Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1908)
- Issue
- 36 (4.9.1908)
- Date
- 1908-09-04
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Sette 686 Sr. Mocv's MocbenscbrLtk. Nr 36 Ueberdruß weggeworfen haben, und Regimentsärzte zu werden. . Aber manMimmt sie .nicht. Man .weist sie unter allen Umständen ab, auch wenn der Herr Generalstabsarzt Uriel einem Interviewer versichert, daß er keine Zurückweisung aus konfessionellen Gründen kenne. Wir sind felsenfest überzeugt davor?, daß der Herr Generalstabsarzt keinen jüdischen Bewerber eigenhändig den Kragen umdreht, dessen Ernennung ihm zur Bestätigung vorgelegt wird. Auch wird sicherlich Niemand mit der Bemerkung zurückgewiesen, „wegen jüdischer Konfession". Als ob es keine anderen Mittel geben würde, mit denen die Personalreferenteu in den militärischen Ministerien eine Sichtung hornehmen könnten, wenn sie die Gesuche -um Einrechüng erledigen und mit den jüdischen davon dem Zeitgeiste Brandopfer darbringen! Man führt an offizieller Stelle gerne als hcllbes Zugeständnis an, daß man Juden nur nach dem Perzentverhältuis anstellen könne, das sie in der Bevölkerung haben. Welch ein unwürdiger Terrorismus gegen die Schwachen! Fragt mau etwa nach dem Perzentverhältnis, wenn man die jüdischen Soldaten eiuberuft? Unh sragt man bei Ernennungen im Staatsdienst etwa auch .-Lei Polen und Tschechen nach dem Perzentvechältnis? Aber, bescheiden wie wir sind, wären wir recht zufriedenwenn unsere jungen Leute im Verhältnis 1:23 im Staatsdienst angestellt würden. Wir selbst sind es, die nach dem Perzentverhältnis im Staatsdienst rufen, nach dem effektiv durchgeführten Verhältnis, denn wir sind davon überzeugt, daß eine Zählung und Kontrolle ein starkes Mißverhältnis zu unseren Ungunsten geben würde. Was aber will die Heeresverwaltung mit dem Perzentverhältuis? Ihr ist dieser Grundsatz wichtiger als die Sorge für die Gesundheit der Soldaten, der Blüte des Reiches. Der Antisemitismus bedeutet ihr mehrmals das Leben eines verunglückten Mannes, der zugrunde geht, weil sein detachiertes Bataillon keinen Arzt besitzt. Heute schon pauschaliert das Laudwehrkommando Zivilärzte, die nebenbei denDienst in den Kasernen versehen, aber keineswegs mit der Truppe ausrücken. Man denke sich nun die Situation im Kriegsfall, wenn die Stände vervierfacht werden und die Gefahren verhundertfacht. Man halte sich die Kolossalbilder des Entsetzens vor Augen, welche der Krieg in der Mandschurei gezeitigt hat, als der russische Sanitätsdienst versagte. Mangelhafter ärztlicher Dienst äst im Frieden ein Unglück für die Truppen, im Kriege eine Katastrophe für das Vaterland. Aber das macht den Faktoren nichts, welche vor allem den Antisemitismus zu berücksichtigen haben und dann erst die elementarsten Erfordernisse des Heeres. Ihre Sympathien sind stärker als ihr Gewissen, und da für ihre eigene' Gesundheit gesorgt ist, so machen sie sich weiter keine Skrupel. Gegen die medizinischen Kenntnisse der Juden können sie keine Sonderbedenkeu haben. Man will sogar wissen, daß die Juden für die Heilkunde besondere Talente haben. Wenn aber nicht, so ist ein jüdisches Promotionsdekret so gut wie ein christliches. Auch über die militärische Strammheit jüdischer Bewerber kann kein Zweifel existieren. Man nimmt ja nur solche, die ihr Einjährigeujahr bereits gemacht haben. Bleibt als erster und letzter Grund die Abneigung gegen die Juden überhaupt, eine Abneigung, die der oberste Kriegsherr keineswegs teilt, eine Abneigung, die von niedrigen Demagogen gepredigt wird, aber von männlich ehrenhaften, hohen Führern der Armee nicht befolgt werden sollte. Wir behaupten bescheiden, aber fest, daß wir Juden diese Abneigung in der Armee niemals verdient haben. Jüdische Offiziere und Soldaten in Masse haben es in Krieg und Frieden weder an Strammheit noch au todesmutigem Patriotismus fehlen lassen. Weg darum mit einer feigen Ungerechtigkeit gegen uns. „Der Offizier ist ein Kavalier im Waffenrock/ hat weiland Kronprinz Rudolf geschrieben. In dieser Zeit jetzt, wo die Frage der Militärärzte eine Klage der ungerecht behandelten Juden einschließt, bitten wir, sich des schönen Fürstenwortes zu erinnern. Vom Zabrmarkt des Lebens. Erinnerungen an den Kronprinzen Rudolf selige« Atttzirdirttk^tts. Z ü m f ü n fz tgst eü J ä h r es t a g e j‘e i n e r Geb u r t. ■ Bdn Alexander Scharr aus Wien. Da er am 2'1. August 1858 geboren würde, wäre der heutige Tag der 50. Geburtstag des unvergeßlichen Kronprinzen Rudolf, des Stolzes und der HoffnungOesterreichs, der — Gott sei es geklagt —^ uns vor bald zwanzig Jahren durchs den erbarmungslosen Tod allzufrüh entrissen wurde. In den schönsten Jugendjahren starb dieser Liebling der Götter und der Menschen. In diesem Jahre seines 50. Geburtstages — welch großes schönes Jubeljahr wäre es für die Gesamtbevolkerung der Habsburger-Monarchie erst recht gewesen, neben dem sechzigsten Regierungsjubiläüm des allgeliebten und allverehrten kaiserlichen Vaters gleichzeitig auch das fünfzigjährige' Alte r s j u b i l ä u mdes edlen Sohnes unseres Kaisers, ein D opp e ljubilämm iir schöuster, heller und ungetrübter Freude zu begehen!; Wäre dieser freisinnige, hochbegabte, humane Kronprinz, dieser Schätzer und Schütz-r der Menschen und der Wissenschaft, dieser Förderer alles Guten und Schönen, heute unter uns, es wäre gewiß viel besser bestellt um die Kultur und die Freiheit, um den Fortschritt und den konsessionellen Frieden in Oesterreich! Der edlen Gesinnung und Wertschätzung für die Menschheit gab der humane Kronprinz in dem schönen denkwürdigen Ausspruche: „Das höchste Kapital des Staates ist der Mensch!" beredten Ausdruck. Ein andermal — es war dies bei der Eröffnung der effektvollen Elektrizitäts-Ausstellung in Wien gab dieser gottbegnadete Redner in einer zündenden Ansprache,.dem Wunsche und der Hoffnung begeisterten Ausdruck: „daß von der h er r l iche n R e i ch s h aup t ft a d t W i en aus ein Meer von Licht ausstrahlen möge, zur Erhellung der Geister in ganz Oesterreich!" Leider haben sich seit dem Abgänge des teueren Toten die Verhältnisse in Wien allgemach total zum argen geändert, von wo aus die täglich mehr überhand nehmenden dunklen Mächte einen unerbittlichen Kampf führen gegen Freiheit, Licht und Wissenschaft. Als treffendes Bild seiner scharfen Beobachtungsgabe und richtigen Kenntnis der Menschen möge mir noch gestattet sein, im Anschluß an meine dem Andenken des unvergessenen Kronprinzen zu seinem heutigen 50. Geburtstage gewidmeten Gedenkworte, im nachstehenden das bald nach seinem Tode aus den nachgelassenen Schriften vom Grafen Wilczek veröffentlichte, ebenso charakteristische als zutreffende Epigramm aus der Feder des Kronprinzen Rudolf über die Rasseu-Antisemiten der Vergessenheit zu entreißen und als teueres Andenken zum ewigen Gedächtnisse im Wortlaute wiederzugeben: Die Antisemiten! ' „Nicht den Glauben, nicht die Rasse Verfolgen sie mit ihrem Hasse — Denn dazu sind sie doch aufgeklärt; Wie ich die Sache fasse, Gilt ihr Haß der Wertheimkasse, Nach der es sie begehrt." Bad Ga st ein, den 21. August 1908. Sir David Salornons. (Ein Beitrag zur Geschichte des'parlamentarischen Antisemitismus in England.) Von Dr. Josef Hoff, Rabbiner in Bisenz. Um die Mitte des vorigen Jahrhunderts fehlte den Juden in England zur völligen Emanzipation nichts,- als die Zulassung zum Parlamente. Alljährlich vom Jahre ILD bis 1666 würden Bills,