Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1908)
- Issue
- 33 (14.8.1908)
- Date
- 1908-08-14
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Sette 590 Dr. Kkoch's WvchrusMnf!» N. 33 Im vergangenen Winter hatte er am äußersten Ende der Stadt eine arme Patientin, die am Typhus erkrankt war und es dringend nötig hatte, daß der Arzt sie alle drei Stunden besuche. Es war eine stürmische Winternacht, bei grimmiger Kälte blies ihm der Wind den Schnee wie eisige Nadeln stechend ins Geficht und der arme Doktor ging nun um 2 Uhr nach Mitternacht das dritte Mal den weiten einsamen Weg. Er klopfte an das Tor, aber der Mann der Frau, dem diese Störung seiner Nachtruhe zu arg geworden, ließ ihn lange draußen klopfen, bis er ihm endlich öffnete." „Nachdem er der Frau die ärztliche Hilfe hatte angedeihen lassen, verließ er das Haus, blieb aber draußen vor dem Fenster stehen, denn ein Schreien drang zu ihm hinaus. Und da hörte er, daß die Frau ihrem Manne Vorwürfe darüber machte, daß er den Doktor bei solch abscheulichem Wetter so lange draußen habe' warten lassen, dieser aber schrie die kranke Frau an: „Ist das nicht zu arg, daß blind Pollak, — der Doktor ist nämlich hochgradig kurzsichtig — um zwei Uhr in der Nacht herauskommt und nun schon das zweite Mal im Schlafe mich stört?"' „Im ersten Moment", so erzählte es. der Doktor, „wollte ich hinein und den Menschen mit dem Stock durchbläuen, aber ich mußte mir sagen: Geschieht dir recht, warum stehst du vor dem Fenster und horchst."*) „Ach, das ist ja ein herrlicher Mensch", rief Seemann begeistert aus, „das ist ja das Ideal des Altruismus, den Mann muß ich aufsuchen!" „Das können Sie und sollen Sie auch, aber Ihr Ziel fördern wird das nicht; Sie werden seine vollste Sympathie erwerben, aber wenn ein zweiter Kandidat kommt, wird sein gutes Herz fich wieder dem anderen und wohl auch dem dritten zuwenden, und er wird einen schweren Kampf mit seinem Herzen durchzukämpfen haben, wenn es zur Abstimmung kommen wird. Er wird immer daran denken, wenn er dem einen sein Votum gibt, daß er damit dem anderen wehtut. Sie müssen, lieber Herr Dollar, andere Mittel anwenden, wenn Sie reüssieren wollen und dieses Mittel Ihnen anzuraten bin ich gekommen. Sie müssen Opfer bringen. Wir haben Leute, die zu haben sind, auch Steiger und sein Anhang, es kommt nur auf den Preis an. Ich übernehme die Vermittlung und glaube Ihnen für den Erfolg bürgen zu können." „Ich bitte Herr Dollar, laffen Sie mich ausreden!" sagte Spitzer, als Dr. Seemann ihn unterbrechen wollte. „Es hat sich überhaupt der Usus eingebürgert, daß die Wahl eines Rabbiners ebenso wie die eines Landtagsabgeordneten Geld kostet. Ich glaube, daß mit dem Betrage, der einem Jahresgehalle entspricht, die Stelle nicht zu teuer bezahlt ist. Ich bitte mich nur ausreden zu laffen! Ich weiß, daß Sie kein Geld haben, aber es genügt mir eine schriftliche Erklärung oder auch nur Ihr Handschlag. Ich werde schon den Betrag herbeischaffen." „Ich hocke," entgegnete Seemann aufgeregt, „mit der größten Ungeduld kaum erwartet, daß Sie fertig werden. Nun erkläre ich, daß ich mit der höchsten Entrüstung Ihren Antrag zurückweise. Ich würde einen Posten, den ich mit solch unlauteren, schmutzigen Mitteln erlangen könnte, unter keinen Bedingungen annehmen." Nach diesen Worten wendete Dr. Seemann dem Agenten den Rücken, worauf dieser kopfschüttelnd sich entfernte. Dr. Seemann hatte nun in wenigen Stunden die dritte Person sich zum Gegner gemacht: Den Fiakerbesitzer Großmann den Gemeindediener Singer und nun den schlauen Mann für alles — zuviel für eine so kurze Zeit. *) Buchstäblich wahr; ein solcher Mann, gleichen Namens lebte in Komorn, starb 1871. (Fortsetzung folgt.) Neue Bücher. Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden. Herausgegeben vom Bureau für Statistik der Juden. Redaktion : Dr. Arthur R u p p i n und Dr. Brunno Blau. Berlin-Halensee, Johann Sigmundsstraße 3. 4. Jahrgang. August 1908. Heft Nr. 8. Inhalt: I. Abhandlungen: 1. Dr. Maurice F i s ch b e r g, New-Hork: Die Armut unter den Juden in New-Aork. 2. Norbert Weldler, Berlin: Die Bevölkerungsbewegung des Jahres 1906 bei den Juden in Ungarn. 3. Doktor Hugo Hoppe, Königsberg i. Pr.: Die Tuberkulose unter den Juden in London. 4. Dr. Arthur R up p in, Jaffa: Zur Einwanderungsstatistik der Vereinigten Staaten. II. S t a t i st i s ch e s Archiv: Juden unter den wegen Armut unterstützten Personen in Charlottenburg. Jüdische Zwangszöglinge in Bayern. Juden in hessischen Strafanstalten im Jahre 1905/06. Die Ehescheidungen in Oesterreich. Die Geburten bei den niederländischen Juden im Jahre 1905. Kopf-Index der polnischen Juden. Die Zahl der Juden in Süd-Australien. Die Kriminalität der Juden in Neu-Seeland im Jahre 1905. III. Literatur: G. F., Abbott: Israel in Europe. Mitteilungen des Gesamtarchiv der deutschen Juden. Zionistisches A-B-C-Buch. Simmel Georg: Die Religion. Palästina. Monatsschrift für die wirtschaftliche Erschließung Palästinas. Herausgegeben vom „Verlag Palästina", München, Pettenkoferstraße 25. Preis im Inland und Oesterreich 2‘/2 Mark, Ausland 3 Mark pro Jahr. V. Jahrgang, Nr. 5 und 6. Inhalt: Palästina Archiv. — Wiederherstellung der Verfassung in der Türkei. — Dr. Sandler: Moskitobrigaden. — D. Glasman n-S ch o ch o r: Geflügelzucht in Palästina. — Prof. Lorch: Die Ausgrabungen in Gezer. — Systematische Arbeit in Palästina. — Das Schulwerk des Hilfsvereines in Palästina. — Die italienische Post in Jerusalem. — Dr. Tannenwald: Die Staatsangehörigkeit in der Türkei. — Aus den Hauptstädten. — Aus den Kolonien. — Aus der Schulwelt. — Eingesandt. — Aus der Türkei. — Handel und Verkehr. Jewifh Colonization Association. Rapport de radministration centrale au conseil d’administration pour l’annee 1907 presentö a Passemblee generale du 28. juin 1908. Paris 1908. Direktor Dr. S Kvenberger. Der Zionismus von heute. Betrachtungen und Meinungen. Jüdischer Buch- und Kunstverlag, Brünn 1908. Dr. F. Coblenz, Rabbiner der Synagogen-Gemeinde Bielefeld. Jüdische Religion. Ein Lehrbuch. Preis geb. M. 1.25 Verlag von Quelle & Meyer in Leipzig. 1908. Von dem bekannten Schriftsteller Max Brod ist im Verlage AxelJuncker, Berlin, ein neuer Roman „Schloß Nornepygge" erschienen. Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft -es Judentums. Begründet von Dr. Z. F r a n k e l. Organ der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums. Herausgegeben von Dr. M. Brann. 52. Jahrgang. Neue Folge, sechzehnter Jahrgang. Heft 5/6. Mai—Juni 1908. Breslau. KoebnerscheVerlagsbuchhandkung. (Barasch und Riesenfeld.) Inhalt: Heinrich Groß: Die Satyre in der jüdischen Literatur. (Schluß.) H. Rosenberg: Das Geschlecht der Hauptwörter in der Mischna. (Fortsetzung.) V. Aptowitzer: Die talmudische Literatur der letzten Jahre. S. H o r o w i tz: Die Sifre sutta nach dem Jalkut und anderen Quellen. (Fortsetzung.) Simon Epp enstein: Beiträge zur Geschichte und Literatur im gaonäischen Zeitalter. Adolf Lew in: Die Vorarbeiten für die badische Judengesetzgebung in den Edikten 1807—1809. (Fortsetzung.) Besprechungen: Fiebig Paul, Ausgewählte Mischnatraktate. In deutscher Übersetzung. (Schluß.) Von V. Aptowitzer. Brody H. und A l b r e ch t K. Die neuhebräische Dichterschule der spanisch-arabischen Epoche. Von I. Pollak. Bibliographische llebersicht über die im Jahre 1907 erschienenen Schriften. Von M. Brann.