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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-08-07 · 32 (7.8.1908) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
32 (7.8.1908)
Date
1908-08-07
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 32 L)r. Mocv's MlocvekscvrM. Öetlc 569 der Teilnehmer wäre noch größer gewesen, wenn nicht eine Anzahl von Kollegen im letzten Augenblick abgeschrieben hätte da ihnen die nachgesuchte Verlegung ihrer Ferien von der Vorgesetzten Behörde nicht bewilligt worden war. — Vorlesungen wurden gehalten: Ueber Mechiltha, aus der Geschichte der Liturgie, über Geschichte der deutschen Juden vom 15. bis 16. Jahrhundert mit besonderer Berücksichtigung der Juden Schlesiens, ferner über Methodik und Didaktik des nachbiblischen Geschichtsunterrichtes mit anschließenden Probelektionen, wie über Moses Maimon, Moses Mendelssohn und seine Zeit, die Hohenzollern und die Juden — von den Kollegen Brzefinski - Miloslaw, Heymann und Moops-Breslau — mit den Kindern der Iberstufe vorgeführt. Aus der Reihe der Vorlesungen seien noch angeführt: Petateuch - Exegese, Ethik der jüdischen Religionsphilosopheu, Homiletik mit praktischen Uebungen (Uebungspredigten hielten die Kollegen Dr. Gallandt und Rosenthal), Apolegetik des Mittelalters und über Trauergebräuche. Die kantoralen Uebungen für stimmlich besonders Befähigte wurden von Oberkantor Cerini geleitet, welcher in gewohnter Liebenswürdigkeit sich in letzter Stunde dazu bereit erklärte. Von den Teilnehmern selbst wurden über besonders interessierende Fragen Referate gehalten. So hielt Kollege Ster ein Referat über Vernunft und Glaube, Falkenstein und Haase über jüdisches Eherecht und Wechsler-Aschbach über den Schiur. Die mit großem Fleiße zusammengestellten Arbeiten fanden allgemeinen Beifall; die Kollegen wurden gebeten, ihre Referate einem größeren Kollegenkreise zugänglich zu machen. Nicht unerwähnt sei an dieser Stelle, daß Herr vr. phil. Behrens die Liebenswürdigkeit hatte, über das „Semitische im deutschen Wortschatz" einen Vortrag zu halten, der allgemeinem Interesse begegnete. Ferner sei mit Dank der freundlichen Einladung des „theolog.- liter. Vereines" gedacht, der die Teilnehmer zu einem Vortragsabend eingeladen hatte, an welchem das Thema „das Problem der Willensfreiheit in der modernen Philosophie von stad. Lewkowitz" in fesselnder Form erörtert wurde. Daran schloß' sich eine anregende Diskussion und darauf ein gemütlicher Kneip-'i abend. An den freien Nachmittagen wurden die Sehenswürdig-' keilen unserer Stadt, wie Museen rc. und die Wohlsah rtseinrichtungen unserer Gemeinde, als Krankenhaus, Alterversorgungsanstalt, Brockensammlung, Bibliothek in Augenschein genommen. Ganz besonderes Interesse fanden bei den Teilnehmern die Einrichtungen unseres Krankenhauses, welches wohl das zweckmäßigste in der Art auf dem Kontinent sein dürfte und vornehmlich der hingebenden Arbeitskraft eines Mannes, des Vorstehers Herrn Eduard Sachs, sein Entstehen zu verdanken hat. Die Teilnehmer waren über das im Kursus Gebotene voll befriedigt; dies konnte man besonders aus den Worten der Kollegen aus Oesterreich entnehmen, die sehnlichst wünschten, eine ähnliche Einrichtung dort ins Leben treten zu sehen. Unserer Gemeinde gebührt das große Verdienst, allein bisher den Lehrern die Möglichkeit nach Fortbildung in Religionswissenschaften durch Männer von Ruf und Bedeutung gegeben zu haben. Dank und Anerkennung den Männern daher, welche das Werk so unablässig gefördert haben, vor allen dem verdienstvollen Vorsitzenden des „Vereines israelit. Lehrer in Schlesien und Posen", Prof. Dr. Badt, ferner den Herren Dozenten, dem gelehrten Seminarrabbiner Prof. Dr. Lewy, Dr. Braun und Dr. Horovitz, wie den Herren Rabbiner Dr. Zuckermandel und Dr. Deutsch, die ihre Kräfte uneigennützig in den Dienst der Sache gestellt haben. Dank sei auch dem Vorstande unserer Gemeinde, dem D. I. G. B., den Vorstehern von Verbänden und einigen Provinzialgemeinden, wie Liegnitz, Beuthen und Kattowitz, ferner Privaten, so den Herren Louis Burgfeld, Eduard Sachs, Simon Scheye und Karl Leipziger, die immer bereit find, ein Werk zu unterstützen, das der Allgemeinheit zu Nutz und Frommen dienen soll und deren Hilfsbereitschaft nie versagt, wenn sie darum angegangen werden. Die Befriedigung über den guten Verlauf der diesjährigen Veranstaltung, die man von übelwollender Sekte hier glaubte zerstören zu können, kam auch an dem gemütlichen Abend vor Schluß des Kursus zum rechten Ausdruck. Bei dem Zusammensein waltete eine recht gehobene Stimmung; wiederholt hörte man, oft solche gemütliche Abende zu verleben. In Poesie und Prosa wurde der Männer gedacht, welche das Werk gefördert hatten, künstlerische Darbietungen mannigfacher Art füllten die Lücken aus. Ganz besonders sei an dieser Stelle des Fräuleins Menken und des Kollegen Brock gedacht, welche ihre poetische Gabe in den Dienst der Geselligkeit gestellt haben. — Am nächsten Tage reisten die Teilnehmer wieder ab. Manch Freundschaftsbund war während dieser Zeit geschloffen worden. Alle Teilnehmer werden mit Genugtuung von hier geschieden sein, Wiffen und Können bereichert und trotz angestrengter Geistesarbeit Tage der Annehmlichkeit und Freude im geselligen Verkehr mit gleichgesinnten Kollegen und Freunden verlebt zu haben. Zum Schluß wollen wir noch gern erwähnen, daß die Verlagshandlungen Kaufmann - Frankfurt a. M., Poppelauer- Berlin, Jos. Schlesinger-Wien, Guttentag-Berlin, Metzler- Stuttgart u. a. in dankenswerter Weise uns Neuerscheinungen auf dem Gebiete des jüdischen Religionsunterrichtes, die bei ihnen erschienen find, zur Kenntnisnahme übersandt hatten. Kollege Brzefinski hatte das Material übersichtlich geordnet und in kurzem Referate auf die Zweckmäßigkeit der einzelnen Werke hingewiesen. Auszeichnungen anläßlich des französische» Nationalfestes. Anläßlich des französischen Nationalfestes erhielten mehrere unserer Glaubensgenossen Auszeichnungen. Unter den vielen seien hier erwähnt: Oberstleutnant der Kolonial-Artillerie Bernard (ein Bruder des verstorbenen Bernard Lazare) wurde zum Kommandanten der Ehrenlegion ernannt. Das „Journal officiel" sagt über seine Verdienste: „24 Dienstjahre, 10 Schlachten, einmal besondere lobende Erwähnung im Tagesbefehl, hervorragende Dienste geleistet als Präsident der Kommission zur Feststellung der französisch-siamesischen Grenze (Dezember 1904 bis Mai 1907), welcke zur friedlichen Beilegung des Konfliktes zwischen Frankreich und Siam geführt haben. Oberstleutnant ^Bernard, der der jüngste seines Ranges in der französischen /Armee ist, ist jetzt auch der jüngste Kommandeur der Ehren- ' legion. Ferner wurden ernannt zum Offizier der Ehrenlegion Herr Henri Aron, Deputierter des zweiten Arondiffements von Paris, eines der eiftigsten Mitglieder des jüdischen Zentralkonfistoriums von Frankreich und des Konsistoriums von Paris, zum^Chevalier der Ehrenlegion Herr Schramek, Direktor des Departements für Disziplinarangelegenheiten im Ministerium des Innern. Ausgezeichnete Gelehrte. Die Pariser „Academie des Inscriptions et Belles- Lettres“ hat ihren diesjährigen Preis für das beste Werk über den Orient unserem gelehrten Glaubensgenoffen Moise Schwab für seine Arbeit „Hebräische Inschriften in Spanien" verliehen. Dieselbe Akademie hat auch dem Gelehrten Lazare Saineau der Institute de France für den Volney-Preis (1400 Francs) für sein Werk „L’argot Ancien4* (1455—1850) vorgeschlagen. Cin Monument für einen jüdischen Kapitän. In einem Städtchen in der Nähe von Paris, in Levallois- Perret, wurde dieser Tage das Denkmal des Kapitäns Salomon Braun, der im Alter von 30 Jahren im Dienste seines Vaterlandes den ehrenvollen Tod gefunden hatte, feierlichst enthüllt. Die Feierlichkeit wurde vom Marineminister M. Thomson eingeleitet. In glänzender Rede schilderte der Minister die Tapferkeit und Ausdauer des jungen Offiziers, der mit einer gefährlichen Mission betraut wurde und der Uebermacht unterlag. Salomon Braun wurde am 9. Juli 1868 in Levallois-Perret geboren. Er war das Kind sehr armer Eltern, sein Vater stammte aus Polen, seine Mutter war eine Elsäfferin. Unterstützt und gefördert durch Lehrer und Gönner wie Joses Derenbourg wurde ihm ein Freiplatz im Lycöe Carnot gewährt und wurde nach harter Arbeit und vielen Entbehrungen später in die Polytechnische Hochschule ausgenommen, die er nach Absolvierung derselben als Offizier der Marine-Artillerie verlaffen hat.

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