Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1908)
- Issue
- 33 (14.8.1908)
- Date
- 1908-08-14
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 33 Dr. Llocb's Mocbenscbrkkk. Gelte 585 Geschicke seiner Gefesselten. Und diese Gefesselten, sie sprengen die Bande des Galuth, sie harren "dem Tage entgegen, da Zion im wunderbaren Glanze auslebt. Hoffnung ist das Brod des Gefangenen. . . . Alle diese Männer, die an dem hellen Augustmorgeu hier im Gebirge des Nordens versammelt sind, sie schwärmen, hoffen und jubeln in den alten Worten unserer Dichter und Sänger. . . . Und dann gehen sie auseinander und grüßen Zion, in dem wieder Wonne und Freude ertönen wird, wie es Jesaias verheißen, der Heilsverkündiger. Das ist der Schlußakkord des Morgengebetes am Äsedaübs-^b. . . Und draußen raunen die Tannen, duften die Wiesen, murmeln die Quellen. Schöngeputzte Menschen beleben die Promenaden und strömen dem Walde zu. Hoch hinauf in die Lüfte erheben sich die geflügelten Sänger und stimmen ihre jubelnden Weisen an. Ueber diesem gesegneten Orte aber erglänzt die Sonne. Ihr mildes Licht bringt Genesung den Kranken, Gesundung den Leidenden. . . Und die soeben ihre uralten Klage- und Trosteslieder zum Himmel emporgesandt, sie grüßen die Sonne, die alte Sonne des Jesaias, die auch ihnen leuchtet. Gräfenberg, am Tischah-be-Ab 5668. Dr. Max G r ü n f e l d. Korrespondenzen. „Lügeninan! Zu unserer Notiz unter vorstehendem Schlagwort in Nr. 19 d. Bl. erhielten wir einige Zuschriften, welche Zeugnis bieten, daß in weiten jüdischen Kreisen die Angelegenheit unangenehmes Aufsehen erregt. Der „Jude" Simon Pollak ist aber auch eine klassische Golusblüte, illustriert die traurige Lage des jüdischen Volksstammes in der gegenwärtigen Zeitepoche. An der ganzen Affaire des Prof. Feilbogen war schließlich nur die Taktlosigkeit und Zudringlichkeit seiner Schwägerin, eines nervösen hysterischen Frauenzimmers, schuld. Dennoch schrieb der „Jude" Simon P oll ack. daß, wenn er vernommen hätte, daß „die halbe jüdische Bevölkerung in Wien ob dieser Scheußlichkeit niedergemetzelt worden ist" — er ausgerufen hätte: „Gelobt sei der gerechte Richter!" Der „Jude" Simon Pollak schreibt in seiner „Korrespondenz": „Ich glaube an eine heilige katholische und apostolische Kirche. Sie ist die einzige wahrhaft legitime Kirche und ich fordere meine glaubenstreuen Brüder in Israel auf, mit in diesen Ruf einzustimmen." — Gleichzeitig erscheint er in jüdischen Gotteshäusern beim öffentlichen Gottesdienst, wo sein Erscheinen naturgemäß allgemeines Aergernis erregen muß. Der „Oesterr. Wochenschrift" sendet er neuerdings eine Berichtigung aus Prag des Inhaltes: Herrn Dr. I. S. Bloch, verantwortlicher Redakteur von Dr. Blochs „Oesterreichische Wochenschrift!" Berichtigung. Mit Bezug auf die in Ihrer Zeitschrift, Doktor Blochs „Oesterreichische Wochenschrift" Nr. 19, vom 8. Mai l. I., Seite 350, 2. Spalte, unter dem Titel „Lügenmaul" gebrachte Nachricht, betreffend die Geldsammlung unter Wiener und Prager Juden für den Professor Dr. Feilbogen, fordere ich Sie auf Grund des § 19 des Preßgesetzes auf, nachstehende Berichtigung in der genannten Zeitschrift zu veröffentlichen: 1. „Es ist vollkommen unwahr und unrichtig, daß ich, der „Jude" Simon Pollak, ein „Täufling" bin; wahr ist vielmehr, daß ich meinen streng jüdischen Glauben niemals verlassen habe, geschweige getauft worden bin. 2. Es ist unwahr und unrichtig, daß ich seit Jahren den Antisemiten Handlangerdienste leiste; wahr ist. daß ich niemandem, geschweige denn Antisemiten Handlangerdienste leiste." Prag, 30. Juli!908. Journalist Simon Pollak Herausgeber der „Prager Lokalkorrespondenz. Nun haben wir bereits uns bei Gericht zum Wahrheitsbeweis erboten, daß dieser „Jude" tatsächlich seit Jahren Handlanger, d. h. Zuträgerdienste den ärgsten Judenfeinden leistet, und wenn er persönlich vielleicht Gründe haben mag. sich als „Juden" auszugeben, in jüdischen Kreisen zu verkehren, er in Wahrheit ein Jude längst nicht mehr ist. Ueber einen Krach in der amerikanischen Iudenmiss i o n haben wir bereits nachstehende Episode gemeldet: Eine der wichtigsten Stützen der sogenannten „Salvation Army" von Boston, deren Hauptzweck die Bekehrung der JudenzumChristentumeist. war ..Reverend" Freuder, angeblich gewesener Rabbiner, der seit fünfzehn Jahren Judenwisfion in Amerika treibt. Freuder gilt als hinreißender Redner und in allen großen Agitationsversammlungen der Missionsgesellschaft wurde er als Hauptredner aufgestellt. So war es auch, wie die „NevHork Times" melden, vergangene Woche in Boston. In einem der größten Lokale sollte Reverend Freuder einen Vortrag über „Jesus und der Talmud" halten und das „mosaische Christentum" erläutern; die Häuptlinge der „Salvation Army" freuten sich schon auf den gewohnten großen Erfolg der Agitationsrede. Wie ein Blitz aus heiterm Himmel wirkte es auf alle Anwesenden, als Freuder nach einer ziemlich objektiven Differtation über den Talmud, mit einem Male innehielt und folgende Sätze in die verdutzte Versammlung rief: „Ich gelobe es, nie mehr einen Juden von seinem Glauben abzubringen und zu verführen! Ich erkläre hiemit, daß die ganze Judenmiffion nichts anderes als Humbug und Komödie ist und — ich will diese Komödie nimmer mehr mitmachen!" Sprach's und verließ den Saal. Die Versammelten waren durch diese unerwartete Wendung so überrascht, daß fie in ihrer Verlegenheit lärmend auseinander gingen. Wie wir aber nun erfahren, hat Herr Freuder bereits einen Nachfolger erhalten. „Konfessionelle Harmonie." Aus Budapest wird berichtet: Nr. 22, 25 und 26 der in Budapest erscheinenden „Gryögyszeröszi Közlöny“ (..Apotheker - Zeitung") berichtet folgenden pikanten, die gegenwärtige in Ungarn herrschende Strömung genau zeichnenden Fall unter der Ueberschrift: „Peinliche Szenen bei der Landes-Generalversammlung des Vereines." Die ungarländischen Apotheker hielten am 25. und 26. Juni ihre Generalversammlung in Budapest ab. Es waren zirka 150 Mitglieder aus ganz Ungarn anwesend. Als es zur Wahl der Leitung kam, die aus 12 Personen, darunter stets 4 Juden besteht, begann man von allen Seiten still fich zuzuraunen: Die Juden dürfen nicht mehr gewählt werden. Da nun bekanntlich die ungarischen Apotheker jüdischer Konsesfion keinen Kaftan und keinen Streimel und auch die Schaufäden nicht öffentlich zur Schau tragen, passierte einigen Rassenmagyaren das Malheur, auch Juden die obige Parole mitzuteilen. Die Juden haben fich nun rasch gesammelt und einander von der „Verschwörung" verständigt. Mehrere wollten keinen Skandal (!) und wollten vor der neuartigen Hetze fich ducken. Aber Herr B6la Zoltän protestierte dagegen, verlangte sofort vom Präsidenten das Wort und erklärte mit gewaltiger Stimme im Namen aller Juden: Nachdem hier konfessionelle Hetzarbeit fich breit macht, fie keinerlei Ehrenstellen mehr annehmen. Die ärgsten Hetzer protestierten nun am lautesten gegen den Vorwur* und leugneten alles, aber Herr Zoltün benannte einige dieser schwarzen Herren und verließ in Begleitung aller Juden die Versammlung. Die protestantischen Mitglieder derselben waren furchtbar erregt und bemerkten in ihren Reden: heute gehts nur gegen die Juden, morgen schon vielleicht auch gegen uns. Die entlarvten Hetzer konnten nun nicht mehr anders und gaben ihre Stimmen auch auf die Juden ab, die nunmehr die ganz gleiche Stimmenzahl bekamen wie die Nichtjuden. Aber diese jüdischen Apotheker scheinen Rückgrat zu besitzen, fie nahmen die Wahl nicht an, auch nachdem die Leitun i