Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1908)
- Issue
- 34 (21.8.1908)
- Date
- 1908-08-21
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 84 Dk. Biocb’s MocbensedrlN. Seite 599 willigung zur Gründung des Polytechnikums seitens des Handelsministeriums herablangen. Sollte dies rechtzeitig erfolgen, so dürfte die neue Lehranstalt schon zu Beginn des nächsten Schuljahres eröffnet werden. Russische Steuer auf jüdische Preßprodukte. Die Warschauer jüdischen Buchdrucker wandten sich an den Schulinspektor mit dem Ersuchen, es durchzusetzen, daß die besondere Steuer, welche für die Herausgabe jüdischer Bücher zu zahlen ist, aufgehoben werde. Der Schulinspektor wandte sich nun um Weisungen an den Unterrichtsminister. Der Unterrichtsminister entschied, daß die Steuern nach wie vor einzuheben seien. Der Polizeimeister wurde beauftragt, auch die rückständigen Steuern seit dem Jahre 1905 rücksichtslos einzutreiben. Pogromandrohung zu Tolstois Jubiläum. Die „Schwarzen Hundertschaften" in Rußland treffen Vorbereitungen, das Dichterjubiläum des Grafen Leo Tolstoi nach ihrer Art zu feiern. Ihre sämtlichen Preßorgane drohen mehr oder minder offen mit Pogromen, wenn das Jubiläum des „Gottlosen" von dessen Anhängern zu geräuschvoll gestaltet werden sollte. So schreibt das führende Organ der Reaktionären „Rußkaja Znamja": „Am Jubiläumstage des Gottlosen wollen die Linken eine politische Demonstration veranstalten, die sehr leicht dieselben Formen annehmen könnte, wie die revolutionäre Bewegung in den verfluchten Freiheitstagen. Es müssen alle Mittel angewendet werden, daß der Tag des Jubiläums ruhig verlaufe, damit sich nicht jene Szenen wiederholen, die seinerzeit die Pogromprozesse zur Folge hatten". Malträtierung eines Rabbiners. Der Berditschewer Rabbiner Helmann, der schon einmal unter dem Verdachte der Mittäterschaft an der Ermordung des Polizeikommissärs Kortannischew drei Monate lang in Untersuchungshaft war und vom Kriegsgerichte wegen Mangels jeden Schuldbeweises freigesprochen wurde, ist nun, wie „Rjetsch" berichtet, wieder in Haft genommen worden. Die Verhaftung wird damit motiviert, daß die Polizei angeblich in den Besitz neuer Beweise für die Schuld Helmanns gekommen sei. Staatssekretär Dernburg über den Antisemitismus, Dem „Jewish Chronicle" wird aus Bulawayo, Südafrika, geschrieben: Der deutsche Staatssekretär, Herr Dernburg wurde bei seiner Ankunft hier vom Bürgermeister E. Basch, der gleichzeitig Präsident der jüdischen Kultusgemeinde ist, empfangen. Als er von diesem erfuhr, daß es in der Stadt eine autijüdifche Bewegung gebe, gab der Staatssekretär seiner Verwunderung darüber Ausdruck: „Ich dachte, daß dieses Ding schon längst ausgestorben ist. Ich selbst stamme ja auch von Juden ab!" Der internationale Religionskongreß. Im Laufe des Monates September findet in Oxford der internationale Religionskongreß statt. Zum Vorsitzenden der sanitären Sektion wurde Professor Morris M. Jastrow aus Philadelphia und zum Präsidenten der römischen und griechischen Sektion Salomon Reinach aus Paris nominiert. Eine alte jüdische Münze. Wie dem „American Jsraelite" berichtet wird, ist der jüdische Polizeioffizier B. F. Klopfer in Washington im Besitze einer alten jüdischen Münze, die nur wenig bekannt sein dürfte. Klopfer erhielt die Münze von seinem Vater, der sie vor vielen Jahren von einem befreundeten Seemann zum Geschenke bekommen hatte. Profeffor I. C. Hagey vom Smithsonian Institut in Washington, der die Münze untersucht hatte, behauptet, daß sie von Judas Maccabaeus im Jahre 168 vor unserer Zeitrechnung ausgegeben worden sei. Sie zeigt schon die Spuren der Zeit, aber die Wahlsprüche lasten sich zum Teile noch entziffern. So entzifferte der Gelehrte den in hebräischer Sprache geprägten Wahlspruch: „Ihr sollt keinen anderen Gott vor euch haben!" Klopfer wurde für die Münze schon ein Preis von 200 Dollars angeboten, doch mag er sich des Andenkens an seinen Vater nicht entäußern. Vor kurzem hat der Londoner Sammler Hiram Montague für eine gleichartige Münze den Preis von 3850 Dollars bezahlt. _ Der Schwimmrekord eines jüdischen Mädchens. Die „Newyork-Times" berichtet über die glanzvolle Schwimmleistung eines jüdischen Mädchens, Annita Kellermann, die am 30. Juli d. I. in Boston eine Schwimmtour von 12 Meilen in 6^/« Stunden durchgemacht hat. Nach Beendigung der Tour wurde Frl. Kellermann, die frisch und wohlbehalten aus dem Wasser gestiegen war, von 10.000 Zuschauern mit jubelndem Beifall begrüßt. Miß Kellermann, die aus Australien stammt, hat schon vor zwei Jahren gleichfalls in Boston, jedoch unter viel günstigeren Umständen als diesesmal 26 Meilen in 3 Stunden und 11 Minuten durchschwommen. Der Rekord des Frl. Kellermann wurde bisher laut der erwähnten Zeitung nur einmal von einem Manne erreicht. Der bluttrinkende Europäer. In der „Deutsch-Ostafrikanischen Zeitung" vom 10. Juni d. I. lesen wir: „Eine Reihe von Eingeborenen in Nairobi hatten nach dem „East Africa Standard" Furcht, nach Dunkelwerden ihre Hütten zu verlassen, da unter ihnen das Gerücht verbreitet war, daß in Nairobi ein Europäer sich aufhielte, welcher Schwade tötete und ihnen dann das Blut aussaugte. Der Sachverhalt scheint recht harmlos zu liegen. Viele Europäer haben die Angewohnheit, falls sie von einem Askari angeredet werden, den Ausdruck zu gebrauchen: „I want blood“, d. h. zu Deutsch eigentlich wörtlich: Ich brauche Blut. Der Engländer gebraucht diese Phrase jedoch nur in übertragenem Sinne, indem er damit etwa sagen will: Mach mich nicht böse! Der aber wörtlich übersetzende Schwarze muß über diesen Ausdruck einen gehörigen Schrecken bekommen. Der „East Asrican Standard" rät ob dieses Vorfalles für die Zukunft zur Vorsicht." Man sieht, die geistig beschränkten Schwarzen haben für ihre kindische Furcht vor dem „blutgierigen" Deutschen immer noch eine gewisse Unterlage in einer mißverstandenen Drohung, während die Ritualmordgeschichten unserer Antisemiten durchweg glatt erlogen sind zu dem Zweck, die Juden einem vorher von ihnen fanatifierten Pöbel ans Messer zu liefern. Korrespondenzen. Das Geburtstagsfest Sr. Majestät des Kaisers wurde in diesem Jahre in sämtlichen Gotteshäusern der österreichischen Kultusgemeinden mit besonderer Feierlichkeit begangen. Auch in sämtlichen Synagogen der Wiener Kultusgemeiude, sowie der Bethausvereine fanden spezielle gottesdienstliche Veranstaltungen statt. Im Stadttempel fand am 18. Augnst um 7*10 Uhr ein feierlicher Gottesdienst statt. Vor geöffneter Bundeslade sprach Oberrabbiner Dr. Güdemann ein Gebet für den Kaiser, in welchem auch des 60 jährigen Regierungsjubiläums Sr. Majestät gedacht war. Die kantvralen Funktionen wurden vom Oberkantor-Stellvertretrr Don Fuchs versehen, während der Tempelchor unter persönlicher Leitung des Chordirektors Prof. S u l z e r die herrlichen Gesänge