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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-09-25 · 39 (25.9.1908) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
39 (25.9.1908)
Date
1908-09-25
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite'688 m. Lwcv s Nr. 39 Hand auf ihren Mund Pressen und sie so töten werde. Da bei manchen Stämmen nicht nur die Witwe, sondern auch die Schwestern, Mutter, Schwiegermutter des Verstorbenen dieselbe Prozedur durchmachen muffen, kommt es vor, daß manche Frau „jahrelang" schweigen (!) muß. Der Vortragende kannte einen Fall, wo sich dieser Zustand auf nahezu 25 Jahre lang hinausgedehnt hat. Der Zusammenhang dieser Gebräuche mit dem Worte N2L« ist natürlich mehr als fraglich. Um 4 Uhr nackmittags hielt Prof. Dr. Jastrow feine Prösidential-Ansprache, worin er in geistreicher Ausführung eine kurze Geschichte der semitischen Religionen gab. Interessant zu werden versprechen folgende Vorlesungen: „Vergleichende Religions-Wissenschaft" von Dozent I. Abrahams—Cambridge. „Kanaanitische Religion in der Zeit der israelitischen Invasion" von Mr. A. Cook— Cambridge. „Die Religion der hebräischen Propheten" und „Die Ethnologie von Galiläa" oder „War Jesus ein Jude von Raffe?" von Pros. Haupt aus Baltimore, der mit seiner Theorie über letztgenanntes Thema beim Or entaliflen-Kongreß in Kopenhagen schon Aufsehen erregt hat: ferner die „Samaritanische Religion" von Dr. Gaster und „Die Genesis Israels" von Mr. G. H. Skipwitch—Bordighera. Merkwürdigerweise sind nur sehr wenige jüdische Gäste beim Kongreß anwesend. Diese sind: Haham Dr. Gaster, Markus Adler, Journalist Jsr. Cohen, Bibliothekar Dr. L. Barnett, Claude Montlfiore, Dr. Carl Duschinsky aus London, Prof. Jastrow aus Philadelphia. Dozent Israel Abrahams aus Cambridge und M. Salomon Reinach aus Paris. 6. P. Der jüdische Künstler Hirffenberg gestorben. Wie aus Jerusalem gemeldet wird, ist daselbst der berühmte Künstler H i r ß e n b e r g, der erst vor einigen Jahren einer Berufung der Jerusalemer Kunstschule „Bezalel" Folge geleistet und dort als Professor wirkte, am 16. d. M. (19. EluI) plötzlich gestorben. Hirßenbera war ein Schüler der Krakauer Akademie. Er hat ein Alter von höchstens 42—43 Jahren erreicht, hat aber in der kurzen ihm be'chiedenen Lebenszeit so. Großes auf dem Gebiete der Kunst, und auch insbesondere der jüdischen Kunst, geleistet, daß er seinen Namen mit ewigen Lettern in das Stammbuch jüdischer Kunstgeschichte eingeschrieben hat. Von seinen Freunden wird uns sein milder und ehrlicher Charakter gerühmt, und wir alle hatten Gelegenheit, im Winter andachtsvoll vor seinem großen Gemälde zu stehen, das die wandernden Juden aus der Schneesläche darstellt und das er bezeichnenderweise „Golus" genannt har. Er ist in Lodz geboren und hat lange in Paris gelebt und sich schließlich entschlossen, im Dienste des jüdischen Volkes und des jüdischen Kunstgewerbes als Lehrer am „Bezalel" nach Jerusalem zu gehen, wo er in der kurzen Zeit bereits außerordentlich segensreich gewirkt hatte. Sein jüngerer Bruder Leon Hllßcnberg, der in Paris lebt, gilt ebenfalls als ein sehr bedeutendes Talent auf dem Gebiete der darstellenden Kunst. Der Verlust ist besonders für den „Bezalel" außerordentlich groß. Unter den Kulturträgern des jungen Jerusalem wird man stets Samuel Hirßenberg als einen der vortrefflichsten Namen nennen. Vermischtes. Tempelfpenden für die Allianz. In unserer jüngsten.Generalversammlung wurde unter Anderem auch auf den bedauerlichen Umstand hingewiesen, daß außer in den Wiener Haupisynagogen fast nirgends in Oesterreich an den Feiertagen zugunsten der Allianz gespendet werde. Da in jeder größeren Kullusgemeinde die Wohltäter besonders an den hoben Feiertagen neben den lokalen humanitären Anstalten auch der großen, jüdischen, für unsere Gesamtheit wirkenden Vereine gerne gedenken, so braucht es wohl nur einer Anregung dazu, um auch unserer Organisation, welche für das Hilfswerk zugunsten unserer osteuropäischen, verfolgten Glaubensgenoffen, wie für ihre anderen statutarischen Hilsszwecke großer Mittel bedarf, nach Möglichkeit Spenden zuzuführen. Wir erlauben uns daher, die geehrten Herren Kultusvorstände und Bethausvorsteher dringend zu bitten, die Allianz in die Liste der bei den Spenden zu berücksichtigenden Institute aus nehmen zu wollen, andererseits an die Herten Rabbiner und Prediger, die so oft von der Kanzel in hervorragender Weise unsere Hilfsaktionen bereits gefördert haben, das höfliche Ersuchen zu richten, in ihren festlichen Ansprachen auf die Pflicht jedes Israeliten hin zuweisen, der Allianz anzugehören und an die vermögenden Glaubensgenossen zu appellieren, daß sie ihrer Pietät gegen ihre Eltern und Vorfahren durch Tempelspenden und Legate für die Allianz Ausdruck geben. Der Vorstand der Israelitischen Allianz zu Wien". Geldsendungen sind zu richtenan die »Israelitische Allianz", Wien, I., W e i h b u r ggasse 10 (Postsparkassenkonto Nr. 8152V Wien. Die Trauung des Fräulein Frieda K o h n, Tochter des allverehrten ersten Vizepräsidenten der Wiener Knltusgemeinde Herrn Landesschulrat Dr Gustav K o h n, mit dem Assistenten an der Poliklinik, Herrn Med. Dr. Leopold Knopf, welche am 20. d. M. stattfand, bot der großen Gemeinde von Verehrern und Freunden der Brauteltern einen freudigen Anlaß, ihre Sympathie und Verehrung für die Familie des Brautpaares zum Ausdrucke zu bringen. Der festlich mit Blumengewinden dekorierte Tempel in der Seitenstettengaffe war bis aus das letzte Plätzchen mit Damen und Herren aus der vornehmen Gesellschaft dicht gefüllt. Es waren erschienen sämtliche in Wien weilenden Mitglieder des Vertreterkollegiums und des Vorstandes der Wiener Kultusgemeinde, der gesamte Bethausvorstand, alle Rabbiner mit dem greisen Rabbiner Dr. S ch m i e d l, der gesamte Beamtenkörper mit den Sekretären kais. Rat Dr. Lieben und Dr. Adler, ferner die Reichsratsabgeordneten Freiherr v. H o ck und Dr. Ofner, Oberlandesgerichtsrat, Dr. Spitz köpf, die Obmänner der Tempelvereine Gottlieb Bettelheim,' Hermann Beck, Regierungsrat Dr. Schlag, die kaiserlichen Räte Dr. Krüger und L i ch t e n st a d t, die Advokaten Dr. Kuh, Dr. Lifczis, mehrere Direktoren von Mittelschulen und Leiter städtischer Schulen die Professoren Dr. Weiß und K a n i tz, Architekt Modern. Oberinspektor Engel, Bibliothekar Dr. Münz, sämtliche Kantoren und Religionslehrer der Gemeinde und viele andere. Den Trauungsakt vollzog Oberrabbiner Dr. G ü d e m a n n, der in der Trauungsrede an das Brautpaar die hervorragenden Verdienste, welche sich der Brautvater an der Seite seiner allseits verehrten, biedern und edlen Gattin um die Wiener Kultusgemeinde und um das Judentum erworben, als leuchtendes Beispiel für das soeben beginnende selbständige gemeinsame Leben der jungen Ehegatten hinstellte. Die synagogalen Gesänge wurden vom Oberkantor Singer mit verstärktem Chore und Orgel- und Harsenbegleitung mit gewohnter musikalischer Präzision zum Vortrage gebracht. Besonders hervorragend waren die Leistungen des Chores, der unter der musterhaften Leitung des Meisters Prof. Joseph S u l z e r stand. Bei der auf die Trauung folgenden Gratulationscour im Prachtsaale des „Hotel Central" stellten sich außer den zahllosen persönlichen Freunden und Verehrern auch zahlreiche Deputationen mit ihren Glückwünschen ein. Es erschienen Reichsratsabgeordneter Baron Hock, für den deutsch-freisinnigen Verein für den IX. Bez. Herr Dr. S ch n e p p, der Bethausvorstand des I. und II. Bezirkes, Abordnungen des „Ferienheims", des „Frauenhort", der Tempelvereine der Bezirke IV, V, VIII, IX und X, Vertreter der Religionslehrer mit Inspektor Prof. K a n i tz an der Spitze, der Mittelschulprofefforen, der Toynbee-Halle, des Vereines „Palme" mit Inspektor Doktor L. Langfelder, des jüdischen Schulvereines für den 9. Bezirk re. rc. Nahezu 1000 Telegramme und 500 briefliche Gratulationen kamen dem Brautpaare und deren Eltern zu, als Zeichen der großen Wertschätzung, deren sie sich in allen Schichten der jüdischen Bevölkerung erfreuen.

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