Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1908)
- Issue
- 36 (4.9.1908)
- Date
- 1908-09-04
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Jahrgang ITT Nr. 36 Dr» Bloch’s Zenttalorgan kür die gesamten Interessen des Zudentums. Wim, 4. September 1908. Lrs<Le1nr jeden Freitag. Brlef-Sdrche: Wie». H/i, Hahugasie 15. Telegramm-Adrefle: BlochS Wocheuschrift. Wie». Inhalt: Leitartikel: Nochmals die Militärärzte. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Erinnerungen an den Kronprinzen seligen Angedenkens. Sir David Salomons. Ein jüdischer Universitätsrektor. Die Königin-Mutter von Holland und der 9. Ab. Was der Buxtoner Museumsdirektor unter einer „Mesusah" versteht. Aufgesessene Antisemiten. Lazarus Geiger und Charles Darwin. Henri Weil. Ein jüdischer Radetzky-Veteran. Israel Zangwill über die jüdische Weltorganisation. - Rede Zangwills über die „Jlo". Hofrat Professor Dr. Krasnopolski gestorben. — Der Schulchan-Aruch über die sittlich-moralischen und religiösen Qualifikationen eines Kantors. — Korrespondenzen: Gesetzwidrige Stellenausschreibuug durch das mährisch-schlesische Oberlandesgericht. Verfolgung galizischer Juden in Ungarn. Für israelitische Eltern in tschechischen Gegenden. Das Genesungsheim für Lungenkranke auf dem Spiegelsberg. Petersburg. Verbot von Minjamin in Rußland. Inden in England. Die neue türkische Aera und die Juden in Egypten. Gouverneur Matthew Nathan iu Südafrika. — Vermischtes: Kranzablösungsspenden rc. Gratulationen anläßlich des Neujahrsfestes zugunsten der Chewra-Kadischa. Wien. Austritte aus dem Judentum. Falkenau a. d. Eger. Mißlitz. Karlstadt. Sauerbrunn. Konstantinopel. — Feuilleton: Eine Rabbinerwahl. — Literatur. — Neue Bücher. — Briefkasten. — Inserate. Oü .... 2 IttsOT^nta fäx ®x(Un*M|) Q Halbjährig 8 fttoaot: •taielexcmplaxt 50 Heller. Für » Bssbrnh: Halbjährig 10 «ron«. Ganzjährig 20 » Anzeigen: Di« 4mal ges-al» ten« PetttzeU« 24 Heller. nO - —> —-rOo 0(3= Q De c ». k. Postsx«rkaW»»uma ale»tlna»Verkevt Vit. 810.976* RtbattU» und Admiuistratton: »Ms« H/i. Hahugaffe Nr. 15. Telefon Kr. 14.847. v nO ■ ■ -nr Nochmals die Militärärzte. Vor einigen Tagen sind wiederum mehrere Regimentsärzte auf einmal aus dem Heeresverbaud geschieden, ein Vorgang, der sich nun so häufig wiederholt, daß sich ein Teil der offiziösen Presse veranlaßt sieht, darüber eine Diskussion zu eröffnen und die Ursachen der vielen Austritte zu erörtern. Als solche werden Gründe moralischer, wissenschaftlicher und materieller Natur angegeben. Die Besoldung der Regimentsärzte sei weit hinter der allgemeinen Teuerung zurückgeblieben, die Avancementsverhältniffe seien geradezu kläglich, und nicht einmal alle systemisierten Stabsarztposten wurden besetzt. Auch sei es den Aerzten durch ihre häufigen Transferierungen unmöglich, sich eine Privatpraxis zu erwerben. Nur für die wenigsten sei durch die Nähe größerer Spitäler .Gelegenheit zur beruflichen Fortbildung vorhanden. Schließlich sei die Rangeinteilung, die Hintansetzung gegen die Offiziere gleich hoher Charge unerträglich, der älteste Regimentsarzt rangiere hinter dem jüngsten Hauptmann. Sei dem wie immer, das eine steht fest: Die Heeresverwaltung vermag nicht so viele Aerzte zu bekommen, als sie braucht und ist nicht, imstande, die bereits dienenden festzuhalten. Auf diese Weise, kommt es, daß die Aerztefrage in der Armee sich zu einer großen Kalamität auszuwachsen droht Außer den von den offiziösen Blättern angeführten Gründen gibt es noch andere für die in Rede stehende Tatsache, die den Eingeweihten bekannt sind. Das sichere, wenn auch kärgliche Brot des Regimentsarztes lockt nicht so wie früher. Nach der jahrelangen Ueberflutung der medizinischen Fakultät ist naturgemäß' die Rückwirkung eingetreten, die studierende Jugend wendet sich anderen Fächern zu. So ist der Umstand eingetreten, daß der fertig gewordene Mediziner nicht wie früher seinen Eltern noch jahrelang auf der Tasche iiegt, bis er einen miserabeln Posten findet oder von seiner Praxis leben kann. Es ist im bürgerlichen Leben etwas Raum geschaffen worden für den ärztlichen Beruf und die von akademischer Freiheitsliebe und von Unternehmungsgeist erfüllten jungen Leute ziehen es vor, sich selbständig zu machen günstigen Aussichten auf die Zukunft, als sich unter die militärische Fuchtel zu begeben mit der Sicherheit, eine gewisse niedere Grenze des Einkommens niemals übersteigen zu können. Trotzdem brauchte die Heeresverwaltung nicht einen Augenblick lang in Verlegenheit zu kommen und könnte ihren Bedarf an Regimentsärzten aus dem Vollen decken, wenn sie sich nicht dem derzeit mächtigsten Diktat im Staate unterwerfen wollte. Die oben geschilderte günstige Lage im ärztlichen Berufe gilt nämlich keineswegs für die jüdischen Mediziner. Für diese existieren die Posten mit den größeren Gemeindepauschalien, Staatsunterstützungen und Fabriksbeiträgen gar nicht. Diese sind bei der heutigen Zeitströmung ausschließlich ein Privileg der Arier, die nach Belieben unter den gut dotierten Posten wählen können, während die Gemeinden geradezu Veitstänze aufführen, um keinen jüdischen Arzt in ihr Gebiet hineinzulassen. Man spricht von einem Aerztemangel auf dem Lande; aber das ist nur ein Mangel an christlichen Aerzten. Jüdische werden nicht genommen, auch wenn die Kranken ohne Hilfe bleiben müßten. Den krassesten und vielsagendsten Fall dieser Art gab es oder gibt es vielleicht noch in dem Werkspital eines jüdischen Gewerken in Mähren. Dort war die Stelle eines ersten Assistenten zu besetzen. Einen Juden ließe» die eigenen Beamten des jüdischen Gewerken nicht hinein, einen Christen bekamen sie nicht und so litt die ärztliche Pflege im Spital auf Grund des antisemitischen Prinzips viele Jahre lang aufs schwerste. Man kann sich denken, wie es in Gemeinden zugeht, wo nur Antisemsten ohne Rücksicht auf jüdische Gewerke zu befehlen haben. Aber auch wenn er auf keinen Posten mit Gehalt reflektiert, im freien ärztlichen Erwerb geht es dem Juden elend. Die von den Behörden geduldete Hetze hat einen wahren Haß der Bevölkerung gegen ihn hervorgerufen, er kann es kaum wagen, sich in einen jener kleinen Orte hineinzusetzen, wo der Klerikalismus absoluter Herrscher ist. Manche haben es dennoch getan und von ihnen haben die meisten ein wahres Märtyrertum durchgemacht, bis sie endlich im Taufbecken Hilfe fanden. Selbstverständlich drängen sich bei dieser Sachlage die jüdischen Aerzte in den größeren Städten zusammen und machen einander durch die Konkurrenz das Leben schwer. Sie wären nun mit Vergnügen bereit, das Brot aufzuheben, das ihre reichen Kollegen aus