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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-08-28 · 35 (28.8.1908) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
35 (28.8.1908)
Date
1908-08-28
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 35 Dr. Llocb's Mocdenscbrrr Äei'e 817 Das gesamte Volk, ohne Ausnahme, war von dem Feste ganz entzückt und manches bittere Wort mußten die Festgegner (eigentlich alle Mitglieder des städtischen Gemeinderates) von ihren eigenen Gemeindemitgliedern hinnehmen. Die israelitische Gemeinde sandte eine Hnldigungsdepesche an Se. Majestät. Anfangs war keine Fahne in der Stadtgemeinde zu sehen. Erst nach dem Gottesdienst und als sich der Zug vom Tempel zur Schule bewegte, dann wurden Fahnen am Rathaus, Kirche und der Schule angebracht. Es hatte überhaupt kein Mitglied der Stadtgemeinde eine Fahne herausgegeben. Die Ackerbauschule und die Pfarre auch nicht. Auf Juden entfallen 38 Prozent der Umlagen. Ehrenbeleidigungsklage des Abg. Dr. Sommer. Wie bereits gemeldet, war die Hauptverhandlung über die Ehrenbeleidigungsklage, die Herr Reichsratsabgeordneter Doktor Rudolf Sommer gegen den Vorsteher der israelitischen Kultusgemeinde in Leipnik, Herrn Spitzer, angestrengt hat, für den 19. d. M. angesetzt gewesen. Ueber Antrag des Klägers, Herrn Dr. Sommer, wurde diese Verhandlung vertagt und wird vermutlich anfangs September stattfinden. Judeneinwanderung nach Budapest. Der Budapester Magistratsnotar Dr. Emil Vita veröffentlicht in einem Budapester Blatte einen Artikel über das ungarische Fremdengesetz, der trotz seiner antisemitisch schillernden Bemerkungen immerhin recht wertvolles Material enthält. Die erste Verfügung zur Evidenzhaltung der Fremden — sagt Dr. Vita — ist im Gemeindegesetz vom Jahre 1886 enthalten, welches jeden Ausländer dazu verhält, um eine Aufenthaltsbewilligung anzusuchen. Die einschlägige Bestimmung dieses Gesetzes wurde jedoch hinsichtlich der Hauptstadt nicht durchgeführt und auch für die Provinz erst spät, im Jahre 1896. Die Mängel dieses Gesetzesparagraphen und die bedeutende Einwanderung eines minderwertigen (?) armen und unkultivierten Volkselementes aus Galizien führten zur Schaffung des Gesetzartikels V vom Jahre 1903. Auch das eine Gesetz weicht nicht von dem Grundsätze ab, daß die wertvolleren, arbeitssamen Elemente der Fremden hier sich ungestört aufhalten können. Es wünscht bloß den Staat und die Gesellschaft vor den die Ordnung der Gemeinden gefährdenden, ihnen zur Last fallenden Fremden zu schützen. Es ist nicht unintereffant, daß eine Reisebeschreibung aus dem Jahre 1443 eine große Anzahl aus Frankreich eingewanderter Juden als ständige Bewohner der jetzigen „Wasserstadt" (in Ofen) erwähnt. Deren Nachkommen fiedelten fich nach der Türkenherrschaft in Altofen an und waren die Vorfahren zahlreicher Altofener Familien. In den Neunziger-Jahren erfolgte eine 6000 Köpfe zählende Einwanderung aus Galizien, ein minderwertiges, unwiffendes, galizisches (!) Element, welches derzeit wenigstens, seiner großen Armut und Unwissenheit halber, durchaus nicht als nützlich bezeichnet werden kann, (sic 0 Einweihung des jüdischen Hauses in Suezawa. Zwischen der Langengaffe und der Bordujeniergaffe erhebt sich ein stvckhohes schön gebautes Haus von allen übrigen Häusern dieses Stadtteiles ab. Dank der energischen Tätigkeit der jüdischen Kultusrepräsentanz in Suezawa ist es gelungen, dieses Judenheim mit bescheidenen Mitteln in kurzer Zeit nach den Plänen des Stadtbaumeisters Rippe! zu erbauen. Das Haus wurde vom Maurermeister Leon T e t i w a einvernehmlich mit einem Baukomitee erbaut, das Gebäude ist auch schon mit elektrischem Lichte versorgt. Der Kultusvorsteher nahm den 18. August, als den Tag des Geburtstages Seiner Majestät zum Anlasse, die Weihe dieses Hauses vorzunehmen. An diesem Tage um 5 Uhr nachmittags versammelte fich die Judengemeinde im festlich geschmückten Sitzungssaale, woselbst nach der Festrede des Kultusvorstehers Dr. Adolf Finkler die Weihe des Hauses vom Oberrabbiner Dr. Löwy vorgenommen wurde. Zur Feier find erschienen : Bezirkshauptmann Dr. Tarangul, Klostervorsteher Balmosch, Bürgermeister Des Loges, armenischorientalischer Kultusvorsteher Barteres v. Prunkul, Archimandrit Vehuni, Pfarrer Gaina, evang. Pfarrer Hargesheimer, Staatsanwaltsubstitut Fida, Obmann des christlich deutschen Vereines Oberpostverwalter Hilbert, Postkontrollor Helwig, Steuerverwalter Popowicz, Fiuanzkonzipist Dr. Fuhrmann, Ingenieur Singer vom Elektrizitätswerk, Ingenieur Rippel, Stadttierarzt Scheuer, Baumeister Rippel, Offizial Pollak, Oberlehrer Frenkel, Offizial Hilsenrad, die Gemeinderäte Franz König, Horn und Heitel, Synagogenvorsteher Eisenberg, Abordnungen der Gendarmerie, Feuerwehr und Veteranen, der Kultusrat, das Bau- und Festkomitee. Kultusvorsteher Dr. Finkler übernahm das eingeweihte Gebäude und brachte nach einer patriotischen Ansprache ein von der Suczawaer Judenschaft an das Allerhöchste Hostager Ischl gerichtetes Huldigungstelegramm zur Verlesung. Bezirkshauptmann Dr. Tarangul beglückwünschte die Kultusgemeinde zu diesem schönen Werke, hob in längerer Ansprache das stets patriotisch dynastische Wirken der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde hervor und brachte den Wunsch zum Ausdrucke, daß die in diesem Hause gefaßten Beschlüffe im Sinne der Nächstenliebe zum Wohle und Gedeihen der Gemeinde den gewünschten Erfolg bringen mögen. Mit einem schönen vom Synagogenchor und Studenten geleiteten Gesänge begann und endete diese schöne Feier, die in Ansehung der wirkungsvollen Ansprache des Bezirkshauptmannes Dr. Tarangul, sowie der von den verschiedenen Honoratioren der jüdischen Kultusgemeinde zuteil gewordenen Aufmerksamkeit einen neuerlichen Beweis für den nationalen Frieden in unserer Stadt dokumentiert. Eine Anzahl Herren haben teils mündlich, teils schriftlich ihre Nichtanwesenheit an der Feier entschuldigt und auf diesem Wege ihre Glückwünsche ausgedrückt. Einweihungsfeier der neuen Synagoge in Tarnow. Die Tarnower jüdische Gemeinde hatte am 18. d. M. eine» Freudentag, der einen wichtigen Abschnitt in der Geschichte ihrer Entwicklung bildet; denn an diesem Tage wurde die feierliche Einweihung ihrer herrlich erbauten, großen Synagoge begangen. Der Anblick dieses im maurischen Stile gehaltenen Bauwerkes, dessen Grundriß weit über 10v Quadratmeter Fläche umfaßt, mit seinen vier Kuppeln, deren größte 13 Quadratmeter Tiefe enthält und von vier riesigen Natursteinpfeilern getragen wird, macht einen überwältigenden, verblüffenden Eindruck. Die Malerei ist vom ehemaligen Stipendisten der Israelitischen Allianz, Herrn Samuel Roth aus Przemysl, gegenwärtig in Tarnow, nach eigenen Entwürfen ausgeführt worden. Besonders ist das an der Westwand ausgeführte perspektivische Bild, das Innere des Tempels zu Jerusalem darstellend, hervorzuheben. Zu diesem imposanten Gotteshause, deffen Kosten fich auf zirka eine Million Kronen beziffern, wurde bereits im Jahre 1664 der Grundstein gelegt. Der Bau konnte jedoch aus verschiedenen Umständen nicht fortgeführt werden. Erst im Jahre 1898 nahm der gegenwärtige Kultuspräsident Herr Joses Maschler die Sache energisch in Angriff, und im Vereine mit manchen ihm zur Seite stehenden wackeren Kultusräten, welche den Magistrat, den Bezirksausschuß und mehrere Bankinstitute zu namhaften Beiträgen heranzogen, gelang es ihm, den Bau zu vollenden und seiner Bestimmung zu übergeben. Anerkennend hervorgehoben zu werden verdient auch die Tätigkeit des hiesigen Architekten Herrn Schwamreufeld, da er intereffelos den Bau leitete und seine ganze Tatkraft, sein ganzes Können und Wollen in den Dienst der guten Sache stellte. Die Feier begann mit dem vom vierstimmigen Chor unter Musikbegleitung vorgetragenen „Ma tauwu". Nachdem der Schlüffel der Synagoge dem Kultuspräsidenten Herrn Maschler überreicht wurde, ergriff Herr Dr. Goldhammer das Wort zu einer Rede, worin er die Gäste aus der Zivil- und Militärbehörde und der hiesigen jüdischen Bürgerschaft aufs Wärmste begrüßte und allen jenen seinen Dank aussp«. ach, die das Werk gefördert haben. Unter den feierlichen Klängen wurde dann die Sifre Tora in die heilige Lade gesetzt. Vor der offenen Lade sprach dann Oberrabbiner Herr Schnur ein tiefempfundenes Gebet, worauf die eigentliche Einweihungsrede folgte, die auf alle Anwesenden einen tiefen Eindruck ausübte. Hierauf stimmte der Chor unter Leitung des Kantors Markus Schorr aus Lemberg den Psalm 30 an, worauf die Feier mit dem Abfingen der Volkshymne ihr Ende erreichte. Von den für die innere Einrichtung der Synagoge überwiesenen Geschenken seien besonders hervorzuheben: ein kostbares Paroches, gespendet vom Kultuspräsidenten Herrn Maschler im Werte von 800 Kronen, und ein Silberleuchter, von deffen Schwiegersohn Herrn Margulies im Vereine mit seinen Geschwistern gespendet, im Werte von 1000 Kronen. Abraham Katz.

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