Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1908)
- Issue
- 34 (21.8.1908)
- Date
- 1908-08-21
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seit« 606 Dr. Liocv's MocdenscdrLtt Nr 34 dieses Ziel erreicht, ist ganz irrelevant. Die Hauptsache ist, daß das Wort, durch das Ohr sich schmeichelnd, den Weg zum Herzen finde. Ob man gegen die Regeln der Rhetorik sündigt, was tut's? „Grau, mein Freund, ist alle Theorie!" Dieses Dichterwort gilt nicht nur von der Form, auch vom Inhalt. Nur keine Theorien auf der Kanzel! Auch da gilt desselben Dichters Regel: „Greift nur hinein ins volle Menschenleben Und wo ihr's packt, da ist's interessant." Und eine jüdische Predigt, o, die ist etwas ganz anderes! Da sucht man Geist, Inhalt, auch Witz. Da fragt der Zuhörer: Was hat er „aufgetan"? (was hat er neues gefunden?). Da will jeder etwas nachhause mitnehmen. Wenigstens war es früher so, da hat der reiche Inhalt gegolten. Heute allerdings gilt der schöne Vortrag, recht viel Pathos und eine Fülle hohlklingender Phrasen. Ich habe einmal vom Vater gehört, wie der gottselige Rabbiner von Neutra, Rabbi Ezechiel Bauet, den Unterschied zwischen den früheren und den jetzigen Rabbinern gezeichnet: „Was mußte ein Raucher in früheren Zeiten nicht alles bei sich tragen! Pfeife und Rohr, einen Tabakbeutel mit Tabak, Feuerstein, Stahl und Schwamm und dazu noch einen Pfeifenputzer, bis er endlich nach vieler Mühe die Pfeife sich anzünden konnte; heute braucht man nur ein „Mundstück". Dieser echtjüdische Witz hat viel Wahres an sich." Dr. Seemann erwiderte kurz: „Andere Zeiten, andere Menschen und eine andere Geschmacksrichtung." Hierauf erhob er sich zum Abschied, darauf hinweisend, daß er im Laufe des Vormittags noch einige unumgängliche Besuche zu machen habe. Er wollte von Mutter und Tochter sich verabschieden, doch traf er nur letztere, die ihm freundlich die Hand reichte. „Hoffentlich haben wir noch das Vergnügen Ihres Besuches", sagte sie, die Augen niederschlagend. „Wenn Sie es erlauben und Frau Mama nichts dagegen hat, so werde ich wiederkommen, — dem Zuge meines Herzens folgend", setzte er mit besonders warmer Betonung hinzu. Er machte noch kurze Besuche bei dem Vizepräses, dem Kaffier und dem Kontrollor der Gemeinde, die ihn ausnehmend fteundlich aufnahmen und ihm besondere Ratschläge und wohlwollende Winke erteilten, die er dankbar entgegennahm. (Fortsetzung folgt.) Literatur. Pascheles' ill. isr. Volkskalender ist in seinem 56. Jahrgange soeben erschienen — im Zeichen des Jubiläumsjahres als Kaiserjubiläums-Ausgabe. Das Titelbild *eigt das wohlgelungene Porträt unseres Kaisers, während den Umschlag das Jugendbildnis unseres erhabenen Herrschers ziert. Dieser beliebte, von der bekannten Verlagsfirma Samuel W. Pascheles & Sohn in Prag wieder sehr reichhaltig ausgestattete Kalender enthält u. a. eine Huldigung an den Kaiser, eine spannende Erzählung, das Bild des neuen Bürgermeisters von Rom, Ernesto Nathan mit Biographie, das Bild des verstorbenen Präsidenten der isr. Kultusgemeinde in Budapest, Hofrat Siegmund Kohner, ein Verzeichnis jüdischer Hotels und Restaurants rc. Aber nicht nur in Familienkreisen ist dieses beliebte Jahrbuch ein gern gesehener Gast. Das Kalendarium, die für jeden Kaufmann nützlichen Beiträge, sowie die Jahrmärkte sind mit großer Gewissenhaftigkeit und Verläßlichkeit redigiert und gerade dieser Verläßlichkeit verdankt dieser reichhaltige Kalender seine große Verbreitung in der Kaufmannswelt. Gebete für das Seelenheil der Hingeschiedenen, eingeführt in den Synagogen von Mähris ch-O st r a u und Umgebung, nebst einigen vom Rabbiner-Stellvertreter Dr. R. F a e r b e r verfaßten Jahrzeitsgebeten im Anhänge. Herausgegeben von R. Kläger, Kantor und Sekretär in Mähr.-Ostrau. Im Selbstverläge des Herausgebers. Diese Gebete-Sammlung riivVr msin tid bilden für die Maskirtage ein unerläßliches Hilfsbuch. Die hebräischen Texte sind in korrekter, sinngetreuer Uebersetzung wiedergegeben. Der rituell-gesangliche Teil ist mit interlinearer Notenschrift versehen. Die Gebete im Anhänge erheben das Gemüt, wirken eindringlich und erschütternd und haben eine Milderung und Auslösung des Seelenschmerzes zur Folge. Die Diktion ist mustergiltig. Das nett ausgestattete Büchlein enthält auch Erinnerungs- und Jahrzeitblätter, der Druck auf starkem Papier ist groß und deutlich. Diese pietätvolle Gebetsammlung verdient die weiteste Verbreitung. R. Krirfkasterk. B. S. Die sehr bemerkenswerte Einrichtung hat neuerdings der „Daily Telegraph", bekanntlich eine der größten und bedeutendsten Zeitungen Englands, getroffen. Verflossenen Samstag enthielt er eine Spalte mit Nachrichten über jüdische Angelegenheiten des In- und Auslandes. Diese Abteilung wird künftighin unter dem Titel „Die jüdische Welt" jeden Sonnabend erscheinen. Es ist das erste Mal, daß eine große Tageszeitung den jüdischen Angelegenheiten eine ständige Rubrik widmet, und es kann nicht bezweifelt werden, daß diese Einrichtung sowohl den Interessen der Juden, wie auch denen Englands in gleichem Maße dienen wird. A. F. Nach der Statistik Arsbok for Stockholm für 1906 gab es in Stockholm im Jahre 1905 14.650 männliche, 177.306weibliche, zusammen 323.866 Einwohner, darunter Juden 708 männliche, 716 weibliche, zusammen 1424, im Jahre 1906 149.254 männliche. 182.077 weibliche, zusammen 331.331, darunter Juden 717 männliche, 712 weibliche, zusammen 1429. Die Juden sind also an der Gesamtbevölkerung Stockholms mit nur 0-43 Perzent beteiligt. „Ein Witz der Weltgeschichte". Auf dem schlesischen Provinzial- Bundesschießen, auf dem ein Tafellied mit stark antisemitischer Tendenz gesungen worden ist, wurde Bundeskönig der jüdische Kaufmann Hermann K r ä m e r-K a t t o w i tz. Heinrich S. Reitlingerscbe Wohltätlgkeltsstiftung. Am 26. Tischri (21. Oktober 1908) als am Sterbetage des seligen Herrn Heinrich 8. Reitlinger gelangen die Zinsen ans obiger Stiftung im Betrage von K 200.— an eine „verarmte würdige israel. Familie, die in Wien wohnhaft ist und in deren Mitte Sinn für die Religion herrscht“, zur Verleihung. Bewerber um diese Stiftung haben ihre mit einem Armutszeugnisse belegten Gesuche bis 31. August 1908 im Einreichungsprotokolb der israelitischen Kultusgemeinde Wien, I., Seitenstettengasse 4, III. Stock, zu überreichen, woselbst auch Gesuchsblankette während der Amtsstunden von 9 bis 12 Uhr vormittags unentgeltlich zu beheben sind. Auszüge aus den Matriken der israel. Kultusgemeinde Wien sind als Gesuchsbelege nicht erforderlich, sondern genügt die genaue Angabe der betreffenden Daten. Auf verspätet überreichte oder nicht gehörig belegte Gesuche wird keine Rücksicht genommen. Klara Krasnopolskische Gebet- und Wohltätigkeitsstlftang. Am 28. Tischri (23. Oktober 1908) als dem Sterbetage der Frau Klara Krasnopolski gelangen die halbjährigen Zinsen obengenannter Stiftung im Betrage von K 110.— unter mehrete Arme israelitischer Religion zur Verteilung. Die Bewerber haben die mit dem Nachweise ihrer Armut versehenen Gesuche bis 31. August 1908 im Einreichungsprotokolle der israel. Kultusgemeinde Wien, I., Seitenstettengasse 4, III. Stock, woselbst während der Amtsstunden von 9 bis 12 Uhr vormittags Gesuchsblankette unentgeltlich verabfolgt werden, zu überreichen. Arme Verwandte der Stifterin, Frau Klara Krasnopolski, werden in erster Linie berücksichtigt. Auszüge aus den Geburts-, Trauungs¬ und Sterbematriken der israel. Kultusgemeinde Wien sind als Gesuchsbelege nicht erforderlich, sondern genügt die genaue Angabe der betreffenden Daten. Verspätet überreichte oder nicht gehörig belegte Gesuche finden keine Berücksichtigung. Israelitische Kultusgemeinde Wien. Aus den Erträgnissen der von dem am 14. September 1887 in Wien verstorbenen Herrn Heinrich Stern errichteten Heiratsausstattungstiftung gelangen zwei Plätze im Betrage von je K 260 — an arme brave jüdische Mädchen — vorzugsweise an solche, welche mit dem Stifter verwandt sind, zur Verleihung. Die mit dem Geburts-, Armuts- und Sittenzeugnisse, sowiAmit der Bestätigung über die erfolgte Verlobung, eventuell dem Nachweise über die Verwandtschaft mit dem Stifter belegten Gesuche sind bis 31. August 1908 im EinreichungsprotokoUe der israel. Kultusgemeinde Wien, I., Seitenstettengasse 4, III. Stock, zu überreichen und werden dortselbst Gesuchsblankette unentgeltlich verabfolgt. Bewerberinnen, welche sich vor der Verleihung verehelicht haben, werden des Bezugsrechtes verlustig. Auszüge aus den Geburts-, Trauungs- und Sterbematriken der israel. Kultusgemeinde Wien sind als Gesuchsbelege nicht erforderlich, sondern genügt die genaue Angabe der betreffenden Daten. Verspätet überreichte oder nicht entsprechend belegte Gesuche werden nicht berücksichtigt.