Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1908)
- Issue
- 36 (4.9.1908)
- Date
- 1908-09-04
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Sette 632 Dr. Llocb's Mocdenscbrttt. Nr. 36 daß es wirklich durchführbar wäre, ihr Geld auf diese höchst simple Weise festzulegeu, so erscheine es mir nun noch unsinniger, Tausende von Pfunden an Rechtsanwälte hinzugeben, als früher. Tatsache ist jedoch, daß dieser neue Artikel späterhin ebenso leicht annulliert werden kann, als er nächste Woche eingefügt werden wird. Er ist nur dazu bestimmt, die naiven Gemüter ihrer Anhänger zu beruhigen und ihren Zorn über die Extravaganz des Rates zu beschwichtigen. Aber der Trust ist entschlossen, in seiner Narrheit so weit zu gehen, als es nur möglich ist. So weit es das Gesetz erlaubt, wird er alles aufbieten, um sich wirklich die linke Hand abzuschneiden. Er wird sich selbst die linke Hand eben so fest binden, als ihm der Sultan die rechte gebunden hat, so fest, daß das Blut zurücktreten und die Hand merklich gelähmt werden wird. Wahrlich, wenn ich gewußt hätte, daß der Trust in der Tat so meschugge sei, würde ich ihm gestattet haben, sich die linke Hand abzuhacken. Die Hand eines Narren kann weder ihm noch anderen viel nützen. Der wettere und der engere Zionismus. Womit kann der Trust sein verrücktes Vorgehen ent. schuldigen? Daß er verhältnismäßig nur geringe Geldmittel und Energie besitzt und daß für die Erwerbung von Palästina nichts übrig bliebe, wenn er seine Fonds und Kräfte anderen Projekten widmen würde? Aber warum sind diese Fonds und Kräfte so gering? Weil sie in all diesen 11 Jahren nichts getan haben, weil niemand an sie glaubt. .Wenn sie nur Verstand und Mut genug hätten, etwas zu leisten, würden die Zionisten weit mehr Geld, Förderer und Ansehen gewinnen und alle diese Vorteile würden die Verluste an ein Zweigprojekt weitaus überwiegen. Wenn ein Mann ein Geschäft hat — nehmen wir an, eine Wagen- und Pferde- Leihänstalt — und er sieht, daß Nachfrage nach etwas Neuem ist — z. B. Automobile — was wird dieser Mann tun? sich weigern, seinen Kunden Automobile zur Verfügung zu stellen? es zulassen, daß neben ihm ein Konkurrenzgeschäft entsteht und ihn vielleicht mit der Zeit zugrunde richtet? Nein! Er wird sagen: „Ich will mein Geschäft um ein DepartemM für Automobile vergrößern und es so zu einem bedeutenderen Geschäft machen, als es bisher war." Aber es ist eine längst bewiesene Tatsache, daß der Jude nur in seinen Privatangelegenheiten klug ist; in seinen öffentlichen Angelegenheiten ist er der größte Narr, der je gelebt hat. Es war ein großer Mißgriff der Zionisten, daß sie jemals eine separate „Jto "-Bewegung groß werden ließen und daß sie mcht alle Fäden des jüdischen Rettungswerkes in ihrer Hand vereint behielten. Ich tat. mein Möglichstes, die Z.onisten vor diesem Irrtum zu bewahren, und seitdem sie ihn begangen hatten, bot ich alles auf, um ihn ungeschehen zu machen. Aber statt das einzusehen, tun sie alles, um sich dieser Möglichkeit zu berauben. Statt die Angelegenheit auf dem Standpunkt zu belassen, auf den sie durch das Urteil des Richters Eve gestellt wurde, fahren sie fort, die närrische Formel von Palästina, Syrien und andere Teile der asiatischen Türkei, die Halbinsel von Sinai und die Insel Cypern in die Welt h'nauszuschreien. Gegen Palästina habe ich, abgesehen vou den erwähnten Schwierigkeiten, kein Wort einzuwenden. Aber warum ist Cypern heilig? Es hat nichts mit der jüdischen Geschichte zu tun und die britische Regierung erklärt, es sei vollkommen unmöglich, daselbst eine grdße jüdische Kolonie zu errichten. Sinai ist eine steinige Wüste, ebenso unmöglich für Juden als für Heiden. Der babylonische Teil der asiatischen Türkei war, wie ich sagte, das Land der Verbannung für unsere Väter und trotzd-m gilt es heute für geheiligt? Ein für alle praktischen Zwecke ebenso erreichbares Land als Palästina, ein Land, das wirklich ein jüdisches Land werden könnte, gilt für t r e f a, aber Cypern und Babylon sind koscher. Ich bemerke, daß der letzte Kongreß seine Resolution in eine elastischere und vernünftigere Form zusammengefaßt hat; sie lautete: „Palästina und die angrenzenden Länder", aber aus der Anzeige der kommenden Versammlung in Köln sehe ich, daß der Trust zu seiner engen und unsinnigen Aufzählung zurückgekehrt ist und mit papageienhafter Beharrlichkeit wiederholt: „Palästina, Syrien, Sinai und Cypern". Wahrlich, Ussischkin ist vernünftiger, wenn er sagt, „nur Palästina". Denn was für ein Anzeichen von einem Versuch in Syrien, Sinai und Cypern ist denn vorhanden? Seit dem Tode Dr. Herzls ist ohne Zweifel Ussischkin der Führer des Zionismus gewesen. Er leitet, wenn er auch nicht herrscht. Wie der Trust das jüdische Geschäft boykottiert. Es gibt aber eine merkwürdigere, unglaublichere Entwicklung des kleinlichen Zionismus von heute. Das Votum des Kongresses, daß die Kolonisation auf Palästina und die angrenzenden Länder beschränkt bleiben soll, weit umgehend, sagt der nächste Woche in Köln anzusügende Artikel: „die Gesellschaft solle weder durch die Räte noch die Direktoren oder auf was immer für andere Weise sich an irgend einer anderen Kolonisation beteiligen und sie fördern, ausgestalren, dafür arbeiten oder weiterführen. Das heißt so viel, als: Ich komme zu der zionistischen Bank und sage: Sehen Sie her, im Zusammenhang mit unserem Kolonisationsprojekt ist ein bedeutendes Geschäft zu machen, und ich würde den Profit lieber Ihnen, als einer christlichen Bank zuwenden." Die jüdische Kolonialbank ist aber gezwungen, dieses Geschäft zurückzuweisen. Sie wird alles, was Ihr wollt, mit Nichtjuden machen. Sie wird Christen Geld borgen oder bei ihnen schnorren, christliche Rechtsanwälte engagieren und in Kompagnie treten mit türkischen Bankiers. Das einzige, von dem jüdischen Kolonialtrust unbedingt boykottierte Geschäft ist das mit den jüdischen Kolonien verbundene — das Geschäft, das schon in seinem Titel vorhergesehen und in seinen Prospekten auseinandergesetzt ist. Es ist in der Tat nicht länger der jüdische Kolonialtrust — nur mehr der jüdische Kölner-Trust. Wie Sokolow „national" definiert. Wenn etwas das Humoristische dieser Situation erhöhen könnte, so ist es, daß dieselbe Nummer von „Die Welt", welche diese Boykottierungsanzeige enthält, auch einen Artikel führenden zionistischen Journalisten, Herrn Sokolow bringt, der in gesperrten Lettern eine Definition des Wortes „national" bringt. „National", sagt Herr Sokolow, ist alles, was geeignet ist, die Juden über das Niveau ihres Goluth zu erheben oder sie nach wirklich jüdischen Grundsätzen in die Höhe wachsen zu lassen." Was aber ist mehr geeignet, die Juden über das Niveau ihres Goluth zu erheben und ihnen das Leben nach jüdischen Grundsätzen zu ermöglichen, als die Schöpfung eines jüdischen Landes? Trotzdem ist dieses unser Projekt so trifa, daß diese sogenannten Nationalen es nicht berühren können; und aus Angst, sie könnten sich dennoch verleiten lassen, es zu berühren, binden sie sich lieber die Hände. Wie viel staatsmännischer ist die Haltung jenes frommen Zionisten, welcher sich „Mizrachist" nennt und einen Brief an das neue Organ des Jtoismus, „Die Jto", das in Zürich erscheint, geschrieben hat. „Ich bin gänzlich unfähig", schreibt er, „den Antagonismus zwischen der zionistischen Organisation und der „Jto"-Bewegung zu begreifen. Es wäre viel vernünftiger und praktischer, wenn die Zionisten die Arbeit und die Bemühungen der „Jto" unterstützen würden. Dann könnten die Zionisten einen zionistischen Kongkeß in einem jüdischen Lande einberufen." Wenn man darüber nachdenkt, so kommt man zu der Ueberzeugung, daß dies die vernünftigste Auffassung ist, die ein Zionist je haben kann, denn tatsächlich werden die zionistischen Kongresse jetzt nur Dank delc Duldsamkeit zuwege gebracht. Manche Städte mögen sie überhaupt nicht, andere wieder dulden sie nur nach längerem Sträuben. Selbst im Haag sind die Zionisten bloß Fremde. Bedenken Sie jedoch, welcher Gewinn für ihre Sache es wäre, wenn sie auf ihrem eigenen Boden ihre Versammlungen halten könnten!