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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-08-21 · 34 (21.8.1908) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
34 (21.8.1908)
Date
1908-08-21
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Sette 696 Dr. Llocv's Mocdenscbrm. Nr. 34 er habe 1505 als Gouverneur von Neapel während einer Teuerung mit dem Getreidewucherer Paolo Tolosa unter einer Decke gesteckt und dabei 40.000 Dukaten auf Kosten der hungernden Neapolitaner verdient. Da ich jetzt von Geldsachen rede, will ich nur im Vorbeigehen erwähnen, daß dieser katholische Held einen auf die Hostie geleisteten Eid gebrochen hat. Ich habe oben die Bemerkung eines Franzosen zitiert, daß im Mittelalter der Krieg das einzige Mittel war, sich zu bereichern; für Einzelne waren aber zum Gelderwerb auch gelegentliche Judenaustreibungen und die Turniere gute Mittel. Letztere waren die vornehmsten Schauplätze für die Entfaltung von Tapferkeit und edler Rittersitte. Gar schön liest es sich, wie der prachtvoll gerüstete Ritter, die Farben seiner Dame tragend, in die Schranken einritt, der Sieger von der Hand vornehmer und schöner Damen den Preis erhielt. Aber willkommener war ihm wohl der klingende Lohn. Ihm gehörten Roß, Harnisch und Waffen des Besiegten, der ihm manchmal auch ein Lösegeld zu zahlen hatte. So war die Teilnahme an einem Turnier eine Art Glücksspiel; man könnte sagen Börsenspiel; wer wagte, konnte alles verlieren aber auch viel gewinnen. Ja, es gab Ritter, die aus reiner Gewinnsucht sich regelmäßig an Turnieren beteiligten, und schon in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts wurden die Turniere zu Schauplätzen der Roheit und gemeiner Erwerbsucht, ungefähr wie jetzt die Wettrennen. Ein weiteres Erwerbsmittel, doch meistens nur für die regierenden Herren, waren die Vormundschaften. Sie wurden nicht im Interesse der Waisen und zu deren Schutz, sondern zum Vorteile der Vormünder geführt. König Wilhelm von Sizilien verhinderte die Heiraten seiner Mündel, besonders wenn sie Erbtöchter waren, so lange als möglich und verheiratete sie dann so, daß sie keine Kinder haben sollten, damit er sie beerbe. Von den Bewerbern um sie ließ er sich überdies für die Heiratserlaubnis gehörig bezahlen. Die Einwohner von Susa sahen sich genötigt, ihren Herrscher zu erinnern, daß er nach den Gesetzen verpflichtet sei, die Minderjährigen zu schützen, nicht sie zu berauben. Graf Gaston von Fox war Vormund der reichen Erbin des Grafen Johann von Boulogne und verkuppelte das zwölfjährige Mädchen für 30.0OO Francs an den sechzigjährigen Herzog von Berry, den Onkel des Königs von Frankreich. „Lieber Onkel," sagte ihm dieser, „mache doch keine Dummheiten, verheirate lieber Deinen Sohn mit ihr." Aber den Grafen Gaston paßte der junge Freier nicht und er vermälte das Kind mit dem Greise. Vielleicht konnte er von diesem eine größere Loskaufssumme erwarten oder er rechnete darauf, daß die Ehe kinderlos bleiben werde. Daß dieser Graf Gaston (1331—1391) seinen eigenen Sohn auf einen falschen Verdacht hin, nachdem er ihn lange im Kerker hatte schmachten lassen, mit eigener Hand tötete, daß er den Kommandanten von Lourdes in verräterischer Weise ermordete, wollen wir als nicht zum gegenwärtigen Thema gehörig nur nebenbei erwähnen. Hervorgehoben werden muß aber, daß er seine Untertanen mit Steuern so schwer bedrückte und ausbeutete, daß er trotz seiner großen Verschwendung einen Schatz von drei Millionen anhäufte. Und man glaube nicht, daß dieser Graf eine schlechte Ausnahme war. Im Gegenteil! Für seinen Zeitgenossen, den Chronisten Froissart, der alle seine niederträchtigen Handlungen erzählt, der ausführlich berichtet, wie schlau er bei den Unterhandlungen mit dem Herzog von Berry manövrierte, für diesen Hof- und Adelshistoriographen des vierzehnten Jahrhunderts ist Gaston von Fox der edelste, beste und weiseste aller Feudalherren, der Spiegel aller Ritterschaft. Man kann sich danach vorstellen, was für Leute seine Staudesgenossen waren. In der Tat sagte auch Peter von Blois (am Ende des 12. Jahrhunderts) von den Rittern seiner Zeit, nachdem er ihre Roheit und Unsittlichkeit geschildert hat: „Sie berauben die Armen und plündern sie aus, quälen sie auf die unbarmherzigste Weise, um auf deren Kosten ihre abscheulichen Gelüste zu befriedigen." Kurz und bündig heißt es in der Ursperger Chronik aus dem dreizehnten Jahrhundert: „Die deutschen Ritter sind größtenteils Räuber." Den deutschen Rittern in Liefland schrieb Papst Innozenz III. im Jahre 1214: „Es ist Euch nicht darum zu tun, das Christentum zu verbreiten, sondern Schloß um Schloß zu erbauen, Land um Land zu erwerben, als ob ihr die ganze Erde zu Eurem ausschließlichen Eigentum machen wolltet." Campano, Bischof von Teramo, um 1471 päpstlicher Nuntius, berichtete, daß ganz Deutschland eine Räuberbande sei und unter dem Adel sei der Raubgierigste auch der Gerühmteste (ille inter nobiles gloriosior qui rapacior). In erbarmungsloser Weise hat der Adel in Dänemark die Bauern unterdrückt und ausgebeutet, sie im Laufe der Jahrhunderte fast zu Sklaven gemacht. Erst in einem Gesetze vom Jahre 1521, das aber nicht in Wirksamkeit trat, heißt es: „arme Bauern und Christenmenschen wie unvernünftige Kreaturen zu verkaufen oder wegzuschenken, soll künftighin nicht mehr stattfinden, bei schlechter Behandlung dürfen sie das Gut verlassen, nachdem sie das gesetzliche Abzugsgeld von drei Mark entrichtet und alles vor dem Abzüge in gehörigen Stand gesetzt." x) Also der Bauer soll den Grund, auf dem seine Vorfahren lange Jahre im Schweiße ihres Angesichtes für den adeligen Herrn gearbeitet haben, mit leeren Händen verlassen und noch drei Mark draufzahlen. Und das war vor vier Jahrhunderten ein Fortschritt, zu dem Adel und hohe Geistlichkeit ihre Zustimmung nicht geben wollten! Solche Unterdrückungen und Beraubungeu trieben die deutschen Bauern im Jahre 1524 zum Aufstande, der, mit Grausamkeit begonnen, mit grausamer Unbarmherzigkeit niedergeschlagen wurde. Die Lage der Bauern ward nun noch schlechter als früher. Bauernaufstände kamen in Oesterreich noch 1713, 1740 und 1766 vor. Ueber den Aufstand von 1713 im Gebiete von Görz. Kärnten und Krain heißt es in den vom k. u. k. Kriegsministerium herausgegebenen „Feldzügen des Prinzen Eugen von Savoyen" (XV, 47, 412): „Die Ursache war die Rücksichtslosigkeit, mit der die Abgaben von Fleisch und Wein von der geknechteten Bauernschaft eingehoben wurden." Der Aufstand wurde zwar durch das kräftige Einschreiten des Militärs gedämpft, aber es mußten die Truppen im Lande bleiben, um einen Wiederausbruch, „welcher bei den herrschenden Mißständen stets zu besorgen blieb", zu verhindern. Auch der Aufstand in Steiermark im Jahre 1740, vorzüglich durch die rücksichtslose Ausübung der Jagd hervorgerufen, konnte, wie sich ein Zeitgenosse ausdrückte, nur „durch die gestiefelten Apostel oder caraffischen Kürassiere" niedergeschlagen werdend) Ueber den Bauernaufstand in Ungarn im Jahre 1766 schrieb Kaiserin Maria Theresia der Gräfin Enzenberg: „Vou8 entendrez parier des erneutes ou tumulte en Hongrie; cela n’est pas de consequence; ce ne sont que les cruautes desSeigneursqui ont mis ä bout 668 pauvres gens. Croyreois vous que le Palatin defunt, le prince Batyaui, les Esterhazi sont les plus fort dans ces oppressions; cela fait fremir.3) In Böhmen wurden nach der Darstellung in Svateks „Kulturhistorischen Bildern" die Bauern im 17. Jahrhundert ärger als Negersklaven behandelt und im 18. sind sie vom Adel nicht weniger ausgebeutet und bedrückt worden. Die 0 F. C. Dahlmann, Geschichte von Dänemark, III, 358. 2) Leben und Taten des Kaiser Karl VI. von einem deutschen Patrioten, Frankfurt und Leipzig 1741. *) Arneth, Maria Theresia VII, 535.

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