Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1908)
- Issue
- 37 (11.9.1908)
- Date
- 1908-09-11
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Sette 654 Wt. Lwcd's MocdLsrscdrtN. Nr. 37 General Ottolenghi fel. And. München. Die „Augsburger Postzeitung" hat vor einigen Wochen bei der Besprechung der Frage, ob man in Preußen Juden als Offiziere zulasse, gegen den General Ottolenghi eine Bemerkung gemacht, welche geeignet ist, ihn im Grabe zu beschimpfen. Die Verwandten haben darauf folgendes Schreiben an das Blatt gerichtet: „In unserer Eigenschaft als Bruder und Neffe des verstorbenen Generals Ottolenghi und auch im Namen seiner Witwe protestieren wir hiemit bei Ihnen gegen die dem General in Ihrer Zeitung zugeschriebene Phrase, daß er nämlich gesagt habe, „er würde lieber einen Soldaten in einem öffentlichen Hause sehen, als in einer katholischen Kirche". Wir und alle, welche den General Ottolenghi gekannt haben, können verfichern, daß solche Worte von ihm niemals gesprochen worden sein können. Die große Mehrheit der italienischen Soldaten ist katholisch und unser seliger Verwandter dachte zu edel und hatte zu viel Takt, daß jemals solche Worte hätten über seine Lippen kommen können. Wir nehmen gern an, daß Ihr guter Glaube von schlecht informierten Berichterstattern getäuscht worden ist, und erwarten, daß Sie in der nächsten Nummer Ihrer Zeitung, von der wir uns ein Exemplar erbitten, Ihre falsche Mitteilung berichtigen werden. Auf der Brust unseres teueren Verstorbenen glänzten alle Arten hoher Ordensauszeichnungen, darunter zwei deutsche, welche ihm Seine Majestät Kaiser Wilhelm, der den General Ottolenghi persönlich kannte, eigenhändig angelegt hat, anläßlich der Besuche,- welche er unserem König in Rom gemacht hat." Ein jüdischer Wachmann. In Odeffa wurde dieser Tage ein anarchistisches Attentat verübt. Bei dieser Gelegenheit hat ein Jude, der in der Port Arthurer Garnison gedient hatte, einen der Attentäter dingfest und unschädlich gemacht. Der Generalgouverneur erließ nun den Befehl, daß der Jude als Belohnung für seine selbstlose, heldenmütige Handlung als Wachmann in den Status der Odessaer Polizei ausgenommen werde. Der Generalgouverneur hat hierüber bereits die Meldung an das Ministerium des Innern erstattet Synagogenvorsteher Max Michelson in Riga. Die Judenschaft in Riga hat durch das Donnerstag den 14. August im Kurorte Oger erfolgte Hinscheiden des Synagogenvorstehers, Herrn Max Michelsohn, einen schweren Verlust erlitten. Herr Max Michelsohn,-der im Alter von 56 Jahren starb, war ein Sohn des Kronlieferanten, Herrn Salomon Michelsohn in Mitau und nahm in Riga unter den Fabrikanten des Platzes eine angesehene Stellung ein. Trotz bedeutender Intelligenz war er ein Mann konservativer Gesinnung; ausgezeichnet durch Herzensgüte uad Bescheidenheit, war er jederzeit hilfsbereit, wenn es galt, in aller Ruhe und Stille einem Notleidenden beizuspringen. Sämtliche Wohltätigkeitsvereine in Riga erhielten von ihm erfolgreiche Förderung; seit 20 Jahren war er Vorsteher der innerstädtischen Betgemeinde und er versah dieses Amt mit selbstloser Hingebung. Um den unter großen Schwierigkeiten erfolgten Neubau der Synagoge hat er sich die größten Verdienste erworben, als Obmann der Baukommission gelang es ihm, die zahllosen Hinderniffe zu beseitigen und er hatte die Freude, das prachtvolle Gebäude der neuen Synagoge im Zentrum der Stadt erstehen zu sehen, welches ein würdiges Denkmal seiner Tatkraft und seiner Aufopferung für ewige Zeiten bleiben wird. Unter zahlreicher Beteiligung aller Kreise der Bevölkerung fand das feierliche Leichenbegängnis am 17. August statt. Der Leichenzug führte zunächst vom Trauerhause zur Synagoge und war geleitet von den Mitgliedern des Rabbinates und von sämtlichen Synagogen- und Vereinsvorstehern. Nach Rezitierung des Trauerpsalms widmeten dem Hingeschiedenen warme Nachrufe Oberrabbiner Jljou, Herr Rabbiner Weinberg und Präses dieser Synagoge Herr Leib Lifschütz, welche die Verdienste und die Wohltätigkeit des Verblichenen beleuchteten. Es ertönten sodann die wehmütigen Klänge des „El mole" und der Leichenzug begab sich auf dem Weg zum Friedhof. Dort angelangt und nach Rezitierung des «Hazur tomim" und „Haskoros", während welcher seitens der Familie und Leidtragenden enorme Beträge zu verschiedenen Zwecken gespendet wurden, trat Herr Sch. M. Ram an die Bahre und hielt dem verewigten Wohltäter eine tiefergreifende Trauerrede. Alsdann wurde die Leiche zur Ruhe gebettet, nachdem noch Präses Herr Leib Lifschiitz im Namen des Vorstandes der städtischen Synagoge von dem Heimgegangenen in bewegten Worten Abschied nahm. Ehre seinem Andenken! Riga, im August 1908. Vermischtes. Gratulationen anläßlich des V8>Festes zugunsten der Chewra-Kadischa. Einem seit Jahren eingebürgerten Brauche folgend, laden wir unsere p. t. Leser ein, Neujahrsgratulationen durch eine Anzeige in der „Oesterreichischen Wochenschrift" an Stelle der direkten Gratulationen per Post erstatten zu wollen. Auf diese Weise verbindet der Gratulant mit der Erfüllung einer Formalität gleichzeitig die Förderung einer unserer ältesten und würdigsten jüdischen Anstalten. Die Einschaltung solcher Anzeigen erfolgt in der dem Roschhaschanah-Feste vorangehenden Nummer unseres Blattes vom 24. September l. I. gegen Einsendung einer Spende von mindestens K 4.— zugunsten der Chewra-Kadischa Wien. Letzter Termin zur Einsendung solcher Anzeigen 21. September 1908. Wien. (Trauung.) Sonntag den 20. September l. I., um 2 Uhr nachmittags, findet im Stadttempel, I., Seitensrettengasse, die Trauung des Fräulein Frieda Kohn, Tochter . des k. k. Landesschulrates Dr. G u st a v Kohn, I. Vizepräsident der israelitischen Kultusgemeinde, mit Herrn Med.-Dr. Leopold Knopf, Assistent an der allgemeinen Poliklinik, statt. Wien. Der Theologische Verein der Hörer an der Jsrael.- theolog. Lehranstalt in Wien empfiehlt seine Mitglieder den p. t. Gemeinden und Tempelvereinen als Prediger für die bevorstehenden hohen Feiertage. Gefällige Zuschriften wolle man an den Präsidenten des Vereines A. Zifrinowitsch, Wien, II. , Tandelmarktgasse 18, richten. Wien. (W ä h r i n g e r B i b e l s ch u l e.) Die Einschreibung findet daselbst statt: Sonntag den 20. vormittags und Mittwoch den 23. September nachmittags. Wien. Wie alljährlich findet in Weigls Katharinenhalle, Eingang XII., Zenogasse 5, zu den diesjährigen hohen Feiertagen der Gottesdienst in den üblichen Stunden statt. Eintrittskarten sind in der Gemeindekanzlei, XV., Turnergasse 22, zu 3 und 5 Kronen für Herren und Frauen erhältlich. Minderbemittelte aus dem Bezirk erhalten freie Entreekarten. Ohne Karten ist der Eintritt überhaupt nicht gestattet. Wien. Der Kultusvorstand bringt zur Kenntnis, daß die Wählerliste für die diesjährigen Wahlen in den Kultusvorstand zur Einsicht der Gemeindeangehörigen in der Kanzlei der Kultusgemeinde, I., Seitenstettengasse 4, II. Stock, aufliegt. Reklamationen wegen Auslassung wahlberechtigter oder Aufnahme von nicht wahlberechtigten Personen sind innerhalb 14 Tage vom 10. September ab schriftlich in der Kanzlei der Kultusgemeinde einzubringen. Der Vorstand. Der 70. Geburtstag des Bethausvorstandes S. A. Wasservogl. Am 8. d. M. beging der vielverdiente langjäbrige Bethausvorstand der israelitischen Kultus gemeinde Herr S. A. Wasiervogl die Feier seines 70. Wiegenfestes. Der Jubilar empfing zahlreiche ehrende Kundgebungen von Körperschaften und Vereinen. Der Kultusvorstand, vertreten durch den I. Vizepräsidenten Dr. Gustav Kohn, den I. Sekretär kaif. Rat Dr. Lieben, und der Bethausvorstand, repräsentiert durch Dr. Markus Spitzer und den Bethaussekretär Braun, überreichten die Glückwunschadressen des Kultus-, beziehungsweise Bethausvorstandes. Mit sinnigen Blumenspenden fand sich das Männerquartett, geführt von den Chordirigenten Herren Hermann und Zellnik, beim Jubilar ein« Persönlich beglückwünschten Herrn Waffervogl die Vertreter zahlreicher Korporationen, Vereine, Rabbinen, Kantoren und der große Kreis der persönlichen Freunde. Auf telegraphischem und schriftlichem Wege gratulierten die Kultusgemeinde Baden, die türkisch-israelitische Gemeinde rc. und die freudige Anteilnahme war in Hunderten von Telegrammen aus nah und fern zum herzlichsten Ausdruck gebracht. Am Samstag abends gibt der Bethausvorstand zu Ehren des um die Gestaltung und Hebung des Gottesdienstes so verdienstvollen Jubilars eia Festbankett. Tarjag.