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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-09-04 · 36 (4.9.1908) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
36 (4.9.1908)
Date
1908-09-04
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 628 Dr. VIEs Wochenschrift Nr. 36 kanntlich im Jahre 1859.) Weitere grundlegende Forschungen über das gleiche Gebiet stellen Geiger in die Reibe der Bahnbrecher moderner Wissenschaft. Lazirus Geiger war übrigens nicht nur ein Vorkämpfer der Wiffenschaft, sondern auch des Judentums. Er war ein strikter Gegner religiöser Reformen und kämpfte kraftvoll bei verschiedenen Gelegenheiten gegen die Führer des Nationalismus. Als die altehrwürdige Frankfurter Synagoge zugunsten eines orgelveriehenen Neubaues geopfert wurde, veröffentlichte Geiger ein Pamphlet, „Terzinen beim Fall der Synagoge zu Frankfurt a. M." (1854), in dem er seinem Unmut Ausdruck lieh. Seit 1861 hatte er die Stellung eines Lehrers der jüdischen Schule „Philantropin" in Frankfurt a. M. inne. Henri Weil. Der berühmte französische klassische Philologe Henri Weil feierte am 26. August seinen 90. Geburtstag, frisch an Geist und für sein hohes Alter körperlich noch ziemlich rüstig, wenn auch sein Augenlicht fast erloschen ist und Schwerhörigkeit den Verkehr mit ihm erschwert. Aber die Ereignisse im Gebiete seiner geliebten Wissenschaft interessieren ihn noch immer; und er wird von allem Wichtigen aus dem großen Reich der Gräzistik, zu deren Koryphäen er gehört, durch Vorlesen unterrichtet. Wenn man ihm eine Frage aus der griechischen Philologie vorlegt — wir zitieren einen Brief Solomon Reinachs über den Nestor der klassischen Philologie — „le vieus lion se reveille et montre qu’il a conservö tonte sa merveilleuse et lucide intelligence“. — Henri Weil ist a m 26. A u g u st 1818 in Frankfurt a. M. geboren als Sohn des jüdischen Gelehrten Dr. Jakob Weil, der in den Jahren 1816 bis 1845 in Frankfurt a. M. einem Erziehungsinstitut für israelitische Knaben Vorstand und ein Vorkämpfer für die Emanzipation seiner Glaubensgenossen war, dabei ein freiheitlich gesinnter deutscher Patriot, der für die ihm am Herzen liegenden Emanzipations¬ und politischen und staatsrechtlichen Fragen in Wort und Schrift kämpfte. Heinrich Weil erhielt seine erste Erziehung in Frankfurt a. M., er studierte an den Universitäten Heidelberg, Bonn, Berlin, Leipzig und scheint auch eine Zeit lang in dem Institut seines Vaters unterrichtet zu haben. Denn in der von Frankfurt a. M. 1842 datierten Vorrede zu seinem einzigen deutschen Buche, einer trefflich ausgewählten Zusammenstellung von Uebersetzungen griechischer und römischer Klaffiker („Das klassische Altertum für Deutschlands Jugend") spricht er von seiner Beteiligung an einem Erziehungsinstitut in Frankfurt a. M., 1845 aber finden wir den jungen Deutschen in Paris, wo er seine Studien vollendete und dann die französische Nationalität annahm, wahrscheinlich wegen der Schwierigkeit, seine Wissenschaft in Deutschland öffentlich zu lehren. Henri Weil wurde später Professor an der Universität Besannen, an deren humanistischer Fakultät er 1873 Doyen wurde, 1876 kam er nach Paris, wo er bis zu seiner freiwilligen Pensionierung 1891 eine der hervorragendsten Stellen an der Ecole pratique des hautes Etndes einnahm. Lange schon ist er ordentliches Mitglied der Acadömie des Inscriptions, die auch den 90. Geburtstag ihres ehrwürdigen Mitgliedes durch einen Festakt feierte. An seinem 80. Geburtstag hatte man dem hervorragenden Gelehrten durch einen Sammelband, die „Melanges Henri Weil“, gehuldigt, zu denen von Deutschen Fr. Blaß, Otto Crusius, Hermann Diels, U. v. Wilamowitz-Möllendorf, Th. Gompertz intereffante Beiträge beigesteuert hatten. Die Publikationstätigkeit Henri Weils ist eine große editorische: Aeschylus, Demosthenes, Euripides find in Gesamtausgaben, Dionysius von Halikarnaß und Plutarch in Einzelteilen in seinen Ausgaben vertreten. Von seinen älteren Publikationen ist die „theorie generale de Taccentaation latine (1855)" zu erwähnen. Von einem andern Werke „Oe 1'ordre 'des mots dans les langues anciennes comparees aux langues modernes“ ist die 3. Austage (1879) zu registrieren. Ganz erstaunlich ist aber, wie reich die schriftstellerische gelehrte Tätigkeit Henri Weils gerade in der letzten Zeit noch gewesen ist. Von größeren Sammelwerken erschien 1897 „Etndes snr le drame antique“, 1900 „Etndes sur l’antiquite Grecque“. 1902 „Etndes de literature et de Bhythmique Grecque“; daneben brachten die gelehrten französischen Zeitschriften und die Berichte der Academie des Inscriptions eine ganze Anzahl größerer und kleinerer Abhandlungen über philologische Tagesfragen, die infolge der Neufunde von Papyri in Egypten aufgetaucht find oder über den greisen Gelehrten stets besonders interessierende Schriftsteller Griechenlands. So wurden die neugefundenen Menanderfragmente des Landmanns, der delphische Paean des Dionysos, griechische Inschriften und Urkunden aus Egypten, ein neuer Komödienprolog, einige griechische Ostraca von ihm beleuchtet; andererseits hat er Autoren, die er seit jeher bearbeitete, wie Dionys von Halikarnaß, Tyrtaeus und Euripides, noch in seinen späten Jahren von dieser oder jener Seite neu betrachtet. So ist es ein reiches Leben, auf das der berühmte Lehrer und Gelehrte Henri Weil an seinem 90. Geburtstage zurücksehen darf, einem Tage, der, wie wir hoffen und wünschen, eine weitere Reihe von geistesfrischen und körperlich behaglichen Lebensjahren ihm eröffnen möge. Ein jüdischer Radehky-Beteran. Der „Neuen Freien Presse" wird geschrieben : In Straßnitz in Mähren lebt ebenfalls ein alter Radetzky- Veteran. namens Gabriel Häutler, der am 15. August 1828 dort geboren wurde. Häutler machte beim damaligen 3. Linienregiment Erzherzog Karl drei Schlachten unter Radetzky in den Jahren 1848 und 1849 mit und wurde am 1.Jänner 1853 von Kremsier aus mittelst Abschiedes beurlaubt, worin seine Konfession irrtümlich statt mosaisch mit katholisch eingetragen erscheint; derselbe ist im Original in seinen Händen. Leider hat er zu dem Verdienstkreuz, das er jetzt als Radetzky-Veterau erhält und worauf er sich besonders noch freut, auch sonst noch ein großes Kreuz auf dieser Welt — nämlich aller Mittel bar, unfähig und gebrechlich, fristet er sein Dasein — und dennoch freut er sich des Lebens und erzählt heitere Geschichten von seinem damaligen Militärleben, so unter anderem, daß er eine Virginiazigarre vom großen Marschall erhielt, als er am Posten gestanden' und auf einer Mekognoszierung von ihm überrascht wurde! Es wäre wirklich angezeigt, daß man ihn weiter bei dieser guten Laune und Soldatenstimmung erhallen sollte, indem man ihm ein halbwegs gesichertes Dasein noch über die 80 Jahre hinaus verbürgen würde. Israel Zangwill über die jüdische Weltorganisation. Der Londoner „Daily Telegraph" widmet seit kurzem jeden Sonnabend eine eigene Kolumne allgemeinen jüdischen Angelegenheiten. Die Rubrik führt den Titel „The Jewish World" (Die jüdische Welt). Vorigen Samstag war nun in diesem Blatte ein Brief Zangwills abgedruckt, der sich mit der strittigen Frage einer jüdischen Weltorganisation, wie sie einerseits von der „Jca" und ihren Freunden und andererseits von der deutschen Gruppe (Justizrat Dr. Maximilian Horwitz) geplant wird, beschäftigt. Nach einer Einleitung, in welcher er die neue Einführung des großen englischen Blattes freudigst begrüßt, fährt Zangwill fort: Ich nehme die Gelegenheit wahr, um vor dieser neuen und breiteren Oeffentlichkeit den Entschluß der Führer der Anglo-Jewish-Association, die von Justizrat Dr. Maximilian Horwitz in Berlin angeregte Schaffung eines permanenten internationalen Komitees abzulehnen und sich dafür dem im kleineren Rahmen sich bewegenden, von Jakob H. Schiff in New-Iork ausgehenden Vorschläge der Jewish Colonisation Association in Paris anzuschließen, eingehend zu besprechen. Die Frage wurde in ihren Artikeln ausführlich beleuchtet, und wenn ich nun sage, daß der Vorschlag des Berliner Justizrates mir staatsmännischer erscheint, so hoffe ich, nicht der Parteilichkeit geziehen zu werden, wenn ich hinzufüge, daß Mr. Schiff ein Freund und Mitarbeiter von mir ist, während mir selbst der Name des Herrn Dr. Horwitz bis

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