Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1908)
- Issue
- 36 (4.9.1908)
- Date
- 1908-09-04
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 636 2HC. J510CD'fi THÄOCDenSCDim Nr. 36 um zu bestätigen, daß Spira ein Ungar ist. Der Polizeiwachtmeister, der die Verhaftung vornehmen sollte, forderte nun, daß Spira. der behauptete, in Ungarn gedient zu haben, so splitternackt wie er war, einige Exerzierproben vormache. Spira bestand die „Prüfung" und wurde — vorläufig freigelasfen. Aus einem anderen Orte des Marmaroser Komitats, Repinye, wird wieder der Fall des dortigen Schochet gemeldet. Die Polizei hatte ihn auf die Proskriptionsliste gesetzt und erließ gegen ihn ein Ausweisungsedikt. Die Sache ging jedoch nicht so leicht, da der Betreffende ein Angestellter der dortigen Kultusgemeinde ist. Nun machte die Polizei ausfindig, daß er nicht landesgesetzlich, sondern bloß jüdisch-rituell verheiratet sei, und so wurde denn seine Frau den Kindern entrissen.und nach Galizien abgeschoben. Das geschah noch im vorigen Jahre. Der Schochet rekurrierte gegen diese polizeiliche Maßnahme, worauf er 500 Kronen Kaution erlegen mußte. Nur unter dieser Bedingung wurde der Mutter gestattet, bei ihren Kindern zu bleiben — bis der Rekurs erledigt wird. Im Gegensätze zu der sprichwörtlich gewordenen Verschleppungstheorie ungarischer Behörden wurde die Appellation des gequälten Schochet im Verlaufe von kaum drei Wochen abgewiesen und die Frau mußte tatsächlich Ungarn verlassen und überdies wurde der Schochet zu einer Geldstrafe von 50 Kronen verurteilt, weil er es verabsäumt habe (?) die Rückkehr seiner Frau polizeilich zu melden. Für israelitische Eltern in tschechischen Gegenden. Prerau. Zum Beginne des Schuljahres kann Eltern, die in tschechischen Gegenden leben, nur geraten werden, ihre Kinder, die ein Gymnasium besuchen sollen, nicht in ausschließlich deutsche Gymnasien zu schicken, sondern in tschechische Gymnasien. Die Tschechen bemühen sich auch, die deutsche Sprache in den Mitttelschulen zu erlernen, damit sie in Böhmen und Mähren allenthalben in Aemtern und Stellungen Unterkommen können. Die Israeliten hingegen haben bisher sich zumeist als Kerndeutsche in slavischen Gegenden geriert, ließen ihre Kinder keine tschechischen Gymnasien besuchen und bringen sie dadurch um ihre Karriere oder erschweren ihnen sehr das Fortkommen. In rein deutschen Bezirken finden Israeliten in der Regel keine Anstellung, denn die Deutschnationalen, Christlich-Sozialen, Deutschklerikalen, auch die Deutschfortschrittlichen lasten in Amt und Würden Juden nicht aufkommen; sie setzen sich erfolgreich zur Wehr gegen konkurrierende jüdische Mitbewerber. Sind aber israelittsche Bewerber in Wort und Schrift beider Landessprachen mächtig, kommen sie, da der Bedarf vorhanden, in böhmischen oder gemischtsprachigen Bezirken leicht unter und werden auch bei Staats- und Landesanstellungen berücksichtigt. Auch für Juristen, Mediziner und Handelsbtfliffene ist die Kenntnis der tschechischen Sprache in Böhmen und Mähren schr erforderlich. Beispielsweise sei angeführt das älteste tschechische Gymnasium Mährens in Prerau. Dasselbe besuchen schon seit beinahe 40' Jahren viele Israeliten zu ihrem größten Vorteile. Sehr hervorragende Profefforen, Staatsbeamte, Mediziner und Juristen find aus diesem Gymnasium hervorgegangen. Die t t Direktion dieses Staatsgymnasiums und der Lehrkörper haben die jüdischen Schüler gefördert und haben auch darauf geachtet, daß die israelitischen Schüler ihrer Religion gerecht werden. So find fie seit den 23 Jahren, in welchen der Rabbiner Herr Dr. Jakob Tauber als öffentlicher Religionslehrer am Gymnasium zu Prerau wirkt, von allen Schreibgegenständen am Samstag und an den jüdischen Feiertagen beftett und das Ansehen, bas der Rabbjner im Lehrkörper sich erworben, kommt den jüdischen Schülern sehr zustatten. Sie erhatten Schulbücher, monatliche Unterstützungen und sonstige Förderung, damit Unbemittelte sorgenloser ihren Studien obliegen können. Der Herr Rabbiner geht ihnen selbstredend mit Rat und Tat zur Hand. Jsraelttische Eltern, deren Kinder die am 16. und 17. September stattfindende Aufnahmsprüfung in der tschechischen Sprache abzulegen imstande find, gleichviel ob Knaben oder Mädchen, denn letztere studieren am Gymnasium zu Prerau ebenfalls, sollen nicht verabsäumen, die für die Zukunft ihrer Kinder zweckdienliche Gelegenheit zu benützen. Das Genesungsheim für Lungenkranke auf dem Spiegeksberg. Wen öfter der Weg aus der Stadt gegen Pokau führte, der konnte im Laufe dieses Jahres auf der Höhe gegenüber Tannwald ein Gebäude entstehen sehen, das unwillkürlich den Blick auf sich lenkt. Es war der Bau des „Genesungsheimes für Lungenkranke", das der Zweigverein Aussig, des deutschen Landeshilfsvereines für Lungenkranke in Böhmen dank einer großherzigen Schenkung des Herrn I. Petschek-Aussig zu errichten in der Lage war. Nun das Gebäude fertiggestellt und seine Inneneinrichtung vollendet ist, präsentiert es sich als ein vornehmer Bau. der im Verein mit einer allen Ansprüchen gewachsenen Spezialeinrichtung sich als musterhaft darstellt und morgen, 30. d. M., seiner feierlichen Einweihung und Uebergabe entgegenfieht. Die Anstalt ist das erste selbständige Institut mit der Bestimmung, an Tuberkulose erkrankte, noch erholungsfähige Personen zur dauernden Gesundheit zurückzuführen. Der Betrieb ist nicht allein auf ständige Patienten, an denen vorläufig zirka für 28 Vorsorge getroffen ist, beschränkt, sondern er wird auch auf sogenannte Tageserholungsgäste ausgedehnt, d. h. solche, die nur tagsüber die Pflege und Verköstigung in der Anstalt genießen. Von letzteren können zirka 80 ausgenommen werden. Nach allen Seiten geschützt, steht die Anstalt doch frei, mit weitem Ausblick nach allen Himmelsrichtungen, in tiefem Frieden, der nichts ahnen läßt von dem Hasten und Treiben der nahen Stadt. Der Platz ist wie geschaffen für Kranke und' Heilungsuchende und schon für diese ausgezeichnete Lösung der Platzftage sind die Erbauer zu beglückwünschen. Das Anstaltsgebäude selbst präsentiert sich durchaus würdig in seinem der modernen Bauweise leicht angepaßten Stil, mit weißen Mauern und rotem Ziegeldach und fügt sich gut in'seine Umgebung; vor allem fällt die Zweiteilung des Gebäudes auf, die durch die innere vollständig durchgeführte Trennung der Wirtschafts- und Speiseräume von den eigentlichen Krankenräumen bedingt ist. Während nämlich die Krankenräume im Hauptgebäude untergebracht find, befinden sich die Speise- und Wirtschaftsräume in einem mit dem Haupttrakt zwar in Verbindung stehenden, aber sonst vollkommen selbständigen landhausartigen Anbau. In dem Verbindungstrakt dieser beiden Gebäude befindet sich der Haupteingang mit dem Stiegenhaus. Von hier betreten wir das Haüptgebäude, das Hochparterre, einen ersten Stock und eine Anzahl ausgebaute Mansardenräume enthält; es ist ausschließlich der Pflege der Kranken gewidmet. Hier befinden sich die Räume für zirka 28 Kranke, die in ständiger Pflege bleiben; der erste und bleibende Eindruck in diesem Hause ist: „Groß, hell und lustig." Die Einrichtung ist in jeder Weise gediegen, alles ist weiß gehalten, wodurch der steundliche Eindruck noch unterstützt wird. Das Hochparterre enthält außer einem Teil der Krankenzimmer die Jsolierräume, u. zw. ein Kranken- und ein Wärterzimmer mit eigenem Bad und Klosett unter separatem Verschluß, ferner das Ordinationszimmer des amtierenden Arztes, einen Laboratoriumsraum, sowie die zweiräumige Verwalterwohnung. In jedem Stockwerk find ausreichende Wasch- und Badeeinrichtungen (Voll- und Brausebäder), sowie genügende Klosetts vorhanden. Alle Räume des Hauses find mit dem Komfort aller neuzeitlichen Errungenschaften, Gas, warmem und kaltem Wasser, Dampfheizung usw. ausgestattet und zeichnen sich durchwegs durch eine auffallend geschmackvolle Malerarbeit aus. Als Fußboden ist in Zimmern wie Korridoren das leicht zu reinigende Ferrobolin verwendet. Aus den Fenstern hinaus blickend, gewahrt man so recht, auf Welch schönem Fleckchen Erde diese Anstalt steht; nach Südost der leise Hang des Spiegelsberges mit den zerstreut liegenden Häusern des Dorfes; in der Richtung Nordwest gleitet