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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-08-21 · 34 (21.8.1908) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
34 (21.8.1908)
Date
1908-08-21
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Sette 598 Vr. Bloch's WochsnMrM Nr. 34 Vom Zabrrnarkt des Lebens. Stolypin über die Judenfrage. Der Korrespondent der Londoner „Times" hatte vor Kurzem eine Unterredung mit dem russischen Ministerpräsidenten Stolypin. Dem Inhalte des Jnterwiews, der in der „Times" ausführlich wiedergegeben ist, entnehmen wir die nachstehenden interessanten Stellen. Hinsichtlich der Abschaffung der Todesstrafe meinte der Premierminister, daß er mehr als jeder andere sich darüber kränke, sich der Todesstrafe als Regierungsmittel bedienen zu müssen. Seinem Gefühle widerstrebe jede gewaltsame Maßregel und vor vier Jahren noch würde er es für ausgeschlossen gehalten haben, an einem Regierungssystem teilzunehmen, in welchem die Todesstrafe Platz findet. Man sei jedoch zu dieser Maßregel gezwungen gewesen. Würde man jetzt die Todesstrafe abschaffen, so würde wieder jene Serie von Morden beginnen, vor denen die Personen in höherer Stellung kaum geschützt werden könnten. Die Todesstrafe wird nur bei Mordtaten und mörderischen Ueberfällen in Anwendung gebracht, die jetzt begangen werden, nicht aber zur Zeit der Revolution. Nur in einigen Ortschaften, hauptsächlich im baltischen Rayon werden jetzt noch Prozesse geführt für Verbrechen, die vor drei Jahren begangen wurden. Auf die Frage des Korrespondenten, wie es um die Judenfrage bestellt sei, antwortete der Ministerpräsident: „Die Schwierigkeit der Lösung der Judenfrage besteht darin, daß man befürchten müsse, daß eine noch so geringfügige Reform zugunsten der Juden eine gefährliche Erregung jener Klassen der Bevölkerung zur Folge haben könnte, die aus irgend einem Grunde den Juden feindlich gesinnt sind. Der religiöse und nationale Judenhaß der Mafien zusammen mit der wirtschaftlichen Konkurrenz, welche von den Juden zu gewärtigen wäre, machen es unmöglich, gegenwärtig irgend welche Erleichterungen für die Juden durchzuführen." . Australasien braucht Einwanderer. Der „American Jsraelite" veröffentlicht ein Rundschreiben der Einwanderungsliga von Australasien, deren Ehrensekretär Venour Nathan in Sydney ist. Herr Nathan, der in Sydney eine bedeutende Rolle spielt, weist in dem Schreiben auf die „gelbe Gefahr" hin, welche Australasien durch die Einwanderung von Farbigen droht und daß die Bevölkerung entschlossen sei, Australasien unter allen Umständen den Charakter eines „Landes der Weißen" zu bewahren. Dann setzt Herr Nathan seinen Brief fort: „Tausende von amerikanischen Farmern gehen nach Kanada und möchten gerne sehen, daß mancher von ihnen lieber hieher nach Australien kommen würde. Wir haben hier das beste Klima von der Welt, wo ein jeder das ganze Jahr hindurch im Freien seiner Arbeit nachgehen kann. Wir haben fruchtbaren Boden, der des Pfluges harrt. Es gibt hier unabsehbares Land für Obstzucht. Ueberdies ist Australien das große Land der Mineralien. Wir haben hier Gold, Silber, Kupfer, Blei und Zinn und unser Reichtum an Mineralien ist unübertroffen. Sowohl der Kapitalist als auch der Schürfer haben die besten Aussichten. Die hohen Einfuhrzölle gewähren dem Unternehmer die besten Auspizien für die Gründung von Industrien." Schließlich macht Herr Nathan darauf aufmerksam, daß das Bureau der Einwanderungsliga in Sydney Moore-Stret 14 bereitwilligst Auskünfte über die Einwanderungßverhältnisse in Australafien und Neu-Seeland erteilt. Aus dem Rundschreiben geht also hervor, daß Australien und Neu - Seeland genau so wie alle anderen Länder nur auf Farmer, Grubenarbeiter und Taglöhner reflektiren. Natürlich find auch Kapitalisten erwünscht. Ob Australasien auch eine größere Zahl russischer, rumänischer und galizischer Juden aufnehmen würde, geht aus dem Rundschreiben nicht hervor. Allerdings würde die Transportierung der Auswanderer zu den Antipoden von Europa fast um das Doppelte so viel kosten als nach den amerikanischen Staaten. Das Leben in Australien uno NeU'Seeland ist im Großen und Ganzen dasselbe, wie in den Vereinigten Staaten. Die Sprache ist dieselbe und die Landessitten sind eher amerikanisch als englisch. Die jüdischen Einwanderer, die nach Australasien gekommen sind, haben im allgemeinen ihr Glück gemacht. Die Erziehungsmöglichkeiten, politische und soziale Gleichberechtigung machen ihnen den Entwicklungsgang in ihrer neuen Heimat leicht. Pharaos „sieben magere Kühe" in geschichtlicher Beleuchtung. Aus Alexandria wird berichtet: Eine Entdeckung von weittragender Bedeutung hat Professor Brugsch gemacht. Es handelt sich um die Auffindung und Entzifferung von Hieroglyphen, die einen historischen Bericht der „sieben mageren Jahre" enthalten, wie sie Joseph dem Pharao nach dessen Träumen prophezeit hatte (1. Mosis, 41, 25 ff.). Bisher hatte man außer dem Bericht der Bibel kein glaubwürdiges Zeugnis über die Teuerung in Egypten; Spuren von Kornkammern, deren Entstehungszeit unsicher ist, — das war alles. Aus den Inschriften, die Professor Brugsch entziffert hat, geht deutlich hervor, daß der Bericht der Bibel ein vollständig treuer Bericht der tatsächlichen Ereignisse ist; die Hieroglyphen beschreiben, daß die Ueberschwemmungen des Nils sieben Jahre hintereinander tatsächlich aussetzten, so daß die Ernten vollständig ausblieben und Hungersnot und Seuchen ausbrachen. Auch die Zeitangabe, die die Bibel macht, stimmt. Bisher hielt man die Annahme, daß um das Jahr 1700 v. Ehr. die sieben mageren Jahre zu Ende waren, für willkürlich; aber die egyptischen Inschriften bestätigen sie. Nach der Bibel muß Joseph um das Jahr 1729 v. Chr. nach Egypten gelangt sein; nach einem Jahr wurde er ins Gefängnis geworfen, wo er etwa neun Jahre blieb, ehe er die beiden Hofbedienten Pharaos, den Mundschenk und den Bäcker, kennen lernte. Dem Mundschenk deutete er bekanntlich dessen Träume und bat ihn darauf, sich nach seiner Befreiung seiner zu erinnern. Dies Ereignis trat tatsächlich 1715 ein; Pharao ließ sich von Joseph seine Träume auslegen und gab ihm die Tochter des Vizekanzlers der Universität von Heliopolis zur Frau. Im selben Jahre begann er mit dem Bau der Kornhäuser, in denen während der folgenden sieben fetten Jahre das überflüssige Korn untergebracht wurde. Nun folgten die sieben mageren Jahre, deren altegyptischen Bericht Brugsch entdeckt hat. Nach der Bibel endeten die fetten Jahre 1708 und im Jahre darauf wunderten die Söhne Jakobs nach Egypten, um Korn zu kaufen. 1706 ließ sich die ganze Familie Jakobs im Lande Gosen nieder und erst um 1700 endeten, hiemit übereinstimmend, nach dem Berichte die sieben mageren Jahre. Ein Polytechnikum für Juden in Odessa. Noch im vorigen Jahre hat sich in Odessa ein Komitee gebildet zu dem Zwecke, eine technische Hochschule ins Leben zu rufen, die hauptsächlich jüdischen Studierenden zugute kommen soll. An den Vorbereitungen haben u. a. teilgenommen : Der Rektor der Odessaer Universität, der Direktor der höheren Frauenkurse, der Vorsitzende der Odessaer Gesellschaft der Aerzte, Dr. Bardach, der Vorsitzende der Odessaer Abteilung der „Jüdischen Bildungsgesellschaft", G. E. Weinstein, der Advokat M. G. Margulis. Das Komitee zeichnete zum Zwecke eines Neubaues 100.000 Rubel, arbeitete einen vollständigen Lehrplan aus, der den besten ausländischen Mustern nachgebildet wurde. In der Eingabe an den Handelsminister verlangt das Komitee die Erlaubnis zur Gründung einer technischen Hochschule auf allgemeiner Grundlage für Studierende ohne Unterschied des Glaubens und des Geschlechtes, sollte dies jedoch nicht möglich sein, so möge die Erlaubnis für eine technische Hochschule ausschließlich für Juden erteilt werden, da diese infolge der angeschriebenen Perzentnormen zum größten Teile aus den Hochschulen ausgeschlossen bleiben. Wie nun dem Komitee vor einigen Tagen aus Petersburg mitgeteilt wurde, dürfte demnächst die Be-

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