Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1908)
- Issue
- 36 (4.9.1908)
- Date
- 1908-09-04
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3020846-3021764-3021801--17630-3042515- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 633 L>r. Llocv's MocvensevrtN. Eine Finauzinstitutio« der „Jto". Deshalb brauche» wir aber noch nicht zu erschrecken. Wir sind nicht so angewiesen auf sie, daß sie so nervös ihre Goldsäcke zu umarmen brauchten. Ich habe nicht die geringste Absicht, den Versuch zu machen, ihre Goldsäcke wegzukapern. Wenn sie sich damit begnügen, nichts zu tun und jeden anderen, der etwas tun will, zu boykottieren, so ist das desto schlimmer für sie. Ich muß sie ihrem Wahnsinn und dem Urteile der Nachwelt überlassen. Ich muß überhaupt vergessen, daß ihr Geld vorhanden tst, genau so, wie ich nicht daran denke, daß die Fonds für die Bekehrung der Juden vorhanden sind. Die „Jto" muß ein eigenes Finanzinstitut schaffen. Sie muß mit den Zionisten den Wettkampf aufnehmen, sie muß ans jüdische Volk herantreten, wie sie es tun. Bis nun haben wir ihnen das Feld überlassen und zugesehen, wie sie von den jüdischen Massen unter dem Vorwände, es von seinem Elende zu heilen, Gelder herausziehen. Wir haben keine Aktien verkauft, wir haben keinen Nationalfonds gesammelt. Jetzt aber müssen wir zu diesen Massen gehen und ihnen sagen/ daß, wenn sie wirklich eine Hilfe sehen wollen, so müssen sie 31t uns fompien. Ich weiß nicht, ob die Zionisten von diesem neuen Feldzug besonders angenehm berührt sein werden. Aber welche Wahl haben sie uns denn sonst gelassen? Wir waren bemüht, eine Rivalität zu vermeiden und darauf zu bestehen, daß wir beide gleichmäßig Diener des jüdischen Volkes sind — zwei Hälften desselben Ganzen. Selbst sitzt könnte vielleicht noch ein. Weg zur Kooperation gefunden werden. Wenn aber nicht, so werden wir unseren Weg allein gehen. Wenn wir, wie ich hoffe, in der Lage sein werden, dem jüdischen Publikum einen konkreten Kolonisationsplan vorzulegen und noch mehr, wenn es uns gelingt, den Plan in seiner Ausführung zu zeigen, dann muß Herr W 0 l f f s 0 h n zusehen, ob die zionistischen Massen nicht schleunigst die Ueberzeugung gewinnen werden, daß der wirkliche Nationalfonds bei uns ist und daß wir das wahre A k t i 0 n s k 0 mi 1 ee sind. Vielleicht haben die Zionisten gar keine Kenntnis davon, daß in den Polizeiarchiven von Rußland die „Jto" als „gefährlicher als der Zionismus" angestrichen ist. Die Uganda-Legende. In Wahrheit sind sie ein Jnaktionskomitee. Das einzige, was sie getan haben und worauf sie mit Stolz Hinweisen, ist, daß sie es abgelehnt haben, Uganda zu exploitieren. In derselben Nnmmer der „Welt", aus welcher ich diesen Abend schon so viel zitiert habe, erzählt uns Herr Sokolow jubilierend, daß nach den Mitteilungen der „Times" in Uganda in diesem Jahre 40.000 Menschen Hungers gestorben seien, und mit Freuden macht er die Jtoiften auf diesen Bericht aufmerksam. „Das ist das Eldorado" frohlockt er, „über welches so viel disputiert wurde", und fügt dann sarkastisch hinzu, er fürchte, wir werden die „Times" ebenfalls als Zione-Zioniften verschreien. Nein, Herr Sokolow, wir werden der „Times" nicht vorwerfen, daß sie zione-zionistisch sei, aber wir werden Sie der Böswilligkeit oder der Ignoranz Leihen. Sie, der Fachgelehrte des Zionismus, wissen nicht oder geben vor, nicht zu wissen, daß es über Uganda niemals einen Streit gegeben hat und daß kein einziger Teil von Uganda den Zionisten jemals angeboten wurde. Dieser Irrtum war übrigens allgemein. Das Gebiet, das den Juden angeboten wurde, war in Ostafrika, ein Land, das unendlich gesünder ist als Uganda. Dieser Irrtum, der aus dem Umstande entstanden ist, daß aie Eisenbahn, welche Britisch-Oftafrika auf ihrem Wege nach Uganda durchzieht, die Ugandabahn genannt wird, wurde, wie die Blutbeschuldigung immer wieder und wieder aufgetischt Ich glaube, jeder intelligente Christ weiß es schon heutzutage, daß die Juden kein Blut für Osterzwecke verwenden und daß jeder intelligente Jude sofort wußte, daß Britisch-Oftafrika an der Seeküste und Uganda im Innern des Gebietes liegt, daß Britisch-Oftafrika ein Land mit breiten, unbevölkerten, gesunden Plateaus ist, während Uganda von Millionen zivilisierten Schwarzen bewohnt ist, die steife Hüte tragen und mit der Schreibmaschine arbeiten. Die 40.000 Todesfälle sind übertrieben, aber selbst wenn sie wahr wären und selbst wenn Uganda tatsächlich das Land wäre, das den Juden offeriert wurde, so würde ich darin noch immer keinen Beweis dafür erblicken, daß es recht war, das Anbot zurückzuweisi u. In Indien kommen Millionen Fälle von Hungertod vor und dennoch wird niemand der Meinung sein wollen, daß die Hindus besser daran wären, wenn sie überhaupt kein Land besäßen. Ein eigenes Territorium zu besitzen, heißt ja nicht, daß man das Paradies auf Erden haben werde und daß daselbst die Leichenbestatter die einzigen sein werden, die Hungers sterben. Es ist besser, als wenn sie an Pogrom stürben. Indem einer au Fieber oder Hungers stirbt, hilft er weingstens, das Land für andere vorzubereiten, stirbt aber einer an Pogrom, so hat er weder sich selbst, noch anderen einen Dienst geleistet. Es gibt keinen Platz, dem die Juden in solchem Maße zuströmen würden, wie New-Aork, und doch ist die Hitze im Sommer dort so groß, daß alte Menschen und junge Kinder rot zusammensinken, wie die Fliegen. Und würde die Jto" New- Äjork als jüdische Zufluchtsstätte bekommen haben, so würden uns Herr Sokolow und Dr. G a st e r sicherlich diese Todesfälle zur Last gelegt haben, ebenso, wie sie uns beschuldigen, daß wir Juden nach Texas in die Sklaverei schicken und dort rhr Blut durch Fieber verdünnen lassen. Dr. Gaster und Herr Sokolow halten alle sehr viel von der Wichtigkeit der hebräischen Sprache als Nationalsprache. Ich kann jedoch nicht umhin, der Meinung zu sein, daß es eine noch heiligere Sprache gibt als die hebräische und das ist die Sprache der Wahrheit. (Schluß folgt.) Hofrat KrasnopoLski gestorben. Am Samstag den 29. August, um 7 Uhr früh, ist der durch sein bedeutendes Wiffen weit über die Grenzen unserer Monarchie hinaus bekannte Zivilrechtslehrer, Professor Dr. Horaz Krasnopolski an den Folgen einer Blinddarmentzündung in Gmunden, wo er mit seiner Familie zum Kuraufenthalte weilte, nach kurzem Leiden im 65. Lebensjahre verschieden. Horaz Krasnopolski wurde am 5. November 1842 als Sohn eines Kaufmannes zu Pistin in Galizien geboren, studierte nach Absolvierung des Gymnasiums an der Karl Ferdinands-Universität in Prag, wo er am 27. Juli 1868 zum Doktor sämtlicher Rechte promoviert wurde. Dr. Krasnopolski wandte sich anfangs der Advokatenpraxis zu und war Konzipient in der Prager Advokatenkanzlei des Dr. Kornelius Schaffner. Alsbald aber widmete er sich dem Lehrberufe und habilitierte sich im Jahre 1872 in Prag als Privatdozent für österreichisches Zivil- und Handelsrecht. Nach dem Rücktritte des Dr. Josef Krainz wurde Krasnopolski mit Entschließung vom 17. Februar 1876 zum außerordentlichen Profeffor und am 7. März 1881 zum ordentlichen Profeffor an der Prager Hochschule ernannt, an welcher er seither ununterbrochen als erfolgreicher, von seinen zahlreichen Hörern hochverehrter Lehrer wirkte. Wiederholt wurde Krasnopolsky zu akademischen Würden berufen. So fungierte er in den Jahren 1883/84, 1891/92 und 1896/97 als Dekan der rechts- und staarswiffenschaftlichen Fakultät, deren Senior er gewesen; Profeffor Krasnopolski war auch Präses der rechtshistorischen und Vizepräses der judiziellen Staatsprüfungskommiffion, Schatzmeister der Gesellschaft zur Förderung deutscher Wissenschaft, Kunst und Literatur in Böhmen rc. rc. Von Sr. Majestät dem Kaiser wurde er vor mehreren Jahren mit dem Hofratstitel und im Jahre 1905 durch die Verleihung des Komthurkreuzes des Franz- Joseph-Ordens ausgezeichnet. — Lange Zeit hindurch gehörte