht ganz der Wahrheit. Das imposante Denkmal dürfte erst im Frühjahre fertiggestellt werden. Gegenwärtig wird an dem Entwürfe gearbeitet, und erst wenn dieser von dem Denkmälkomitee akzeptiert wird, soll zur Ausführung geschritten werden. Gleichzeitig mit der Enthüllung des Denkmales wird auch eine Ausstellung des Nachlaffes des großen Künstlers stattfinden. Zur Ausstellung gelangen das Arbeitszimmer Antokolskijs, das seit seinem Ableben unberührt geblieben ist, ferner alle nachgelassenen Skizzen, Marmor- und Bronzebüsten usw. Die letzte Ausstellung Antokolskijscher Arbeiten hat im Jahre 1893 stattgefunden. Die jetzt geplante Ausstellung soll in den Salons der Petersburger Kunstakademie veranstaltet werden. Konstantinopel, 22. September. (Mitteilung des Deutschen Bureaus der Alliance Jsraelite Universelle.) Die Israeliten von Jemen haben an den Chacham-Baschi telegraphisch die Bitte gerichtet, er möge dem Sultan gegenüber der Dolmetsch ihres innigsten Dankes für die Verleihung der Konstitution sein und für die möglichst beschleunigte Durchführung der Reformen eintreten. Dieses Telegramm stellt die ersten Beziehungen dar zwischen den Israeliten vom Jemen und dem Großrabbinat und den anderen Israeliten der Türkei überhaupt. Der Chacham- Baschi hat dem Kultusministervon jenem Telegramm Kenntnis gegeben und gleichzeitig telegraphisch an den Vorsteher der israelitischen Gemeinde in Sanaa (Jemen) die Aufforderung gerichtet, ehestens einen ausführlichen Bericht einzusenden, der über die Zahl der Israeliten in Jemen, über ihre Tätigkeit und über die Organisation ihrer Gemeinde Aufschluß gibt. Nach Eingang dieses Berichtes will das Großrabbinat an die Israeliten von Jemen eine Delegation entsenden. Dem Chacham-Baschi Nahoum ist der Medjidjeorden dritter Klasse verliehen worden. Feuilleton. Girre Ein Kulturbild der Gegenwart von Dr. Armin Schnitzer, Oberrabbiner in Komarom. VII. Kapitel. Sonntag mittags folgte Dr. Seemann der Einladung der Rabbinerfamilie. Die Rabbinerin war ernstlich bemüht, das an ihrem Gaste begangene Unrecht gutzumachen. Das Gewitter hatte sich mit elementarer Gewalt entladen und nun empfing ihn Heller Sonnenschein. Herzlich war die Begrüßung von Seiten Jlkas. Einander die Hände reichend, blickten sie sich tief in die Augen, welche Jlka errötend niederschlug; freundlich empfing ihn Gustav Weber, sein Kollege und — Rivale. Während des Speisens erzählte Dr. Seemann vom gestrigen gemütlichen Abend beim Präses und erwähnte auch der Interpellation des Dr. Pollak betreffs des Zionismus, worauf Jlka das Wort nahm. „Auch ich möchte Sie in dieser Frage interpellieren. Ihre Predigt hat mir, ohne mir ein sachverständiges Urteil anzumaßen, sehr zugesagt, sie war formvollendet, geistreich, mit wirkungsvoller Begeisterung vorgetragen und ich beglückwünsche Sie aufrichtig zu dieser Rede; aber sagen Sie mir, lieber Herr Doktor! warum haben Sie so eifrig gegen das Bestehende den Kampf ausgenommen? Warum haben Sie so offen religiöse Reformen gepredigt? Meinen Sie etwa, daß Sie mit solchen Predigten die Religionslosen zu frommen, guten Juden machen werden? So viel Konzessionen können Sie ihnen gar nicht bieten, daß sie ihnen genügen würden, ja, welche das Leben nicht bereits weit, weit überflügelt hat. Meinen Sie etwa, daß sie, wenn-Sie ihnen von den zwei Feiertagen den zweiten Tag erlaffen und preisgeben würden, den ersten Tag halten würden? Ach nein, sie wollen eben gar nichts; und meinen Sie etwa, daß, wenn Sie ihnen die Gebete verkürzen, sie am Samstag ihre Kanzler, ihr Komptoir, ihr Geschäft absperren und zu den verkürzten Gebeten ins Gotteshaus eilen werden?