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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-08-28 · 35 (28.8.1908) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
35 (28.8.1908)
Date
1908-08-28
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 35 Dr. Lwcd's Mocdenscbrin. Seite 611 würde die Duma den Juden Emanzipation gewähren. Ich glaube,«»sagen, sie lebt und schlagt mit dem Fuß aus. denn sie hat daß heute niemand mehr an dieses Traumbild glaubt, gewißMkeine Ursache dazu, es wäre denn, daß die jüdischen Führer niemand in Rußland. Die Duma ist sogar noch anti-W und Finanziers sich weigern würden, ihre Pläne zu unterstützen, semitischer als die Aristokratie und Bureaukratie. Es ist noch»i^Jch glaube nicht, daß wir nötig haben werden, zu Wahlnicht so sehr lange her, daß mein Freund Feinberg, der General-Wimethoden zu greifen. Ich habe im Gegenteil sicheren Grund Vertreter der „Jca", feierlich erklärte, daß alle, die russische Juden'IUanzunehmen, daß wir auf tatkräftige Unterstützung von unseren dazu verleiteten. Rußland zu verlassen, und zwar besonders zusii «Kapitalisten und selbst von der „Jca" rechnen können, denn Kolonisationszwecken, eine schwere Verantwortung auf sich lüden.M und dennoch las ich im heurigen Februar in der „Jüdischen'» Welt" den Bericht über eine Unterredung mit Herrn Feinberg,» in welchem eben dieser Herr Feinberg seine Schilderung der russischen Situation mit folgenden Worten schloß: „Für die^ Juden, die heute in der Provinz weder Sicherheit des LebensA noch des Eigentums haben, ist die Lage vollkommen unleidliche geworden." Er fügte hinzu, daß viele dieser Unglücklichen durchs die Krise in Amerika ihrer letzten Hoffnung auf Befreiung be- > raubt werden. Die allgemeine ökonomische Krise. \ Wie ernst diese Krise in Amerika war, ist jedermann bekannt. Innerhalb der letzten sechs Monate hat die Bevölkerungszahl der Vereinigten Staaten, statt durch Einwanderungen zuzunehmen, tatsächlich abgenommen. Innerhalb derselben sechs Monate des Jahres 1907 betrug die Zahl der Einwanderer um 600.000 mehr als die der Auswanderer. Niemand kann diese Krise tiefer beklagen als ich, nachdem Amerika das große Zufluchtsland der Juden bleiben muß, bis das Jtoland bereit ist, sie aufzunehmen, aber sie beweist nur wieder, wie unvorsichtig es von uns ist, uns immer auf andere Länder zu verlassen. Wie Herr Leonard Cohen in seiner gediegenen Rede bei der Jahresversammlung der Aussichtsorgane nachwies, ist Kanada gegenwärtig für die jüdische Einwanderung nicht günstiger als die Vereinigten Staaten und die Schwierigkeiten wurden noch durch ein neues Gesetz erhöht, welchem zufolge die unterstützten Auswanderer die Erlaubnis zur Landung von dem in London residierenden kanadischen Beamten einholen müffen. Es gibt tatsächlich heute kein Land, wohin man den Auswanderern zu ziehen empfehlen könnte. Auch Argentinien hatte eine ökonomische Krise zu bestehen und in diesem Jahre sind fast ebenso viele Juden von dort ausgewandert, als hinübergezogen sind. Niemand beschäftigt sich intensiver mit dem Problem der Auswanderung als Herr Stettauer, niemand ist mehr erbittert über die Lage der Juden in Rußland als er und dennoch äußerte er erst kürzlich mir gegenüber, daß die industriellen Verhältnisse heute überall derart sind, daß im Hinblick auf diese die Juden gerade so gut in Rußland bleiben, als auswandern könnten. Die Abflüsse für die jüdischen Emigranten sind in der Tat alle verschlossen oder in Begriff, gesperrt zu werden, und wenn der Jude nicht in Rußland eingepfercht und der Willkür der Vereinigung echter Russen überlassen werden soll, so ist es unbedingt notwendig, daß wir ihm ein eigenes Ansiedlungsgebiet erschließen. Die Hundertprozent-Rnmänen. Das oben Gesagte gilt auch für die Juden in Rumänien, in Marokko und andere stets unterdrückte, stets auf der Wanderschaft begriffene Sektionen unseres Volkes. Die Rumänen find sogar noch entschlossener, ihre Juden los zu werden als die Russen. Sie find eine junge Nation, die nach Einheit — reinen Hundertprozent-Nationalismus — strebt, und man weiß, wie ein solches Verlangen nach nationaler Reinheit die Menschen zu Teufeln und Narren macht. Die Rumänen scheinen in besonderem Maße zu dieser Form des Wahnsinns zu inklinieren. Warum sollte es jüdischen Reichtum und jüdischer Diplomatie unmöglich sein, eine Zufluchtsstätte für alle jene Juden zu gründen, die in ihren Geburtsländern nicht leben können oder wollen? Ein solches Territorium würde die Hälfte aller Sorgen und Probleme und mehr als die Hälfte der Almosen- und Unterstützungsauslagen unserer Philanthropen und Politiker aus der Welt schaffen. Ueberwindung der Opposition gegen die „Jto". Die alten, gegen die „Jto" geltend gemachten Gründe sind tatsächlich widerlegt. Die „Jto" lebt — ich will nicht Hwenn die „Jca" auf der Suche nach neuen Kolonisations- 8gebieten ist, warum sollte sie nicht in dieselbe Richtung blicken wie wir? Und wenn unsere Finanziers — wie sie es immer tun — nach einem neuen Feld für Investierungen suchen, warum sollten sie nicht auf unserem Gebiet investieren und gleichzeitig! wen Profit und eine M i z w a h genießen? « Die wahrscheinliche Transformation der „Jto". H So feiern wir denn unseren dritten Geburtstag unter ^'günstigen Auspizien. Aber wir feiern ihn nicht mit Bier und '• Kuchen oder Kuchen und Chokolade, sondern mit Arbeit. Unsere Delegierten in der Provinz haben sich in London versammelt, um unseren Geburtstag durch Arbeit für den Geburtstag des „Jto"-Landes zu feiern. Denn die „Jto" ward nicht um der „Jto" willen geboren — nicht um Gesellschaften, Föderationen, Kongresse und Streitigkeiten hervorzubringen, sondern um ein wirkliches, lebendiges Land — ein eigenes Land für jen: Juden, welche in ihren jetzigen Wohnorten nicht bleiben wollen oder können, zu schaffen. Alle jene anderen Dinge — Zweigvereine, Schekolim, Versammlungen und Reden — bilden nur das Gerüst, auf dem das Gebäude errichtet werden soll, und dienen zum Sammeln der zu den Operationen erforderlichen Mittel. Man darf nicht glauben, daß die „Jto", gleich manchen anderen Bewegungen, keinen anderen Zweck hat als Reklame und Zufammenscharren. Wirkliche Arbeit wird innerhalb der „Jto" geleistet. Je früher das häßliche Gerüst fällt und die alles verbergenden Schranken fallen können, desto beffer ist es. Wir brauchen das „I t o" - L a n d, nicht die „Jto". Die „Jto" ist nur die häßliche Raupe und wir sehnen uns danach, sie in den schönen Schmetterling verwandelt zu sehen. Je früher die Raupe ihre Laufbahn beendet, desto beffer ist es und darum möchte ich der „Jto" an ihrem Geburtstag statt „oftmaliger glücklicher Wiederkehr dieses Tages" lieber sagen, „je weniger oft sich dieser Tag wiederholt, desto mehr Glück bedeutet es. Ein kurzes, nicht ein langes Leben wünschen wir der „Jto", dem „I t o" - L a nd aber langes Leben, ewiges Leben. Unsere heutige Versammlung wurde nicht, wie vermutet wurde, einberufen, weil ich Ihnen eine große Neuigkeit zu sagen hatte. Es ist nicht wahrscheinlich, daß der diplomatische Zeitpunkt für die Veröffentlichung von Neuigkeiten gerade mit unserem Geburtstag zusammenfallen werde. Nein, diese Versammlung hat keinen anderen Zweck, als den der gegenseitigen Beglückwünschung zu dem, was bisher erreicht wurde, und der gegenseitigen Ermutigung zu der Arbeit, die noch vor uns liegt. Eines der wichtigsten Momente, zu welchem wir uns beglückwünschen können, ist der Friede, die Einigkeit und Brüderlichkeit, die immer in unseren Reihen geherrscht haben. Wir haben den Beweis erbracht, daß es möglich ist, eine von jeder Streitigkeit, persönlichen oder internationalen Eitelkeit freie jüdische Bewegung ins Leben zu rufen. Dr. Jochelmann und Stolypin. Es gibt jedoch eine Neuigkeit, welche ich Ihnen heute mitzuteilen für geeignet halte. Sie haben vielleicht gelesen, wie brutal die „Jto" in Rußland aufgelöst wurde, wie die wertvolle Arbeit unseres Auswanderungs-Regulierungsdepartements von Vernichtung bedroht war und Bureaux und Angestellte, welche wir für Monate, ja selbst Jahre engagiert hatten, uns, zur Untätigkeit verurteilt, zur Last fielen. In dieser Krisis sandte ich Dr. Jochelmann mit Briefen und Empfehlungen an hervorragende Persönlichkeiten, die ich der Güte Frau Novikoffs verdankte, nach Petersburg. Dr. Jochelmann war demnach in der Lage, sich mit den Chefs des Polizeidepartements und mit Stolypin selbst in Verbindung zu setzen und ihm auseinauderzusetzen, wie unsere Auswanderungs- und Kolonisationsprojekte

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