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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-08-28 · 35 (28.8.1908) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
35 (28.8.1908)
Date
1908-08-28
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Lette 612 ks r»zr. 06 Rußland in keiner Weise schaden, ja vielmehr nützen können, indem sie, wie es tatsächlich der Fall ist, Reibungen zwischen Rußland und Amerika und Rußland und England verhindern. Als die Verhandlungen bis zu einem gewissen Punkt gediehen waren, wollte Dr. Jochelmann, daß ich an Stolypin telegraphieren sollte. Aber ich weigerte mich. Ich will persönlich der russischen Regierung nichts verdanken, ehe ich nicht am Ende meiner Mittel angelangt bin und keine andere Karte auszuspielen habe. Etwas spater hörte ich mit Vergnügen, daß es Herrn Wolffsohhn gelungen war, die russischen Behörden etwas günstiger für den Zionismus zu stimmen, und ich bin überzeugt davon, daß die klaren, einleuchtenden Auseinandersetzungen, die Dr. Jochelmann in Petersburg gab, die Wege zu Herrn Wolffsohns Besuch ebneten. Dr. Jochelmann wurde die Erlaubnis in Aussicht gestellt, eine neue Gesellschaft für Auswanderung und Kolonisation der Juden, mit der Genehmigung des Gouverneurs von Kiew in dieser Stadt, die die Zentrale unserer Auswanderungsbewegung bleiben wird, zu gründen. Die Formalitäten find noch nicht beendet, scheinen aber nur mehr wenige Tage in Anspruch zu nehmen. Es ist demnach zu hoffen, daß Herrn Wolffsohns Bestreben, neue Gesetze gegenüber den Zionismus zu erlangen, von Erfolg gekrönt sein wird, vorausgesetzt, daß der Zionismus aufhört, eine politische Partei in Rußland zu sein, das Sprechen aufgibt und seine ganze Tätigkeit auf die Kolonisation konzentriert. Obwohl der Erfolg Dr. Jochelmanns kein wirklicher Schritt vorwärts genannt werden kann und durch denselben nur der 8tatN8 gno ante hergestellt wurde, bin ich doch ftoh, daß unser Geburtstag nicht von der Trostlosigkeit der Lage in Rußland verdüstert wird. Das Galvestou-Auswauderuugswerk. 'Es ist angenehm, zu wissen, daß wir keine politische Einmischung in unser Galveston-Werk zu fürchten haben. Die ökonomische Einwirkung war unangenehm genug, denn natürlich konnten wir während der amerikanischen Krisis nur so viel Auswanderer nach Amerika senden, als dort Arbeit zu finden sicher waren. Als diese finanzielle Panik begann, sandten wir Hunderte mit jedem Schiff hinüber. Das Wichtigste ist, daß selbst in den schlechtesten Zeiten der Zug nach Galveston nicht aufhörte, nicht ein einziges Schiff verließ Bremen ohne eine, wenn auch geringe Anzahl von Juden nach Galveston mitzuführen. Wir hoffen, daß, so bald die Präsidentenwahl in Amerika vorüber fein wird, Handel und Gewerbe wieder aufblühen und unsere Auswanderer wieder nach Hunderten gezählt werden können. Die Galveston- Jdee bleibt immer die einzige politische Idee, welche in konkreter Weise auf das jüdische Problem angewandt wurde, und die ganze jüdische Geschichte hat nichts so Schändliches aufzuweiseu, wie die Versuche, die von wütenden Zionisten gemacht wurden, diesen großen Plan für die Rettung der Juden durch Entstellung zu schädigen und zu hindern. Eine russische Zeitung, namens „Unser Leben", hat sich durch besondere Bosheit und Entstellung hervorgetan, aber einer unserer Mitarbeiter, Dr. Pines, schreibt mir, daß diese Angriffe keinerlei Wirkung auf die Bevölkerung haben. „Wenn wir nicht so sorgfältig in der Auswahl wären", sagt er, „könnten wir die ganze Auswanderung nach Galveston dirigieren, denn das Vertrauen in uns ist unbeschränkt." Die Wahrheit über Galveston. Wenn Sie die' volle Wahrheit über die Galvestonbewegung wissen wollen, so lesen Sie darüber nicht die jüdischen, sondern die amerikanischen Blätter. So enthält z. B. ein in Chicago und New-Iork erscheinendes Blatt „Wohlfahrtsanstalten und Gemeinden" in der Nummer vom 13. Juni einen Artikel über „Die Galveston-Einwanderungsbewegung" von einem Christen, namens H. I. Haskell. Dieser Artikel gibt genaue statistische Daten über die Resultate unserer Arbeit in einer einzigen Stadt, Kansas-City, und besonders bemerkenswert an diesen statistischen Daten ist, daß sie gerade die Monate finanzieller Depression betreffen, während welcher die Erwerbsverhältnisse schwierig waren. „Selten" heißt es „sind mehr als ein halbes Dutzend Männer gleichzeitig arbeitslos gewesen." Ich lasse hier einige Auszüge aus dieser Arbeit folgen: „Da ist z. B. U. B., Seifensieder, der am 1. Juli 1907 hier ankam. Er arbeitet in einem Packhaus für 9 Dollar wöchentlich. Seit seiner Ankunft hat er 175 Dollar erspart und seine Familie aus Rußland Nachkommen lassen. N. P., ein Schneider, der 16 Dollar pro Woche verdient, hat 100 Dollar erspart und hofft, bald seine Familie aus Rußland kommen lassen zu können. I. Z., ein Arbeiter in einem Schiffstaumagazin, der wöchentlich 9 Dollar verdient, hat mehr als 100 Dollar nach Rußland geschickt. (Ich freue mich, daß es dem Manne, der dieselben Initialen wie ich hat, so gut geht). M. G., der am 6. August ankam und als Tür- und Fenstermacher 10.50 Dollar pro Woche verdient, hat um seine älteste Tochter nach Rußland geschickt. M. B., ein Eisenarbeiter, ersparte mit 12 Dollar pro Woche 110 Dollar und übernahm jetzt eine kleine Farm. (Wie Sie sehen, ist aus dem Eisenarbeiter schon ein Ackerbauer geworden. Habe ich Ihnen nicht gesagt, daß die russischen Juden hungerig nach Erde sind?) „So geht es die ganze Liste fort", sagt das amerikanische Blatt, mit nur 2 entmutigenden Ausnahmen — einem Mann, der an einem. Diebstahl beteiligt war und die Stadt verließ, und einem anderen, der als unwünschenswertes Gemeindemitglied und unzuverlässiger Arbeiter bezeichnet wird. Aber 14 der Einwanderer, die zum größten Teil für niedere Löhne arbeiten, haben seit ihrer Ankunft in Kansas- City 1265 Dollar erspart. Der Artikel schließt mit einer Anekdote, welche ich Ihnen mitteilen will. „Ein Kappenmacher, der in Rußland nur einige Dollars pro Monat verdiente, wenn er Arbeit bekommen konnte, begann in Kansas- City mit 10 Dollar pro Woche und wurde bald auf 12 Dollar gesteigert. Dies dünkte ihm Reichtum und er lebte mit der Freude eines Millionärs, bis er eine Entdeckung machte. Er wandte sich in einer Einwanderungsangelegenheit an den Oberaufseher. „Was gibt es?" fragte ihn der Oberaufseher, „kommen Sie nicht gut vorwärts?" „Ja", lautete die Antwort, „nur habe ich erfahren, daß Cohen, der kein besserer Kappenmacher ist als ich, 18 Dollar bekommt. Wann werde ich 18 Dollar pro Woche erhalten V Solange unsere Auswanderer keine ernsteren Gründe haben, sich zu beklagen, als solche, können wir mit unserem Erfolg wohl zufrieden sein. Regulierungsproblem der Gesamtauswanderung. Nachdem die „Jto" das Regulierungsdepartement für Auswanderungen gegründet hat, hat sich überall ein fieberhaftes Bestreben nach Regulierung der Einwanderungen geltend gemacht. Jede erfolgreiche Idee findet Nachahmung und sogar Zionistenführer haben es nicht verschmäht, sich an der Gründung von Auswanderungsregulierungsgesellschaften zu beteiligen, und zwar um die Auswanderer nach jenen Gegenden zu dirigieren, obwohl die Zionisten behaupten, daß die Kolonisation der Juden daselbst antinational und verwerflich sei. Unglücklicherweise vergessen alle diese wohlmeinenden Nachahmer auf die große und traurige Tatsache, die ich schon hervorgehoben habe, daß gegenwärtig kein Land existiert, wohin man eine Auswanderung dirigieren kann. Amerika, Kanada, Argentinien, Australien sind heute in Wahrheit der großen Masse von Auswanderern unzugänglich. Emigranten ziehen zwar noch immer nach diesen Ländern, aber auf ihre eigene Gefahr. Sie können die Verantwortung auf keine Gesellschaft wälzen. Aber selbst wenn alle diese Gegenden der Einwanderung günstig wären und sich eine Gesellschaft fände, die willens wäre, die unberechenbaren Kosten und Gefahren der Förderung der Auswanderung nach denselben auf sich zu nehmen, so wäre das keine Regelung, sondern eine U n t e r st ü tz u n g der Auswanderung. Es hieße einfach den Leuten beistehen, dorthin zu ziehen, wohin sie schon ohne Beistand ziehen. Es sei ferne von mir, sowohl Jtoisten als Zionisten von einem Versuch i

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