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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-09-18 · 38 (18.9.1908) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
38 (18.9.1908)
Date
1908-09-18
Page
– (sequence 5)
Language
German
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91c. 38 Vr. Vlortz's Wochrnsttzrifl. Seite 668 Jüdische Altertümer in der Ofener Festung. In einem Budapester Blatte gibt Professor Dr. M. Weiß einige interessante Mitteilungen über jüdische Altertümer in der Ofener Festung. Als am 2. September 1686 — vor genau 222 Jahren — Ofen von den verbündeten Heeren der Christenheit den Türken entrissen wurde, verschwand auch die bis dahin blühende jüdische Gemeinde. Die berühmte Gemeinde mit ihren weitbekannten Institutionen, ihren Synagogen, fand ihr Grab unter den rauchenden Festungstrümmern. Sogar der jüdische Friedhof verschwand von der Erdoberfläche, kein einziger Grabstein verkündet der Nachwelt den Ruhm der Männer, welche dort der Auferstehung harrten. Die Bewohner fielen zum Teile der grausamen Wut der Belagerer zum Opfer, ein großer Teil wurde von den Eroberern in die Gefangenschaft geschleppt. Jsak Schulhof (geboren 1650 gestorben 1732), Schwiegersohn des weitberühmten Ofener Rabbiners Rabbi Efraim Kohen, berichtet als Augenzeuge die furchtbaren Vorgänge, die sich bei der Erstürmung Ofens abspielten. Seine Schrift erzählt die grauenvollen Leiden der jüdischen Gemeinschaft, wie auch seine wunderbare Rettung. (Wie aus der Megillah in den Synagogen Israels seine wunderbare Rettung alljährlich zum ewigen Gedächtnisse verlesen wird, so sollte in der Familie des Geretteten die Megillah von Ofen davon erzählen, wie ans Not, Drangsal und Todesgefahr der Ahne der Familie durch Gottes Beistand dem Untergange entronnen ist). Als die Sieger die von den Geschossen hart mitgenommenen Bauten wieder Herrichten wollten, galt es ihnen selbstverständlich, die Grabsteine des Judenfriedhofes als Baumaterial zu verwenden. Der bequemste Steinbruch war der Friedhof, konnten doch die toten Juden auf keine Pietät rechnen in einer Zeit, wo die lebenden Juden als vogelfrei galten! Grundmauern, Treppen, Pfeiler wurden aus Grabsteinen errichtet. Die Inschrift wurde gewöhnlich abgehackt oder eingemauert. Die Zeugen »nd Denkmäler der ruhmreichen Vergangenheit verstummten so, bis die neue Zeit sich an die alten Gebäude heranwagte. In den Grundmauern der Stephanskapelle der Mathiaskirche fanden sich die ersten Grabsteine der Türkenzeit. Das Budapester Museum bewahrt die Denkmäler, die aus dem Zeitabschnitte 1672 bis 1678 zum Vorschein gekommen sind; Hacken und Spaten haben jetzt weitere vier Steine zum Vorschein gebracht. Die Häuser Nr. 4—5 auf dem Paradeplatz in Ofen, die Erzherzog Josef für seine Mutter Erzherzogin Klothilde als Wohnung adaptieren läßt, bildeten das Eigentum der Abtei zu Kremsmünster. Im Jahre 1688 ließ die Abtei das Gebäude umgestalten'und hiezu wurden auch die jetzt zum Vorschein gekommenen Steine als Baumaterial verwendet. Der Baumeister fand die Steine im Grundpfeiler eingemauert. Ich las dieselben. Zwei Steine enthalten eine vollständige Inschrift. Der erste Stein verkündet den Ruhm des gottesfürchtigen Rabbi Juda, Sohnes des Rabbi Chaim Sussi, der im Jahre 1678 verschied. Es ist dies ein mächtiger Kalkstein, 1'20 Meter lang. 0-49 Meter breit. Das zarte Grabmal war am Grabe des Nathan. Sohnes des Rabbi Gerson, errichtet, der im Jahre 1656 das Zeitliche segnete. Der dritte Stein stand am Grabe eines Ehepaares. Name desselben fehlt. Als Todesjahr gilt das Jahr 1600. Der vierte Stein, ein Bruchstück, bezeichnete das Grab einer Frau, Tochter des Rabbi Juda, aus dem Jahre U57. Die Steine werden auf Veranlassung des Erzherzogs Josef dem Budapester Museum einverleibt. Ein französischer Minister aus der jüdischen Farm in Minsk. Wie die Minsker Zeitung „Minsk Echo" erzählt, hat der gewesene französische Minister für Landwirtschaft, der Gelehrte I. Tisserand, Ende vorigen Monates der jüdischen Farm in Minsk einen Besuch abgestattet. In seiner Eigenschaft als Mitglied des Pariser Komitees der „Jca" hat Herr Tisserand eine Ifteife. nach Rußland unternommen, um die von der „Jca" gegründeten oder unterstützten jüdischen landwirtschaftlichen Anlagen zu inspizieren. Herr Tisserand ist schon ein Greis von 79 Jahren, aber noch sehr rüstig und ein unermüdlicher Arbeiter. Den ganzen Tag, von früh morgens bis spät abends verbrachte er auf der Farm, besichtigte die Felder, die Gärten und die. Orangerien, die Meiereien und die Wirtschaftsgebäude. Auf dem Felde unterzog er die Feldarbeiter, die durchwegs in der Farm ihre praktische Ausbildung genoffen, einer Prüfung, informierte sich eingehend über die Ausgaben, Einnahmen und eventuelle Wünsche der beteiligten Parteien rc. Zum Schluffe schrieb er in das Fremdenbuch folgendes ein; „Mit besonderem Interesse besuchte ich die Minsker Musterfarm für Landwirtschaft und Gärtnerei. Ich habe alle Parteien der Anstalt angehört. Alles, was ich hier gesehen, dient dem Komitee und dem Verwalter der Schule zur Ehre. Die Anstalt hat sicherlich eine große Zukunft und kann sich zu einem Mittelpunkte des Fortschrittes in Rußland wenden. Herr Feinberg hat den Ort für die Musterfarm sehr glücklich gewählt und hat alle Aussicht auf Erfolg und sein Ziel zu erreichen." Die Ausgrabungen i« Susa. Aus Paris wird der ..Voss. Ztg." berichtet: In Louvre ist man am Werke, die reichen Ergebnisse der jüngste n Ausgrabungen in Susa, die unter der Leitung von I. de Morgan betrieben werden, einzuordnen. Die Gegenstände, die dabei zu Tage geschafft werden konnten, enthalten eine Fülle außerordentlich intereffanter Kunstgegenstände, die auf die Kultur der alten Chaldäer und Elamiten neues Licht werfen. So wird jetzt in Louvre eine Büste des Königs von Kisch Manischtuso zur Aufstellung kommen. Besonders interessant ist ein Kriegerkopf, der einen Helm zu tragen scheint und der im Typus an die archaische Kunst Griechenlands gemahnt. Daneben enthält die Sammlung einen „Kudurru", einen Grenzstein, der die Titel des Besitzers zeigt, er scheint der kassitischen Epoche zu entstammen, und man sieht auf ihm den König Melichkihu, wie er seine. Tochter der Göttin Gula zuführt. Die Fragmente einer Stelle zeigen u. a. einen Wassergenius, den Anunnaki, wie er sich in einem Netz verfängt. Ein zweites Stelen-Fragment, das dem Grabmal des Königs von Agade, des älteren Saigon, entstammt, zeigt eine Reihe von Kriegern, die eine Menge seltsam gekrümmter Waffen tragen; an den Seiten liegen die Leichen der Besiegten, die von Geiern zerrissen werden. Wenn man das für Sargon und seinen Sohn Naram-Sin vom letzten Könige von Babylonien, Nabu-Na'id, angegebene Datum anerkennt, so würde diese Stelle ein Alter von beinahe 6000 Jahren besitzen. Die diesjährige Ausgrabungskampagne in Susa hat außerordentlich wertvolle Ergebniffe gezeitigt. I. de Morgan drang mit seinen Leuten bis in die tiefsten Erdschichten vor und stieß dabei in einer Tiefe von 28 Meter a.f das Niveau, auf dem das älteste Susa sich erhob. So wurde ein Durchschnitt durch die ganzen Ruinen gemacht und erst vor dem Grundwasser machten die Grabschaufeln Halt. Der ftanzösische Forscher entdeckte im Verlaufe dieser Arbeiten die Reste der Mauer. die die erste Stadt schützend umschloß; außerhalb der Stadt aber gelang die Auffindung eines alten Friedhofes, der der Bronzezeit entstammt. Jeder Tote hatte neben dem Kopfe liegend seine Totengeräte und in allen Gräbern fand man gemalte Vasen, die eine recht entwickelte Technik zeigten. In den Grabstätten der Männer fand man neben anderen Geräten auch Kupfergegenstände und bei den Frauen wunderlich geformte kleine Hörnchen aus Ton, die zweifellos Schminke oder dergleichen enthielten. An den Geräten fand man oft noch Ueberreste von Stoffen, die zu beweisen scheinen, daß die Toten voll bekleidet bestattet wurden oder gar in Matten oder Geflecht eingerollt zu werden pflegten. Man fand insgesamt gegen 500 Gräber, die bis auf die Zeit 5000 v. Chr. zurückgehen. Darüber begann die protoelamitische Zivilisation. Die Sammlungen enthalten eine reiche Menge grober Statuen aus Alabaster, allerlei dekorative Plaketten — auf einer sieht man zwei gerollte Schlangen, die sich gegenseitig in den Schwanz beißen — aber die intereffantesten Stücke sind hier zwei große gemalte Urnen, die mit einer wirren Menge von kleinen Gegenständen, Alabastervasen, Bronzeinstrumenten usw. angefüllt waren. In einer Tiefe von 12 Meter gelang es den französischen Archäologen, die Reste eines alten Tempels freizulegen, der ohne Zweifel von Karibu-Cha-Chuchinak erbaut wurde. Die Statue dieses geistlichen Würdenträgers von Susa stand, in weißem Kalkstein gearbeitet, auf dem Boden des Tempels. Dieses Werk zeugt von einer hohen Kunstentwicklung; der Dargestellte fitzt auf einem niederen viereckigen Sessel, der mit Löwen verziert ist; er ist in das lange chaldäische Gewand, dessen Fransen mit großer Genauigkeit gearbeitet sind, gekleidet. Wie bei den meisten Statuen, die bisher aus Susa und aus Chaldäa nach Europa gebracht wurden, fehlt auch hier der Kopf, der als Opfer der Zeiten der Vernichtung enheimgefallen ist. Außer diesen intereffanten Stücken sind den Archäologen Hunderte von kleinen Tontafeln mit Inschriften in die Hände gefallen, in denen genaue Daten über abgeschlossene Kontrakte usw. enthalten find. Auch eine große Zahl von Waffen, in denen der Löwenrnd der Hundekopf immer wieder als Ornament auftaucht, sowie viele kleinere Statuen und Statuetten konnten geborgen werden. Man stieß auch bei den Grabungen auf eine große monumentale Treppe, die von der ilamitischen Schicht des 12. Jahrhunderts vor Christo in die tieferen Schichten hinabführte. Als man gezwungen war. die Arbeiten einstweilen abzubrechen, hatte man nur 128 große Stufen freilegen können. Der Rest bleibt künftigen Grabungen Vorbehalten.

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