Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1908)
- Issue
- 35 (28.8.1908)
- Date
- 1908-08-28
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Gett, 616 Nr. 'SLilML"K WschSÄ-ÄrrM» Nr. 35 Details aus ihrer Kindheit, die sie ihren Gästen mit Vorliebe zum Besten gibt. Frau Esther ist für ihr hohes Alter noch ganz gesund und hat die „Strapazen" des Geburtstages ganz gut überstanden. Die Gratulanten, die sich hauptsächlich aus den Insassen des Heimes rekrutierten, kamen der Reihe nach. Zuerst erschien die beste Freundin der Frau David, die 107 Jahre alte Rosa Arnwald, mit der sie den Geburtstagskuß tauschte, dann kam der 102 Jahre alte Mendel Diamand und so ging es weiter bis in den späten Abend. Der letzte Gratulant war der „Jüngste" im Hause, ein 80jähriger Mann, der „im Namen der Jugend" den Wunsch zum Ausdrucke brachte, ihr auch zu ihrem 115. Geburtstage gratulieren zu dürfen. _ Das nächste jüdische Weltdrama. Einen interessanten Ausspruch hat jüngst der bedeutendste amerikanische Dramendichter Augustus Thomas in einer öffentlichen Versammlung getan: „Ich bin von der festen Ueberzeugung durchdrungen", sagte der Dichter, „daß das nächste, die ganze Welt ergreifende Theaterstück, falls es nur von einem Menschen mit hinreichender Tiefe und genügender Fähigkeit, aus dieser Tiefe zu schöpfen, geschrieben werden wird, ein jüdisches Stück sein wird, ein Stück, das den Juden verwertet. Aber nicht den Shakespeare'schen Juden, noch den verfolgten Juden aus Rußland oder Einwandererjuden aus Polen, auch nicht den retrograden Juden aus Spanien, sondern den großen amerikanischen Juden, wie wir ihn. kennen: einen Mann von großer Organisationsfähigkeit, den Mann von mutigem Vorwärtsschreiten auf dem Gebiete kommerziellen Wagens, besonders aber den Mann des weichen Herzens und großer Mildtätigkeit, den Mann, der nicht nur die Not seiner eigenen Nation lindert, sondern bereit ist, die aller Völker seiner Heimat zu verringern, sobald er von ihr Kenntnis erhält. Das müßte ein Theaterstück sein, das hauptsächlich die liebreiche Häuslichkeit des amerikanischen Juden vorstellt. Dieser Jude, den ich hier in kurzen Strichen gezeichnet habe, ist derjenige, den das amerikanische Volk teils durch persönliche Berührung, teils im Wege der Zeitliteratur kennen zu lernen Gelegenheit gehabt hat. Er bildet ein wichtiges Element in unserer amerikanischen Zivilisation, das beschrieben werden muß, vorausgesetzt, daß der Dichter die Pflicht des Dramendichters erfüllen will, zur rechten Zeit und rechten Stunde seiner Zeit den wahren Spiegel vorzuhalten." Herr Thomas fügte zu dieser Aeußerung hinzu, daß er selbst sich nicht geeignet fühle, ein solches Drama zu schreiben, daß aber der rechte Mann zur rechten Zeit nicht fehlen werde. Korrespondenzen. Kaisers Geburtstagsfest. Noch immer laufen zahlreiche und ausführliche Berichte aus den Kultusgemeinden des Reiches über stattgehabte Festgottesdienste anläßlich des Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers ein. Wegen Raummangels können dieselben nur auszugsweise wiedergegebeu werden. In Eg er wurde der Festgottesdienst schon Samstag den 15. d. M. in Anwesenheit des Kultusvorstandes und der Vertreter der Zivil- und Militärbehörden abgehalten. Die Festrede hielt Rabbiner Dr. Proßnitz, die kantorale Funktion versah Oberkantor Wilkowitsch. In Amstetten wohnten dem Festgottesdienst gleichfalls die Vertreter aller Behörden bei. Die Festrede hielt Rabbiner Dr. B e r t i s ch. In Neutitscheiy hielt Herr Rabbiner Dr. Mandl die Festrede und versah Herr Oberkantor Salo U r i ch mit dem Tempelchor die kantoralen Funktionen. In Troppau wurde das Geburtsfest durch einen solennen Gottesdienst am Vorabende des Festes gefeiert. In der Synagoge waren auch die Spitzen der politischen Behörden anwesend. Die Festrede des Rabbiners Dr. Friedmann, sowie die gesanglichen Leistungen des Oberkantors Singermann machten tiefen Eindruck. In W a i d h o f e n a. d. Thaya hielt Herr Rabbiner Dr. E i s e n b e r g im festlich dekorierten Tempel die Festrede. In Mödling fand auf Anregung des Vorstehers Belai "im festlich geschmückten Tempel der Festgottesdienst statt, dem auch Statthaltereirat Graf Revertera und Vertreter der übrigen Behörden sowie der Stadtgemeinde anwohnten. Die Festrede hielt Rabbiner Dr. Bardowicz, während die kantorale Funktion vom Oberkantor Ignaz Falk mit Chor- und Harmoniebegleitung besorgt wurde. In W s e t i n fand gleichfalls ein Festgottesdienst statt. Die Festrede hielt Rabbiner Dr. Rabinoviö aus Mährisch- Weißkirchen, den gesanglichen Teil versah Kantor Blau. In Koritschan wurde die Feier in Anwesenheit der Gemeindemitglieder und der Vertreter der Ortsbehörden, der Feuerwehr usw. begangen. Die Festrede hielt Rabbiner Dr. Reich aus Gaya, die kantorale Funktion versah Kantor Steiner. Die Volkshymne am Schluffe der Feier wurde in Begleitung der Fabriksfeuerwehr abgesungen. Auch im Tempel der österr.-ungar. israel. Kultusgemeinde in Sarajevo fand ein Festgottesdienst statt, bei welchem Kantor Singer die Psalmen sang und Rabbiner Doktor W e ß e l die Festpredigt sprach. Nach dem Kaisergebete wurde das „Gott erhalte" hebräisch gesungen. Vertreter der Zivil¬ und Militärverwaltung, wie zahlreiche Gemeindemitglieder waren anwesend. Tschechen und Juden in Kostet. Aus Kostet wird uns geschrieben: Die israelitische Gemeinde Koste! hatte für den 18. d. M. eine Jubel- und Geburtstagsfeier festgesetzt. Die Stadtgemeinde Koste! (tschechisch), die davon erfuhr, erteilte der israelitischen Gemeinde den Auftrag, daß diese bei ihr um die Bewilligung des Festes einkommen und das Festprogramm vorlegen müsse. Dies ist geschehen (um des Friedens willen) und nun hat die Stadtgemeinde einen Bescheid erlassen, enthaltend: 1. Die Tagreveille darf nur in einem bestimmten Teil der Judengasse abgehalten werden, so daß die Juden ins alte Ghetto zurückgedrängt worden wären. 2. Werde der Festzug mit Musikbegleitung von der Schule durch die Stadt zum Tempel und retour verboten. 3. Dasselbe gilt für das Volksfest im Walde. Zu diesem Zwecke hat das Fürst Liechtenstein'sche Forstamt Eisgrub der israelitischen Gemeinde einen schönen Platz zur Verfügung gestellt. Zu diesem Festplatze sollte sich der Festzug um 1 Uhr von der Schule aus mit Musik bewegen. Die israelitische Gemeinde, die sich derartiges nicht bieten lassen konnte, wandte sich mit einer Beschwerde an die k. k. Bezirkshauptmannschaft in Göding, die das Festprogramm vollinhaltlich bestätigte. Das Fest nahm einen glänzenden Verlauf. Der Zug von der Schule zum Tempel war recht imposant. Die Jugend mit schwarzgelben Fahnen und Bändern und die Musik marschierten an der Spitze, hierauf folgten Vertreter der politischen und Kultusgemeinde, dann Mädchen und Frauen und zuletzt Männer und Jünglinge in Doppelreihen. Vor dem Tempel hielt Vorstand B. Kohn eine Ansprache. Hierauf wurde eine Votivtafel, die zu Ehren Sr. Majestät angebracht wurde, enthüllt. Im Tempel, der festlich beleuchtet war, wurden Psalmen vorgetragen. Das Hauptinteresse bildete nun die Festpredigt des Herrn Rabbiners H o f f m a n n. In derselben Ordnung bewegte sich nun der Zug zur Schule. Das Volksfest im Walde gelang aufs Beste und als es zu dunkeln begann, wurde ein Feuerwerk abgebrannt. Die Gegner des Festes machten große Augen, als der Rückmarsch mit Lampions durch die Stadt angetreten wurde. Mit Musik und Hochrufen ging es zur Schule. Alle Fenster der Judenhäuser erstrahlten in hellem Lichte. Die Fortsetzung des Festes bildete ein Tanzkränzchen in Weigls Restauration, das bis zum Morgen währte.