Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1908)
- Issue
- 36 (4.9.1908)
- Date
- 1908-09-04
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 630 M» BLvch's WochsrMrM. Nr.3 6 hin gelangt, einen einzigen, für unsere Zwecke passend zu halten. Auch dieser hat Gletscher und Abgründe aufzuweisen, aber es führt doch ein schöner Weg zum Gipfel. Immerhin muß dieser Berg noch genauer untersucht werden, bevor wir ihn dem jüdischen Volk empfehlen können, und selbst wenn wir dies tun, ist es die Frage, ob sich das jüdische Volk auf unsere Empfehlung verläßt, und eine weitere Frage, ob es trotz unserer Empfehlung zum Ziele gelangt. Sie sehen, ich verhehle Ihnen nicht, wie hoch der Berg und wie schwierig seine Besteigung ist. Warum sollte ich Sie betrügen? Ich überlasse das anderen Führern, welche Ihnen versichern, daß sie bereits auf die halbe Höhe des Berges gelangt sind, während sie in Wirklichkeit gleich Korah hinabsiuken in die Eingeweide der Erde. Aber wenn auch der Berg hoch und der Gebirgssteig steil und schlüpfrig ist, wir lassen uns nicht entmutigen. Es heißt, daß ein gewisser tapferer Edelmann, der die Königin Elisabeth liebte, mit seinem Diamantring auf ihre Fensterscheibe die Worte ritzte: Gern möcht' ich zur Höh, aber ich fürchte den Fall > Als die Königin dies las, schrieb sie darunter: Wenn Dir das Herz fehlt, so bleib im Tal. Kein Mensch sollte emporzuklimmen versuchen, der nicht darauf gefaßt ist, entweder den Gipfel zu erreichen oder abzustürzen. Wir können nur unser Möglichstes tun; es ist keine Schande, zu stürzen, wohl aber den Aufstieg nicht zu versuchen. Könige und Chroniken. Welche Stufe haben wir bisher erreicht? Ich war betrübt über einen in der „Jüdischen Chronik" veröffentlichten Bericht, demnach wir eine Expedition ausgesandt haben sollten; da wir diesem Journal keine derartige Nachricht milgeteilt hatten, ist dies entweder eine Ungenauigkeit oder eine Indiskretion. In der gestrigen S e d r a h werden Sie sinden, daß Moses, als er seine geographischen Kundschafter aussandte, es heimlich tat, um das Land erforschen zu lassen. Er veröffentlichte diese Tatsache nicht in Chroniken, um die Aufmerksamkeit aller Feinde seines Volkes auf dieses Unternehmen zu lenken. In der Bibel folgten die Chroniken auf die Könige. Erst wenn das Königtum gegründet war, konnten Chroniken gestattet werden. . Wenn die Chroniken früher gewesen wären, hätten nie Könige sein können. Wenn die jüdischen Blätter sich einfallen lassen, von uns nicht sanktionierte Nachrichten zu veröffentlichen, werden sie auch die Verantwortung für alles Unheil, was daraus entsteht, tragen müssen. Es ist zweifellos richtig, daß wir Vorbereitungen zur Entsendung einer Expedition getroffen haben, aber es ist unser Wunsch, die Zeit und den Bestimmungsort derselben geheim zu halten. Wir sind nicht hier, um Reklame zu machen, sondern um für das jüdische Volk zu arbeiten. Ich habe gehört, daß die gestrige Ausgabe der „Daily Mail" einen Ort nannte, nach welchem unsere Expedition angeblich abgehen sollte, aber sie hat falsch geraten. Herr Schiff und die „Jto" Dank der Großmut unserer Gönner ist uns die Notwendigkeit, uns an die öffentliche Wohltätigkeit zu wenden, um unsere Expedition fundieren zu können, erspart geblieben. Wir mußten nicht das schreckliche und skandalöse Fehlschlagen der sogenannten nationalistischen Bewegung wiederholen, welche, um das von der britischen Regierung dem jüdischen Kolonialtrust gemachte Anerbieten zu prüfen, gezwungen war, bei einem Christen zu schnorren. Nein, jeder Penny unseres Geldes kommt von Juden, guten, loyal gesinnten Juden, wenn sie auch vielleicht nicht den sogenannten Nationalen gleichgestellt erscheinen. Ich schlage nicht vor, die ganze Liste der Beiträge heute zur Verlesung zu bringen — viele Spender sind ihnen schon bekannt — aber ich bin überzeugt, daß sie mit Vergnügen hören werden, daß unser Vorsitzender Herr Meyer-Spielmann, mir 100 Pfund gegeben hat. Und da ist noch ein anderer Beitrag, der mir große Freude gemacht hat, da er das großmütige Geschenk eines Mannes ist, der früher mit dem Plane der „Jto" nicht einverstanden war und dessen großer Name und hohe Stellung all seinen Ansichten eine besondere Bedeutung verleihen. Ich meine Herrn Jakob H. Schiff in New-Aork. Herr Schiff hat mir 250 Pfund für unsere Expedition gegeben — nicht weil er schon jetzt für die Idee eines autonomen Territoriums gewonnen ist, aber weil er einsieht, daß es unbedingt notwendig ist, ein neues Gebiet für die Kolonisation zu erschließen und die Auswanderung zum Abschluß zu bringen, und schließlich ist ja auch ein autonomes Zufluchtsland immerhin ein Zufluchtsland. Ein anderer praktischer Geschäftsmann, Herr Josef Fels, hat sein Vertrauen in unseren Plan durch die Spende von 300 Pfund für denselben Zweck bewiesen. Dies ist jedoch nicht der einzige Dienst, den Herr Fels uns geleistet hat, denn er unternahm eine Reise von 5000 Meilen, um mit dem Präsidenten eines großen amerikanischen Staates Rücksprache zu nehmen, für den Fall, daß unser Projekt mißlingen sollte; dieser Staat würde sich gerne der jüdischen Mitwirkung zu seiner Entwicklung versichern, und wir könnten jeden Augenblick die von Herrn Fels eingeleiteten Unterhandlungen wieder aufnehmen. Aber kein Beitrag zu unserer Expedition hat mir mehr Freude bereitet, als die mir von einer Gruppe armer Juden aus dem Innern Rußlands, die zu den ersten Pionieren des „Jto"-Landes zählen wollen, gesandte bescheidene Summe von 20 Pfund. Die „Jto" und der Zionismus. Wie Sie sehen, hat die „Jto" immer ohne alle Schwierigkeit das Geld, das sie benötigte, erhalten. Es ist daher schwer zu begreifen, warum die Zionisten eine so panische Furcht davor haben, daß es uns drängt, uns ihres Geldes zu bemächtigen. Es ist wahr, daß ich gellend gemacht habe, daß alle Arbeit der „Jto". in dm. Rahmen.. des..jüdischen Kolonialtrusts paßt, aber meine Argumente sollten nur dem größeren Ruhm des Zionismus dienen, um die Bewegung vor dem historischen Wahnsinn, nicht an unserem Rettungswerk teilzunehmeu, zu bewahren. Welcher Art immer der Unterschied zwischen unserer und der zionistischen Bewegung sein mag, darin stimmen wir doch überein, daß die Lage des jüdischen Volkes die Schaffung eines autonomen jüdischen Territoriums gebieterisch erfordert. Die Straus-Konferenz. Dieser gemeinsame Punkt wurde bei der Konferenz sestgestellt, die vor ungefähr zwei Jahren zwischen Herrn Wolffsohn und führenden Zionisten und mir und führenden Jtoisten unter dem Vorsitz des ehrwürdigen Oskar S. Straus stattfand. Sollten daher die Zionisten politische Garantien für die Kolonisation von Palästina erhalten, so wird sich niemand mehr darüber freuen, als die Territorialisten, die anläßlich dieser Konferenz und bei vielen anderen Gelegenheiten seither ihre Bereitwilligkeit, daran teilzunehmen, zu erkennen gegeben haben. Palästina ist zum mindesten ein Territorium wie jedes andere. Jeder Sieg des Zionismus ist daher nicht ein Sieg über, sondern ein Sieg f ü r den Territorialismus. Jeder Schritt gegen Palästina bringt dem Territorialismus näher, denn wir Jtoisten haben keine Partei, sondern das jüdische Volk und ihr verzweifeltes Bedürfnis nach einem Land im Auge. Ich wünschte, ich könnte dasselbe von den Zionisten sagen. Wenn sie an das jüdische Volk und nicht an ihre kleinlichen Parteiinteressen dächten, so wäre jeder Sieg des Territorialismus in ihren Augen auch ein Sieg des Zionismus. Jeder Schritt gegen Jtoland wäre ein Schritt gegen die politische Emanzipation der Juden. Aber ach! Der Zionismus will es nicht so! Während wir uns über jeden Schritt, den sie nach vorwärts tun, freuen, seufzen sie über - jede unserer Errungenschaften und versuchen sogar, uns Prügel in den Weg zu werfen. Sie würden es am liebsten sehen, wenn wir unsere Tätigkeit