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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-08-14 · 33 (14.8.1908) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
33 (14.8.1908)
Date
1908-08-14
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Ar. 3S Sette 579 L>r. Llocb's MocvenscvrtN. ist das Judentum, darum wird er von den Juden dort, wo es sich um das Judentum handelt, ausgeschlossen. Er kennt das Judentum und seine Geschichte, den Einfluß des Judentums auf das Leben, darum wird sein Rat als ein unerbetener zurückgewiesen und es hat den Anschein, als wollte man ein Judentum ohne Judentum schaffen, so eine Art Klingenberg'sches Messer ohne Klinge, dem der Griff fehlt. Vor Kurzem wurde sogar der köstliche Ausspruch in die Debatte geworfen: „Ein Rabbiner, der eine Gemeinde leitet, wäre wie ein Arzt, der eine Zuckerfabrik leitet." Die Richtigkeit des Ausspruches wollen wir auf sich beruhen laffen, ich kann mir gut vorstellen, daß ein Rabbiner sogar einen Staat leitet und ich erwarb mir diese Vorstellung aus den Biographien einiger Rabbiner. In Frankreich, in Baden, in Württemberg find auch gebildete und aufgeklärte Juden, die haben sich noch nie über die Unfähigkeit der Rabbiner beklagt, ihre Konsistorien gut zu leiten. Von einer Leitung der Gemeinde durch Rabbiner ist aber in unserem Fall gar nicht die Rede. Die Gemeinde soll sich selbst leiten und soll die Führer haben, die das allgemeine Wahlrecht ihr bringt. Die Rabbiner wollen nur in religiösen Angelegenheiten Mitarbeiten und mitbestimmen, was religiöse Angelegenheit ist. Die Rabbiner, mögen sie der freisinnigen oder konservativen Richtung angehören, wollen nicht beherrscht werden, indem sie in religiösen Angelegenheiten von Laien geleitet und bestimmt werden. Darum handelt es sich und nicht um die Leitung der Gemeinde. Darum handelt es sich ferner, daß eine Vereinigung von Juden mit Ausschluß des Judentums und seiner Vertreter bestenfalls nur Vertreter der Juden vorstellt und noch lange nicht gleichwertig einem Schützen- oder Turnverein ist. Wir aber wollen als Vereinigung etwas sein und etwas bedeuten. Die Kultusgemeinde hat nicht deshalb eine Bedeutung, weil Herr N. N. ihr Vorsteher ist, sondern weil sie religiöse Institutionen hat, weil sie einen Rabbiner hat, weil sie eine religiöse Gemeinschaft ist. Wir wollen den neuen Verband nicht als einen politischen Verein, nicht als einen Unterstützungsverein ins Leben gerufen sehen, sondern als die Vertretung des gesamten österreichischen Judentums, als das Zentrum der ganzen religiösen, geistigen und materiellen Kraft des österreichischen Judentums und von diesem Zentrum soll eine segensreiche Wirkung nach allen Richtungen hin bis in die kleinste Gemeinde ausgehen. So stellen wir uns einen jüdischen allgemeinen Verband als Gesamtvertretung der österreichischen Juden vor, wenn er nicht wieder eine mißlungene Schöpfung werden soll, was unsäglich traurig wäre, und dem der zu gründende Verband, der österreichische israelitische Bundesrat, ausweichen muß. Seine erste vorberatende Versammlung hat uns nicht befriedigt, denn das Hauptproblem und die wichtigste Frage wurde nur sehr oberflächlich behandelt, die Frage nämlich, wen der Bundesrat zu vertreten haben wird. Nach den Zeitungsberichten soll er eine Vertretung aller Kultusvorstände bilden. Die Kultusvorstände haben aber nur Kultusgemeindeangelegenheiten zu verwalten und dies hängt nur indirekt mit dem Judentum zusammen. Selbst eine Vertretung aller Kultusgemeinden sagte noch viel zu wenig, da eine direkte Vertretung aller Juden in Oesterreich geschaffen werden soll, was gleichbedeutend ist mit einer Vertretung des Judentums in Oesterreich. Infolge des ersten Fehlgriffes geschah nun ein zweiter: In das vorbereitende Komitee wurde nach langer ermüdender Debatte und nach hartem Wortgefecht endlich douvris causa ein Rabbiner, der Wiener Oberrabbiner, gewählt. Eigentlich wollte man gar keinen Rabbiner wählen, denn „wir wollen nicht", sagte ein Vorsteher, „daß unsere Rabbiner überstimmt werden." Merkwürdig, höchst merkwürdig erscheint diese Feinfühligkeit dem Rabbiner gegenüber, besonders darum, weil man in den Borstandsfitzungen den Rabbiner, wenn es sich um religiöse Angelegenheiten handelt, ohne Furcht und Scheu in der Regel überstimmt. Der Ausspruch jenes Kultusvorstehers war also nur ein Witz und so drückte man sich mit einem Witze um ein ernstes Problem herum. Gerecht, vernünftig und selbstverständlich wäre es gewesen und von Selbstachtung hätte es gezeugt, wenn wenigstens ein Drittel der Komiteemitglieder Rabbiner gewesen wären. Dieser Fehler muß in der konstituierenden Versammlung gut gemacht werden und wir protestieren schon heute dagegen, daß anders vorgegangen werde. Wir verlangen: 1. Der Verband hat eine Vertretung der Juden und nicht der Kultusvorstände zu bilden. 2. Religiöse Fragen dürfen nicht prinzipiell vom Wirkungskreise des Verbandes ausgeschloffen werden, zumal schon die zu behandelnde Organisation des Religionsunterrichtes eine religiöse Frage ist. 3. Die Delegierten der Kultusgemeinden in den Verband werden nicht von den Kultusvorständen, sondern von allen Kultusgemeindemitgliedern gewählt, ohne Unterschied, ob sie Kultussteuer zahlen oder von der Zahlung befreit find, denn die Kultussteuer allein macht noch nicht den Juden. 4. Die Rabbiner in Oesterreich wählen Delegierte in den Verband, die eine Rabbinerkurie im Verbände bilden. 5. Ein Drittel der Ausschußmitglieder des Verbandes wählt die Rabbinerkurie. Das find unsere Forderungen und wir find berechtigt, das zu fordern, was. wir zum Heile des Judentums für notwendig halten. Wir fordern es, weil es unsere heiligste Pflicht ist, dafür einzutreten, daß das Judentum nicht degradiert werde und einem Auflösungsprozeß anheimfalle. Wir fordern es, weil wir für den Rabbiner die gebührende Stellung verlangen müffen, damit er nicht statt Lehrer des Judentums ein talartragendes höchst überflüssiges Ornament der Kultusgemeinde und statt Diener der Religion Diener des Vorstandes werde. Hüten wir uns vor Doktrinarismus! Prof. Dr. Simon Stern. Me Jude« in Finnland. Von Georg Brandes (Kopenhagen). Autorisierte Uebersetzung von Erich Holm (Wien). Eine Nummer der mir bisher unbekannt gewesenen Zeitung „Israelitisches Familienblatt" ist mir jüngst aus Hamburg zugeschickt worden. Sie trug den anfgeklebten Vermerk: „Dieses Blatt enthält einen Sie betreffenden Artikel!" Der Artikel erwies sich als ein Angriff des Wortführers einer Deputation, die bei meinem Aufenthalte in Helsingfors bei mir vorgesprochen hatte. Der Angriff ist eben so ungeziemend als unverständig. Man beschwert sich, daß ich die Deputation nicht sofort empfangen wollte. (Ich hatte Besuch und wurde wenige Minuten später einer Verabredung zufolge anderswo erwartet.) Man beschwert sich über den eiskalten Empfang, den ich den Herren bereitet haben soll. (Ich hatte sie nämlich ohne weitere Einleitung gefragt: „Was wünschen Sie von mir?") Ich hätte sie „kaltblütig" statt warmblütig angehört usw. usw. Und all dies, obgleich ich ihr „Glaubensgenosse" sei! (Sie scheinen mich allen Ernstes für ihren Glaubensgenossen zu halten!) Zum Schluß wird die Hoffnung ausgesprochen, daß ich dafür umso energischer das tun werde, was sie von mir zu erbitten gekommen. Der also schreibende Herr, der als Wortführer einen ungemein ungünstigen Eindruck auf mich gemacht hat, hat sich nicht entblödet, ein ganz verdrehtes Bild von dem in meinem Hotelzimmer Gesagten zu geben. Wäre ich nicht so gutmütig gewesen, ihm zu willfahren und den Freund wegzuschicken, der bei mir war und nun eine Stunde vor der Türe auf mich warten mußte, ich hätte nun einen Zeugen zur Seite, der sein ebenso unrichtiges wie unvollständiges Referat richtigstellen könnte, darin nur eines genau wiedergegeben ist, meine offen geäußerte Abneigung, nach der mir in Finnland gewordenen herzlichen Aufnahme, etwas zu schreiben, was den Finnländern Mißvergnügen bereiten könnte. Weil ich es mir abdringen ließ, diesen Herrn zu empfangen,

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