Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1908)
- Issue
- 38 (18.9.1908)
- Date
- 1908-09-18
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite «72 Dr. Llocb's MocvenscbrLK. Nr. 38 Lemberg. Unser Freund und Gesinnungsgenosse Herr Bernhard Hüttner, Sohn des Herrn Markus Hüttner in Zabcze hat hier in Lemberg am 8. September das Fest seiner Bermälung mit Fräulein R. Margulies, Tochter des Herrn I. Margulies aus Grodek, gefeiert. Dem jungen Ehepaar, sowie der Familie sind aus diesem Anlasse zahlreiche Beweise der Sympathien zugekommen. Skotfcha« (Oesterr.-Schlefien). (Kaiserliche Auszeichnung.) Herr Siegmund Hochwälder, Verlagsbeamter des k. k. Tabak-Hauptverlages daselbst, wurde am Kaisers Geburtstage mit der von Sr. Majestät unserm allergnädigsten Kaiser für 40jährige treue Dienste gestifteten Ehrenmedaille ausgezeichnet und wurde der noch sehr rüstige Jubilar anläßlich seiner kaiserlichen Auszeichnung allseits aufs Herzlichste beglückwünscht. Radnitz. Eine große Zahl unserer Steuerzahler, unserer auch sonst besten Mitglieder sind in dem abgelaufenen Jahre 5668 aus unserer Mitte geschieden und noch vor Torschluß wurde unser Präses der Chewra-Kadischa, Herr Leopold Popper, Seniorchef der Firma I. L. Popper in Radnitz, in seinem 75. Lebensjahre zu seinen Vätern versammelt. Ec war ein edler Mensch, der alles Gute förderte, filr alle Wohltatigkeitsvereine hatte er eine offene Hand, ein offenes Haus für alle Armen, mit Rat und Tat half er, wer sich an ihn wandte. Rabbiner A. Stein hielt ihm im Trauerhause einen seine Eigenschaften als Gatten, Vater, Mensch und Jude, hervorhebenden Nachruf. Leopold Popper wird von seiner zahlreichen Familie, sechs Söhne und drei Töchter, die alle in hervorragenden Lebensstellungen sich befinden, von seiner Witwe, seinen Enkeln und Urenkeln, von allen seinen Freunden tief betrauert. Budapest. (Fünfzigjähriges Schriftstellerjubiläum.) Der bekannte Schriftsteller Dr. Samuel Julius Spiegler feiert heuer das füutzigjährige Jubiläum seiner literarischen Tätigkeit. Dr. Spiegler wurde im Jahre 1832 in Balaffagyarmat geboren und verbrachte seine Zugendjahre in Holleschau in Mähren. Nachdem er in Leipnik die Rabbinatsschule, in Brünn die Technik besucht hatte, fand er im Jahre 1854 ein Engagement in einer Farbenfabrik in Prag. Doch duldete es ihn hier nicht lange. Er kam 1857 nach Budapest, hörte hier Philosophie und errichtete eine Lehr- und Erziehungsanstalt, die er 11 Jahre lang führte. Spiegler hat mehrere Werke geschrieben, von denen insbesondere die mit Unterstützung der Akademie herausgegebene „Geschichte der Philosophie des Judentums" großen Anklang fmld. Sein Werk „Der Freiheitskampf der ungarischen Nation" (kritisch beleuchtet), eine vortreffliche historische Arbeit, ist anläßlich seines Jubiläums in zweiter Auflage erschienen. Wiuize (Podolien). Die Mehrzahl unserer 40.000 Einwohner zählenden Stadt besteht aus Juden. Vor einigen Jahren hinterließ ein hiesiger Jude eine große Summe für die Errichtung einer Realschule. Die Schule ist inzwischen errichtet worden; wer aber glaubt, daß diese Schule unbeschränkt jüdische Kinder annehmeu würde, der irrt sich. Von 70 jüdischen Kindern, die sich in dieser mit jüdischem Gelde errichteten und erhaltenen Schule zum Eintritt meldeten, wurden diesmal nur 7 angenommen. Dem (Spanten als Externe unterzogen sich im letzten Frühjahr in der Anstalt etwa 20 jüdische junge Leute; aber nur drei ließen die Lehrer, die meist treue Mitglieder des Verbandes der echt-russischen Leute find, bestehen; zwei der jungen Leute nahmen sich nach dem Examen das Leben. Bad Reich euh all. Am 8. September hat hier die erste Hochzeit nach jüdischem Ritus stattgefunden, was einiges Aufsehen erregte, dies umsomehr, als der Bräutigam Herr Dr. Alexander Mürzkat ein hier praktizierender Kurarzt ist, der sich vieler Sympathien erfreut. Wie bekannt, führte er die Tochter des Schriftstellers Heinrich Iork-Steiner als Frau heim. Die Hochzeit mußte hier gefeiert werden, weil der Bräutigam vor den Feiertagen seine Praxis nicht verlassen könnte. Es wurde im großen Saale des Restaurant Bermann ein herrliches Gotteshaus improvisiert, ganz ausgefüllt mit sellenen Pflanzen und herrlichen Blumen. Herr Rabbiner Alt mann aus Salzburg vollsührte unter entsprechender Assistenz die Trauungszeremonie mit vieler Würde; seine feinabgestimmte Rede fiel durch besondere Herzlichkett und große Natürlichkeit auf. Die zahlreich erschienenen Kurgäste sowie die einheimischen Besucher waren erstaunt über die tiefe Wirkung dieser Zeremonie nach altjüdischem Rituale und über die Rede des Herrn Rabbiner Altmann. Ein köstliches Hochzeitsdiner, mit welchem sich das Restaurant Bermann auszeichnete, vereinigte viele Gäste aus Deutschland, Oesterreich, Rußland und Amerika. Lyck. Dem Landgerichtsrat Dr. Silbermann in Lyck ist aus Anlaß seines Uebertrittes in den Ruhestand der Charakter als Geheimer Justizrat verliehen worden. München. Maler Profeffor Benno Becker wurde bei der jüngsten Anwesenheit des Großherzogs von Baden in München vom Großherzog persönlich das Ritterkreuz I. Klasse vom Zähringer Löwen verliehen. Würzburg. Nach fast zweijähriger Pause wurde in Bayern wieder ein jüdischer Realschullehrer, Herr Julius B o d k y aus Nürnberg, zum Oberrealschulprofessor Hierselbst befördert. Konftantinopel. Die in Deutschland verbreitete Mitteilung, daß die gegenwärtigen Rabbiner von Jerusalem, Damaskus und Saida auf Betreiben des Chacham-Baschi Nahoum abgesetzt worden seien, ist unwahr. Die Absetzung war von dem Justizminister in Vorschlag gebracht worden, aber der Kaimakam Chacham-Baschi Nahoum hat sich dem widersetzt und eine vorherige genaue Untersuchung verlangt. New-Aork Wie eine hiesige Zeitung ankündigt, hat soeben in Brownsville eine Hochzeit zwischen einem lebenslustigen Rabbi von 106 Jahren und einer Frau von 70 Lenzen stattgefunden. Der junge Ehemann, Rabbi Barnet Wolinski, hat nicht weniger als 175 lebende Abkömmlinge, die zum Teil in Amerika, zum Teil in Rußland leben. Sie gehen jetzt mit der Absicht um. zur Feier des 110. Geburtstages des Neuvermählten Alle zusammenzukommen. Die neue Ehefrau, die nach einer kurzen, aber sehr stürmischen Werbung „Ja!" sagte, ist die Witwe eines vor einiger Zeit gestorbenen Freundes des Rabbi. Eine Kablrinerwahl. Ein Kulturbild der Gegenwart von Dr. Armin Schnitzer, Oberrabbiner in Komarom. (Fortsetzung.) „Sie werden ja wohl von dem berühmten Rabbi Ezekiel Landau, Verfasser des Noda bijehuda gehört haben. Er ward im Alter von dreiunddreißig Jahren aus Jampol, einem unbedeutenden Dorfe in Podolien, zur Würde eines Ober rabbiners in Prag erhoben, und zwar nicht infolge eines ausgeschriebenen Konkurses, auf den der Mann reflektiert hatte. In der damaligen Zeit, ja noch bis vor einigen Jahrzehnten wurde die Stelle eines Rabbiners in anderer und würdigerer Weise besetzt, als es jetzt geschieht. Die Gemeinde hielt Umschau unter den namhaften, frommen und gelehrten Rabbinern des Landes, und den sie für den geeignetsten hielt, zu dem schickte sie eine Deputation von zwei bis drei Vertrauenspersonen, die den Mann kennen lernten, mit ihm in talmudische Disputationen sich einließen und dann der Gemeinde referierten. War das Referat ein günstiges, so wurde ihm der „Rabbinatsbrief" eingesendet. Bei dem heutigen Wahlmodus hängt der Erfolg von einer oft nur zufällig gelungenen Predigt ab, während die Vorzüglichsten, die bereits im Amte find, es unter ihrer Würde halten, in die Arena herabzusteigen und in ein Wettrennen sich einzulassen; auch wollen sie nicht ihr Prestige bei ihrer Gemeinde durch die Zufälligkeiten einer Probepredigt aufs Spiel setzen. Rabbi Ezekiel Landau wurde also, wie gesagt, nicht im Wege des Konkurses nach Prag berufen. Was ihn aus dem podolischen Dorfe nach der Metropole der böhmischen Judenheit gebracht, war Folgendes: „In dem