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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-08-28 · 35 (28.8.1908) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
35 (28.8.1908)
Date
1908-08-28
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Sir. 35 Br. VLoch's Wochrnsttzrist. «eite «IS bürger in dankbarer Weise gewürdigt wurden. Als Arzt und Mensch genoß der Verblichene eine seltene Anerkennung und Liebe bei der ganzen Bewohnerschaft wegen seines Wohltätigkeitssinnes und seiner Hilfsbereitschaft für alle Kranken und Bedürftigen. Er widmete auch 40 Jahre hindurch seine Dienste als Ordinarius dem israelitischen Badehospital in selbstloser Weise. Der Verblichene war Ritter des Franz Joseph-Ordens und Besitzer des preußischen Kronenordens dritter Klasse. Er hinterläßt drei Söhne: Den Arzt Dr. Rudolf Hirsch, Dr. chem. Robert Hirsch und Richard Hirsch, Sekretär des Wiener Bankvereines. Das Leichenbegängnis fand am 13. d. M. unter großer Beteiligung aller Bevölkerungsklassen statt. Unter den vielen Trauergästen waren Fürst Carlos Clary in Vertretung des erkrankten Herrn Bezirkshauptmannes Gräf, Statthalterei- Konzipist Götz und Statthalterei- Konzeptspraktikant Dr. Lauermann, Oberlandesgerichtsrat Dr. Grünbaum, Bürgermeister Husak mit mehreren Stadträten, Bezirksobmann Sanitätsrat Müller, Generalmajor Ulrich von Treunenheim und Kanonikus Wächtler. Am Grabe widmete Rabbiner K u r r e i n dem Verblichenen einen innigen Nachruf. Herr Dr. Rudolf Lederer weihte namens der Aerzteschaft dem Verstorbenen ergreifende Worte dankbaren und ehrenvollen Gedenkens. Holleschau. Kaum 2 Wochen sind es, seitdem unsere Gemeinde einen herben Verlust durch das Hinscheiden eines ihrer edelsten Mitglieder. des Philanthropen Herrn Simon Skrainka, erlitten hat und schon haben wir den Verlust der Frau Sofie Skrainka geb. Klug, Witwe nach dem vor 2 Jahren verstorbenen Herrn Adolf Skrainka und Schwägerin des seligen Herrn Simon Skrainka zu beklagen. Frau Skrainka, eine durch Herzensgute ausgezeichnete Dame, wurde am 19. d. M. unter großer Beteiligung zu Grabe getragen. Se. Ehrw'ürden Herr Rabbiner Dr. Freimann hielt eine ergreifende Trauerrede, die kantoralen Funktionen versah Herr Kantor Brannfeld. Die Familie Skrainka hat schon bei Lebzeiten der Firmainhab-r „Brnder Skrainka" Wohltätigkeitsstiftunaen im Betrage von 50.000 Kronen in unserer Gemeinde errichtet. Der vor 2 Wochen dahingeschiedene Herr Simon Skrainka hat in seinem Testamente weitere 50.000 Kronen der Kultusgemeinde vermacht und so wird das Andenken dieser hochherzigen Familie in unserer Gemeinde für ewige Zeiten fortleden. -d. Jllava. (Rabbiner David Lewin.) Einen unersetzlichen Verlust hat die Kultusgemeinde Jllava und mit ihr die Judenheit Ungarns durch den Heimgang des allverehrten, bekannten Rabbiners David Lewin erlitten. Der Verblichene, der 35 Jahre in der Bezirksgemeinde Jllava überaus segensreich gewirkt hat, hat durch sein friedfertiges, kluges und leutseliges Wesen und seine bewundernswerten Charaktereigenschaften die Sympathien aller Kreise der Gemeinde, des Komitates, ja aller Menschen, die mit ihm in Berührung kamen, im höchsten Matze sich erworben. Als würdiges Glied der berühmten Rabbinerfamilie der „Schemen R o k e a ch und Schare Thore" war er ein Gelehrter ersten Ranges. Er gehörte jener Richtung an, welche tiefe Gelehrsamkeit in allen talmudischen Disziplinen und strenge konservative Frömmigkeit mit profanem Wissen in harmonischen Einklang zu bringen verstand. In wohlverdienter Weise wurde er von den Talmudbeflissenen Ungarns der „Gaon in Jllava" genannt. Die außergewöhnliche Verehrung und besondere Hochachtung, der er sich sowohl als Seelsorger, wie als edler, selten wohltätiger Mensch erfreute, kam bei seinem Leichenbegängnisse zum Ausdruck, das zu einem wahrhaften „Kidusch Haschem" sich gestaltete. Die Totenwache übernahmen abwechselnd die Mitglieder des Gemeindevorstandes. Vor dem Leichenbegängnisse scharten sich die ehemaligen, bereits erwachsenen und die jetzigen jüngeren Schüler des Verstorbenen, die Jugend der Talmud- Thora, um den Sarg und ergreifend war der Anblick der schluchzenden Schüler, die unter Führung des talmudbeflissenen Gemeindemitgliedes Herrn Apfelbaum die Gebete für das Seelenheil ihres wie einen Vater geliebten Lehrers verrichteten. Dieser tiefempfundene Ausdruck der Trauer pflanzte sich bis in den vollgedrängten Tempelhof und in die anstoßenden Straßen fort und ein allgemeines Schluchzen erfüllte die Luft, ein Jammerruf, der gen Himmel stieg. Nachmittags versammelten sich die Bewohner der Stadt ohne Unterschied der Konfession, die Geistlichkeit der katholischen, reformierten und griechisch-orthodoxen Kirche, sämtliche Beamte der königlichen Aemter, Abordnungen der Komitatsbehorden, Vertreter der 18 Gemeinden des Trencziner Komitates, ferner der Kultusgemeinden Malaczka, Nagy - Tapolcsän, Verbö, Turdosin, Löcse, Rimaszombat, Liptü Szent - Miklüs. Vag - Ujhely 2C. Von elf Rabbinen wurde der Sarg in den Tempel getragen, woselbst der Sohn des Verstorbenen, der gelehrte Nikolsburger Oberrabbiner Dr. Lewin, einen tieferschütternden Nachruf hielt. Ihm folgte der Schwiegersohn des Verblichenen. Herr Prediger Dr. Himmler aus Neutra, der in ergreifenden Worten dem Schmerze der engeren Familie Ausdruck gab. Herr Rabbiner Dr. Diamant aus Trencsen, Herr Rabbiner Salamon aus Turdosin, Herr Rabbiner N. Schlesinger, Nagy-Tapolcsan, Herr Rabbiner Dr. Welles, Bitsche, vrrdolmetschten in besonders würdevoller Weise die tiefe Trauer der verschiedenen Korporationen. Bevor der Sarg von den Kultusvorstehern der Filialgemeinden in den Tempelhof getragen wurde, trat der Gemeindepräsident Herr Dr. Pollatschek an den Sarg und dankte in bewegten innigen Worten im Namen der Gesamtgemeinde dem Heimgegangenen Lehrer und Vater der Gemeinde für seine unvergeßlichen Dienste. Nun wurde der Sarg gehoben und von den mit Namen aufgerufenen Gemeindemitgliedern und Trauergästen in den Friedhof getragen Der tiefernsten Stimmung und dem innigen Mitempfinden gaben die stävtische Behörde und die Bevölkerung durch Trauerembleme und durch Schließung aller Geschäftslokale der Stadt während des Leichenbegängnisses auch äußerlich Ausdruck. Auf dem Friedhof sprach in vorgerückter Abendstunde als letzter Herr Rabbiner Dr. Friedmmm ans Sillein, dann wurde der Sarg in die Erde gebettet. Die Kultusgemeinde hat am 9. d. M. ihrem unvergeßlichen Lehrer zu Ehren einen Trauergottesdienst veranstaltet, wobei die Gefamtgemeinde und alle königlichen Beamten der Stadt anwesend waren. Die Feier gestaltete sich zu einer sehr würdigen. Berlin. (Hilfsverein der deutschen Juden.) Die Großloge für Deutschland, die dem Hilfsverein der deutschen Juden bereits auf so vielen Gebieten ihre wertvolle Unterstützung geliehen hat, hat demselben als Beitrag zu der gemeinsamen Hilfsaktion für die Opfer der Brandkatastrophe in Telschi 1500 Mark überwiesen. Konstarrtinopel, 21. August. (Mitteilung des Deutschen Bureaus der „Alliance Jsraolite Universelle".) Die Regierung hat die Wahl des Professor Nahoum zum Kaimakam Chacham Baschi bestätigt. Algier. (Auszeichnung.) In Anerkennung der Verdienste, die sich der Schriftsteller und Zeitungsherausgeber I. C. Hyam in Algier um die Hebung der Kolonie im Verlaufe vieler Jahre erworben hat, wurde er von der französischen Regierung zum Offizier der Akademie ernannt. Feuilleton. Eine Ral>l>iner«»ahl. Ein Kulturbild der Gegenwart von Dr. Armin Schnitzer, Oberrabbiner in Komarom. Endlich war der bedeutungsvolle Tag gekommen. Doktor Seemann ging in seinem Zimmer auf und ab und memorierte die Predigt. Je näher die Zeit kam, in welcher der Gottesdienst beginnen sollte, desto mehr wuchs seine Aufregung; denn von dem Erfolge der Predigt hing nicht nur seine Existenz ab, sondern er sollte sich einen höheren Preis erringen, — er wollte heute ein holdes, liebes Weib sich erkämpfen. Die Rabbinerstochter mit ihrer süßen Anmut hatte es ihm angetan; er sah immer das Bild dieser rührenden Gestalt vor Augen, wie sie, die Hände gefaltet, flehentlich zu ihm aufblickte, daß er die Verletzung des Gastrechtes von Seiten der Mutter entschuldigen möge. Draußen strömten schon die Leute in Scharen in die Synagoge, Mann und Weib, Jung und Alt, trotz deS strömenden Regens, der das Städtchen in ein Kotmeer umwandelte. Da kam der Gemeindediener, um Dr. Seemann in die Synagoge zu begleiten. Dieser legte sein Ornat an, nahm den Regenschirm und ging. Kopfschüttelnd sah Wolf Singer den Schirm in der Hand Dr. Seemanns. Einen Regenschirm am Sabbath öffnen und tragen — das hatte er selbst von einem modernen Rabbiner nicht erwartet! War er doch pudelnaß ins Zimmer getreten. Er schüttelte nur immer den Kopf, sagte aber nichts; nur wem er begegnete, machte er, hinter Dr. Seemann gehend, die Leute durch Zeichen auf diese flagrante Verletzung des Rekigionsgesetzes aufmerksam. In der Vorhalle wollte ihm Dr. Seemann den Regenschirm übergeben; doch dieser wollte ihn beileibe nicht anrühren. „Stellen Sie ihn nur in die Ecke", brummte er verdroffen, „heute wird ihn niemand wegnehmen." Die Synagoge war gedrängt voll, da stand Kopf an Kopf. In der ersten Sitzreihe saßen die geladenen christlichen Gäste:

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