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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-09-25 · 39 (25.9.1908) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
39 (25.9.1908)
Date
1908-09-25
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 39 AL. WmM^Ernd- Leite 687 Der Eindruck, den selbst die lange Dauer der Veranstaltung nicht abschwächte. war ein mächtiger und allgemeiner, und dankbar wurde das glänzende Gelingen der Veranstaltung, das selbst die kühnsten Erwartungen übertroffen hatte, anerkannt. Ferialkurse für jüdische Religionslehrer in Böhmen. Der Verband der israelitischen Mittelsckulreügionslchrcr in Böhmen hat mit der Aktip'eimia des ersten Ferienkurs»? der am 8., 9. und 10. September d. I. in Prag staltgefundtii hat, den Beweis erbracht, daß er seine Aufgaben ernst nimn l und nur Energie und Opferfreudigkeit die großen Hindernisse überwindel, die sich bisher feinen Bestrebungen im Allgemeinen in den Weg stellen. Wan muß die freudige und die gehobene Stimmung mit angesehen und miterlebt haben, von der sowohl Lebrcr und Hörer erfüllt waren. Mit Eifer und aufrichtiger Hingabe wurden die Vorträge *u Gehör gebracht, mit nicht minderer Spannung und sichtlichem Wisst, «durste angebört. Dozenten und Hörer Überbolen einander, den Ferial5 rsns ii.tertffant und genußreich zu gestalten. Konnten auch vorerst in dem bescheidenen Nahmen, in welchem der erste Versuch gemacht wurde, nur Anregungen geboten werden, so batten die Teilnehmer dennoch das Gefühl, daß sie eine Bereicherung ihres Wissens mit in ihre >.eimar nahmen, was auch in dem ausnahmslos geäußerten Wunsche zum Ausdrucke kam, daß die Ferialkurie sich zu einer stetigen Einrichtung gestalten mögen. Am 7. September versammelten sich Lehrer und Höi w des Ferialkurses zu einem gemütlichen Abend im „Hotel Bristol". In Vertretung des Obmannes begrüßte Herr P,os. Dokror Kisch die E schienenen in herzlichen Worum Es folgte hierauf eine Reihe von Tischreden, insbesondere seitens des Herrn Prof. Doktor Hirsch, des Herrn Tr. N. Kobner, der in Vertretung der Prager Kultusgemeinde-Repräfentanz erschienen war. und mehrerer anderer yerren. Alle Reden gipfelten in dein Ausdrucke der Freude über das begonnene Werk und in der Hoffnung. daß es wohl gelingen möge. Hervorgeboben wurde allgemein die Bedeutung der Ferialkurse als ein Mittel der Annäherung zwischen Rabbinnr und L.brern. Ferner wurde auch mit Freude begrüßt, daß Herr Dr. Kobner seine warme Förderung dieser Angelegenheit in der Repräsentanz der Prager Kultnsgemeinde zusagte. Höchst interessant und anregend war der Bericht bes Herrn Rabbiners U t i tz-Brandeis a./E. über die Breslauer Ferialknrse. Die nächsten drei Tage waren der ernsten Arbeit gewidmet. Den Beginn machte der Obmann des Verbandes der iiraelit scheu Mittelichnlreligionslehrer in Bödmen, Herr Rabbiner Salomon Knöpfet mach er in Prag mit seinen Vorlesungen Pentateuch mit alten Kommentaren, besonders Praichi, Jbn Esra, Praschbam und Pramban, und den Targumim. Herr Prof. Dr. Kisch las über talmudsich s und staatliches Eherecht mit besonderer Berücksichtigung der Praxis :n Oesterreich. Herr Prof. Dr. Hirsch wählte zu seinen Vorträgen das Thema: Religiöse Disputationen im Mittelalter. Herr Rabbiner F r e n n d-Bodcnbach sprach über Methodik des Religionsunterrichtes. Leider erfuhr das interessante Programm gleich am zweiten Tage eine Aenderung durch die traurige Nachricht von dem Ableben des ausgezeichneten philosophischen Schriftleiters Dr. M. L. Stern, Rabbiners in Triesch, zu dessen Beerdigung Herr Professor Dr. H i r ch abreisen mußte Die hiedurch entfallenden Stunden wurden teilweise durch einen Vortrag des Rabbiner« Herrn Knöpfelmacher jun.: „Einiges aus der hebr. Archäologie" und durch die Verlängerung der genannten Vorträge der Herren Professor Dr. Kisch und Rabbiner Freund ausgefüllt. Der Familie des verewigten Gelehrten, sowie der Kultusgemeinde in Triesch wurde das Beileid der Lehrer und Teilnehmer des ersten Frrialknrses lelegraphifch mitgeteilt. Alle Vorlesungen waren sehr gut besucht und mit Eifer angehört. Vom Lande hatten sich 20 Herren als Hörer aemeldet, einige kamen sogar ohne vorherige Anmeldung. Die Präger Religionslehrer wohnten dem Kurse ausnahmslos an. In den Schlußreden kam die hohe Freude über das vollkommen gelungene Unternehmen zum erhebenden Ausdruck, wie denn auch der hohe geistige Genuß durch keinen Mißton getrübt war. Fragen wurden ungeniert gestellt und seitens der Vortragenden bereitwilligst beantwortet. Zum Schluffe sei insbesondere dem Zentralvercin zur Pflege jüdischer Angelegenheiten, der durch seine Munifizenz die Abhaltung des Ferialkurses ermöglichte, nicht minder dem Kultusvorstande in Karolinental und dem Humanitätsverein Bne-Brith „Bohemia" für die ansehnliche Spende, ebenso dem Kultusvorstande der König!. Weinberge, der im Falle der Aktivierung der Ferialkurse einen ansehnlichen Betrag in Aussicht stellte, sowie dem jüdischen Volksvereine für die Bereitwilligkeit, mit der er seine Lokalitäten dem Verbände zur Verfügung stellte, der innigste Dank ausgesprochen. Das Gelingen des Werkes wird hoffentlich auch die übrigen Gemeinden und Vereine zur Unterstützung und Förderung veranlassen. Budapest. (Ein neuer Tempel.) Auf der Arenastraße, gegenüber dem alten jüdischen Friedhof, wurde vorige Woche ein neuer Tempel der Bester israelitischen Kultusgemeinde eingeweiht. Die Feierlichkeit ging in würdevoller und erhebender Weise in Anwesenheit eines überaus zahlreichen andächtigen Publikums vor sich. Der neue Tempel, den die Bester israelitische Kultusgemeinde, in Erfüllung eines alten Wunsches der Angyalfölder Gemeindemitglieder, errichtet hat, präsentiert sich überaus gefällig; er ist nach den Plänen des Architekten Leopold Baum- Horn erbaut. Die Einweihungsfeier war für halb 5 Uhr anberaumt, doch schon lange vor dieser Stunde hatten sich überaus zahlreiche Gäste eingefunden. In den ersten Bankreih.n sah man den Präses der Pester israelitischen Kultusgemeinde Hofrat Dr. Ph'lipp Weinmann, die Ausschußmitglieder Ludwig Adler, Sigmund Breitner, Max Grünbaum, Dr. Wilhelm Grauer, Dr. Mvriz Stiller, den Magistratsrat Joses Kun, den Reichstagsabgeordneten Dr. Wilhelm Vüffonyi und viele Andere. Die Feierlichkeit wurde mit dem Einzug vvn surf Thvrarollen eröffnet, die von den anwesenden Ausichußnmglikdern in die Bundeslade gestellt wurden. Während dieser Zeremonie streuten weißgekleidete Mädchen und mehrere Damen von der Galerie Blumen in den Tewp liaum. Hierauf betrat Prediger Dr. Joachim Willheim die Kanzel und zündete nach einer tiefempfundenen Rede das cwige Licht an. Nun folgte die schwungvolle Festrede des Rabbinirs Dr. Simon Hevefi, die aus die Anwesenden tiefen Eindruck machte. Nachdem die Einweihung vollzogen war, wurden im neuen Tempel die Andachten mit einem Fceitaq-Abendgvttesdienst eröffnet. Den gesanglichen Teil stellte der Kantor Tkatsch mrt seinem Chore bei. Die Vorsteher des Tempels find: Samuel Krakauer. Moses Szokely und Lud -;g NeßmGY. Zu den Gottesdiensten wurde von der Gemeinde Pc.di-.nr Dr. Joachim Wil!- heim delegiert. Budapest. (Ein neues Spital s ü r u n h e i lb a r e Kranke.) Die Pester Chewra-Kadischa erbaut — nne bekannt — auf der Amerikastraße ein Spital für unheilbare Kranke. Die hauptstädtische Samtätskommffsion genehmigte in ich er heutigen Sitzung dem Anträge des Obeiphystkals entsprechend Ne Pläne und das Programm des Spitals, bedang jedoch, daß in die Anstalt weder Geistes- und noch Jnsektionskranke ausgenommen werden dürfen und daß dort ein Arzt ständig wohnen müsse. Oxford, 15. September. Der internationale Kongreß für Geschichte der Religionen ,st heute früh eröffnet worden, nachdem die Gäste gestern abends von dem Präsidenten Sir A. C. Lyall willkommen geheißen wurden. Von besonderem Interesse für Ihre Leser ist speziell Sektion IV: Die semitischen Religionen. Um halb 12 Uhr vormittags hielt der Präsident der Sektion Prof. Dr. Jastrow, der bekannte Orientalist aus Philadelphia, seine Vorlesung über „Hepatostop'e und Astrologie im alten Babchomen", dann folgte die Vorlesung Dr. Stephen Langdons (Oxford) über „Ein Kaprtel vom babylonischen Ritual über Privar-Buße". Jni Laufe seiner Vorlesung wollte er unter anderem beweisen, daß „Sabat" bei den Babyloniern den 15. des Monats bedeutete und bei den Egyptern den 7. und 15., vielleicht gar auch den 21. und 28. des Monats und daher dieser Ausdruck bei den Religionen des Altertumes auf dem wöchentlichen Ruhetag angewendet wurde. Ein interessanter und sogar amüsanter Vortrag war der des Prof. Dr. Frazer aus Liverpool, der nach einem kurzem Versuche, die Anwesenbeit von lebenden Vögeln bei egyptischen Gottesdiensten zu erklären, die hebräische Benennung einer Witwe als Almanah (von — stumm) „stille Frau", von einem Gebrauche bei Indiern uno Belarula Indianern herstammend, erklären wollte. Bei diesen Völkern ist es nämlich Sitte, daß die Frau nach dem Tode ihres Mannes eine Zeit lang (ungefähr vier Wochen) mit den Knien ans Kinn angelehnt, schweigend dafitzt, nach dieser Zeit für eine kürzere Periode die hockende Stellung wohl ausgibt, aber weiter in fitzender Stellung verbleibt und kein Wort reden darf. Grund dafür ist, daß sonst der Geist ihres Mannes dem Grabe entsteigt und Nachts seine

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