Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1908)
- Issue
- 33 (14.8.1908)
- Date
- 1908-08-14
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 586 Dr. Llocv's Mocbenscbrttr. Nr. 33 ihr tiefftes Bedauern über die Hetze aussprach und erklärte, keine Ahnung von der Wühlarbeit gehabt zu haben. Mit schwerer Mühe gelang es endlich nach 14 tägiger Verhandlung der Direktion, diese Juden zu bewegen, ihre Ehrenstellen anzunehmen. Jüdische Weltmeister der olympischen Spiele. Bei den olympischen Spielen in London haben zwei Juden, beide aus Budapest, erste Preise gewonnen und die Weltmeisterschaft errungen, und zwar Eugen Fuchs im Fechten und Richard Weiß im Ringen. Vor einigen Tagen kehrte Herr Richard Weiß, der Besitzer eines Kaffeehauses in Budapest ist, aus London zurück. Mit ihm kamen der vielgenannte Sportmäzen Alfted Bruell und Hugo Payr, welch letzterer bei den olympischen Spielen als Ringkämpfer des Mittelgewichtes ebenfalls seinen Mann gestellt hat. Zum Empfange der Athleten hatte sich ein nach vielen Hunderten zählendes, zumeist aus Mitgliedern der verschiedenen Budapester Sportvereine bestehendes Publikum eingefunden, welches die Heimkehrenden mit enthusiastischen Ovationen begrüßte. Man hob sie auf die Schultern und der Bahnhof widerhallte von den Jubelrufen der Menge. Als sich der erste Sturm der Begeisterung ein wenig gelegt hatte, wurde Richard Weiß und Paul Godanyi im Namen der Universitätsjugend und Alfted Bruell vom Stadtrepräsentanten Dr. Anton Hetees in warmen Worten willkommen geheißen. Sodann hob die Menge die Athleten wieder auf die Schultern und trug sie zu dem bereitstehenden Wagen. Die begeisterte Jugend spannte die Pferde des Wagens aus und führte denselben im Triumph, den „Hymnus" und andere Nationallieder singend, über die Andraffy-ut bis zum „Cafö Japan", wo Richard Weiß, der bekanntlich Inhaber dieses Kaffeehauses ist, mit seinen beiden Begleitern ausstieg. Karlsbad. Der berühmte Jargondichter Morris Rosenfeld, der hier zur Kur weilt, ließ sich am letzten Mittwoch auf Drängen feiner zahlreichen Verehrer zu einem Vortragsabend bestimmen. Der große Kursaal war dicht besetzt. In einleitender Rede stellte Herr Dr. Ziegler den Dichter vor. Er schilderte, wie dieser schon frühzeitig die Leiden der russischen Juden mit angesehen und mitempfunden und schon als Kind kleine Gedichte geschrieben habe. Er erzählte, wie Rosenfeld in einer Amsterdamer Diamantschleiferei schwere Arbeiten verrichten mußte, wie er trotzdem seine Eindrücke dichterisch verwertete, wie er später nach New-Iork kam, wo er sich nur mühsam durchzuringen vermochte. Nun sei er krank und sei nach Karlsbad gekommen, um hier Heilung zu suchen. Nachdem Dr. Ziegler seine Ansprache beendet hatte, erhob sich Rosenfeld mühsam und trug einige seiner Gedichte im Jargon vor. Man muß Rosenfelds Vortrag nicht nur hören, sondern auch sehen. Jedes Wort, das er spricht, ist Leidenschaft und so wie er dichtet, versteht er es auch wiederzugeben. Unter den zum Vortrag gebrachten Gedichten wäre zu erwähnen „Mein Kind und die Arbeit". Um den Vortragenden nicht allzu stark zu ermüden, trug Herr Walter Teinowitz einige Gedichte Rosenfelds vor. Der Eindruck der Veranstaltung war ein gewaltiger. Wiesbaden. Anläßlich des demnächst erfolgenden Austritts aus seinem Amte als Stadt- und Bezirksrabbiner hat der Herr Regierungspräsident an Herrn Dr. M. S i l b e r st e i n folgenden Erlaß gerichtet: Wiesbaden, 22. Juli 1908. Der Regierungs-Präfident. Pr. I. 6. 6522. Euer Ehrwürden werden hiermit auf den Antrag vom 16. Juli d. M. von den Funktionen als Bezirksrabbiner des Rabbinatsbezirks Wiesbaden vom 1. Oktober 1908 ab entbunden. Bei Euer Ehrwürden Ausscheiden nehme ich gern Veranlaffung, für die langjährigen treuen Dienste und die stets musterhafte Amtsführung meine volle Anerkennung auszusprechen und wünsche, daß es Ihnen im wohlverdienten Ruhestand recht wohl ergehen möge. O. M e i st e r. Herr Rabbiner Dr. Silberstein blickt bei seinem Ausscheiden aus dem Amte auf eine 50 jährige segensreiche und gedeihliche Tätigkeit zurück, wovon nahezu die Hälfte auf seine hiesige Wirksamkeit kommt. München. Wiederholt war in der Presse von den zahlreichen Vexationen die Rede, denen deutsche Reisende jüdischer Konfession, ganz entgegen dem Geiste des deutsch-russischen Handelsvertrages, in Rußland ausgesetzt sind. Die Bezeichnung des Paßinhabers als Jude ist von Vorneherein eine Aufforderung an die russischen Behörden, mit Schikanen aller Art gegen den Reisenden vorzugehen. Eine durchgreifende Abstellung der hierdurch bedingten Mißstände herbeizuführen, ist bisher bekanntlich nicht gelungen; man muß daher mit kleinen moralischen Fortschritten zufrieden sein. Als solcher ist ein Bescheid anzusehen, den das Königlich Bayrische Staatsministerium des Königlichen Hauses und des Aeußern einem bekannten jüdischen Großhändler in München unterm 1. August hat zugehen lassen. Der Beschwerdeführer hatte in seiner Eingabe darauf hingewiesen, daß unsere deutschen Paßformulare keine Rubrik für die Religionsangehörigkeit aufweisen. Es wäre daher konsequent, wenn die deutschen Verwaltungsbehörden es ablehnten, für die russische Regierung Recherchen bezüglich der Konfession des Reisenden zu pflegen, zumal dieser Vermerk der israelitischen Konfession während der Reisen des Paßinhabers in Rußland vielfach den Ausgangspunkt und den Vorwand für Schikanen und Drangsalierungen aller Art seitens untergeordneter russischer Polizeiorgane bilde. — Das Ministerium hat hierauf wie folgt geantwortet: „Das Königliche Staatsministerium des Königlichen Hauses und des Aeußern hat veranlaßt, daß die Religionsanghörigkeit des Paßinhabers in den zur Reise nach Rußland bestimmten Pässen von den bayrischen Paßbehörden nicht angegeben wird. Hiervon wird Euer Hochwohlgeboren in Erwiderung auf die Eingabe vom 23. v. M. in Kenntnis gesetzt." Es ist jedenfalls erfreulich, daß es Bayern fortan ablehut, der russischen Regierung sozusagen Schergendienste zu tun, und die jüdische Oeffentlichkeit wird daher dem bayrischen Ministerium für die Verfügung warmen Dank wissen. Posen. Die Zahl unserer öffentlichen Bildwerke ist um ein hervorragendes Stück vermehrt worden, das an künstlerischem Wert vielleicht alles bisher Vorhandene übertrifft. Im Blmnenparterre der Nordseite der Wilhelmsallee, zwischen der Post und dem Provinzialständehause, ist ein Bronzeabguß von dem von Professor Max Klinger-Leipzig in Marmor ausgeführten Original aufgestellt worden. Dank der Hochherzigkeit der Hinterbliebenen des hier verstorbenen Grvßkaufmannes S. D. I a f f e ist das Kunstwerk der Provinzialhauptstadt als Eigentum übermittelt worden. Das Kunstwerk sollte aus den Zinsen der S. D. Jafföschen Stiftung erworben werden, die von Herrn Sally Jaffe in Posen und den Herren Dr. Martin und Georg Jaffe in Berlin, sowie deren Geschwister im Jahre 1904 errichtet worden ist. Da haben die Stifter in überaus dankenswerter Weise den Betrag, der fehlte, zugelegt, um den sofortigen Ankauf ohne Zuhilfenahme städtischer Mittel zu ermöglichen, so daß Posen nun um ein öffentliches Kunstwerk reicher ist, dem wir ein gleich bedeutendes wohl kaum an die Seite stellen können. Gleichstellung der jüdischen mit den christlichen Feiertagen. In den Ausführungsbestimmungen zu dem neuen deutschen Börsengesetz wird zum ersten Male die Anerkennung der hohen jüdischen Festtage und ihre Gleichstellung mit den christlichen Feiertagen ausgesprochen. Unter Artikel IX der Bekanntmachung des Reichskanzlers vom 29. Mai 1908, betreffend die Geschäftsbedingungen der Produktenbörse zu Berlin für den Zeithandel in Getreide und Mehl heißt es: „Als Feiertage gelten die staatlich anerkannten allgemeinen Feiertage, die beiden jüdischen Neujahrstage und der Versöhnungstag."