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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-09-11 · 37 (11.9.1908) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
37 (11.9.1908)
Date
1908-09-11
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 648 Dr. Llocö s MscdeWcdrlrr» Nr. 37 Planes einstimmig sich für die Sache ausgesprochen. Zn Koblenz haben wir lange debattiert, genau geprüft und nicht anders als mit einer Art von Jubel und Begeisterung, die nicht nur an der Schlußtafel sondern auch zu Protokoll am Schlüsse der Beratungen zum Ausdruck gekommen, ist der Beschluß bestätigt, ganz in dem Sinne, daß es sich um eine hohe und eine notwendige Tat der Juden Europas und um eine hochwichtige Manifestation des Judentums in unserem Jahrhundert handelt. Am 29. Oktober in Wien hat die Schlußrede des Dr. Mauthner konstatiert, mit welcher Einhelligkeit und Begeisterung man nun nach den gegebenen Auseinandersetzungen den Koblenzer Beschlüssen zustimme; schließlich am 9. Dezember in Berlin konnten Sie.die fraglose und unbedingte Energie wahrnehmen, mit welcher man die Ausführung des großen Gedankens als eine unbedingte und fraglose Ehrensache der Juden und des Judentums ansah, deren materielle Durchführung einem einzelnen, mit Gütern gesegneten Juden zu überlassen als unangemessen gelten müßte. Und nach so vielen Beratungen so vieler ausgezeichneter und hervorragender Männer, welche als die eifrigsten und intelligentesten Vertreter des Judentums bekannt sind, und nach dem gleichmäßig immer wieder bestätigten Beschluß sollte mein Entschluß noch einmal schwanken? Oder Sie, mein verehrter Freund, wollten sich den jahrelang gehegten, mit steigender Sehnsucht gepflegten Gedanken an die gewaltige, jetzt in der Ausführung begriffene Aufgabe durch kleine Bedenken oder mattherzige Zweifel von irgend einer Seite her erschüttern lassen, sich bte Freude an der endlichen, langersehnten Durchführung eines edlen Planes verkümmern lassen? Davon rede ich kein Wort, wie ich mich persönlich bereits auf die Sache eingelassen, wie ich seit dem August eingehend, seit November ganz ausschließlich für das Werk tätig bin; daß ich die Vorlesungen an der Universität nicht bloß diesen Winter aufgegeben, sondern auch für den Sommer abgemeldet, weil ich eine Reise durch Deutschland, Frankreich, England und die Schweiz machen muß, um Mitarbeiter zu gewinnen und anzuleiten, — von alledem rede ich nicht, weil weit über die persönliche Ehreufrage und alle anderen Lebensinteressen mir die allmählich erwachsene, aber jetzt festgewurzelte Ueberzeugung herausragt, daß die Schöpfung des Werkes und seine möglichste Vollkommenheit für die Ehre des Judentums und das Heil der Juden von der höchsten Bedeutung ist. Die Freudigkeit des Gemütes, mit welcher ich an dem Werke rüstig schaffe, wird mir Niemand mehr rauben, aber Sie, mein verehrter Freund, sollten mir sie am wenigsten. durch immer wieder auftretende Zweifel verringern. Deutlich stehen vor meiner Seele die Tage, an denen Sie mir in Ihrer edelwollenden Seele und mit ihrem ganzen jüdischen Herzen danken werden, daß ich fest und treu bei der Fahne geblieben bin, die wir gemeinsam nach langer Beratung aufgepflauzt haben." Umgehend antwortet Gutmann, er wäre mit Lazarus vollkommen und von ganzem Herzen einverstanden und tagsdrauf feuert er einen zweiten Brief dem ersten nach, in welchem er seinen herzlichsten Dank ausspricht. „Sie haben mich eines Besseren belehrt und mir eine innere Befriedigung gegeben, die mir nach den vielseitigen und unangenehmen kritischen Bemerkungen von verschiedenen Seiten wohl tut. Ich gehöre Ihrer großen und schwierigen Ausgabe mit vollem Herzen an und wünsche Ihnen Glück und Segen dazu!" Mit diesen Zeugnissen einer edlen Freundschaft zwischen den beiden geistes- und gemütsverwandten Männern schließe ich. Wilhelm von Gutmann hat den Druck und die Vollendung des von ihm so heißersehnten Werkes nicht mehr erlebt. Lazarus mußte sich begnügen, feine »Ethik des Judentums" dem toten Freund zu widmen. Kede Zartgnrills über die „Ito". (Schluß.) Ironie in der Entwicklung der ostastikanischeu Episode. Tatsache ist jedoch, daß das Aufblühen von Britisch- Ostafrika täglich zunimmt, so sehr, daß „Jewish Chronicle" erst jüngst gezwungen war, zu sagen, wie schade es gewesen sei, daß die Juden das ihnen angebotene Gebiet zurückgewiesen haben. Es sind aber nicht die Juden allein, die hiefür der Vorwurf trifft. Trotz der Zionisten hätte die Kolonisation begonnen werden können, wenn die Britons in Ostafrika die Idee gutgeheißen und nicht in Massenmeetings gegen Hereinkommen der Juden protestiert hätten. Sie erinnern sich wohl noch dessen, wie ein britisches Mitglied des Parlaments, Mr. W a l s o n, sogar eine Reise dahin machte und einige Wochen in dem Lande weilte, um sich darüber zu vergewissern, und wie er daun das Projekt, das Land den Juden zu überlassen, so darstellte, daß dadurch der englische Emigrant seiner Siedlungschancen beraubt würde. Und was ist seitdem geschehen? Der Jude wurde wohl nicht hineingelassen, aber der britische Emigrant ist auch nicht hingegangeu. Dem britischen Emigranten stehen kolossale leere Gebiete zur Verfügung, die er füllen könnte. Er hat Kanada und Australien zu bevölkern, gar nicht zu reden von Südafrika; und wie die überschüssige Bevölkerung dieser kleinen Insel alle diese Kontinente aussüllen soll, ist ein Geheimnis, das ich niemals begreifen konnte. Und dennoch, in dem Momente, als die Kolonisation der Juden in irgend einem kleinen Winkel angeregt wird, da ist die niedrigste Bevölkerung sofort bei den Waffen, und die lokale Regierung, ja selbst die königliche Zentralregierung läßt sich ohne jedes konstruktive staatsmännische Empfinden von diesem Geschrei leiten, anstatt einen festen Ton anzuscblagen und den Blödsinn derselben nachzuweisen. Nein, der Britone ist nicht nach Britisch-Ostafrika gegangen, hingegen ging der Hindu dahin. Die Hindus sind in solchen Massen nach Britisch-Ostafrika geströmt, daß die armen weißen Britons sich mitten in einer großen Farbigenfrage befinden. Und in dieser Gefahr, von Hindus weggeschwemmt zu werden, beginnen sie jetzt ihren Blick sehnsuchtsvoll nach den verachteten Juden zu wenden. Ein Herr, der noch vor wenigen Jahren außer sich war bei dem Gedanken, daß der verächtliche Jude ins Land kommen könnte, hatte jüngst mit mir eine Unterredung, um mich zu fragen, was getan werden könnte, um die noblen Hebräer hereinzubringen. Er bot mir sogar eine ihm selbst gehörende Farm von 640 Acker in glänzender Lage, neben Nairobi, an, wenn ich auch nur einige jüdische Familien dort ansiedelu wollte. Da ich jedoch Großkaufmann bin und keine Detailgeschäfte mache, habe ich das Anbot nicht angenommen. Abgesehen davon können wir das Land mit Hindus nicht brauchen. Aber es tritt immer klarer zu Tage, daß, wenn die Juden die Gelegenheit wahrgenommen hätten, das ostafrikanische Anbot anzunehmeu, so lange das Land sich im embryonalen Zustande befand, sie leicht hätten die dominierende weiße Bevölkerung des ganzen Protektoratsgebietes werden können. Das Jubiläum der englisch-jüdischen Emanzipation. Meine Damen und Herren! Nicht nur unser Geburtstag fällt in die trübe Stimmung der „drei Wochen", die in Verbindung stehen mit dem Falle Jerusalems. Vor zehn Tagen jährte es sich zum fünfzigsten Male, daß die Juden in das englische Parlament zugelassen wurden und unsere Historische Gesellschaft feierte den Tag durch die Herausgabe des meisterhaften Werkes von H. S. Q. Henriques über „Die Juden und das englische Gesetz". Ich möchte jedem englischen Juden empfehlen, dieses Werk zu lesen' und den schrecklichen Kampf kennen zu lernen, den unser Volk für die Erreichung ihrer bürgerlichen und religiösen Rechte von jener Zeit, da ein synagogaler Gottesdienst dem Gesetze nach einer aufrührerischen Versammlung glich, für welche man bestraft

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