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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-09-25 · 39 (25.9.1908) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
39 (25.9.1908)
Date
1908-09-25
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Sette 684 Dr. Llocb s MoebenscdrlN. Nr. 39 Fehlen desselben in dem salomonischen Tempelweihgebet und weiters die Tatsache erklären, daß die Propheten durchwegs dem Opfer nicht nur jeden höheren Wert absprechen, sondern eine geradezu feindliche Stellung dagegen bekunden 16). Indes mau braucht auch in diesem Punkt nicht erst zu einem Indizienbeweis Zuflucht zu nehmen, das Schriftwort ist auch hier der beste Wegweiser. Schon die Tatsache, daß im biblischen Gesetz ein Unterschied g macht wird zwischen Uebertretungen, die aus Versehen, und solchen, die vorsätzlich begangen wurden 17)> ist geeignet, die christologische These betreffs der Opfer in ihrer ganzen Haltlosigkeit erkennen zu lassen. Man gelangt aber noch weiter, wenn man III. B. M. Kap. V und XVI, die Hauptquelle für das in Frage stehende Opfer, einer vorurtellslosen Prüfung unterzieht. Als Voraussetzung und Vorbedingung für die Darbringung des Opfers wird daselbst die Forderung des reuevollen Bekenntnisses der betreffenden Sünde durch die Worte gestellt: atan -w« rmnm. Es geht daraus hervor, daß nicht in dem Opfer als solchen, sondern in dem einer wahren, innerlichen Umkehr entspringenden Bekenntnis die Wirkung der Sündenvergebung enthalten gedacht war "); erst durch die Weihe der sie begleitenden Gedanken und Gefühle erschien die rein symbolische Handlung des Opfers zur religiösen Tat erhoben. Man wird kaum fehlgehen, wenn mau in diesen. gesprochenen Bekenntnisformeln die ältesten, rudimentären Ansätze der Tefillah erblickt, welche von den Soferim und den Männern der großen Versammlung weiterentwickelt und in feste Formen gebracht worden sind. Es besteht überdies heute kein Zweifel, daß dem Gebet bereits in den ältesten Tagen des Opferkultus ein ziemlich weiter Geltungsbezirk eingeräumt war, wie auch darüber nicht, daß schon einige Jahrhunderte vor der Zerstörung des zweiten Tempels es in Jerusalem und auch in der Provinz zahlreiche opferlose Kultstätten gegeben hat"). Wenn demnach an Stelle der Opfer schon in ältester Zeit Reue, Buße. Gebet u. a. getreten erscheinen, so ist das nicht eine „rabbinische Verdrehung und Verkehrung" der ursprünglichen Standpunktes, sondern vielmehr die konsequente Durchführung eines bereits in biblischer Zeit beobachteten Vorganges, oder präziser, der durch die Macht der Verhältnisse notwendig gewordene Wegfall eines der vielen vorhandenen pädagogischen Und religiös-ethischen Behelfe. (Fortsetzung folgt). Korrespondenzen. Der Präsident des zionistischen A. C. David Wolffsohn in Wien Der Nachfolger Th. Herzls, Präsident D. Wolffsohn, weilte auf seiner Rückreise aus Budapest, wo er mit Prof. V a m b e r y Konferenzen pflog, einige Tage in Wien und aus diesem Anlasse fand am 19. d. M. im Saale des „Hotel Central" ein von den Wiener Zionisten veranstalteter Begrüßungsabend statt. Der Saal war dicht gefüllt — von jungen und jüngsten Studenten. Von der eigentlichen Wiener Judenschaft, von den Vorstehern der Gemeinde, der Israelitischen Allianz, den großen jüdischen Vereinen und Organisationen war niemand vertreten; die bürgerlichen Kreise, selbst des Mittelstandes, haben sich dieser Veranstaltung ferngehalten. ") Vgl. I Sam. XV 22, Jesaia I 11, XI, 16, Jeremia VII 21—23. Micha VI 6—8, ferner Philippsohn, Weltbewegende Fragen, 2. Teil, S. 269. ") Der vorsätzliche Sünder fällt dem göttlichen Strafgericht anheim. Vgl. Philippsohn, 1. e. 270. "9 Ohne sich der angeführten Argumente zu bedienen, gelangt Maimonides zu demselben Resultat. Vgl. Hilchoth Teschubah Kapitel I. ") Vgl. I. H. Weiß, Dor Tor Vedorschow I T. S 61—65 und Rosenmann: Ursprung und alluiähliche Entwicklung der Synagoge. Berlin 1907. ■? D. Wolffsohn, das muß der Wahrheit gemäß konstatiert werden, genießt in Wien, selbst außerhalb der zionistischen Sphären, reichlich verdiente Sympathien und manchem, ja vielen hätte es die Befriedigung eines inneren Bedürfnisses gewährt, dem Präsidenten des zionistischen A. C. die Achtung zu beweisen und ihn persönlich zu begrüßen; man mußte aber notgedrungen davon Abstand nehmen, weil man den eigenartigen Elementen, welche gegenwärtig in Wien auf der zionistischen Parteioberfläche schwimmen, im weiten Bogen ausweicht. Von den alten Parteiführern waren Prof. Leon Kellner und Johann Kremenetzky erschienen. Dagegen sah man viele, die nicht da waren, z. B. Dr. Kahn, Baurat Marmorek, Dr. Schnürer, Jork-Steiner und die anderen Persönlichkeiten aus dem Freundeskreise Herzls, welche die Parteitradition repräsentieren — sie alle haben sich ferngehalten, weil auch sie jede Berührung mit den neuen Wiener „Führern" lieber vermeiden. Als Ersatz hatte Herr Wolffsohn Gelegenheit, den unvermeidlichen Dr. Paul Weisengrün und Herrn Adolf Böhm kennen zu lernen, es schien indeß nicht, als ob die Bekanntschaft ihn besonders entzückt hätte. Präsident W o lff s oh.n ließ es an Andeutungen nicht fehlen, wie er über das, was er in Wien wahrgenommen, denkt; er erzählte, durch welche Mittel und Methoden die Partei anderwärts zu Einfluß und Achtung gelangt ist. Deutlicher und eindringlicher sprach Prof. Leon Kellner, er wagte direkt ein Wort der Mahnung und Belehrung. Allein die Wiener Herrchen haben beiden gründlich heimgeleuchtet. Wolffsohn, dem Parteioberhaupt gegenüber mußte man sich allerdings noch manche Zurückhaltung auferlegen, Prof. Dr. Leon Kellner aber wurde von den Jungen behandelt, als wäre er Wiener Kultusvorst e h e r. Er wird es sich nunmehr wohl überlegen, ehe er wieder in eine Wiener zionistische Versammlung den Fuß wagt, und auch Herr Wolffsohn wird um eine Erfahrung reicher nach Köln abreisen. Nachstehend notieren wir einige Momente aus dem interessanten Verlaufe der W o l f f s o h n-Versammlung. Nach wenigen einleitenden Worten des gegenwärtigen Wiener Zionisten-Oberhauptes, Herrn Max Markus, begrüßt Herr Dr. Isidor Margulies im Namen des innerösterreichischen Distriktes den Parteipräsidenten, er gibt seiner Freude Ausdruck, daß Herr Wolfsohn selbst gekommen ist, um die, seitdem die zionistische Zentrale von Wien nach Köln verlegt wurde, herrschenden Differenzen zwischen Wien und Köln persönlich auszutragen, und hofft, daß ihm auch dies wohl gelingen werde. Er gibt zu, daß die zionistische Tätigkeit in Wien gelitten hat, hebt aber hervor, daß der zionistische Einfluß in Oesterreich, wie in keinem anderen Lande der Welt, bedeutend ist. Die Kultusstuben des Reiches, besonders aber die Kultusstube von Wien muß immer mit den Zionisten rechnen. Zu der allgemein zionistischen Lage übergehend, erwartet er, daß der Präsident und die Leitung der zionistischen Organisation die neue Situation in der Türkei im Dienste des Zionismus auszunützen verstehen werden. Präsident Wolffsohn, stürmisch begrüßt, betritt die Rednertribüne, dankt für den freundlichen Empfang und schildert in einer formvollendeten und wirksamen Rede, die oft an Herzl erinnert, den gegenwärtigen Stand des Zionismus, weist auf die Erfolge der Partei hin, die zum Teile dadurch ermöglicht wurden, weil Institutionen wie der deutsche Hilfsverein, „Jca" rc. in der letzten Zeit den Zionismus nicht bekämpften, sondern ihn in seiner palästinensischen Tätigkeit gern unterstützten. Er ermahnte deshalb sehr eindringlich die hiesigen Zionisten, ihre bisherige Taktik, den steten Kampf gegen die gegenwärtigen Führer des österreichischen Judentums, aufzugeben und lieber durch Belehrung und Ueberzeugung zu wirken. Unsere Aufgabe ist es, unsere Brüder zu überzeugen, aber nicht einen Kampf zu führen, zu Haß aufzureizen. Wir können keine Fraktion entbehren, wir brauchen has gesamte Judentum. Redner

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