Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1908)
- Issue
- 33 (14.8.1908)
- Date
- 1908-08-14
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 33 Nr. Llocv's MlocvenscdrM. Sette 581 eine Aufenthaltskarte oder einen Gewerbeschein anzusuchen, so wird dem Soldaten A. K. mit Frau und Kindern hiermit die Erlaubnis erteilt, sich während der Dauer von sechs Monaten, vom heutigen Tage an gerechnet, in Helsingfors aufzuhalten, doch was die Kinder anbelangt, nur so lange sie im elterlichen Hause verbleiben. Also nicht, wenn sie heiraten oder zum Militärdienst einberufen werden; denn da sind sie verpflichtet, das Land zu verlassen, ohne Rechte, sich später hier wieder anzusiedeln. Es wird somit dem Soldaten A. K., nachdem er sich beim Magistrat gemeldet hat, gestattet, Kunstarbeiten oder andere von ihm selbst verfertigte Sachen, Brot und anderes Backwerk, Beeren, Früchte, Zigarren, Zigaretten, Zahnstocher, alte Kleider und Schuhe zu verkaufen mit einfachem Hausrat und Leinwand, Mützen und Hüten wie anderem Kram von geringem Wert zu handeln, alles dies gegen Bezahlung der Steuer, die nach der Schätzung ihm auferlegt wird, sowie gegen die Verpflichtung, nach Ablauf der zugestandenen sechsmonatlichen Frist seine Aufenthaltskarte oder seinen Gewerbeschein in der Polizeikammer abzngeben. Dort kann ihm dann ein neuer Schein ansgefolgt werden, falls die Polizeiobrigkeit es für gut befindet, selbiges zu befürworten. Dagegen wird dem A. K. samt Familie stre, g verboten, Märkte außerhalb von Helsingfors zu beziehen oder im Lande umherzureisen, um daselbst Handel zu treiben, bezw. ein Handwerk auszuüben, desgleichen ihm auch strengstens untersagt wird, nach einem anderen Orte innerhalb der Landesgrenzen, z. B. nach Wiborg, zu ziehen. Sollte dieses Verbot übertreten oder A. K. und Familie bei Bettelei oder sonstigem unanständigen Verhalten betroffen werden, überhaupt begründete Klage gegen sein Betragen einlaufen, so werden er und die Seinen auf polizeiliche Veranlassung hin in ihre zuständige Gemeinde abgeschoben werden. In Helsingfors wurde infolge des Ausweisungsbefehles, der an mehrere jüdische Familien, auch an solche, die seit Jahren im Lande ansässig waren, vom Senate ergangen war, für den 28. Mai d. I. in das Nylaendsche Nationshaus ein Meeting einberufen. Daraufhin brachte die Helsingforser Zeitschrift Eyr8n (Der Leuchtturm), das Organ der ultraschwedischen Partei, am 23. Mai einen kurzen Artikel unter der Ueberschrift „Einige denkwürdige Worte für unsere Judenbeweiner", der aus dem Werke des dänischen Bischofs Martensen „Die christliche Ethik" eine Auslese bekannter Aussprüche von ihm über die Torheit enthielt, den Juden Bürgerrechte zu verleihen. Es berührt sonderbar, die Worte des Mannes, der vor einem Menschenalter in Dänemark die äußerste Reaktion bezeichnete, nun von jungen schwedischsprechenden Männern des um seine Unabhängigkeit ringenden Finnlands angeführt zu sehen. Den Herren scheint eine Antwort gänzlich unbekannt zu sein, die ein anderer dänischer Bischof, nämlich D. G. Monrad, in seiner Schrift „Gegenrede des Liberalismus auf Bischof Martensens soziale Ethik" auf diesen Angriff gab. Martensen hatte gegen die modernen Juden u. a. geltend gemacht, daß man unter großen historischen Krisen, die für das Schicksal der Nationen entscheidend seien, sie ungestört ihren Geschäften nachgehen und Berechnungen über das Steigen und Fallen der Staatspapiere anstellen sehe. Monrad fragt, ob die christlichen Beamten unter solchen Verhältnissen unterließen, ihre Gehalte zu beziehen, ob die Bauern aufhörten zu pflügen und zu säen, ob diejenigen, die Gelder in der Sparkasse hätten, auf sie wegen deren Ausbezahlung loszustürmen vergäßen, und erinnert an die große Krise vom Jahre 1848. Er erklärt es als im Interesse des Staates gelegen, daß die Bürger während großer Umwälzungen ihre Tätigkeit möglichst ungestört fortsetzten. Bischof Marlensen hatte den Juden vorgeworfen, daß sie „ein Gefühl ihrer Inferiorität" hegten, wenn diese auch von niemand anderem als von ihnen selbst anerkannt werde. Monrad antwortet: „Martensen macht darauf aufmerksam, daß die Juden ihre Nationalität als eine königliche betrachten, zu der alle andern Nationalitäten in einer Art Vasallenverhältnis zu stehen hätten. Ich pflichte dieser jüdischer Anschauung bei, obgleich ich sie zum Teil auf andere Gründe stütze als die Juden." Und mit jener Mischung gesunden Menschenverstandes und bischöflicher Rechtgläubigkeit, die für Monrad bezeichnend ist, führt er fort: Das jüdische Volk ist nicht allein merkwürdig, es ist ganz und gar einzig dastehend. Die Juden sind in unserer Mitte und legen, nicht durch ihr Bekenntnis, wohl aber durch ihr Dasein Zeugnis von der Wahrheit der Offenbarung ab. Man hat mir gesagt, daß Judenblut stärker sei als jedes andere Blut, daß in Mischehen der jüdische Volkstypus weit kräftiger durchschlage als jeder andere Volkstypus. Wenn man die geringe Zahl der Juden bedenkt und dann erwägt, wie viele sich zu Einfluß und Bedeutung in der Gesellschaft emporringen, so kann man nicht umhin, die Ueberlegenheit der jüdischen Nationalität anzuerkennen. Denkt nur, wenn Dänemark zu Grunde ginge, wenn die Dänen als Sklaven verkauft und in der ganzen Welt verstreut würden, wie lange würde es wohl währen, bis jede Spur der dänischen Nationalität verschwunden wäre? Aber über achtzehnhundert Jahre ist es jetzt, seit Jerusalem eingenommen, der jüdische Staat vernichtet und die Juden in der ganzen Welt verstreut wurden, und noch heutigen Tags besteht die jüdische Nationalität. Ist das nicht merkwürdig? Wenn wir das sehen, sehen wir nicht mit eigenen Augen ein Wunder? Monrad ist so davon betroffen, daß ihm eine natürliche Erklärung nicht genügt. Er fährt als der rechtgläubige Christ, der er ist, folgendermaßen fort: Woher kommt das? Weil die Juden das auserwählte Volk Gottes waren. Als der eiugeborne Sohn Gottes sich mit Menschennatur umkleidete, umkleidete er sich auch mit einer Nationalität. Mit welcher? Der jüdischen. Deshalb stellt sich die jüdische Nationalität so hoch, deshalb sage ich, daß sie mit Recht sich die königliche nennt. Christus sitzt zur Rechten des allmächtigen Vaters und lenkt die Welt, nicht allein als Gottes -, sondern auch als Menschensohn, nicht allein mit der göttlichen sondern auch mit der menschlichen Natur. Wenn dem nun so ist, daß di: menschliche Natur, so rein sie sei, ein nationales Gepräge erhält, so nimmt die jüdische Nationalität tatsächlich an der Weltenlenkung teil, und alle anderen Nationalitäten stehen mithin in einem Vasallenverhältnis zu ihr. Denken wir minder Rechtgläubigen uns einen Augenblick, daß Jesus von einer finnländischen Mutter oder einer norwegischen, einer jütländjschen geboren worden wäre, kann sich jemand vorstellen, wie hoch den Finnen, Norwegern oder Jüten der Kamm geschwollen wäre? Keinem von ihnen hätte man nutzen können. Der Erlöser der Welt ein Jütländer! Sind die Anhänger der jütländischen Bewegung auch so schon unverfroren, wie wollten sie da die Nase in die Wolken stecken! Und man sage nicht, daß die jüdische Nation ihren Teil an der Lenkung des Sirius, Orion und der Milchstraße dadurch verscherzt habe, daß sie ihren berühmtesten Sohn kreuzigte. Zweifelt irgendwer daran, daß die anderen Nationen nicht ebenso gehandelt hätten? Reichten nicht die Griechen Sokrates Gift? Ermordeten die Römer nicht Cajus Julius Cäsar? Verbrannten die Franzosen nicht lebendig Jeanne d'Arc? Oder man denke an Italien und Böhmen. Welches Ende wurde Giordano Bruno und Jan Huß bereitet? Kein anderes als der Tod auf dem Scheiterhaufen! Doch Monrad hat auch auf diesen Einwano eine Antwort. Er schreibt: Man könnte vielleicht einräumen, daß die Juden das auserwählte Volk Gottes gewesen seien, dann aber fragen, ob sie nicht durch die Kreuzigung des Erlösers die Herrlichkeit verscherzt hätten, und die Kinder der Verdammnis und des Zornes Gottes geworden wären. Laffen wir den Apostel Paulus diese Frage beantworten. Er schreibt in dem Briefe an die Römer: „Denn ich will Euch Brüder über dieses Geheimnis nicht in Unwissenheit lassen (damit Ihr nicht Euch selbst erhebet), baß die Blindheit einem Teile von Israel zuteil geworden, bis die Fülle der Heiden eingegangen ist. Und so wird ganz Israel gerettet werden. Sie find zwar in Hinsicht des Evangeliums Feinde um Euretwillen; aber in Hinsicht der Auserwählung sind sie Lieblinge um der Väter willen; denn Gottes Gaben und Berufung gereuen Gott nicht." Die Herausgeber der Zeitschrift „Der Leuchtturm" mögen daraus lernen, daß es zur Zeit des Bischofs Marlensen einen andern und größer» Bischof in Dänemark gab, dessen Denkweise von der seines Amtsbruders stark abwich und in besserer Uebereinstimmung mit den wirklichen Verhältnissen wie mit wahrem Christentume stand. Indessen will es mir scheinen, daß die Männer von jüdischer Geburt, die, wenn sie die biblische Mythologie unwidersprochen gelassen hätten, ihrem Stamm einen Anteil an der Weltherrschaft gesichert haben würden, sich einiges Verdienst einlegten, indem sie das ihrige dazu beitrugen, den Glauben an die Juden als auserwähltes Volk Gottes zu untergraben. Es ist und bleibt ungewiß, ob ein Finne, Norweger oder Jütländer — wäre der Allmächtige in Finnland, Norwegen oder Jütland zur Welt a-k"mmen — aufgetreten wäre, um