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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-09-11 · 37 (11.9.1908) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
37 (11.9.1908)
Date
1908-09-11
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nc. 37 Dr. Dlocd s Mocdenscbrtrr. Sette 649 werden konnte, bis zu jenem stolzen Tage, an welchem Lord Rothschild in das Haus der Lords einzog, zu bestehen hatte. Diese Zurückweisung unserer Rechte, die mit einer Hartnäckigkeit 200 Jahre lang währte und dann bis nahezu 4O0 Jahre, während welcher wir in England überhaupt nicht hineingelassen wurden, fortgesetzt wurde, wirft ein grelles Licht auf das russisch-jüdische Problem und zeigt uns, wie widersinnig es ist, anzunehmen, daß die bloße Existenz einer Duma hinreichend sei. es zu lösen. Nun denn England hatte Jahrhunderte hindurch eine Duma und gerade diese englische Duma war es, die sich gegen die jüdischen Rechte sträubte. Die Tatsache, daß in Rußland Kirche und Staat eins sind, kompliziert das Problem nur noch furchtbarer und diejenigen, die da glauben, daß die bloße Aufhebung der Ansiedlungsgrenzen eine magische Aenderung der Lage der russischen Juden herbeiführen würde, sind einfach durch ihren eigenen Enthusiasmus geblendet. Wir behaupten, daß die Juden im Jahre 1656 nach England hereingelassen wurden. Das ist eine sehr falsche Behauptung. D i e Juden wurden nicht zugelassen, sondern bloß Juden wurden hereingelassen, oder richtiger gesagt, nicht ausgeschlossen. Einigen wenigen Individuen wurde der Eintritt gewährt und ihre Zahl wuchs ständig an, aber zu glauben, daß England dadurch, daß es einigen Inden die Tore geöffnet hat, sie auch den 11 Millionen überallhin verstreuten Inden öffnete, ist durchaus unsinnig. Auf dem ganzen Gebiete von Großbritannien und Island leben nicht mehr als eine Viertel Million Juden und das Verhältnis zur Gesamtbevölkerung ist bloß ungefähr ein Jude zu 200 Nichtjuden und dennoch haben wir gesehen, daß England unfähig ist, diese Fremdenmaffe zu verdauen und bereits beginnt, über Verdauungsbeschwerden zu klagen. Wir können ganz sicher sein, daß, würde die Zahl der Juden bloß 5 Prozent ihrer Gesamtzahl, das ist etwas weniger als eine halbe Million, erreichen, wir schon einen wütenden Antisemitismus haben würden. Wie anders aber stünden die Dinge in einer jüdischen Kolonie! Jeder Gewinn und Zuwachs wäre ein Gewinn für die Kolonie. Je mehr, desto angenehmer! Bei der Einwanderung der Juden in das Land von Fremden ist das gerade Gegenteil der Fall. Je mehr, desto unangenehmer! Jeder Zuwachs bedeutet eine Gefahr für schon vorhandene Bevölkerung, besonders, wenn das Anwachsen die Form. von Ghettos annimmt. Durch die Kolonisation ebnen die Pioniere den Weg für ihre Nachfolger, durch die Einwanderung versperren die Pioniere ihren Nachfolgern den Weg. Wir, die wir glücklich genug waren, zuerst nach England gekommen zu sein, haben denjenigen den Weg versperrt, die uns gerne folgen möchten. Was ist nun unsere Pflicht diesen anderen gegenüber? Den Vorteil unserer Freiheit zu benützen, um ihnen zu ihrer Freiheit zu verhelfen. Es war davon die Rede, diesen fünfzigsten Geburtstag der jüdischen Emanzipation durch ein Bankett zu feiern. Oh, welch' prosaische, abgedroschene Art der Feier! Wie soll das Jubiläum gefeiert werden V Ich würde eine viel edlere Form für die Feier unseres politischen Sieges Vorschlägen: Die Schaffung einer öffentlich anerkannten und gesetzlich gesicherten Heimstätte für jene minder glücklichen Juden als wir es sind. Die Juden Englands stehen, wenn nicht der Zahl nach, so doch durch ihre Position und ihr Prestige in der vordersten Reihe der Inden der Welt. An den Mitgliedern des Hauses der Lords und des Unterhauses, den Busenfreunden von Königen und Ministern, den Zierden der City, an die sich die größten Traditionen des Richterstuhles und des Barreaus knüpfen, die sich Ruhm erwarben in der Wissenschaft, Literatur und Kunst .... an diesen liegt es nun, zu beweisen, daß die Emanzipation für das jüdische Volk ein Segen und nicht ein Fluch gewesen; an ihnen liegt es nun, dieses Jubiläum ihrer Freiheit damit zu rechtfertigen, daß sie in die Freiheitsposaunen stoßen für ihre unterdrückten Brüder. Gegenwärtig ist eine kurze Pause in der schrecklichen Serie der Pogroms eingetreten Es besteht jetzt eine Entente cordiale zwischen England und Rußland. Wollen sie schon nicht protestieren gegen diese Allianz, so mögen sie sich doch wenigstens zum Segen wenden. Mögen sie doch nicht warten, bis sie aufgeschreckt werden durch das Blut ihrer Brüder, das durch den Ansiedlungsrayon fließt. In solchen Momenten kann nichts anderes geschehen, als die Toten zu bestatten, die Wunden zu verbinden, die Schreie der Gefolterten zu stillen und die Hinterbliebenen zu unterstützen. Das Geld, das in solcher Zeit gesammelt wird, mag es noch so viel sein, verschwindet wie Tau am Morgen. Müssen denn unsere Magnaten erst Teiche von Blut sehen, ehe sie ihr Herz und ihre Börsen erschließen? Jetzt in dieser verhältnismäßig lichtvollen Zwischenzeit haben sie Muße, klar zu denken. Unsere großen und edlen englischen Juden müßten die Möglichkeit kombinieren, ein großes Stück Land zu erwerben. Sie müßten von unserem Freunde Rußland, so lange es noch freundlich gesinnt ist, sich die Versicherung verschaffen, daß Pharao sein Volk werde ziehen lassen, und von dem Suzerän des neuen Territoriums die Zusicherung der religiösen und fiskalischen Autonomie. Wollten die Juden von England dies tun oder der „Jto" dazu verhelfen, daß sie es tun könne, so wäre dies eine wahre Feier, ein wahres Jubiläum. Unterlassen sie es, dies zu tun, so sage ich, daß ihr Wohlstand nichts anderes als Hohn ist. Mögen sie ihr Jubiläum halten. Ich werde mich ihrem Jubiläum nicht anschließen. Ich würde mich schämen, Festlichkeiten und Bankette mitzumachen, bloß deshalb, weil einige wenige Tausende meines Stammes den Weg zur Freiheit und zum Glücke gefunden haben, während ich doch weiß, daß ungefähr sieben Millionen unseres Volkes noch in der Hölle der Knechtschaft schmachten. Vom Jahrmarkt des Lebens. M. G. Saphirs Bater und Kaiser Josef. In einem Feuilleton im „P. 21." zitiert Dr. Adolf Kohut einige Stellen aus dem Memoiren Saphir's, die vom jüdisch-geschichtlichen Gesichtspunkte von Interesse sind und reproduziert zu werden verdienen: „Meine Wiege", so erzählt Saphir, „stand in einem ungarischen Dorfe unweit der Komitatsstadt Stuhlweißenburg, lateinisch (Atta regia, ungarisch Szekessehervär). Da stand ehemals das römische Floriana, da fand Svatopluk sein Ende. Auf diesem Sumpfgebiete lagerte Arpüt> mit seincn.bärtigen Helden. In der verfallenen Krönungskirche setzten sich die ungarischen Könige die Krone auf und in den Grüften allda ruhte Stephanus, Kolomanus, Mathias, Corvinus und andere mehr. Das war einst. Meiner Zeit zeichnete sich diese Stadt nur dadurch aus, daß sie viel Corduan fabrizierte und kein Jude über Nacht in ihr bleiben durfte. In der Nähe dieser einst so merkwürdigen Stadt liegt das Dorf Lovas-Bereny und in diesem Dorf stand meine Wiege. Lovas-Berenh und seine Situation bietet gar nichts dar, um die Kindheit eines Dichters romantisch auszuschmücken. Da gab es keine dunklen Wälder mit auf und abwandelnden tiefen Gedanken, zwischen denen der Knabe sein Gemüt nährte und nmdüsterte, da gab es keine Schluchten und wundersam geformte Felsen, an denen die Phantasie des Kindes groß und wild wurde, nichts von alledem. In einer sumpfigen Ebene, von keiner lebendigen Partie unterbrochen oder schattiert, liegt dieser Ort wie ein Eierfladen auf flacher Schüssel. Und dieser Ort mit seinen Lehmhütten und seinen strohbedeckten Bauernfutteralen hatte doch sein abgesondertes Ghetto an dem einen Ende und sein Zigeunerdörfchen am anderen Ende. Die einzige Zierde dieses Dorfes war ein sehr schönes Schloß, mit einem tiefen Graben und von der anderen Seite mit einem schweren eisernen Gitter. Ich erinnere mich k um, das Innere dieses Gartens je betreten zu haben. Die Herrschaft war höchst selten gegenwärtig und die Domestikenwirtschaft bestand aus einer Schließerin, Kastellanin. einem Gärtner 2t. Nur einmal wagte ich mich, ich weiß nicht, ob durch den Graben oder übers Gitter, oder durch das offen stehende Tor, mit kindischer Neugierde in den Garten und staunte die Lauben und Statuen, die Bosketts rc. an. Da kam ein Gartenhüter mit einer dicken Peüsche und hieb unbarmherzig auf mich los. Das Blut strömte über mein Antlitz, aber er verfolgte mich mit Hieben bis an die Tür und unterbrach seine Amtsführung durch nichts als durch den Ausruf: „Eredj

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