Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1908)
- Issue
- 32 (7.8.1908)
- Date
- 1908-08-07
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Sette 670 N. 32 Ar. jbtmfi’s Wochenschrift Nachdem er in den Regimentern, welche den Sudan okkupierten, mit Erfolg gedient hatte, wurde er der Bretonnet-Misfion nach dem Kongo zugeteilt. Hier war es nun im Jahre. 1898, als er. an der Spitze von 44 Franzosen tausenden von Arabern gegenüberstand und nach mutigem Kampfe den Heldentod fand, den zu Ehren das soeben enthüllte Denkmal berufen ist. Der erste weibliche Rechtsanwalt in Algier # eine Jüdin. Vorige Woche leistete Mademoiselle Blanche Azoulay, die erste Rechtsanwältin in Algier, den Advokateneid in die Hände des Präsenten des Appellsenates von Algier. Die Eidesleistung vollzog sich unter besonderer Feierlichkeit. Der Präsident der Advokatenkammer begrüßte die „Portia des zwanzigsten Jahrhunderts" im Namen der Kollegenschast. DMN richtete der Präsident des Appellsenates eine längere, schmeichelhafte Rede an die „Verteidigerin des Rechtes", mit der er hoffentlich lange und oft im Gerichtssaal zusammenkommen werde. Hierauf wurde zu Ehren der „einzigen Kollegin" ein Bankett veranstaltet. Die neue Gemalin des Fürsten von Bulgarien und die Juden. Die neue Gemalin des Fürsten von Bulgarien, die sich wegen ihres regen Interesses an allen humanitären Bestrebungen rasch die Liebe der Bevölkerung gewonnen, hat bei ihrer Ankunft in Sofia die zwei Präsidentinnen der jüdischen Frauenvereine, die ihr ein Blumengewinde überreicht hatten, mit je einem wertvollen Andenken beehrt. Tags darauf besuchte die Fürstin die jüdische Schule und beschenkte die Schülerin, die das Begrüßungsgedicht deklamierte, mit einem wertvollen Goldschmuck. Vorige Woche gewährte die Fürstin dem Oberrabbiner von Sofia eine längere Audienz, bei welcher Gelegenheit sie sich eingehend über die materiellen und kulturellen Verhältnisse der Juden Bulgariens informieren ließ. Sie gedachte der seligen Baronin Hirsch, die sie „eine heilige Frau" nannte. Die Fürstin fragte auch den Oberrabbiner, welche Mittel ergriffen werden müßten, um das große Elend im Judenviertel von Sofia zu mildern. Als die Fürstin hörte, daß die armen jüdischen Schulkinder drei Mal wöchentlich freien Mittagstisch erhielten, bat sie den Oberrabbiner, alles aufzubieten, daß den armen hungernden Kindern das Mittagmahl täglich verabreicht werden könne. Man kam dann auf die spaniolischen Juden zu sprechen, die sich noch immer der spaniolischen Sprache bedienen. Die Fürstin machte hiebei die intereffante Bemerkung, daß es in der heutigen Zeit, wo ein allgemeines Bestreben, alles Alte zu zerstören, bemerkbar sei, fast rührend ist, zu sehen, wie die Juden mit Verehrung und Liebe au allem hängen, was ihnen von ihren Vorfahren überliefert wurde. dEi» jüdischer Bürgermeister in Rußland. In der russischen Gemeinde Rajbnischki (Wittebok-Gouv.) war lange Jahre hindurch ein Bauer zum Starosta (Gemeindevorsteher) gewählt, der kaum seinen Namen unterschreiben konnte und sonst des Lesens und Schreibens unkundig war. Die Gemeindeverwaltung litt natürlich unter einer solchen Leitung außerordentlich und die Unordnung, die in den Büchern und Geschäften der Gemeinde herrschte, hatte unausgesetzte Rügen zur Folge. Vor einem Jahr ungefähr petitionierten nun die Ortsbewohner an die Verwaltungsbehörde, einen Juden zum Starosta wählen zu dürfen. Nach längerem Hin und Her wurde schließlich die Erlaubnis erteilt und ein Jude namens Friedland zum Starosta gewählt. Herr Friedland waltet erst seit einigen Monaten seines Amtes und hat schon Ordnung in die Gemeindeverhältniffe gebracht, so daß die Administration sich sogar veranlaßt sah, ihm in einer Zuschrift ihre besondere Anerkennung auszudrücken. Ein Rabbinerseminar in Warschau. Bor einem Jahre starb in Warschau eine Frau Rachel Hufnagel, die der jüdischen Gemeinde 100.000 Rubel mit der Verfügung vermachte, daß ständig zehn fähige junge Leute, die sich dem Rabbinerberufe widmen wollen, in einer zu schaffenden Anstalt zum Rabbinerberuf herangebildet werden sollen. Mehr als zehn Hörer dürfen aus der von Frau Hufnagel errichteten Stiftung nicht unterstützt werden. Der Kurs ist auf eine Dauer von fünf Jahren berechnet, und wenn die zehn Hörer das Rabbinerdiplom erlangt haben, können wieder andere zehn Hörer ausgenommen werden. Laut Verfügung der Stisterin sind fünf anerkannte, jüdische Gelehrte zu wählen, welche abwechselnd einen Tag in der Woche die Vorlesungen zu halten und die Aussicht über die Hörer zu üben haben. Von den Zinsen des Kapitals — ungefähr 6000 Rubel jährlich — sollen die Hörer und die Lehrer eine monatliche Zulage von je 24 Rubel per Monat erhalten, während der Rest zur Deckung der übrigen Auslagen, wie Schullokal, Heizung, Diener rc. verwendet werde. Vorigen Sonntag, am Sterbetage der Stisterin, wurde die Anstalt unter großen Festlichkeiten eröffnet. Es waren der Präsident der Warschauer jüdischen Gemeinde mit dem Gesamtvorstand, zahlreiche angesehene Bürger und Vertreter vieler Korporationen erschienen. Die Festrede hielt Herr Rabbiner Perlmutter, nach ihm sprachen die zu Lehrern erwählten Gelehrten. Zu Lehrern wurden gewählt: Rabbi Josef Frage, Verfasser des „Gan Eden", Rabbi Jakob Naftali aus Wienschowe, Jakob Selig Goldschlag, ehemaliger Rabbiner in Ljubrany, ferner die Herren Kalman Mendelsohn und Rabbiner Josef Bußstein. Das Lokal befindet sich in der Twardagasse und besteht aus zwei großen, hellen Lehrsälen. Der Unterricht, der bereits begonnen hat, dauert täglich acht Stunden, und zwar von 10 bis 2 Uhr und von 4 bis 8 Uhr. Der Lehrplan sieht auch die Ausbildung der Hörer in weltlichen Gegenständen vor. Verlockte jüdische Auswanderer. Aus der jüdischen Kolonie „Philippson" in Brasilien wird dem „Jüd. Emigr." geschrieben: Im Verlaufe des letzten Monates sind ungefähr 100 jüdische Emigranten aus Rußland nach Brasilien gekommen. Wie diese erzählen, hat die brasilianische Regierung ihnen goldene Berge versprochen und sie kamen von den besten Hoffnungen beseelt nach Brasilien. Es wurde ihnen gute und lohnende Arbeit in Aussicht gestellt. Als sie sich zur Arbeit meldeten, wurden sie in das ungesündeste Klima des Landes geschickt, dort in schwere Arbeit gesteckt und wie Sklaven behandelt. Fünfzehn Mann wurden mit Hilfe des österreichischen Konsuls nach Rio Grande da Sol befördert, von wo sie zu Fuß in die Kolonie „Philippson" kamen, in der Meinung, hier Arbeit zu finden. Da man ihnen in der Kolonie selbst keine Arbeit geben konnte, mußten wir uns für sie einsetzen, daß sie bei den Eisenbahnen wenn auch noch so schlechte Arbeit bekommen sollen. lieber dieselbe Sache finden wir übrigens im „Brasilianischen Wochenblatt" die folgende Notiz: „Die diplomatischen Vertreter von Rußland und Oesterreich haben sich an die brasilianische Regierung mit dem Ersuchen gewendet, die russischen und österreichischen Emigranten, mit welchen sie Kontrakte für Taglohnarbeiten bei dem Baue der Eisenbahnlinie San Paolo—Rio Grande da Sol geschloffen hat, auf eigene Kosten zurückzuschicken. Die Regierung zahlte für die schwere Arbeit solch elende Schundlöhne, daß die Arbeiter den Streik proklamierten und die Arbeit einstellten. vermiscbtes. Kranzablösungsspenden zugunsten der Chewra-Kadischa in Wien 1., Seitenstettengaffe 4 für arme kranke Glaubensgenoffen. Anläßlich des Ablebens des sei. Prof. Dr. Eduard S p i e g l e r: Von Prof. Dr. Wilhelm Schlesinger K 20.—, Doktor Kerpen 20.—, S. Chiger 10.—. Dr. Latzko, Wien 10.—. A. Bruckner 10.—, Dr. Herzig 10.—, Robert Kolisch 20.—. Heinrich Wiedmann 50.—, Dr. Robert Bachrach 20.—, Siegfried Bachrach 20.—, Doktor Hugo Fatal und Frau 40.—, Dr. Josef Friedmann 10.—, Julius Löwenstein 20.—, Robert Weltmann 20.—, Familien Löw-Coloredon 60.—, Glesinger Weitlowitz 20.—, Richard Teweles 20.— , Oskar