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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-09-18 · 38 (18.9.1908) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
38 (18.9.1908)
Date
1908-09-18
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Sette 662 Dr. Moeb's Moevenscbrttt. Nr. 38 schiedenen Protest gegen dieses Vorgehen auch eine Anfrage au das Justizministerium als oberste Aufsichtsbehörde. Seither hat unser publizistisches Einschreiten gegen eine schwerwiegende Verletzung des Staatsgrundgesetzes einen vollen Erfolg gehabt. Das k. k. Oberlaudesgericht in Brünn hat nämlich die Offertausschreibung für die Maschinistenstelle im „Tagesboteu" vom Montag den 7. September wiederholt und diesmal mit dem gesetzlich korrekten Vermerk versehen, daß die Gesuche mit dem „Tauf- oder Geburtsscheine" zu belegen sind. Davon hat uns das geehrte Präsidium des Oberlandesgerichtes in der Weise verständigt, daß es uns die betreffende Nummer des „Tagesboten" einsendete, markiert und mit seinem offiziellen Stempel auf der Adresse versehen. Wir stellen mit Genugtuung fest, daß es uns somit gelang, eineu unliebsamen Vorfall aus der Welt zu schaffen, und wollen gerne eine Loyalität mit der anderen beantworten, indem wir bemerken, trotz der widersprechenden Umstände doch an ein bloßes Versehen bei der ersten Offertausschreibung glauben zu wollen, da wir einer hohen Justizbehörde eine beabsichtigte Gesetzverletzung nicht zumuten können. Dennoch möchten wir uns erlauben, diesbezüglich mehrere Bitten an das löbliche Präsidium des k. k. Oberlandesgerichtes für Mähren und Schlesien zu richten. Die erste geht dahin, bei einer zukünftigen Redigieruug ähnlicher Offene peinliche Sorgfalt auzuwenden. Dies aus dem Grunde, weil doch bekanntermaßen die Inden bei der Wahrung ihrer bürgerlichen Rechte, bei Beleidigungen durch die Presse oder Private schon lange nicht auf irgendwelches Entgegenkommen durch die Justizbehörden geringeren Grades zu rechnen haben und ein auch ungewolltes böses Beispiel judenfeindlicher Haltung seitens einer hohen Stelle weit über den mährisch-schlesischen Gerichtsspreugel verhängnisvollen Einfluß zum Schlechteren haben könnte. Des Weiteren richten wir an das k. k. Oberlandesgericht das Ersuchen, auch die Offertausschreibungen direkt oder indirekt untergebener Staatsbehörden auf ihre Gesetzlichkeit zu kontrollieren und nötigenfalls umgehend einzuschreiten, bevor noch gewisse antisemitische Elemente der - Bevölkerung durch das Vorgehen offizieller Stellen ermuntert sind, die leider nicht auf einer höheren Warte stehen und ihre idealen Aufgaben nicht verstehen. In dieser Beziehung haben wir uns stark zu beklagen und bitten um Abhilfe. Es sind eigentlich Selbstverständlichkeiten, die wir verlangen. Aber das ist das traurigste Zeichen von der Lage der Juden, daß sie oft gezwungen sind, Gesetzlichkeit und Gerechtigkeit von den Gerichten erst ausdrücklich zu verlangen. Die Expedition der Alliance Israelite Universelle zu den Falaschas und die Londoner Audenmisfton. Nach einem in der Juli-Nummer der „Jewish Missionary Intelligence“, des offiziellen Organs der englischen Judeumisfion in London, veröffentlichten Briefe eines eingeborenen Falaschamisfionärs haben die Juden, hat speziell die „Alliance JsraSlite" alle Ursache, mit dem Erfolg der unter der Leitung des Herrn Haim Nahum kürzlich nach Abeffynien zu den Falaschas gesandten und eben wieder nach Paris zurückgekehrten Expedition zufrieden zu sein. Der erwähnte Brief des eing^orenen, aus den Falaschas gewonnenen Judenmisfionärs Debtera (Schriftgelehrter) Hiob Negoofie ist an Herrn Johannes Martin Flad, den gegenwärtigen Leiter der Judenmisfion in Tunis gerichtet, welcher als einer der ersten Missionäre der Londoner Gesellschaft in den Sechziger- und Siebziger-Jahren des verfloffenen Jahrhunderts in Abeffynien selbst tätig war und auch jetzt noch von Tunis aus die OberaMcht und die Leitung der Mission unter den Falaschas in seinen Händen hat. Nachdem der Debtera Hiob Negoofie in seinem Briefe an Flad, „seinen.geliebten Vater in Christo, welchen Gott erwählt hat, um das Evangelium zu den zerstreutellKinderu Israels in Abeffynien zu bringen, damit sie gerettet werden", zuerst, sein Bedauern ausgedrückt hat darüber, daß Flad eben erst eine schwere, gefährliche Krankheit zu überstehen hatte, klagt er. seinerseits selbst in beweglichen Worten über die Beschwerden seines hohen Alters, über die tägliche Abnahme seiner Kräfte und die Hinfälligkeit seines Körpers infolge einer auch gerade erst durchgemachten hartnäckigen Krankheit. Indessen suhlt er sich jetzt doch wieder insoweit gekräftigt, um die zeitweilig unterbrochene Misfionstätigkeit wieder aufnehmen zu können, wie er schreibt: „Mein lieber Herr Flad, ich war selbst sehr krank und dem Grabe nahe. Seit zwei Jahren bin ich von einem sehr schweren Herzleiden heimgesucht. Gott sei Dank fühle ich mich jetzt wieder etwas besser, so daß ich wieder ausgehen und einige Stunden marschieren kann, aber mein Herz ist noch immer sehr schwach. Können Sie mir für mein schwaches Herz vielleicht eine Medizin senden? Es war mir unmöglich, eine längere Misfionsreise zu machen, aber ich war imstande, alle die Personen zu empfangen, welche kamen, um mich zu sehen und zu sprechen: Falaschas, Bekehrte und eingeborene Christen. Es kommen beständig Fragesteller, welche Belehrung suchen und den Weg zu Jesus gezeigt haben wollen." Bis dahin geht also in dem Briefe trotz des anfänglich angestimmten Klagetones noch alles so ziemlich gut, ja die Dinge berechtigen sogar zu großen und erfreulichen Hoffnungen für die Zukunft. Da aber, bei der Vorstellung und Ausmalung dieser Zukunftshoffnungen kommen dem körperlich so schwer geplagten Debtera Hiob schwere und ernste Bedenken und Sorgen, welche auf seinem Herzen ärger und drückender lasten als das. physische Leiden, welches ihm die Kräfte raubt und denen er darum in den folgenden Worten an seinen „lieben geistlichen Vater Flad" schmerzlich klagenden Ausdruck verleiht: „Aber seit der französische Jude hier war (gemeint ist offenbar Rabbi Haim Nahum, der Leiter der Expedition der Allianz zu den Falaschas) benehmen sich alle Falaschas uns gegenüber höchst vorsichtig. Er hat ihnen versprochen, wieder aufs neue zu ihnen zu kommen und er b e e i nfluß t e d e n König M e n e l i k, daß dieser erklärte: „Die Falaschas müssen Falascha bleiben und an der Religion ihrer Vorväter festhalten und die Söhne von Flad sollen dieselben nicht mehr belästigen mit ihrer Lehre." Wenn König Menelik wirklich nach diesen Worten verfahren wollte, so könnten wir hinfort kein Falaschadorf mehr betreten, denn man würde uns dort steinigen. (!) Aber wir hoffen, daß Menelik, der doch auch ein Christ ist (!), so etwas nicht tun wird — aber wer weiß nicht, daß Geschenke die Augen blenden, auch die Augen der Könige?" So weit die gewiß höchst interessanten und beachtenswerten Ausführungen und Argumente des armen, jetzt doppelt, körperlich und seelisch geplagten Hiob Negoofie, der es gewiß aus eigener Erfahrung und persönlichem Erlebnis weiß, wie die Geschenke nicht nur die Augen gewöhnlicher Sterblicher, sondern auch der Kaiser und Könige blenden, und wie es in keinem der fünf Weltteile, Abeffynien nicht ausgenommen, keinen bekehrten und getauften Juden gibt, dem man nicht mit diesem Zauber Verständnis, Liebe und Bereitwilligkeit für die Bemühungen der Mission und für die beseligenden und rettenden Wahrheiten des Evangeliums und des Christentums beizubringen vermochte. Im übrigen aber sollten die vorstehenden Mitteilungen des abeffynischen jüdischen Konvertiten die Allianz und die jüdische Allgemeinheit überzeugen, daß es bei dem, was bis jetzt im Interesse der Falaschas von jüdischer Seite geschehen ist, aus keinen Fall sein Bewenden haben darf. Schreiber dieser Zeilen war aufs höchste erstaunt und wollte seinen Augen nicht trauen, als er in dem Londoner „Jewish Chronicle" vom 7. August ein Interview des Pariser Korrespondenten des genannten Blattes mit Herrn Haim Nahum nach seiner Rückkehr von Abeffynien las, in welchem der letztere auf die Frage seines Interviewers: „Was schlagen Sie vor, das jetzt mit den Falaschas geschehen muß?" geantwortet haben soll: „Es scheint mir nicht wünschenswert, daß irgend etwas weiter geschehen soll. Wegen ihrer geringen Anzahl und weiten Zerstreuung scheint mir die Gründung

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