Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1908)
- Issue
- 38 (18.9.1908)
- Date
- 1908-09-18
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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-Nr. 38 Mr. Liseo s MrscveKscvrm. Seite 671 Innsbruck. Unter außerordentlicher Beteiligung von Leidtragenden und hervorragenden Trauergästen wurde am 10. September die irdische Hülle des verstorbenen Herrn Max Stern, Direktors der Filiale Innsbruck der k. k. priv. österreichischen Kreditanstalt für Handel und Gewerbe, cuf dem israelitischen Friedhofe in Innsbruck zur ewigen Ruhe bestattet. Dem Sargwagen, den ein Spalier von Angestellten der Lokalbahn und Dienern der Innsbrucker Bankanstalten begleitete, fuhren zwei mit herrlichen Kranzspenden behangene Kranzwagen voraus. In dem langen Zuge waren u. a. zu bemerken : Statthalter Freiherr von Spiegelfeld mit dem Statthaltereirat Falser, Bürgermeister Greil mit einem Großteil des Gemeinderates, GM. Grivicic und viele andere Offiziere, Landesgerichtspräsident i. P. Kürzel, Hofrat Dr. v. Larcher, Hofrat Universitätsprofessor Doktor Lentner, Monsignore Hillmann, der Reichsverein der Bankbeamten, zahlreiche Post-, Bahn-, Landes- und städtische Beamte, Advokaten und Notare. Die Kreditanstalt war durch den Zentraldirektor Doktor Ignaz Mikosch und durch die Filialdirektoren Sigismund Schwarz (Bozen) und A. Schwarz (Feldkirch) vertreten. Von den übrigen Geldinstituten waren die österreichisch-ungarische Bank, die Bank für Tirol und Vorarlberg und die Zentralbank deutscher Sparkassen, sowie die tirolische Landeshypothekenanstalt vertreten. Von der Lokalbahn Innsbruck-Hall erschienen der Präsident Dr. v. Wackernell und die gesamten Beamten. Am Grabe hielt der Ländesrabbiner von Tirol und Vorarlberg Dr. Link einen ergreifenden Nachruf. Unter Zugrundelegung des talmudischen Satzes: „Groß ist die Arbeit, denn sie ehrt ihren Herrn", würdigte der Redner das an Taten und Erfolgen reiche Leben des Verblichenen und entwarf ein ebenso treffendes als wahrheitstreues Bild seiner Persönlichkeit. Namens der Freunde und Verwandten des Verblichenen nahm Herr Wilhelm Dannhauser mit tränenerstickter Stimme Abschied. — Den zeremoniellen Teil versah der k. u. k. Feldrabbiner Sagher in würdiger Weise. Innsbruck, 10. September. Gestern wurde, wie schon kurz berichtet, unter allgemeiner Teilnahme Frau Anna Bauer geborene Ellinger, die Gattin des Obmannstellvertreters unserer jüdischen Vereinigung Herrn Louis Bauer, zu Grabe getragen. Mit ihr ist eine der edelsten und sympathischesten Frauengestalten Innsbrucks ans dem Leben geschieden. Aus einer angesehenen Münchener Familie entstammend, hat die Dahingeschiedene durch 32 Jahre nicht nur Freud und Leid an der Seite ihres in allen Kreisen unserer Bürgerschaft hochgeachteten Gatten geteilt, sondern auch durch ihr edles, stets hilfbereites Gemüt sich einen selbständigen Wirkungskreis auf dem Gebiete werktätiger Nächstenliebe geschaffen. Sie verdiente im vollen Wortsinne den Namen einer „Esches chagil“, denn sie betreute nicht bloß ihr Hauswesen in musterhafter und vornehmer Weise^ffie war nicht bloß eine zärtlich liebende Gattin und eine aufopfernde Mutter, sie stand ihrem Manne auch mit rastlosem Fleiße im Geschäfte zur Seite und half ihm die Sorgen des Erwerbes tragen. Ihre Anmut und Liebenswürdigkeit erwarb ihr die Liebe und Wertschätzung der gesamten Innsbrucker Gesellschaft — auch der christlichen — und von ihr darf man wohl behaupten, daß sie keinen Feind auf Erden zurückließ. Dafür zeugte die überaus große Anzahl der Leidtragenden beim Leichenbegängnisse, zeugen die vielen Blumenspenden und Beileidskundgebungen, in welchen die allgemeine Trauer ihren sichtbaren Ausdruck fand. Auch im jüdischen Leben unserer Stadt betätigte sich Frau Anna Bauer in eifrigster Weise. Sie war die Präsidentin der „Chewra-Kadischa", in welcher Eigenschaft sie eine segensreiche Wirksamkeit entfaltete, sie besuchte einheimische und fremde Kranke und tat Alles, um deren Lage zu erleichtern, wie sie überhaupt für alle Armen und Bedrückten ohne Unterschied der Konfession ein warmes Herz besaß. Kein Bedürftiger ging unbeschenkt von ihrer Tür. Sie erlag dem tückischen Leiden, das sie vor etwa Jahresfrist erfaßt hatte, kurz uach ihrem 53. Geburtstage. Noch vor fünf Wochen hatte sie Schreiber dieser Zeilen in ihrem reizenden Heim in der Buchenstraße besucht und war von ihr in gastlichster Weise bei anscheinend wiedererlangtem Wohlbefinden ausgenommen worden. Umso schmerzlicher wirkte die unerwartete Nachricht von ihrem Hinscheiden. Beim Leichenbegängnisse hielt Herr Rabbiner Dr. Kink aus Hohenems eine ergreifende Grabrede, welche alle Anwesenden tief erschütterte. Wer die edle Frau gekannt, wird ihr ein herzliches und ehrendes Andenken bewahren. Sie ruhe in Frieden! Kaiserhuldigungsfeier. Die Jsraelitengemeinde Nikolsburg veranstaltete am 13. d. M. eine Kaiserhuldigungsfeier der israelitischen Schuljugend. Zur Feier fanden sich ein die Herren: K. k. Bezirkshauptmann Krätschmer, Bezirksschulinspektor Karger, Statthaltereipraktikant Berak, Bürgermeisterstellvertreter Radda, Gemeinderat Voümost, Bürgerschuldirektor Langer, Bezirkssekretär Homola, Oberlehrer Gribek, Lehrer Zwicker, die israelitische politische und Kultusgemeindevertretung mit dem Bürgermeister Abeles an der Spitze und ein zahlreiches Publikum. Das Programm der Feier war folgendes: 1. Prolog, verfaßt von Dr. Max Oser. 2. „Gott erhalte", Kinderchor von Adolf Kirchl. 3. Kaiserhuldigungsgedicht. 4. Huldigungsfestspiel von Josef Angerhofer. 5. Epilog, verfaßt von Gustav Kohn. Die artistische Leitung der Feier lag in den bewährten Händen der Herren Gustav Kohn, Leopold Feldsberg und Dr. Max Oser. Die Gesangsstücke wurden unter Leitung des Herrn Lehrer Seifert eingeübt. Von der Fülle des Gebotenen seien besonders erwähnt: Fräulein Stella Spitzer, die eine reizende „Nikolsburg" ä la „Vindobona" darstellte und mit Andacht und Wärme den Prolog sprach; die Geschwister Grete und Hans Hirsch, die deklamatorischen Leistungen der Serafine Fischer und Emil Feldsberg; die prachtvollen naturgetreuen Figuren des Hermann Blau als Burgermaster, des Ernst Feldsberg als Bergführer, des Walter Bock als Oberjäger. Unmöglich ist es, die Namen aller, die Vorzügliches leisteten, besonders zu nennen, man wird dies verstehen, wenn wir mitteilen, daß an ungefähr 60 Kinder Rollen verteilt waren und jedes sich bemühte, im Rahmen seiner Rolle sein Bestes zu leisten. Der reiche Beifall der Zuschauer war eine wohlverdiente Belohnung der Mitwirkenden. Der Reinertrag des Festes per Kronen 117.80 wurde für „das Kind" gewidmet. Tabor. Am 13. September verschied hier im 69. Lebensjahre Herr kaiserlicher Rat Philipp Guttmann, Ehrenvorsteher der hiesigen israelitischen Beerdigungsbrnderschaft, Begründer des Vereines „Libanon", gewesener Repräsentant der Landesjndenschaft im Königreiche Böhmen, Stadtverordneter, Ausschußmitglied der städtischen Sparkaffe, Bezirksschulrat, Handelskammerrat, Beisitzer des Handelssenates des k. k. Kreisgerichtes. Mitglied vieler wohltätiger Vereine. Der Verblichene stand durch Jahrzehnte an der Spitze unserer altehrwürdigen Kultusgemeinde und erbaute den herrlichen Tempel, der die Bewunderung eines jeden Fremden erregt. In Würdigung der wahrhaft großen Verdienste, die sich der Verewigte um das Emporblühen unserer Gemeinde erworben, wurde er 1897 zum Ehrenvorsteher der Kultusgemeinde ernannt. Das Leichenbegängnis fand am 15. d. M. unter großartiger Beteiligung der Bevölkerung statt. Im Zuge befanden sich: Herr Dechant Koretzky mit den PP. Thir und Fridrich. Statlhaltereirat Blizenec mit den Beamten der Bezirkshauptmannschaft, Kreisgerichtspräsident Peschek mit mehreren Beamten des Kreisgerichtes, der Stadtrat mit vielen Stadtverordneten, Bezirksobmanu kais. Rat Dr. Zeis, Gymnasialdirektor Pich, Schulrat Novak, Gymnasialprofessor Vernarb, der Inspektor der landwirtschaftlichen Schulen in Böhmen Farsky, Akademiedirektor i. P.; Sparkassedirektor Dr. Kos, das Handelsgremium u. v. a. Am offenen Grabe schilderte Ehrwürden Dr. N. Weislovils die herrlichen Eigenschaften, darunter die große Wohltätigkeit des Verblichenen. Kondolenzen waren an die hiesige Kultusgemeinde eingelaufen von folgenden israel. Knltusgemeinden: Beneschau, Patzau, Wotitz, Neubidschow, Ober-Cerekve, Pisek sowie von der dortigen Chewra-Kadischa. Ober Cerekve (Böhmen). Am 10. d. M., um 7 Uhr abends, hat ein etwa 28jähriger Mann sich auf das Geleise vor der Bahnstation in Ober-Cerekve unter den fahrenden Zug in selbstmörderischer Absicht geworfen und wurde sofort getötet. Nachdem derselbe vorher sich jedes möglichen Erkennungszeichens entledigt hatte, fand man bei ihm bloß einen Zettel, womit er die Kultusgemeinde in Ober-Cerekve bittet, man möge ihn für den Erlös seiner Kleider bestatten, besten Wunsch in solenner Weise erfüllt wnrde. Derselbe wurde am 13. d. M. hier am jüdischen Friedhofe bestattet, was im Jntereste etwaiger Angehöriger gemeldet wird. I. G o t t l ie b, Rabbiner in Ober- Ce r e k v e, Böhmen. Wiener-Neustadt. Innerhalb kurzer Zeit wurden am Freitag abends, den 11. d. M. die Opferstöcke in der hiesigen Synagoge zum zweitenmal erbrochen und ausgeraubt. Die Synagoge steht ganz frei in einem kleinen Gärtchen, das von einem hohen Eisengitter abgeschloffen ist. Der Einbrecher kroch nun über dasselbe, durchschlug eine Scheibe der herrlichen Glasmalereifenster und drang so ins Innere, von wo er dann durch die kleine Tür des Winterbethauses unter Mitnahme des Schlüstels entkam. Ein leiser Verdacht fällt auf einen dozierenden Handwerksburschen, der im blauen Arbeitsanzug Freitag früh und abends dem Gottesdienste beiwohnte und am Samstag nicht mehr gesehen wurde. Die Gemeinden werden zur Vorsicht gemahnt. Wiener-Neustadt. Da die allbeliebte und rührige Präsidentin des hiesigen Frauen- und Mädchen-Wohltätigkeitsvereines Frau Irma Hacker nach Wien überfiedelte und auch die anderen Damen ihre Stellen niederlegten, fand vorige Woche die Generalversammlung dieses Vereines statt, in der die Gemahlin unseres langjährigen, verdienstvollen Kultusrates und Kassenwartes Herrn Wilhelm Danzig, Frau Julie Danzig einstimmig zur Präsidentin des aufblühenden Vereines gewählt wurde. Wiedergewählt wurden Frau Vizepräfidentin Sophie Stern, Frau Ruska Schischa als Kassierin, Fräulein Rosa Mayer als Kontrollorin. Ferner wurden die Damen Minna Gold, Marianne Stern und R. Weißkopf neugewählt.