Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1908)
- Issue
- 37 (11.9.1908)
- Date
- 1908-09-11
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 37 Dr. LLocb's MocdenscörM. Seite 657 sie ihr Heiligtum sehen, die Hauptstadt des jüdischen Reiches werde. Und wen denken wir uns als Oberhaupt dieses Judenstaates? Gibt es einen Mann auf Erden, auf den sich das ungeteilte Vertrauen dieses in sich zerriffenen, in so viele Fraktionen, nach so vielen religiösen Richtungen hin zerstückelten Volkes konzentrieren könnte? Und welcher Kultus würde der herrschende sein, der der Orthodoxen oder der Fortschrittsfreunde? Nur ein einziges Mal geschah das Wunder, daß Israel geeinigt war — das war vor der göttlichen Offenbarung am Sinai; wird dieses Wunder ein zweites Mal geschehen? Trotz dem allen müssen wir es anerkennen, daß die zionistische Bewegung viele junge Leute beiderlei Geschlechtes, in deren Herzen jeder Funke jüdischen Fühlens gänzlich erloschen war, zu begeisterten Juden und Jüdinnen gemacht hat, die selbstbewußt ihr Judentum bekennen und die Kultivierung der hebräischen Sprache als jüdische Nationalsprache mit allem Eifer fördern, so daß selbst Mädchen freie Vorträge in hebräischer Sprache halten. Auch hat diese Bewegung das Gefühl der Zusammengehörigkeit und der Solidarität erhöht. „Aber ob von diesen jungen, begeisterten Juden" — machte einer der Anwesenden den Zwischenruf — „nur einer angefangen hat, die Gebetriemen anzulegen und aufgehört hat, am Sabbath zu rauchen, ist eine Frage." „Nun, das gehört zur Religion, aber nicht zur Nationalität," antwortete man ihm von allen Seiten. „Nun gibt es aber noch eine dritte Art Zionismus, und das ist der national-ökonomische, der sich zum Ziele setzt, in allen Teilen Palästinas Kolonien zu gründen, wie es deren schon einige blühende gibt, so daß mit der Zeit Palästina einen jüdischen Agrarstaat bilden würde. In diesen Kolonien wird ein junges, arbeitsames, intelligentes und wehrfähiges Geschlecht herangezogen, das mit den Waffen in der Hand jeden Angriff der Beduinen zurückzuweisen den Mut und die Kraft hat, und dann dürste mit der Zeit auch die Zahl jener aus aller Herren Ländern Eingewanderten abnehmen, welche ihr untätiges, beschauliches Leben vom Almosen einer ganzen Welt fristen. Zu diesem Zionismus bekenne auch ich mich mit Freude." „Wir Alle," rief die ganze Gesellschaft unisono. So floß die Unterhaltung gemütlich fort, da fiel es einem der Gäste ein, eine Bemerkung dem Hausherrn gegenüber zu machen. Es war der Tempelvorsteher Schlesinger, der es liebte, sich auf den jüdischen Kenner herauszuspielen. „Lieber Herr Präses," sagte er, „Sie haben da ein so reichliches Buffet uns geboten, darunter auch kandiertes Obst, bei dem man nicht weiß, was mehr daran ist, ob Zucker oder Obst, und da fiel mir ein, welchen der zwei verschiedenen Segenssprüche man da zu machen habe, den über das Obst oder über den Zucker." Der Hausherr, der in der verfänglichen Frage die Absicht herausfand, den Kandidaten auszuholen und auf deffen theologischen Gehalt zu prüfen, suchte dem in kluger Weise vorzubeugen. „Auf Ihre Frage, lieber Schlesinger, werde ich Ihnen mit einer kleinen Geschichte antworten, die einer der größten jüdischen Koryphäen des achtzehnten Jahrhunderts passiert ist. (Fortsetzung folgt.) Literatur. Stimmen über Bernria, Gebet- und Andachtsbuch für jüdische Frauen und Mädchen. Von Dr. M. Grunwald. Verlag von Josef Schlesinger in Wien, I., Seitenstettengasse 5. Universitätsprofessor Dr.' Martin Philippson in Berlin schreibt über dieses Gebetbuch an den Verfaffer: „Tiefempfundene Poesie, glühende Begeisterung für unsere Lehre und unsere unvergleichliche Gebet-Ueberlieferung, von echt religiösem Geiste getragene Philosophie vereinigten sich hier zu einer Um- und Neuschöpfung, die geradezu bewundernswert ist. Es ist mir ein Herzensbedürfnis, Ihnen dies, zugleich mit meinem aufrichtigen Dank, auszusprechen. Auch die so notwendige stille . und doch einschneidende Polemik gegen die übermütig herrschende Tochterreligion fehlt nicht. Möchte doch das vortreffliche Erbauungsbuch seine segensreiche Wirkung auf viele Tausende unserer Schwestern ausüben, die Gläubigen unter ihnen stärken und erheben, die Schwankenden befestigen, die Abgewandten wiedergewinnen! Gerade der weibliche Teil unserer Gemeinschaft hat solche Gabe bitter nötig!" Frau Rabbiner Dr. Bertha Kayserling-Philippson schreibt: ,Mir ward durch Ihre „Bernria" ein S cibbnrh wahr Hafter religiöser Erhebung und echt poetischen Genusses. Möchte das Buch unter den Frauen Israels große Verbreitung finden und somit Trost und Erbauung spenden und Liebe zum Judentum befestigen!" Die literarisch-bibliographische Revue „I e r u s a l e m" II. Jahrgang. Heft 1: -6 r6i? xnsb man mn man '2 -rvmr6 WN a-rnaa •ara 2»aa nana1? Russisch Den „Birschewyja Wjedomosti" zufolge beschäftigt sich jetzt die Behörde mit einem kürzlich in Petersburg entdeckten Verein, welcher planmäßig Tierquälerei betrieb. Eine besonders beliebte Unterhaltung bot unter anderm die sogenannte Katzenhetze. War eine größere Anzahl von Mitgliedern im „Klub" beisammen, so wurde eine eigens dazu bereit gehaltene Katze an einen Tisch, ein Klavier u. dgl. angebunden und nun ließen die Herrschaften ihre eigenen Foxterriers gegen sie los. Der ungleiche Kampf, der nun folgte, das wütende Hundegebell, das Winseln der zerfetzten Katze, vor allem der Anblick des frischen Blutes haben das edle Auditorium höchlich ergötzt. Hatte die eine Katze ausgerungen, so wurde eine frische eingeführt, und das Spiel begann wieder von vorne. Hat aber die Katze einen ihrer Angreifer arg zugerichtet, so wurde das Spiel unterbrochen und sie zur Strafe regelrecht aufgehenkt. Das russische Blatt führt die Mitglieder des Vereines namentlich an, darunter einen gewesenen Staatsanwalt, einen Armenrat, einige Redakteure, Hochschüler usw. Der ehrenwerten Gesellschaft droht jedoch nach unserer Ansicht kaum ernste Gefahr, dafür bürgt schon der Staatsanwalt aus ihrer Mitte, der den Nachweis führen dürfte, daß die Herren eigentlich nur Dienstübungen im Jntereffe des streng echt russischen Gemeinwohles abgehalten hätten, um in momentaner Ermanglung von Pogromen ihre Eignung für höhere Grausamkeiten nicht verkümmern zu lassen. Narziß Feuerstein. Jüdisches Theater. Im Saale des „Hotel Stephanie", II., Taborstraße 12, wird in der kommenden Saison eine deutsch-jüdische Operettengesellschaft aus Lemberg Vorstellungen geben. Die Gesellschaft besteht aus 15 hervorragenden Artisten dieses Genres und dem Ensemble schließen sich an die bekannten Lieblinge dieses Theaterpublikums wie Reißmann, Podzamcze, Salcia Weinberg, Helene Gerpasse, Moritz und Pepi Weinberg u. a. Die artistische Leitung liegt in den Händen der Herren Reißmann und Weinberg unter der Direktion Franz Böhm. Das Orchester leitet Herr O. Zehngut, Kapellmeister. Neue Bücher. Ost und West. Illustrierte Monatsschrift für modernes Judentum. Herausgegeben von Leo Winz. Verlag Ost und West. Berlin W 8. Organ der Deutschen Konferenz- Gemeinschaft der „Alliance Jsraslite Universelle". 8. Jahrgang. Heft 8/9. August-September 1908. Inhalt: Doktor A. Coralnik: Tagebuchblätter, I. Langeweile. II. Tudela. HI. Marieka, die Namenlose. IV. Die Flammenrolle. V. Theodor Herzl. Dr. Hugo Bergmann: Der Weg ins Freie. — Berliner Ausstellungen. Dr. G. Kutna: Der Patriarch Jakob in der bildenden Kunst. II. (mit 18 Jllustra-