Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1908)
- Issue
- 37 (11.9.1908)
- Date
- 1908-09-11
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Sette 656 Or. Moch s Wochenschrift Dir. 37 aus Szenicz, Vater des neueingeführten Rabbiners, mit aus Herzen kommenden, zum Herzen dringenden Worten und segnete den Installierten und seine Gemeinde. Nachher begleitete die ganze Gemeinde ihren Rabbiner sichtlicht erbaut und frohen Mutes, eine solch glückliche Wahl getroffen zu haben, in sein neues Heim. Eine neue jüdische Auswandererzeitimg. Die New-Iorker „Hebrew Immigrant Aid Society" gibt seit einiger Zeit eine Zeitschrift für jüdische Auswanderer, beziehungsweise Einwanderer heraus. Das Blatt führt den Titel „The Jewish Immigrant" („Der jüdische Einwanderer") und soll periodisch erscheinen und sowohl in Europa als auch in Amerika von den verschiedenen jüdischen Auswanderergesellschaften an jüdische Auswanderer gratis verteilt werden. Eine österreichische Auszeichnung an einen englische» Juden. Das englische Amtsblatt veröffentlicht die folgende offizielle Meldung: Se. Majestät der König bestätigte die Ernennung des Herrn Maurice E. Salamons in Dublin zum Honorarkonsul der österreichisch-ungarischen Monarchie in Dublin durch den Kaiser und König von Oesterreich und Ungarn. Die Auszeichnung erfolgte in Anerkennung der großen und langjährigen Verdienste, die sich Mr. Salamons als Vizezekonsul in Dublin um die Handelsintereffeu der österreichisch-ungarischen Monarchie erworben hat. Der Eid More Judaieo in Rußland, Beim Wittebsker Gerichte hätte dieser Tage der jüdische Geschworne I. W. Wischniak den Eid leisten sollen. Da der Leiter des Gerichtes sich hiezu der sogenannten, jüdischen Eidesformel bedienen wollte, protestierte Wischniak gegen die das Judentum beleidigende Fassung der Eidesformel und verweigerte die Eidesleistung. Der Vorsitzende gab schließlich nach und gestattete, daß Wischniak den allgemein vorgeschriebenen Eid leiste. Herr Wischniak fordert nun im „Fraind" die Juden Rußlands auf, bei jeder Gelegenheit, wo sie als Geschworne oder Zeugen in die Lage kommen, einen Eid zu leisten, das gleiche Vorgehen zu bekunden, und verlangt von der Rabbinerkommission, daß sie die Abschaffung des demütigenden Judeneides als eine ihrer Forderungen aufstelle. Jüdische Auswanderungsbewegung im Juli. Im verfloffenen Monat Juli sind im New-Iorker Hafen 4349 jüdische Einwanderer (um 365 mehr als im Juni d. I.) angekommen. Davon waren 1471 Männer. 1545 Frauen und 133 Kinder. Es kamen aus: Rußland 3340, Oesterreich 536, Ungarn 241, Rumänien 125, Deutschland 14, England 48, Türkei 42, Griechenland 1, Frankreich 1, Holland 1. Von allen Eingewanderten blieben 3175 in New-Iork, während die übrigen 1174 nach den verschiedenen Teilen des Landes weiterfuhren. Feuilleton. Eine Kabbinerwahl. Ein Kulturbild der Gegenwart von Dr. Armin Schnitzer, Oberrabbiner in Komarom. VI. Kapitel. Am Abende war großer Empfang im Hause des Doktor Schwas. Er hatte die Mitglieder des Vorstandes und die ganze Intelligenz der Gemeinde zum Tee geladen. Er wollte Doktor Seemann, der seine vollste Sympathie sich erworben hatte, die Gelegenheit bieten, mit den befferen Elementen der Gemeinde in nähere Verbindung zu treten und zu zeigen, wie er als vielsettig gebildeter Mensch in größerer Gesellschaft sich zu bewegen verstehe. Beim Glase Wein, bei anregender Rede und Gegenrede, bei gemütlicher Konversation nähern sich die Menschen und lernen einander kennen und schätzen. Alle Zimmer waren glänzend beleuchtet, für ein reichliches Buffet war gesorgt und die Hausfrau samt ihrer Tochter wurden nicht müde, in liebenswürdiger Weise zum Genüsse des Gebotenen aufzufordern, so daß gar bald eine heitere, gemütliche Stimmung sich herausbildete. Da erhob sich der Hausherr und brachte einen Trinkspruch auf Doktor Seemann, „denmutigen Bannerträger des Fortschrittes", in ehrenden Worten aus, der lebhaft akklamiert wurde. Selbstverständlich kam die Predigt zur Sprache, von welcher der eine und der andere etwas Besonderes hervorzuheben wußte. Da wendete sich Dr. P o l l a k an den Kandidaten, um eine Frage an ihn zu richten. Dr. Pollak, von dem der Agent Spitzer so viel Rühmenswertes zu erzählen wußte, hatte in seiner Kindheit viel Hebräisch gelernt und begleitete auch jetzt noch mit lebhaftem Interesse die Erscheinungen auf dem Gebiete der jüdischen Literatur und die Angelegenheiten des Judentums überhaupt. „Sie haben, Herr Doktor", wendete er sich an Dr. Seemann „in Ihrer Predigt von den Gebeten um die Wiederherstellung des Tempelkultus in Zion gesprochen. Möchten Sie nicht die Freundlichkeit haben, uns Ihre Ansicht über den Zionismus, diese mächtige Bewegung im Judentum, mitzuteilen." „Die Frage ist nicht leicht und auch nicht in Kürze zu beantworten; doch will ich es versuchen. Vor Allem will ich gegen die von gewisser Seite ausgestreute Verdächtigung protestieren, daß der Zionismus im Gegensätze zur Vaterlandsliebe steht. Man kann wahrlich ein sehr treuer Sohn seines Vaterlandes sein und dabei mit allen Fasern seines Herzens an Zion hängen, von dem die Gotteslehre ausging, an jenem heiligen Boden, auf dem die gottbegnadeten Propheten gewandelt und gelehrt und der Dichterkönig seine unsterblichen Psalmen zur Erbauung und zum Tröste der ganzen Menschheit geschrieben, an jenem Boden, per getränkt ist von dem Blute unserer hingeschlachteten Väter. An Zion knüpft sich unsere gläubige Hoffnung an ein Gottesreich, an jene glorreiche Zukunft, die der Prophet hat erschaut, wo „die Erkenntnis Gottes die ganze Erde füllt" und „der Ewige der Eine sein wird und Sein Name: der Eine." Kann durch diesen Glauben die Vaterlandsliebe beeinträchtigt werden? Und nun will ich, geehrter Herr Doktor, Ihre Frage beantworten. Der Zionismus bewegt sich nach dreierlei Richtungen hin. Es gibt einen religiösen, einen n a t i o n a l-politisch en und einen national-ökonomischen Zionismus. Der religiöse Zionismus besteht in dem unerschütterlichen Glauben des frommen Juden, dem er jeden Tag in seinem Glaubensbekenntnis Ausdruck gibt, daß Gott zu der von ihm bestimmten Zeit die Verheißung feiner Propheten verwirklichen und senden werde den „Muschijach" aus dem Hause Davids, der den jüdischen Staat wieder erstehen lassen und den Tempel mit seinem Opferkultus aufrichten werde. Für diese Frommgläubigen ist die zionistische Bewegung eine Verleugnung dieses Glaubens und wird von ihnen perhorresziert; denn nur Gott allein kann Zion wieder aufrichten, keineswegs aber kann es ein Werk von Menschen sein. Der national-politische Zionismus aber hat sich als Endziel die Errichtung des Judenstaates gesteckt. Die Idee ist eine faszinierende, bestechende und hat viele begeisterte Adepten gefunden, aber sie ist eine Utopie. Wer da weiß, wie viel Blut um das „heilige Grab" geflossen, wer es bedenkt, wie eifersüchtig die einzelnen christlichen Konfessionen auf einander sind, daß das Recht der einen, die Hüterin dieses Grabes zu sein, nicht größer sei, als das der andern, der muß es als ausgeschlossen betrachten, daß die Staaten es zugeben sollen, daß ein jüdischer Staat das Patronat über das „heilige Grab" besitze und Jerusalem, in welchem auch