Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1908)
- Issue
- 33 (14.8.1908)
- Date
- 1908-08-14
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 682 Vr. Bloches WmtzrrtMrM» Nr. 33 seiner Nation den Beinamen der königlichen und einen reichlichen Anteil au der Herrschaft über das Weltall abzusprechen. Ein Mann von jüdischer Abkunft, der sich gegen die Lehre von den Juden als dem eigentümlichen Volke Gottes oder für das Recht der Finnländer auf politische Unabhängigkeit und bürgerliche Freiheit ausspricht, kann zum mindesten in keinem der beiden Fälle in den Verdacht kommen, seinen eigenen Vorteil zu suchen. Die Annahme lag nahe, daß das moderne Finnland die im Lande lebenden Juden aus konfessionellen Gründen außerhalb des Gesetzes stellte. Die Finnen sind ja im großen und ganzen ein rechtgläubiges Volk, bei dem die Geistlichkeit sich großen Einfluß bewahrt hat. Indessen sagte man mir von den verschiedensten Seiten, konfessionelle Gründe hätten in diesem Falle nichts zu bedeuten. Die Ursache läge in anderem. Man fürchtete die Konkurrenz der Juden infolge ihrer Anlage zum Handel, falls man ihnen das Recht gäbe, unter' gleichen Bedingungen den Wettbewerb mit den heimischen Landsleuten aufzunehmen. Dies läuft darauf hinaus, daß man sie für ihre vermutete Tüchtigkeit straft. Oder man gibt als Grund an, daß man, wofern den Juden freier Einlaß in Finnland gewährt würde, eine Masseneinwanderung aus Rußland zu befürchten hätte. Diese Furcht dürfte grundlos sein. Die Eingewaudertcn würden sich aus der Armut rasch emporarbeiten und dann in der zweiten oder dritten Generation ein Kontingent von außerordentlich nützlichen Elementen zuführen. Doch dies ist nicht die Frage des Augenblickes. Die im Augenblick vorliegende Frage ist die, weshalb das finnische Volk, das selbst unter harter Behandlung gelitten hat, selbst beständig gegen Unterdrückung protestiert und im ganzen ein freihcitliebendes Volk ist, keine menschlichen Verhältnisse der kleinen Schar von Menschen zugesteht, über deren Wohl und Wehe es für sein Teil der absolute Herr ist. Es klang recht wehmütig, als ein jüdischer Student, in Finnland geboren und großgezogen, mir' sagte, daß nur unter Bobrikow, der keinen Unterschied machte, das Los der jüdischen Bevölkerung erträglich gewesen. Selbst Bobrikow war humaner als Finnlands Senat. Das finnische Volk sollte gegen andere handeln, wie es von anderen behandelt zu werden wünscht! („Frankfurter Zeitung.") Vom Jahrmarkt des Lebens. „Ueber die Zahl 13", In Ihrem geschätzten Blatte vom 31. Juli d. I. 6e* findet sich zum Artikel „Ueber die Zahl 13" eine Erklärung dieser Zahl, die der verehrte Einsender unter Anderem mit der Hinrichtung Hamans in Zusammenhang bringt. Gestatten Sie mir, verehrter Herr Redakteur, zu dieser Erklärung die Bemerkung zu machen, daß dem verehrten Herrn Einsender derselben ein Lapsus unterlaufen-ist, der, der Wahrheit zur Ehre, richtiggestellt werden soll. Nach Talmud Megila Fol. 15 a und Raschi zu Ester, Kap. 4, Vers 17, hat die Hinrichtung Hamans nicht am 13. A d a r sondern am 16. N i s s a n (am 2. Tag Pessach) stattgefunden. Ein genauer Blick in die Geschichte Ester und man findet sofott die Daten, die für die Ansicht des Talmud und Raschi stimmen: Am 1. Nissan wurde der Vernichtungstag ausgelost; am 13. desselben wurden die Briefe ausgeschickt, daß die Juden am künftigen 13. Adar zu vertilgen seien, und am 3. Tage nach Absendung dieses unglücklichen Verdiktes erschien die Königin Ester vor dem König, um den bösen Anschlag Hamans zu vereiteln. Ihr Unternehmen gelang, worauf der König die Justifikation Hamans angeordnet hat und sofort vollziehen ließ. Auf Grund dieser Tatsache wurde die Hinrichtung Hamans in der Hagada ausgenommen und wird derselben am 2. Sederabend in der Hymne "nvs mt amttKr mit den Worten wr »NL>22 nrcriö jntn rraü gedacht. Indem ich um gütige Aufnahme dieser Zeilen in Ihrem gesch. Blatte höflichst ersuche, zeichne ich mit dem Ausdrucke vorzüglicher, Hochachtung Benj. Weiß. Rabbiner, Wiener-Neustadt. Die „Fischjuden" von Astrachan. Seit vielen Jahren kommen jährlich zahlreiche Juden nach Astrachan. Nicht nur gutsituierte Kaufleute, sondern auch zahlreiche Menschen aus der ärmeren Klasse. Und jeder von ihnen pflegt hier mehr oder weniger sein Auskommen zu finden. Die meisten Juden sind beim Fischhandel beschäftigt. Ein Teil findet Arbeit beim Salzen der Fische, der andere beim Ausfertigen der Ware für den Verkauf und den Transport. Außerdem wurden die Juden als Sortierer, Aufseher u. dgl. m. verwendet. Die Arbeit dauert nicht das ganze Jahr hindurch, sondern ist in verschiedene Saisons geteilt. Die erste Saison beginnt am 1. März und dauert bis 15. Mai, der zweite Arbeitsabschnitt währt vom 15. Juli bis 1. November. Nach Abschluß einer jeden Saison pflegt jeder Jude nachhause zu fahren in die Stadt, aus der er gekommen, um von der schweren, gesundheitsschädlichen Arbeit ein wenig auszuruhen. So ging es fort seit vielen Jahrzehnten, das Fischgeschäft ward jährlich größer und ausgedehnter und jährlich kamen mehr Juden aus dem Ansiedlungsrayon als „Fischjuden" nach Astrachan. Die meisten kamen aus dem Kiewer und Mohilewer Gouvernement. Und alles hat Arbeit gefunden. Der Verdienst per Saison und Kopf belief sich auf 200 bis 800 Rubel. Der fähigere, geübtere Arbeiter mehr, der unfähige und der Neuling weniger. Die Höhe des Einkommens war übrigens auch davon abhängig, bei welchem Händler und bei welcher Sorte Fische man Arbeit gefunden hat. Die Händler waren mit den jüdischen Arbeitern außerordentlich zufrieden. Die „jüdische Art", die Fische zu salzen und zu sortieren, war in den betreffenden Geschäftskreisen so berühmt geworden, daß ein Unternehmer, der nicht jüdische Arbeiter beschäftigte, in der Regel weniger Absatz hatte, als die anderen. Auch wurde die Ware um 15 bis 20 Rubel per Pud billiger bezahlt als bei den Unternehmern mit jüdischen Arbeitern. Diese Ordnung der Dinge gefiel jedoch den Astrachaner Nationalisten nicht und sie begannen eine Aktion, um den Fischhandel und das damit verbundene Handwerk den Juden zu entreißen. An der Spitze dieser Bewegung stehen der Obmann des Astrachaner russischen Vereines und der Gemeindevorsteher Zubikow, welch letzterer selbst Fischhändler ist. Auch die Ursache seiner plötzlich erwachten Judenfeindschaft ist rein geschäftlicher Natur. Im Vereine mit seinem Freunde, dem Anführer der „Schwarzen Hundert" von Astrachan, ging bald eine Denunziation an die höhere Behörde, die Juden, die in Astrachan kein Wohnrecht besäßen, hätten den ganzen Fischhandel an sich gerissen, und daß die „Bevölkerung hierüber sehr aufgebracht sei (!)" Und die Wirkung blieb nicht aus. Eines Morgens langte eine Verordnung des Gouverneurs herab, in welcher den Fischhändlern verboten wird, Juden als Arbeiter anzustellen, und den Juden untersagt wird, sich am Fischhandel zu beteiligen. Diese neue Generalmaßregel hat tausende fähige jüdische Arbeiterfamilien mit einem Schlage brotlos gemacht. Es ist schrecklich anzusehen, wie die vielen Arbeitskräfte täglich an die Arbeitsbörse kommen und ohne Arbeit wieder umkehren. Viele von ihnen befinden sich in der schrecklichsten Lage. Das 300jährige Jubiläum von Quebeck und die Juden. Vor kurzem wurde bekanntlich das 300 jährige Jubiläum der Stadt Quebeck (Kanada) gefeiert. An den Feierlichkeiten haben fich auch die 30.000 Juden, die gegenwärtig in Kanada leben, beteiligt.